Zur Titelverteidigung fehlt nur noch ein Schritt

Von am 26. September 2007 – 18.42 Uhr 1 Kommentar

Fatmire BajramajDie deutsche Nationalmannschaft steht nach einem überlegenen 3:0-Sieg gegen Norwegen verdient im WM-Finale und muss nun nur noch einen Schritt gehen, um als erstes Team ihren Titel erfolgreich zu verteidigen. Im Finale trifft sie am Sonntag um 14 Uhr (live bei ZDF und Eurosport) auf den Sieger des morgigen Halbfinals zwischen den USA und Brasilien (14 Uhr live bei ARD und Eurosport).

Dabei sahen die 53.819 Zuschauer in Tianjin eine ausgeglichene erste Halbzeit mit leichtem Chancenübergewicht für Norwegen. Ein Eigentor von Trine Rønning drei Minuten vor der Pause brach den Skandinavierinnen dann aber das Genick. In der zweiten Halbzeit hatten sie nichts mehr zuzusetzen. Deutschland legte in Person von Kerstin Stegemann (72.) und Martina Müller (75.) konsequent nach und hätte am Ende sogar noch höher gewinnen können.

In den Anfangsminuten war beiden Mannschaften, die ohne Personalsorgen in die Partie gehen konnten, der gegenseitige Respekt anzumerken. Die Deutschen legten diesen jedoch früher ab und gingen forsch zu Werke. Zweimal Sandra Smisek (1./15.) und Renate Lingor (12.) hatten die ersten guten Torgelegenheiten.

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Deutschland frischer im Kopf

Norwegen hingegen hatte Mühe, sein gefürchtetes Offensivspiel aufzuziehen. Wenig ging über die Flügel, viele Bälle gingen früh verloren. Auch, weil die deutschen Spielerinnen früh attackierten und im Kopf wacher schienen. Aber auch, weil sich die Skandinavierinnen sichtbar wenig zutrauten.

Dies änderte sich erst nach etwa 20 Minuten. Eine Flanke von Marie Knutsen setzte Solveig Gulbrandsen mit dem Kopf neben den Kasten von Nadine Angerer, der mit nun fünf WM-Spielen in Folge ohne Gegentor ein neuer Rekord gelang. Dabei stand ihr in der 20. Minute auch das Glück etwas zur Seite, als sie bei einem Schuss von Leni Larsen Kaurin daneben griff und nur zur Ecke klären konnte. Doch als auch Solveig Gulbrandsens Direktabnahme in der 23. Minute zu zentral in den Armen von Angerer landete, nahmen die Angriffsbemühungen beider Seiten erstmal ein Ende.

Zwingende Torchancen waren jetzt nur noch Mangelware. Zu oft versuchte es die deutsche Mannschaft nun durch die Mitte. Kerstin Garefrekes hatte auf der rechten Seite starke Szenen, Melanie Behringer fand auf der linken Außenbahn jedoch überhaupt nicht ins Spiel und wurde noch fünf Minuten vor der Pause durch Fatmire Bajramaj ersetzt.

Bei den Norwegerinnen konnten sich die Außenstürmerinnen Leni Larsen Kaurin und Isabell Herlovsen gegen ihre starken Bewacherinnen Kerstin Stegemann und Linda Bresonik nur selten durchsetzen. Vor allem die junge Herlovsen schien einer Aufgabe dieser Tragweite noch nicht gewachsen und sah gegen Stegemann keinen Stich.

Krahn hat Gulbrandsen gut im Griff

Torjägerin Ragnhild Gulbrandsen war bei Annike Krahn, die statt der offiziell zur „Spielerin des Spiels“ gewählten Birgit Prinz diesen Titel verdient gehabt hätte, in guten Händen. Ihr gelang es, Gulbrandsen früh den Nerv zu ziehen. Ein entscheidendes Duell, das die Deutsche klar für sich entschied.

Kerstin StegemannAls nun alles auf ein friedliches und gerechtes Unentschieden zur Pause hindeutete, war Fortuna mit der deutschen Mannschaft im Bunde. Die Fortuna hieß – aus deutscher Sicht, denn sie selber wird es sicher nicht so sehen – Trine Rønning und bugsierte eine Flanke von Birgit Prinz unglücklich selbst vorbei an der verdutzten Bente Nordby in die Maschen.

Norwegen verpasst Chance zum sofortigen Ausgleich

Erneut hatte der Titelverteidiger zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt kurz vor der Pause getroffen. Um ein Haar hätten die Norwegerinnen diesen Vorteil eine Minute vor der Pause noch in einen Nachteil gewendet, als sie eine hochkarätige Chance im Strafraum nach einer Ecke von Ingvild Stensland, die Ariane Hingst auf der Linie klärte, vergaben. Die weiße Weste der deutschen Abwehr war in dieser Szene so sehr in Gefahr, wie sie es in der gesamten zweiten Halbzeit nicht mehr sein sollte.

Denn die Norwegerinnen hatten im zweiten Durchgang erschreckend wenig zuzusetzen. Der Kräfteverschleiß im Spiel gegen China und die kürzere Pause vor dem Halbfinal-Spiel mögen das zu Teilen erklären. Doch eines WM-Halbfinals war die Leistung der Berntsen-Elf im zweiten Durchgang nicht würdig.

Die deutsche Mannschaft spürte das und setzte früh nach, um den Norwegerinnen mit einem zweiten Tor endgültig den Zahn zu ziehen. Das wäre beinahe schon nach wenigen Sekunden gelungen, als Birgit Prinz Sturmkollegin Smisek mustergültig bediente, diese aber aus Nahdistanz über das Tor verzog.

Körperliche Defizite bei den Skandinavierinnen

Deutschland wartete nun kontrolliert ab, sah, dass Norwegen kein geordneter Spielaufbau gelang. Dass Berntsen schon nach 56 Minuten sein Wechselkontingent aufgebraucht hatte, nur eine Auswechslung war verletzungsbedingt, spricht auch für die körperlichen Probleme des Weltmeisters von 1995. Kamen sie dann mal in eine gute Schussposition, vergaben sie wie die eingewechselte Lise Klaveness in der 70. Minute kläglich. Jegliches Zutrauen in die eigene Stärke fehlte.

Das sah bei Deutschland ganz anders aus. Die Offensivbemühungen von Laufwunder Kerstin Stegemann wurden in der 72. Minute belohnt, als sie im Strafraum zum Schuss kam und zum 2:0 traf. Das Leder war noch abgefälscht, Bente Nordby war wie schon beim 0:1 machtlos. Nun war auch die letzte Gegenwehr der Norwegerinnen gebrochen und die eingewechselte Martina Müller erhöhte drei Minuten darauf nach einem kapitalen Fehler von Siri Nordby zum 3:0. Es war das 100. Tor dieser Weltmeisterschaft.

Fatmire Bajramaj, die ihre Chance nach der frühen Einwechslung nutzte und das deutsche Spiel mit Kreativimpulsen belebte, hatte in der 78. Minute sogar noch die Gelegenheit, sich ebenfalls in die Torschützenliste einzutragen, traf aber nur die Latte. Ein strammer Schuss von Marie Knutsen in der 90. Minute, den Angerer ohne größere Mühe parierte, war alles, was die Norwegerinnen zustande brachten.

Der Glaube an die eigene Stärke als Schlüssel zum Erfolg

Insgesamt ein verdienter Sieg für den Titelverteidiger, der allerdings erneut nicht über 90 Minuten gefordert wurde, was, so muss man es konstatieren, nicht für den Frauenfußball spricht. Immerhin haben wir ein WM-Halbfinale gesehen. Man musste sich teilweise daran erinnern.

Für die deutsche Nationalmannschaft spricht, dass sie sich erneut gegenüber dem Viertelfinale noch einmal steigern konnte. Ihr größter Vorteil gegenüber den Gegnern ist ihre Wachheit, die Aufmerksamkeit, die Kaltschnäuzigkeit im Abschluss – 8:4 Torschüsse für Norwegen, aber 3:0 für Deutschland – und der Glaube an die eigene Stärke. Das vorhandene Potenzial abzurufen, gelang nur ihr. Und damit stehen die Spielerinnen von Silvia Neid verdient im Finale der fünften Frauenfußball-Weltmeisterschaft.

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1 Kommentar »

  • schmidt sagt:

    Stolz und Anerkennung für den Sieg der deutschen Mädels gegen Norwegen und die gezeigten Leistungen bei der WM 2007 in China.
    Der Dank des DFB bedeutet jetzt schon 35.000 Euro WM-Prämie für jede deutsche Spielerin.

    Deutschland, die deutsche WM-Nationalmannschaft, stellt eine neue Marke und Messlatte zur WM im FF auf.
    Unsere beiden Nationatorhüterinnen Silke Rottenberg (2003) und Nadine Angerer (2007) liessen bislang über eine Nettospielzeit von 507 Minuten kein Gegentor zu. Das ist nach dem letzten WM-Spiel Deutschland – Norwegen der neue WM-Rekord.
    Der bisherige Rekordinhaber war China mit 442 Minuten zwischen 1999 und 2003.

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