Vorschau: USA gegen England

Von am 22. September 2007 – 9.30 Uhr 3 Kommentare

Eniola AlukoNoch vor wenigen Wochen hätte man England in einem Duell mit dem Weltranglistenersten nur wenige Chancen eingeräumt. Jetzt treffen die beiden Teams im Viertelfinale der Frauenfußball-Weltmeisterschaft (live ab 14.00 Uhr auf Eurosport) aufeinander, und die Ausgangssituation hat sich ein wenig zugunsten der Engländerinnen verschoben.

Denn die haben vor allem durch das torlose Remis gegen Deutschland in der Vorrunde mächtig Selbstvertrauen getankt. Was hingegen den Amerikanerinnen abhanden gekommen zu sein scheint. Darüber können auch die Siege gegen Schweden (2:0) und Nigeria (1:0) nicht hinweg täuschen.

Dennoch: Die USA gehen als Favorit in die Partie, doch man darf eine hart umkämpfte Auseinandersetzung erwarten, bei der die Europäerinnen vor allem athletisch ihrem Gegner auf Augenhöhe begegnen sollten.

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Beide Teams konnten sich Anfang des Jahres bereits beim Vier-Nationen-Turnier in China beschnuppern. Damals gab es ein 1:1-Unentschieden, doch das Team von Trainer Greg Ryan reiste damals ohne zahlreiche Stammspielerinnen an. Neunmal begegnete man sich in Freundschaftsspielen, die USA gewannen sechs Mal bei einem Remis und zwei Niederlagen. Der letzte Sieg Englands datiert aus dem Jahr 1988, als man 2:0 gewann. Im Rahmen einer Weltmeisterschaft werden die USA und England erstmals aufeinander treffen.

Dabei kennen sich zahlreiche Spielerinnen beider Teams sehr gut. Die Engländerinnen Rachel Yankey und Rachel Unitt spielten 2005 gemeinsam mit Lindsay Tarpley, Heather O’Reilly und Cat Whitehill für die New Jersey Wildcats, die 2005 die W-League gewannen. O’Reilly spielte im Jahr zuvor in einem College-Team (Seton Hall) zusammen mit Kelly Smith und 2003 waren beide noch in der U.S.-Profiliga WUSA bei Philadelphia Charge aktiv, wo auch U.S.-Torhüterin Hope Solo spielte.

USA:

Erst zwei WM-Spiele haben die USA in ihrer WM-Geschichte verloren, und wenn es nach Trainer Greg Ryan geht, soll diese Bilanz auch nach dem Spiel gegen England Bestand haben. Seit 50 Spielen ist sein Team unbesiegt, dennoch war im Spiel der Amerikanerinnen im bisherigen Turnierverlauf nicht alles Gold, was glänzt. Der zähe WM-Auftakt gegen Nordkorea scheint das Team ein wenig außer Tritt gebracht zu haben.

Und so erzielte das Team in den drei Gruppenspielen nur fünf Tore, so wenig wie noch nie bei einer WM zuvor. In WM-Viertelfinalspielen hat man allerdings eine weiße Weste. 1991 bezwang man Taiwan 7:0, 1995 Japan 4:0, 1999 Deutschland 3:2 und 2003 Norwegen mit 1:0. Für Stürmerin Abby Wambach wird das Spiel gegen England das 100. im Trikot der U.S.-Nationalmannschaft. 80 Treffer hat sie bisher erzielt und ist damit im Schnitt die erfolgreichste Torjägerin der U.S.-Frauenfußball-Geschichte.

„Das wird ein großartiges Spiel werden. Ich freue mich auf die Chance, da raus zu gehen und der Welt zu zeigen, dass wir besser Fußball spielen können, denn das haben wir bisher nicht getan.“

England:

Mit einem 6:1-Sieg gegen Argentinien hat sich das Team von Trainerin Hope Powell für das Viertelfinale warm geschossen. Angst hat man vor dem Duell mit dem Weltranglistenersten nicht, man setzt auf die eigene Stärke. So meint Eniola Aluko: „Der Teamspirit ist fantastisch, man kann das Selbstvertrauen mit Händen greifen.“

Die Engländerinnen begreifen das WM-Viertelfinale auch als weitere Chance, den Frauenfußball auf der Insel weiteren Schub zu verleihen. „Zuhause wird jeder das Spiel im Fernsehen verfolgen, davon haben wir immer geträumt. Und ich bin fest davon überzeugt, dass wir dieses Spiel gewinnen können.“

Allerdings müssen die Engländerinnen wegen einer Gelb-Sperre auf Fara Williams verzichten. Die schussgewaltige und torgefährliche Mittelfeldspielerin von Everton FC ist ein schmerzhafter Verlust für das Team, vor allem auch für ein mögliches Elfmeterschießen, ist sie doch als Elfmeterschützin erste Wahl.

Mein Tipp: 1:0 für die USA
Tipp Katja: 1:2 für England

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • Markus Juchem sagt:

    Mit einem 3:0-Erfolg gegen England haben die USA das Halbfinale der WM erreicht. Dank einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit gewann man durch Treffer von Abby Wambach, Shannon Boxx und Kristine Lilly am Ende ungefährdet.

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  • Rainer sagt:

    Die beiden Viertelfinalsdeuten an, dass das Gefälle im Frauenfussball nach wie vor nicht unbedeutend ist. Zwei relativ lockere 3:0-Siege Nordkorea hätte ins Spiel kommen können, wenn…aber wenn das Wörtchen wenn nicht wäre. Bei Deutschland passte alles, die Parade von Angerer, das plötzliche Auftauchen von Lingor, von der man nicht viel gesehen hatte, der Oberschenkel von Krahn…
    Die Schwedinnen hatten 110% ihrer Physis abrufen müssen, um mit dem 2:1 doch zu scheitern und Deutschland erzielt das schwedische Muss-Ergebnis gegen denselben Gegner ohne zu glänzen.
    Deutschland hat das Muss – unter die ersten Vier zu kommen – erreicht, alles andere ist jetzt Kür. Gratulation an Sylvia Neid und das Team!
    Die USA hat in der zweiten Halbzeit keinen Zweifel aufkommen lassen und ihre beste Halbzeit beim Turnier gespielt. Die Grossen legen halt im entscheidenden Moment einen Gang zu und manchmal kommt auch das Quentchen Glück dazu, aus dem Weltmeister geschnitzt werden.

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  • @ Rainer

    So einseitig wie du habe ich die beiden heutigen Partien nicht gesehen. Von einem Gefälle zu reden, halte ich für reichlich übertrieben.

    In beiden Spielen verlief die erste Halbzeit ausgeglichen. Deutschland ist zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt vor der Pause, die USA kurz nach der Pause in Führung gegangen. Bis zu diesem Zeitpunkt war keine Mannschaft überlegen. Vor allem die USA hatten mich im ersten Spielabschnitt überhaupt nicht überzeugt, phasenweise gefiel England sogar durch den gefälligeren Spielaufbau und ließ hinten nichts anbrennen.

    Nach dem Führungstreffer sind die Engländerinnen dann eingebrochen. Sie waren nun gezwungen, selber Druck zu entwickeln. Das war schon in der Vorrunde nicht ihre Stärke, während die USA genau das, nämlich in die sich dabei bietenden Lücken zu stoßen, fast schon perfektioniert haben. Drei Tore in 15 Minuten – das entsprach nicht dem bisherigen Spielverlauf, war aber Resultat einer Eigendynamik, die im Fußball nicht selten zu beobachten ist. Das 3:0 resultierte auch noch aus einem dummen Fehler von Torfrau Rachel Brown. Einen ähnlich fatalen Fehler hatte sich in der Vorrunde aber auch Hope Solo geleistet. Danach war die Messe gelesen.

    Die Schwächen in der US-Abwehr waren aber auch heute wieder nicht zu übersehen. Mit einer Stoßstürmerin in Englands Reihen, die daraus Kapital schlägt, hätten die USA in der ersten Hälfte gut und gerne auch in Rückstand geraten können. So hat der Favorit am Ende vermeintlich klar mit 3:0 gewonnen. Entscheidender ist aber der Spielverlauf. Wenn dann das, was die USA als Weltranglistenerster in der zweiten Halbzeit gezeigt haben, ihre „bisher beste Halbzeit beim Turnier“ war, ist eher das bedenklich für den Frauenfußball. Aber nach dem schnellen 3:0 hatten die verbleibenden 30 Minuten für mich eh keine Bedeutung mehr. Daraus lassen sich keinerlei aussagekräftige Schlüsse ziehen. So etwas erlebst du an jedem Bundesliga-Spieltag der Männer auch.

    Das deutsche Spiel verlief meines Erachtens noch wesentlich enger, wenn ich mich an die zahlreichen Chancen der Nordkoreanerinnen zu Beginn des zweiten Spielabschnitts erinnere. Hätten sie die nicht so kläglich vergeben oder Angerer so gut gehalten – wer weiß, wie sich das Spiel entwickelt hätte. Wirklich souverän trat die deutsche Mannschaft da nicht auf. Die zwei Tore kurz hintereinander haben dann auch hier für die Entscheidung gesorgt, aber so verlaufen Fußball-Spiele eben. Heute hat Bremen mit 4:1 gegen Stuttgart gewonnen. Ist der Deutsche Meister jetzt ein Abstiegskandidat?

    Ich finde, man sollte ein Gefälle nicht verschweigen, wo es erkennbar ist – beispielsweise in Südamerika hinter Brasilien oder beim Abstand zwischen den afrikanischen Teams und den anderen Kontinenten. Aber es ist auch wenig hilfreich, es künstlich herbeizureden. Der Spielverlauf heute gibt das für mich jedenfalls nicht her.

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