Vorschau: Deutschland – Norwegen

Von am 26. September 2007 – 13.00 Uhr 7 Kommentare

Birgit Prinz beim Interview mit dem norwegischen Sender NRK 1Wenn heute um 14 Uhr in Tianjin (live bei ARD, Eurosport und beim norwegischen Fernsehen live im Internet) Deutschland und Norwegen um den Einzug ins WM-Finale kämpfen, haben wir eine packende Partie zu erwarten. Sowohl Norwegen als auch Deutschland wurden bereits einmal Weltmeister. Bei Norwegen liegt das zwölf Jahre zurück, Deutschland sicherte sich vor vier Jahren den WM-Pokal. Nummer zwei soll jetzt in China folgen.

11:4 Tore heißt es nach vier Spielen bei Norwegen, 16:0 lautet das beeindruckende Torverhältnis der deutschen Mannschaft. Dementsprechend strotzen beide Seiten vor Selbstvertrauen und haben nur noch ein Ziel: WM-Gold.

Im direkten Duell hat Deutschland mit 12 Siegen gegenüber 11 von Norwegen in 28 Spielen hauchdünn die Nase vorne. Man kennt sich gut, hat gerade erst in diesem Jahr zweimal gegeneinander gespielt. Im März an der Algarve behielt Norwegen mit 2:1 die Oberhand, Ende August gab es in Mainz ein für die deutsche Mannschaft schmeichelhaftes 2:2-Unentschieden. „Jeder weiß vom anderen alles“, sagt Bundestrainerin Silvia Neid.

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Deutschland:

An die Partie vor vier Wochen haben die Norwegerinnen die klar besseren Erinnerungen. „Wir waren immer einen Schritt zu spät, so kann man gegen Norwegen nicht spielen.“ Dennoch will Neid die Bilder aus Mainz nicht mehr hervorkramen, zur Vorbereitung sollen nur die bisherigen WM-Auftritte der Truppe von Bjarne Berntsen analysiert werden.

„Es gilt, die Räume eng zu machen, damit die Norwegerinnen nicht dazu kommen, die gefährlichen, langen Bälle in die Spitze zu schlagen“, fasst Kerstin Garefrekes zusammen. Die Frankfurterin, der gegen Nordkorea der wichtige Führungstreffer gelang, wird erneut auf der rechten Seite auflaufen, da das zentrale Mittelfeld voll einsatzbereit ist. Die gegen Nordkorea arg lädierte Simone Laudehr ist ebenso fit wie Vertreterin Saskia Bartusiak, die das Training wieder aufgenommen hat.

Sollte sich niemand verletzen, soll in Tianjin die Elf beginnen, mit der die Bundestrainerin in Wuhan so zufrieden war. Das bedeutet, dass Annike Krahn erneut in der Innenverteidigung den Vorzug vor Sandra Minnert erhält. Linda Bresonik wird auf der linken Abwehrseite die Position einnehmen, auf die es heute am meisten ankommen könnte. Denn Norwegens starke Seite ist die rechte, Lene Larsen Kaurin war bislang noch von keiner Abwehr in ihrem Vorwärtsdrang zu stoppen (siehe Teamvergleich). Minnert, die gegen Nordkorea kurz vor Spielende für die angeschlagene Essenerin ins Spiel kam, steht als Alternative bereit.

„Es können Nuancen entscheiden“, macht Silvia Neid klar, wie bedeutend morgen die Tagesform sein wird. Neben DFB-Präsident Theo Zwanziger, der wieder auf sein Glücksamulett vertraut, das er in Shanghai von einem Taxifahrer geschenkt bekam, sind auch einige Bundesliga-Trainer und -Manager vor Ort. An gedrückten Daumen sollte es also nicht mangeln.

Norwegen:

Ein wichtiger Schub für das Selbstvertrauen der Norwegerinnen sollte der 1:0-Erfolg über Gastgeber China im Viertelfinale gewesen sein. Die Berntsen-Elf, sichtlich beeindruckt von der imposanten Kulisse, die die 52.000 Zuschauer boten, hatte dort zwar nicht ihren besten Fußball gezeigt, aber der Nervenbelastung standgehalten. Die Unterstützung, die heute Deutschland als Gegner des chinesischen Bezwingers zuteil werden wird, wird also kein neues Phänomen mehr sein.

Eine ruhigere, abgeklärtere Leistung, vor allem in der Abwehr, wird gegen Deutschland auch nötig sein. Viel hängt von Mittelfeldstrategin Ingvild Stensland ab, die sich gegen China ungewohnt viele Abspielfehler erlaubt hatte. Wenn die Deutschen Spielerinnen vor den langen, weiten Bällen warnen, dann ist damit vor allem die 26-Jährige gemeint, die seit diesem Jahr ihre Fußballschuhe für Kopparbergs/Göteborg schnürt.

Die Kohlen aus dem Feuer hatte statt den erfahrenen Kräften wie Stensland oder Solveig und Ragnhild Gulbrandsen am Sonntag die erst 19-jährige Isabell Herlovsen geholt. Nach ihrem Tor und ihrer starken Leistung dürfte sie auch heute gegenüber Melisaa Wiik im Sturm die Nase vorne haben. Lene Mykjåland ist noch nicht wieder gesund und muss die Tage in China noch separiert von ihren Teamkolleginnen verbringen.

Ansonsten vertraut Berntsen auf seine eingespielte Elf, in die sich binnen kurzer Zeit auch Camilla Huse auf der linken Abwehrseite gespielt hat. Sie soll sich um Kerstin Garefrekes kümmern und sich dabei möglichst keine Fehler erlauben. „Schwerer als gegen Deutschland kann es nicht werden. Die machen Tore aus dem Nichts. Da müssen wir hellwach sein“, schwört Solveig Gulbrandsen ihre Mitspielerinnen ein.

Die 26-Jährige wird erneut mit Bandage spielen müssen, doch zu verzichten, kommt für sie nicht in Frage, denkt doch auch sie noch an die Niederlage gegen Deutschland im EM-Finale 2005 zurück. Damals sei man zu glücklich gewesen, überhaupt das Finale erreicht zu haben, meint sie heute: „Aber ich garantiere Ihnen, dass es diesmal anders sein wird!“

Kapitänin Ane Stangeland Horpestad setzt noch einen drauf und korrigiert die anfängliche Zielsetzung, das Olympia-Ticket zu lösen und die Halbfinals zu erreichen, nach oben: „Wir wollen Weltmeister werden!“ Gelingt das, gibt es 95.000 Norwegische Kronen vom Verband. Das sind 12.000 Euro, also knapp ein Viertel der Summe, über die sich die deutschen Spielerinnen freuen dürften.

Info: Wer die Partie nicht live bei ARD oder Eurosport verfolgen kann, kann die Live-Sendung des norwegischen Fernsehens im Internet empfangen.

Mein Tipp: 2:1 für Norwegen
Tipp von Markus: 2:1 für Norwegen

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7 Kommentare »

  • Max Diderot sagt:

    Oops! Härter kann uns auch nicht die gewissenhafteste journalistische Investigation vor Augen führen, was der Stärken-Schwächen-Saldo in zwei biederen Zahlen zum Ausdruck bringt: die deutsche Mannschaft ist den Norwegerinnen unterlegen! Und die zelebrieren schon einmal fröhliche Urständ und lassen im Elfmetertraining (bildlich gesprochen) die Sau raus: knallharte Schüsse dehnen das Tornetz, jubelnde Spielerinnen und entspannte Trainer. Für wen und was? Klar, in einem möglichen Endspiel gegen die USA oder Brasilien könnte es zu diesem schlussendlichen Finale grandioso kommen. Und nachdem die Wikingerinnen die Teutoninnen eliminierten, dafür den ehrerbietigsten Dank der obersten FIFA-Blattlaus erhielten, könnte sie auch ein Misserfolg gegen die amerikanische Konkurrenz nicht von der Überzeugung abhalten, die wahren Heldinnen dieser Fußball-Opera zu sein: Weltmeister-Besiegerinnen!
    Und wir, die Anhänger des deutschen Team, die wir trotz dieser essayistischen Desillusion, diesem 5:6-Manko eines vorherigen Artikels und den publizierten Tipps, finden nur dort Trost, wo uns alle Welt ortet: im philosophischen Jenseits. Und Unterstützung kommt, wie so häufig, von einer Frau. Und wen protegiert sie, natürlich einen Mann! „Heidegger denkt nicht über etwas, Heidegger denkt etwas.“ sprach seinerzeit Hannah Arendt und möchte diese Erkenntnis der Neidschen Equipe mit auf den Weg geben

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  • Detlef sagt:

    Ich kanns leider nicht so poetisch wie Max!!!
    Es könnte sicher alles so geschehen, wie Ihr es geschrieben habt!!!
    Ich war bis letzten Samstag immer einer der großen Pessimisten, was das Leistungsvermögen der deutschen Truppe angeht!!! Völlig überzeugt, haben sie mich noch immer nicht, ABER, ich bin jetzt durchaus bereit daran zu glauben, dass der Titelverteidiger auch diese harte Klippe umsegeln wird, wenn auch mit leckgeschlagenem Kiel!!!
    Die norwegische Offensive, hat mich gegen China nicht wirklich vom Hocker gerissen!!! Aber sie bleibt trotzdem latent gefährlich!!!

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  • Die Aufstellungen der beiden Mannschaften:

    Deutschland:
    Angerer – Stegemann, Krahn, Hingst, Bresonik – Garefrekes, Laudehr, Lingor, Behringer – Smisek, Prinz

    Norwegen:
    B. Nordby – Huse, Stangeland Horpestad, Rønning, Folstad – S. Gulbrandsen, Stensland, M. Knutsen – Herlovsen, R. Gulbrandsen, Larsen Kaurin

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  • Zur Halbzeit steht es 1:0 für Deutschland. Trine Rønning bugsierte in der 43. Minute eine Flanke von Birgit Prinz ins eigene Tor.

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  • Am Ende gewinnt Deutschland mit 3:0! Kerstin Stegemann (72.) mit einem abgefälschten Schuss und die eingewechselte Martina Müller (75.) erhöhten auf den 3:0-Endstand. Norwegen hatte in der zweiten Halbzeit nichts mehr zuzusetzen und unterliegt dem amtierenden Weltmeister damit auch in dieser Höhe verdient.

    Deutschland trifft nun am Sonntag um 14 Uhr (ZDF und Eurosport live) auf den Sieger des morgigen Halbfinals zwischen Brasilien und den USA.

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  • Soccer_vom_Hocker sagt:

    SUUUPPPPEEEERRRR!!!

    Ohne Gegentor ins Finale der Weltmeisterschaft!! Ausgerechnet Kerstin Stegemann macht das 2:0 – Wahnsinn! Besonders herrlich war Martina Müller’s Treffer zum 3:0. Die Antwort der Bundestrainerin auf die Frage, welcher Gegner ihr denn nun lieber wäre: „Mir egal“ – genau so ist es! Egal wer jetzt kommt, ob Brasilien oder die USA, sie müssen diese deutsche Mannschaft fürchten und nicht umgekehrt. Ich bin ob dieser geschlossenen Mannschaftsleistung sehr optimistisch für den Ausgang dieses Finales in Shanghai.

    Also Mädels (frei nach Shakespeare): „Noch einmal stürmt, noch einmal…“

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  • Max Diderot sagt:

    Mir hat das Spiel gut gefallen. Und damit meine ich die Vorstellung beider Teams. Den Norwegerinnen war in der zweiten Halbzeit anzumerken, wie sie mental blockiert, durch den unglücklichen Gegentreffer, keine Kraft mehr fanden um dem Match noch eine Wende zu geben. Nur ein unverhoffter Treffer hätte sie aus diesem tiefen Tal der Tränen holen können.
    Dem Neidschen Kommunique, „… stolz auf das Spiel der Mannschaft …“ zu sein, kann man sich nur anschließen, zumal auch ihre größten Gönner, die Gegner wussten’s eh, in dem Erfolg erkannt haben mögen, dass das Gute der Feind des Besseren ist. Wie in so manchen Partien der Frauenfußballbundesliga scheint die Damenherzen, vor allem aber ihre Füße, nichts mehr zu erfreuen, als den Ball mit Schmackes alle möglichen Richtungen zu geben abseits des eigenen Tores. Kontrolle schaut manchmal anders aus. Aber ich will wirklich kein Wasser in den Wein schütten, denn ich freue mich ob des Erfolges.
    Apropos: Ich vermute, die journalistischen Voraussagen, dass Norwegen obsiegen würde, waren nur ein Umkehrschluss der eigenen Erwartungen. Wenn diese Hypothese zutrifft, sollten auch die kommenden Finalgegnerinnen dieses Privileg genießen.

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