Vorschau: USA – Brasilien

Von am 26. September 2007 – 11.45 Uhr 9 Kommentare

Die Halbfinalpartie der fünften Frauenfußball-Weltmeisterschaft zwischen den USA und Brasilien (Donnerstag, live ab 14.00 Uhr auf ARD und Eurosport) verspricht einer der großen Höhepunkte des Turniers zu werden. Die aufstrebenden Brasilianerinnen um Weltfußballerin Marta wollen mit feiner Technik den Powerfußball der Amerikanerinnen ins Leere laufen lassen.

„Brasilien ist das Koffein wert“, schrieb USA Today und rief seine Leser auf, sich diesen Leckerbissen im internationalen Fußball zu nachtschlafener Stunde in den Vereinigten Staaten nicht entgehen zu lassen. 22 Mal trafen die beiden Teams bisher aufeinander, 18 Mal gewann die USA, bei drei Remis. Nur einmal im Jahr 1997 gewannen die Amerikanerinnen nicht, damals behielt Brasilien mit 1:0 die Oberhand. Doch die Vorzeichen stehen nicht schlecht, dass sich das diesmal ändern könnte.

Im bisher letzten Aufeinandertreffen bei einem großen Turnier brachten die Brasilianerinnen den Gegner schon an den Rand einer Niederlage, im Finale des Olympischen Fußballturniers 2004 in Athen. Doch damals konnte das U.S.-Team den Kopf noch einmal aus der Schlinge ziehen und gewann 2:1 nach Verlängerung. Abby Wambach sorgte für die Entscheidung gegen ein Team, in dem die damals 17-jährige Marta bereits für Furore sorgte.

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USA:

Die USA steigerten sich bei der WM nach dem 2:2 gegen Nordkorea zum Auftakt im weiteren Turnierverlauf, seit 51 Spielen ist das Team unbesiegt. Allerdings offenbarte die Mannschaft von Trainer Greg Ryan bereits Schwächen in der Defensive. Im Juni traf man in einem Testspiel in New York/New Jersey aufeinander, der Weltranglistenerste gewann damals 2:0, Brasilien spielte allerdings ohne Marta.

Im Lager der Amerikanerinnen ist man optimistisch, dass das Halbfinale anders als vor vier Jahren diesmal nicht die Endstation bedeutet. „Ich erwarte wie im Juni ein sehr athletisches Spiel“, sagt U.S.-Trainer Greg Ryan. Allerdings rechnet er wegen Marta damit, dass Brasilien in der Offensive deutlich durchschlagskräftiger sein wird als noch vor ein paar Monaten.

Die kleine, quirlige Marta soll von U.S.-Verteidigerin Leslie Osborne gestoppt werden, die im Turnierverlauf auch schon Victoria Svensson und Kelly Smith neutralisierte. „Ich werde versuchen, dasselbe mit ihr zu tun“, so Osborne.

Brasilien:

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Brasiliens Trainer Jorge Barcellos weiß um die Schwere der Aufgabe. „Die USA haben eine ausgezeichnete Mannschaft und viele qualitativ hochwertige Spielerinnen. Ich kann das Ergebnis nicht vorhersagen, alles ist möglich.“ Allerdings hält Barcellos die einen Tag kürzere Regenerationsphase für sein Team für einen Nachteil. „24 Stunden sind für Fußballspielerinnen sehr wichtig.“

Die Brasilianerinnen haben mit dem Gegner noch eine Rechnung offen, denn das verlorene Finale des Olympischen Fußballturniers 2004 in Athen schmerzt noch immer. „Ein solches Gefühl überkommt einen irgendwie immer, wenn wir gegen die USA spielen“, räumt Marta ein.

Die Brasilianerinnen wollen im Spiel gegen die USA unnötige Fehler vermeiden, wie sie ihnen im Spiel gegen Australien unterliefen. „Dadurch haben wir uns das Leben selbst noch einmal schwer gemacht“, so Marta. Und so sollen mit Konzentration über 90 Minuten die USA in die Knie gezwungen werden.
 
Mein Tipp: 2:0 für die USA
Tipp Katja: 3:2 für USA nach Verlängerung

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

9 Kommentare »

  • Die Aufstellungen der beiden Mannschaften stehen fest. US-Trainer Greg Ryan sorgte in der Abschlusskonferenz für eine Überraschung, als er verkündete, dass Briana Scurry anstelle von Stammtorfrau Hope Solo, die in den ersten vier Spielen bis auf einen Fehler gegen Nordkorea eine gute Leistung zeigte, zwischen den Pfosten stehen wird.

    Die 36-jährige Scurry hat bereits drei Weltmeisterschaften gespielt, 162 Länderspiele auf dem Buckel, ist Weltmeisterin und zweifache Olympiasiegerin. Erfahrung pur also – war das der Grund für Ryans Entscheidung? „Ich habe mich schon vor Monaten mit Bri zusammengesetzt und ihr erklärt, dass ich sie für die Idealbesetzung für einige potenzielle Gegner bei dieser WM halte – unter anderem eben für Brasilien. Da muss man sich nur mal unser Freundschaftsspiel gegen Brasilien im Juni ansehen“, betonte Ryan.

    Die Aufstellungen:

    USA: Scurry – Rampone, Whitehill, Markgraf, Lopez – Boxx, Osborne, Chalupny – Lilly, Wambach, O’Reilly

    Brasilien: Andreia – Elaine, Aline, Tania, Renata Costa – Formiga, Maycon, Daniela, Ester – Cristiane, Marta

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  • Zur Pause steht es 2:0 für Brasilien. Wie schon gestern fiel das 1:0 durch ein Eigentor. Leslie Osborne war der Pechvogel der US-Girls (20.). Marta erhöhte sieben Minuten später auf 2:0.

    Bei den Brasilianerinnen haben die Abwehrspielerinnen Aline und Renata Costa bereits die zweite gelbe Karte im Turnierverlauf gesehen und werden im nächsten Spiel damit fehlen.
    edit: Die gelben Karten aus der Vorrunde wurden gelöscht, beide sind im Finale spielberechtigt.

    US-Mittelfeldspielerin Shannon Boxx wurde mit einer gelb-roten Karte des Feldes verwiesen, wobei die zweite klar unberechtigt war, da Cristiane ein Stürmerfoul begangen hatte.

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  • Play the Game sagt:

    Na dann freuen wir uns schon mal auf ein Finale Deutschland – Brasilien, denke da brennt nichts mehr an nach dem 3:0 durch Christiane

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  • Markus Juchem sagt:

    4:0 für Brasilien. Treffer von Marta und Cristiane besiegelten den Finaleinzug des brasilianischen Teams, das am Sonntag im Endspiel Gegner der deutschen Mannschaft sein wird.

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  • werkselfe sagt:

    die amis hätten bis morgen weiter spielen können, die hätten kein tor geschossen.

    ein absolut überheblicher auftritt der brasilannieren, gegen den die usa nichts entgegenzusetzen zu hatten. woran auch ein elfer und 11 spielerinnen nichts mehr geändert hätten. die gelb-rote der witz des jahres für mich.

    IV fällt gegen deutschland aus. wenn man die offensive einigermaßen gut zustellt und anfangs ordentlich dazwischen haut und sich respekt verschafft, den brasiliannerinnen die freude am spiel nimmt, sollte man eine chance auf den titel haben.

    christiane for fair play preis…

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  • Max Diderot sagt:

    4 Tore und ein hässlicher Vorfall

    Keine Frage, die Brasilianerinnen sind als verdiente Siegerinnen vom Platz gegangen. Und ob dieser Umstand auf die eigene Stärke oder die vornehmliche Schwäche der USA zurückzuführen war, wird sich je nach Betrachtungswinkel unterschiedlich erschließen. So schwach, so schnell sich ihrem sportlichen Schicksal ergebend, habe ich die (Nord-) Amerikanerinnen schon lange nicht, nein besser: überhaupt nie gesehen. Was für ein fußballerisches Waterloo!
    Die Brasilianerinnen hätten sich aber nicht nur mit dem Lorbeer des Sieges als mehr noch mit ungeteilter Sympathie über ihr Spiel schmücken können, wäre da nicht schon wieder und von Beginn an, diese misslungenen schauspielerischen Versuche festzustellen, die ausschließlich der Beeinflussung der Schiedsrichterin galten. Es ist für mich völlig unverständlich, weshalb ein Team wie die Südamerikanerinnen dergestalt auf dem Platz auftritt. Dieses Verhalten ist für mich die hässliche Fratze einer spieltechnisch tollen Mannschaft. Wozu dieser ganze Zinnober? Und mir ihrem intrigant-dämlichen Applaus hat Christiane dem Ganzen auch noch die Krone aufgesetzt. Hinter dieser unfairen Geste stelle ich deren eigene Leistung sowie die ihr anderen Mitspielerinnen, vor allem natürlich Martas tolle Einzelleistungen, zurück.
    Und bevor wieder das Orakel aufgesucht wird, um zu prognostieren, dass die deutsche Mannschaft gegen diese Brasilianerinnen keine Chance haben wird: Erstens kommt es anders und zweitens als man …

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  • rene sagt:

    kleine Korrektur: die beiden IV haben zwar die zweiten Gelben Karten gesehen, aber die Gelben aus der Vorrunde wurden gelöscht, d. h. sie werden spielen können.

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  • Christian sagt:

    Ich mag gar nichts über die Leistung der Brasilianerinnen schreiben: Durch den „Auftritt“ der Spielerin Christiane hat diese Mannschaft bei mir jegliche Sympathien verspielt.

    Es wäre vielleicht zu viel verlangt, dass sie dieSchiedsrichterin auf den tatschlichen Verlauf hinweist. Aber wozu die Aufforderung, Geldb zu zeigen, wozu die „zwei Finger“, um auf Gelb-Rot hinzuweisen?

    Und, im Ernst, ich hätte die Amerikanerinnen verstanden, wenn sie in der 2. Halbzeit bei zahlreichen Tanzeinlagen der Brasilianerinnen einfach mal zugetreten hätten.

    So viel Hochmut tut selten gut, vor allem nicht, wenn man den Gegner zuvor durch grobe Unsportlichkeit geschwächt hat.

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  • Rainer sagt:

    Ich hoffe, dass der Trainer Barcellos ein paar ernste Worte mit Cristiane spricht. Sie hat das doch nicht nötig, ist eine hervorragende Fussballerin. Und benimmt sich dann auch noch so, als ob da keine Kameras rundherum wären.

    Spielentscheidend war das dennoch nicht, was Greg Ryan jetzt gerne so analysiert. Spielentscheidend war sein Torwartwechsel wegen des Gegners.

    Ich glaube nicht, dass Sylvia Neid ihre Team umstellt und damit die Gegnerinnen stärker macht als sie ohnehin schon sind.

    Brasilien war in jeder Hinsicht besser und Marta hat mit dem 4:0 ein Tor gemacht, dass WM-Geschichte schreiben wird. Wie sie den Ball über sich und die Gegnerin lupft, dann in rasanter Geschwindigkeit noch eine Amerikanerin stehen lässt und dann mit dem „schwachen“ rechten Fuss platziert trifft, das macht ihr niemand nach.

    Ich zweifle kaum daran, wer 2007 Weltfussballerin des Jahres wird: „Världens bästa Marta“, wie man in Schweden in Anspielung auf den besten Karlsson der Welt (den von Astrid Lindgren) gerne schreibt. Ich hoffe nur, dass sie der Damallsvenskan wenigstens noch 2008 erhalten bleibt. Am 2. November werde ich sie treffen und ich freue mich jetzt noch mehr darauf als heute Morgen.

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