Norwegen und Brasilien zittern sich ins Halbfinale

Von am 23. September 2007 – 18.19 Uhr

Spielszene Brasilien gegen AustralienDie vier Halbfinalisten der fünften Frauenfußball-Weltmeisterschaft stehen fest. Nach Deutschland und den USA am Vortag, komplettieren Norwegen und Brasilien das Teilnehmerfeld. Doch die beiden Teams taten sich in ihren Spielen gegen Gastgeber China und Australien deutlich schwerer, als die beiden führenden Teams der Weltrangliste am Samstag.

Norwegen konnte sich glücklich schätzen, dass die von 52.000 Zuschauern in Wuhan frenetisch angefeuerten Chinesinnen wie schon so oft in der Vergangenheit fahrlässig mit ihren Chancen umgingen, und die nervös agierenden Norwegerinnen nur selten ernsthaft in Bedrängnis brachten.

Dabei war es eine gebürtige Deutsche, die mit ihrem Treffer maßgeblich am Erfolg der Norwegerinnen beteiligt war. Und auch in Tianjin taten eine Deutsche und die frühere Wolfsburgerin Cristiane das Ihre dazu, dass Brasilien ins Halbfinale vorstieß.

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Denn die Auriverdes brauchten trotz Überlegenheit gegen die Matildas zwei schöne Distanzschüsse und die gütige Mithilfe der deutschen Schiedsrichterin Christine Beck, die den Brasilianerinnen einen unberechtigten Elfmeter schenkte, um sich gegen die Australierinnen knapp durchzusetzen.

Herlovsen erzielt Treffer des Tages

Die erst 19-jährige Isabell Herlovsen, in Mönchengladbach geborene Tochter des früheren 118-fachen Bundesligaspielers Kai-Erik Herlovsen, erzielte in der 32. Minute den goldenen Treffer des Tages, als sie einen groben Abwehrschnitzer von Wang Kun nutzte und den Ball ins Netz des gegnerischen Tores beförderte.

„Das war einfach fantastisch. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, was mir in diesem Moment durch den Kopf gegangen ist“, so Herlovsen nach dem Spiel immer noch ganz aufgeregt. Ansonsten setzten die erstmals nur mit einer Stürmerin angetretenen Gastgeberinnen die Akzente, doch sie versäumten es, ihre Chancen in Zählbares umzumünzen. Entweder vergaben sie beste Torgelegenheiten nachlässig oder fanden ihre Meisterin in Norwegens Torhüterin Bente Nordby, die sich gegenüber der Vorrunde merklich steigerte und viel Sicherheit ausstrahlte.

Stensland verpasst frühe Entscheidung

Ein Distanzkracher von Ingvild Stensland in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit hätte früh für die Entscheidung sorgen können, doch der Ball krachte an die Latte. Die Norwegerinnen wirkten in ihren Aktionen oft hektisch und überhastet, sie schienen von der lautstarken Kulisse auf den Rängen mächtig beeindruckt zu sein. Doch das Team von Trainer Bjarne Berntsen brachte die knappe Führung mit Glück und Geschick über die Zeit und blieb dabei zum ersten Mal im Turnierverlauf ohne Gegentreffer.

Ein glücklicher norwegischer Trainer Bjarne Berntsen meinte nach dem Spiel: „Es war ein gutes Spiel von beiden Mannschaften. Wir haben einen Abwehrfehler der Chinesinnen ausgenutzt. Aber häufig werden große Spiele durch einen einzigen Fehler entschieden.“ Chinas Trainerin Marika Domanski-Lyfors haderte mit dem Schicksal: „Wir waren stark in der Defensive, aber ein individueller Fehler hat die Partie entschieden. Solche Dinge passieren.“

Brasilien siegt verdient, aber ohne Glanz

In Tianjin entwickelte sich zwischen Brasilien und Australien eine spannende, wenngleich nicht gerade hochklassige Auseinandersetzung. Formiga brachte Brasilien früh mit einem 20-Meter-Schuss in Führung (4.), wie schon im Spiel gegen Kanada leistete sich Australiens Torhüterin Melissa Barbieri einen groben Schnitzer.

Schon früh musste Australien das Aus von Spielführerin Cheryl Salisbury verdauen, die bereits nach 20 Minuten mit einer Wadenverletzung vom Feld musste. Die australische Abwehr wirkte fortan häufig desorganisiert, Brasilien kam immer wieder gefährlich vor das gegnerische Tor, häufig jedoch, ohne sich zwingende Chancen zu erarbeiten.

Unberechtigter Elfmeter

Als dann Deutschlands Schiedsrichterin Christine Beck ein Foul außerhalb des Strafraums fälschlicherweise mit einem Elfmeter ahndete, schien die Partie bereits gelaufen, Marta verwandelte sicher (23.).

Doch Lisa de Vanna nutzte reaktionsschnell einen Schnitzer von Renata zum Anschlusstreffer (36.), Brasiliens Torfrau Andreia musste nach 881 Minuten erstmals seit dem Finale der Olympischen Spiele von Athen 2004 wieder hinter sich greifen. Und die Australierinnen wurden für ihren Kampfgeist ein zweites Mal belohnt. Als Lauren Colthorpe in der 68. Minute den Ausgleich erzielte, drohte das Spiel zu kippen.

Doch die Brasilianerin Cristiane ließ an der Strafraumgrenze drei Verteidigerin aussteigen und sorgte mit einem sehenswerten Treffer eine Viertelstunde vor Schluss für die Entscheidung.

Am Mittwoch um 14.00 Uhr bestreiten Deutschland und Norwegen das erste Halbfinale, am Donnerstag um 14.00 Uhr treffen die USA und Brasilien aufeinander.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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  • In Brasilien sagt:

    Frauenfussball WM – Brasilien ist im Halbfinale…

    Ort(e)

    Brazil
    Brasiliens Fussball Frauen gewannen heute gegen Australien und sind deshalb im Halbfinal an der Frauenfussball WM in China.

    Somit stehen Deutschland, die USA, Norwegen und Brasilien im Halbfinal.

    Nächsten Mittwoch um 14.00 Uhr b…