Vorschau: Brasilien – Australien

Von am 23. September 2007 – 10.15 Uhr 11 Kommentare

Australien„Sie haben eine gute Mannschaft, aber sie sind nicht unschlagbar“, sagt Australiens Trainer Tom Sermanni vor dem WM-Viertelfinale gegen Brasilien am Sonntag um 14.00 Uhr (ab 17.05 Uhr auf Eurosport oder live im norwegischen Fernsehen) über seinen Gegner.

Und in der Tat: Bei allen Vorschusslorbeeren hat Brasiliens bisheriger Durchmarsch von drei Siegen in drei Spielen und einem Torverhältnis von 10:0 einen Nachteil. Echt gefordert wurde das Team von Weltfußballerin Marta bisher noch nicht.

Doch dieser Härtetest dürfte dem Team von Trainer Jorge Barcellos nun bevorstehen, denn die Australierinnen haben im bisherigen Turnierverlauf bei den Remis gegen die starken Teams aus Norwegen und Kanada bewiesen, dass sie mehr sind als nur ein Außenseiter.

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Im Rahmen einer Frauenfußball-Weltmeisterschaft haben sich die Wege der beiden Teams bisher noch nicht gekreuzt. Allerdings traf man zweimal bei Olympischen Spielen aufeinander. 2000 in Sydney gewann Brasilien mit 2:1, 2004 in Athen behielten die Südamerikanerinnen mit 1:0 die Oberhand.

Brasilien:

Drei Spiele, drei Siege, 10:0-Tore – der bisherige Turnierverlauf war für die Brasilianerinnen nicht viel mehr als ein Spaziergang. Nur in der ersten Halbzeit des Spiels gegen China wurden sie bisher ansatzweise gefordert. „Wir sind hierher gekommen, um Geschichte zu schreiben“, lässt Trainer Jorge Barcellos keine Zweifel an der Zielsetzung aufkommen.

Allerdings räumt er ein: „Jedes Team, das jetzt noch im Turnier ist, ist gut genug, um den Titel zu holen.“ Mit attraktivem Offensivfußball wollen die Brasilianerinnen den aufstrebenden Australierinnen aber ein Bein stellen. Mit schnellen Kombinationen will man die Verteidigung der Matildas aus den Angeln heben.

„Brasilien ist nicht nur Marta. Wir haben viele andere Spielerinnen“, betont Barcellos nimmermüde. Dennoch: Wer es schafft, Marta aus dem Spiel zu nehmen, der ist dem Erfolg schon ein großes Stück näher gekommen. Denn obwohl das Team über zahlreiche gute Spielerinnen verfügt, kommt Marta eine Ausnahmerolle zu.

In der Heimat in Brasilien scheint man den Fußballdamen nach wie vor keine große Aufmerksamkeit schenken zu wollen. Einen Vorbericht auf das Spiel sucht man auf der offiziellen brasilianischen Website vergeblich, zu einer kurzen Ankündigung des Spiels mit nicht einmal 100 Wörtern hat man sich aber immerhin hinreißen lassen. Die Begeisterung nach dem Gewinn der Panamerikanischen Spiele scheint wieder verflogen zu sein.

Australien:

Zum ersten Mal steht Australien im Viertelfinale einer Frauenfußball-Weltmeisterschaft. Spielführerin Cheryl Salisbury sagt: „Das freut mich sehr für unsere Truppe.“ Bei dem Sieg gegen Ghana und den Remis gegen Norwegen und Kanada deutete man an, dass die Mannschaft für jeden Gegner ein ganz harter Brocken ist.

Mit schnellem Spiel will Trainer Sermanni den Gegner Probleme bereiten. „Wenn wir hinten diszipliniert stehen und Marta neutralisieren können, nehmen wir ihnen schon einiges an Stärke weg“, so der Schotte. „Mit unseren schnellen Stürmerinnen können wir ihnen Probleme bereiten.“

Eines darf nach Sermannis Meinung nicht passieren. „Wenn wir uns zurücklehnen und sie spielen lassen, dann werden sie uns Probleme bereiten.“ Er warnt vor Marta: „Sie ist keine Spielerin für 90 Minuten, aber man darf sie nie aus den Augen verlieren. Wenn man auch nur ein bisschen unkonzentriert wird, ist sie plötzlich da und der Ball zappelt im Netz.“

Vor dem Spiel plagen Australien personelle Sorgen. Thea Slatyers Einsatz ist ebenso fraglich, wie der von Torhüterin Melissa Barbieri und Spielführerin Cheryl Salisbury. Doch mit Hilfe der Physiotherapeuten will man zumindest die beiden Letztgenannten wieder fit bekommen. „Ich denke, wir haben im Spiel gegen Brasilien weniger Druck als gegen Kanada. Niemand erwartet etwas von uns. Hoffentlich unterschätzt uns Brasilien“, so Sermanni.

Info: Auch dieses Spiel wird live vom norwegischen Sender NRK 1 übertragen. Diesen könnt ihr hier empfangen.

Mein Tipp: 2:0 für Australien
Tipp Katja: 3:2 für Australien

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

11 Kommentare »

  • Markus Juchem sagt:

    Brasilien führt zur Halbzeit mit 2:1. Ein Torwartfehler von Melissa Barbieri sorgte für die schnelle Führung der Brasilianerinen durch Formiga. Marta erzielte durch einen unberechtigten Foulelfmeter das 2:0, Lisa de Vanna konnte verkürzen. Australien muss zudem ohne Spielführerin Cheryl Salisbury auskommen, die mit einer Verletzung vom Platz musste.

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  • Markus Juchem sagt:

    Brasilien zieht mit einem 3:2-Sieg gegen Australien ins Halbfinale ein und trifft dort am Donnerstag auf die USA. Nach dem Ausgleich durch Colthorpe erzielte Cristiane mit einem Schuss von der Strafraumgrenze eine Viertelstunde vor Schluss den Siegtreffer.

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  • Rainer sagt:

    Eure Tipps sind immer sehr gewagt, würden aber sicher gute Quoten geben, wenn sie aufgehen würden…

    Nein, für mich keine Überraschung, dass nun die vier Gruppensieger das Halbfinale bestreiten.

    Selbst Brasiliens knappes 3:2 gegen Australien ändert nichts daran, dass die grossen Vier das Turnier bislang dominiert haben. Dass man die Australierinnen noch einmal herankommen liess, lag an dem katastrophalen Abspielfehler von Renata und daran, dass Brasilien gegen vermeintlich (und wirklich) schwächere Gegner oft den Schlendiran einkehren lässt.

    Gegen die USA wird das anders sein und ist auch vonnöten.

    Norwegen zeigte eine grandiose Abwehrleistung gegen China und hatte von allen vieren auch die schwerste Aufgabe, da der Gastgeber immer sehr schwer zu spielen ist.

    Nach den gezeigten Leistungen deutet sich ein Finale Deutschland – USA an, wenngleich ich mir Norwegen – Brasilien wünschen würde.

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  • Markus Juchem sagt:

    Heute darf sich Brasilien allerdings auch bei einer Deutschen bedanken, die einen unberechtigten Elfmeter gegeben hat, und unerklärlichweise trotz zahlreicher Auswechslungen und einer längeren Verletzungsunterbrechung nur zwei Minuten nachspielen ließ.

    Wenn man sagt, Brasilien ist durch einen Abspielfehler noch einmal in Gefahr gekommen, muss man aber auch sagen, dass man durch einen individuellen Fehler von Melissa Barbieri und durch den eben unberechtigten Elfmeter 2:0 in Führung gegangen ist.

    Dass dann Australien trotz des zusätzlichen Handicaps der Verletzung von Spielführerin Cheryl Salisbury noch einmal ins Spiel kam, ist umso bemerkenswerter.

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  • Max Diderot sagt:

    Den Elfmeter der Brasilianerinnen halte ich für gerechtfertigt. In der Zeitlupe konnte man erkennen, dass die australische Spielerin im äußersten Quadranten des Sechzehners noch einmal den Fuß ihrer Kontrahentin trifft. Unbeschadet dieser Minimalität fände ich es gut, wenn die Referees in solch kniffligen Situationen immer pro Angreifer entscheiden. Irgendwann wird es sich dann herum gesprochen haben und die Abwehr wird fairer und damit erfolgreicher sein.
    Zum Spiel selbst: Mir hat dieser Teamspirit der Australierinnen sehr gefallen. Die „Waltzing Matildas“ hätten es auch verdient gehabt ins Semifinale einzuziehen. Die Brasilianerinnen waren in einigen Momenten einen Tick in ihrer individuellen Klasse besser. Für mich sind Brasilien und Australien jene beiden Mannschaften die in den vergangenen vier Jahren den größten Entwicklungssprung im Frauenfußball gemacht haben. Hinsichtlich der Damen vom fünften Kontinent reicht ja der Vergleich der WM-Ergebnisse von 2003 (Gruppenletzter) und 2007 (Viertelfinale), um die Aussage zu untermauern.
    Bei den Brasilianerinnen ist es ein wenig diffiziler und hier unternehme ich die Quadratur des Kreises. Warum? Der Spielstil der brasilianischen Mannschaft gefällt mir nicht! Er hat etwas besitzergreifend agressiv-maskulines gepaart mit einer operettenhaften Divenhaftigkeit. Dieser Widerspruch per se missfällt mir. Ähnliche Rezeption empfinde ich im Spiel der männlichen Seleção. Den Brasilianerinnen kreide ich auch ihre vorgebliche Mimosenhaftigkeit an, wenn sie im Tackling den Ball verlieren, zuerst einmal der Schiedsrichterin signalisieren zu wollen, dass ihnen qua Herkunft das Spielgerät nicht zu nehmen sei. Ich gestehe, ich bin ein wenig polemisch, und trotzdem hege ich großen Respekt für die Leistung der Brasilianerinnen im bisherigen Turnierverlauf. Möglicherweise werden sie sogar das Finale erreichen, denn die Partie gegen die USA wird ein Spiel zweier gleichrangiger Mannschaften werden.

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  • Markus Juchem sagt:

    Für mich bleibt es auch nach mehrmaligem Ansehen eine klare Fehlentscheidung. Entscheidend ist ja das initiale Foul, das die brasilianische Spielerin ins Straucheln bringt und das war ganz klar außerhalb, mindestens einen Meter vor der Strafraumlinie. Deswegen bin ich auch nicht der Meinung, dass es eine knifflige Situation war.

    Die Brasilianerinnen haben es auf jeden Fall verdient, ins Halbfinale einzuziehen, weil die Australierinnen in einer Vielzahl ihrer Aktionen zu harmlos waren und auch zu viele Fehlpässe produziert haben. Eine Gesamtschussstatistik von 23:4 und eine Torschussstatistik von 14:2 kommt nicht von ungefähr.

    Trotzdem hat mich die Leistung Brasiliens erneut nicht vollends überzeugt und ich glaube nicht, dass das Team im Halbfinale gegen die USA bestehen wird.

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  • Rainer sagt:

    Hab mir jetzt noch mal die Szene vor dem Elfer angeschaut. Aus der Seitenperspektive nicht zu entscheiden, ob das Foul an Renata vor oder hinter der Strafraumgrenze ist. Von der Hintertorkamera aus scheint es tatsächlich vor dem Strafraum gewesen zu sein.

    Der Schiedsrichterin ist hier kaum ein Vorwurf zu machen und abschliessend kann man das auch kaum entscheiden. Ich neige dazu, Max Diderot zuzustimmen, dass die Angreiferin in solchen Situationen geschützt werden sollte.

    Wie auch immer, Australien war in diesem Turnier wirklich klasse und neben Nordkorea und vor England und China die Nummer 5.

    Zunächst hatte ich gehofft, dass ein Club aus der Damallsvenskan Lisa De Vanna rekrutiert, aber dann las ich im Sydney Morning Herald einen Artikel, bei dem sie zwar als der australische Maradona gefeiert wird, aber nicht nur des Talents, sondern leider auch der Launen wegen. Wie auch immer, hat sie hier toll gespielt. Der Artikel ist auf http://www.smh.com.au/news/football/touch-of-maradonas-about-matildas/2007/09/17/1189881433819.html zu finden.

    Ich freue mich auf die beiden Halbfinals.

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  • Detlef sagt:

    Ich wieder spreche Dir Markus, und gebe Rainer recht!!!
    Die Brasilianerinnen haben auch gegen die „Mathildas“ noch nicht ihr wirkliches Können zeigen müssen!!! Die Amerikanerinnen werden ihnen wohl zum ersten Mal alles abverlangen, was sie drauf haben, und da ist absolut kein Platz für den Schlendrian!!!
    Und es reicht auch nicht, wenn man es denn wirklich schaffen sollte, eine Marta kalt zu stellen!!! Da gibt es noch genug andere Klasse-Spielerinnen, auf die es zu achten gilt!!!
    Auch die US-Girls, haben sich noch nicht viel mit Ruhm bekleckert, und haben vor allem gegen Nordkorea gezeigt, dass sie nicht unbezwingbar sind!!!

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  • Markus Juchem sagt:

    Da bin ich mir nich so sicher. Selbst Daniela hat ja nach dem Spiel wörtlich gesagt: „Wir sind in dieser Partie bis ans Limit gegangen.“ Ich glaube nicht, dass das nur Understatement war.

    Marta kann glänzen, wenn man ihr Zeit und Raum gibt, aber schon heute war nicht allzuviel von ihr zu sehen. Die Amerikanerinnen werden ihr im Halbfinale recht schnell den Zahn ziehen. Mich würde es schon sehr wundern, wenn die USA gegen diese brasilianische Mannschaft ausscheiden würden.

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  • Rainer sagt:

    Marta ist nie ganz auszuschalten, ebensowenig wie etwa Abby Wambach. Eine von den beiden wird das Spiel entscheiden. Ich glaube wie schon gesagt an ein Finale Deutschland – USA. Vor dem Viertelfinale war mein Finaltipp noch Norwegen – Brasilien.

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  • Markus Juchem sagt:

    Da glaube ich eher an Wambach. Mein Finaltipp ist wie schon vor Turnierbeginn Norwegen gegen USA.

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