USA: Englands Fehler gnadenlos ausgenutzt

Von am 22. September 2007 – 16.00 Uhr 1 Kommentar

Ausgerechnet die bisher so starken Engländerinnen Kelly Smith und Rachel Brown leiteten mit Stellungsfehlern, die zum 0:1 durch einen Kopfball von Abby Wambach führten, die 0:3-Niederlage der Engländerinnen gegen den Weltranglistenersten USA ein.

Binnen 12 Minuten ließen die angetrieben von Kristine Lilly nun selbstbewusster agierenden Amerikanerinnen Treffer von Shannon Boxx und Lilly folgen, so dass nach einer Stunde kein Zweifel mehr daran bestand, welches Team ins WM-Halbfinale einziehen würde. Dabei hatte sich das Team von Trainerin Hope Powell in der ersten Halbzeit als der erwartet unbequeme Gegner erwiesen und sogar die größeren Spielanteile gehabt.

Doch letztendlich mussten die Engländerinnen neben den individuellen Fehlern auch ein wenig ihrer mangelnden internationalen Erfahrung Tribut zollen, denn nach dem Rückstand entblößten sie ihre Deckung zu früh, das U.S.-Team bekam Räume, die es geschickt zu nutzen verstand.

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Kaum Highlights in Halbzeit eins

Englands Spielführerin Faye White bekam rund zehn Minuten vor der Pause den Ellbogen von Gegenspielerin Abby Wambach ins Gesicht, konnte aber nach einer Behandlung weiter spielen – einer der wenigen Aufreger der ersten Halbzeit, die von Nervosität auf beiden Seiten geprägt war.

Die Amerikanerinnen kamen jedoch wie verwandelt aus der Halbzeitpause zurück, drückten nun von Beginn an aufs Tempo und zwangen den Gegner zu Fehlern. Wie etwa in der 48. Minute, als Englands Torhüterin Rachel Brown bei einer Ecke von Kristine Lilly zu zögerlich aus ihrem Tor heraus kam und auch Kelly Smith U.S.-Stürmerin Abby Wambach aus ihrem Rücken kommend ziehen ließ, die sich in die Höhe schraubte und mit ihrem fünften WM-Treffer den Ball zur 1:0-Führung im Netz versenkte.

England verstärkte nun die eigenen Offensivbemühungen, ohne sich jedoch zwingende Torchancen zu erarbeiten. Die Amerikanerinnen bekamen Räume, die sie immer besser zu nutzen wussten. Einen Fehler von Jill Scott, die den Ball vertändelte, nutzte Shannon Boxx zu einem tückischen Aufsetzer, den Brown passieren lassen musste (57.). England kam nun immer mehr aus dem Rhythmus.

Mangelnde Erfahrung und individuelle Fehler

Und nur drei Minuten später war es die immer stärker agierende Lilly, die einen kapitalen Schnitzer von Brown eiskalt ausnutzte und für die endgültige Entscheidung sorgte (60.). Cat Whitehill hatte einen weiten Ball aus der eigenen Hälfte geschlagen, den zunächst Faye White und Karen Carney unterschätzten, ehe Brown den Ball dann auch noch unterlief. In der verbleibenden halben Stunde spielten die Amerikanerinnen dank einer geschlossenen Mannschaftsleistung die Partie routiniert über die Zeit, ohne mehr zu tun, als unbedingt notwendig war.

Greg Ryan meinte nach dem Spiel etwas überschwänglich: „Das war eine perfekte Leistung. Es ist schwer, ein Team wie England zu besiegen. Nach dem Führungstreffer hatten wir das Spiel unter Kontrolle. Kristine Lilly ist die Führungspersönlichkeit dieser Mannschaft, das hat sie heute gezeigt. Ein Team ohne sie kann ich mir nicht vorstellen.“

Hope Powell bilanzierte: „Wir sind sehr enttäuscht. Aber wir haben nicht schlecht gespielt. Die Amerikanerinnen haben es ihrer Erfahrung zu verdanken, dass sie ins Halbfinale gekommen sind. Aber wir werden wieder kommen.“

Am Donnerstag geht es für die USA nun im zweiten Halbfinale gegen den Sieger der Partie Brasilien – Australien (live ab 14.00 Uhr auf Eurosport). Dort wird sich das amerikanische Team ein weiteres Mal steigern müssen, um den Finaleinzug perfekt zu machen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Christiane sagt:

    Es ist erschreckend, was für Torhüterleistungen wir bei dieser WM zu sehen bekommen. Eigentlich gehen alle drei Treffer auf die Kappe von Rachel Brown. Die Engländerinnen haben nach vorne zwar auch nichts bewegt und keine zwingenden Aktionen gehabt, aber Brown hätte es den Amis auch nicht so leicht machen müssen. Schade, da war nach der ersten Halbzeit mehr drin.

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