Tore statt Härte – Deutschland steht im Halbfinale

Von am 22. September 2007 – 17.36 Uhr 6 Kommentare

Kerstin Garefrekes brachte die deutsche Mannschaft in FührungDie deutsche Nationalmannschaft hat nach einem verdienten 3:0-Erfolg gegen Nordkorea das Halbfinale der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China erreicht und trifft dort am Mittwoch um 14 Uhr (live bei ARD und Eurosport) auf den Sieger des morgigen Viertelfinals zwischen Norwegen und China.

In Wuhan musste der amtierende Welt- und Europameister heute zwar einige brenzlige Situationen überstehen, zeigte sich gegenüber den Gruppenspielen aber deutlich verbessert und ließ sich auch von der übertriebenen Härte der Asiatinnen nicht aus dem Konzept bringen. Kerstin Garefrekes (44.), Renate Lingor (68.) und Annike Krahn (72.) waren für die DFB-Elf erfolgreich.

Engagierter Beginn von beiden Teams

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Dass man die Gruppenphase hinter sich gelassen hat und die WM in ihre entscheidende Phase geht, war beiden Mannschaften deutlich anzumerken. Motiviert bis in die Haarspitzen waren alle 22 Spielerinnen sofort auf Betriebstemperatur und bissen sich zunächst an den gut gestaffelten Abwehrreihen die Zähne aus.

Es entwickelte sich das erwartete Geduldsspiel, in dem beide Seiten auf den ersten Fehler warteten. Ariane Hingst, die abgesehen von dieser Situation eine sehr souveräne Partie bot, patzte zuerst und brachte die deutsche Abwehr mächtig in Verlegenheit. Sie verlor an der Strafraumgrenze ein Kopfballduell, durch den Ri Un Gyong in den 16er eindringen konnte. Nadine Angerer riskierte Kopf und Kragen und konnte gemeinsam mit Linda Bresonik und Annike Krahn, der das Leder dabei unglücklich an die Hand sprang, vor der einschussbereiten Kim Yong Ae klären.

In der Folge agierten beide Teams sehr aufmerksam, Abspielfehler im Mittelfeld wurden sofort bestraft. Leichte Vorteile erarbeiteten sich nach einer Viertelstunde die Nordkoreanerinnen, jedoch ohne ihre ihre Chancen zu nutzen. Das deutsche Mittelfeld konnte dem Spiel nicht seinen Stempel aufdrücken.

Simone LaudehrLaudehr als Zielscheibe

Renate Lingor agierte zunächst unauffällig, Simone Laudehr schien mit dem Tempo und Zweikampfverhalten, das der Gegner an den Tag legte, große Probleme zu haben. Das merkten offenbar auch die Nordkoreanerinnen, die die 21-Jährige mit einigen rüden Fouls attackierten. Der Eindruck drängte sich auf, dass eine unerfahrene, verunsichert wirkende Spielerin gezielt eingeschüchtert werden sollte. Schiedsrichterin Tammy Ogston aus Australien muss sich fragen lassen, warum sie diesem Treiben nicht durch Verwarnungen ein Ende bereitet hat.

Nach einer halben Stunde kam der Titelverteidiger besser ins Spiel und kam durch einen Flugkopfball von Smisek nach Behringer-Flanke (29.) und eine Einzelaktion von Prinz (37.) zu guten Gelegenheiten. Nach 39 Minuten setzte Kim Yong Ae nach Flanke von Ri Un Suk im Fünfmeterraum gegen Nadine Angerer den Ellenbogen ein und blieb ebenfalls ohne Verwarnung.

Garefrekes trifft eine Minute vor der Pause

Zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt kurz vor der Pause gelang dann Kerstin Garefrekes, die hervorragend von Sandra Smisek bedient wurde, das 1:0 für Deutschland. Die Frankfurterin ließ Sono Kyong Sun und Hong Myong Gum geschickt aussteigen und vollendete mit einem Schlenzer zum 1:0-Halbzeitstand.

Nordkoreas Trainer Kim Kwang Min schien seine Spielerinnen in der Kabine hart zur Brust genommen zu haben, denn die Asiatinnen drängten nach dem Seitenwechsel vehement auf einen frühen Ausgleich. Die auffällige Jon Myong Hui vergab in der 52. Minute per Fernschuss. Fünf Minuten darauf konnte sich erneut Angerer auszeichnen, als sie nach einem Stellungsfehler von Linda Bresonik gegen Kum Suk Ri aus dem Kasten eilen musste, um so den Winkel zu verkürzen.

Nordkorea vergibt seine Chancen oder scheitert an Angerer

Das Spiel ging jetzt in eine entscheidende Phase. Ein satter Distanzschuss von Lingor aus gut 20 Metern passte maßgenau, doch Sono Kyong Sun brachte noch ihren Kopf dazwischen. Auf der Gegenseite verlor die von ihrer Verletzung noch angeschlagen wirkende Bresonik das Laufduell gegen Ri Un Gyong, die daraufhin gefährlich in den Strafraum passen konnte. Doch gleich drei Nordkoreanerinnen verpassten und vergaben damit die nächste Großchance. Eine Minute später (66.) wäre es dann aber beinahe passiert. Ho Sun Hui zog ab und die überragende Angerer – später zur Spielerin des Spiels gewählt – bewahrte die deutsche Mannschaft mit einer Glanzparade vor dem Ausgleich.

Annike Krahn erzielte ihr erstes LänderspieltorSo viele vergebene Chancen rächen sich – das galt auch für dieses Spiel. Nach einem tollen Doppelpass von Renate Lingor mit Sandra Smisek vollendete die Mittelfeldregisseurin mit einem gekonnten Schlenzer zum 2:0. Annike Krahn mit ihrem ersten Länderspieltor, und das auch noch kurios mit dem Oberschenkel, machte fünf Minuten später den Triumph perfekt.

Deutlicher Fortschritt

Insgesamt ein verdienter Sieg, der einer „geschlossenen Mannschaftsleistung“ (Silvia Neid) zu verdanken war. In wenigen Szenen waren Nadine Angerer und das Glück nötig, um nicht in größere Nöte zu kommen. Doch alles in allem präsentierte sich der Weltmeister deutlich aggressiver, über 90 Minuten konzentrierter und sicherer im Passspiel als in der Vorrunde. Am Ende wirkte der Weltmeister auch konditionell stärker.

Die Tatsache, dass die Mannschaft in vier Spielen noch immer kein Gegentor kassiert hat, wird weiteren Auftrieb geben. Kerstin Garefrekes‘ und Renate Lingors Selbstvertrauen werden die zwei sehenswerten Tore ebenfalls gut getan haben. Im Halbfinale wird gegen China oder – wahrscheinlich – Norwegen eine erneute Leistungssteigerung nötig sein und sollte die Fehlpassquote in Strafraumnähe noch einmal reduziert werden. Doch auch die Gegner sind nicht ohne Fehler. Die DFB-Lok befindet sich auf jeden Fall auf dem richtigen Gleis.

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6 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Also so hart waren die Koreanerinnen dann auch nicht!!! Sicher gab es ein paar mal auf die Socken, aber bei Spielerinnen, die im Durchschnitt einen Kopf kleiner waren, verwundert das auch nicht!!! Dafür revanchierten sich die Deutschen Spielerinnen, und rannten die Asiatinnen ein paar mal um, bzw checkten sie ziemlich unsanft!!!
    Auch von den Norwegerinnen wird es wieder ordentlich auf die Socken geben, dass ist ihr Spiel, die sind nicht zimperlich!!! Wir sind dies aus der Bundesliga nur nicht gewöhnt, weil hier der kleinste Rempler gleich abgepfiffen wird!!!

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  • Markus Juchem sagt:

    Stimmt! Ich erinnere mich an eine Szene, wo Linda Bresonik eine Gegenspielerin gecheckt hat. Ich hatte schon Angst, die steht nicht mehr auf. 😉

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  • Detlef sagt:

    Da gab es mehrere Szenen, wo Kerstin Garefrekes, Stege und vor allem Minni mächtig zugelangt haben!!!
    Bei Minni bin ich mir sogar sicher, dass es einen ELFER hätte geben müssen in der 82. min!!! Da stieß sie Koreas Nummer 19 im Strafraum einfach um!!! Für mich eigentlich ein klares Foul!!!
    Es hätte den Asiatinnen auch nichts mehr genutzt, aber in Verbindung mit ihren vielen vergebenen Torchancen, schmälert es die deutsche Herrlichkeit doch ein wenig!!!

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  • Crackfly sagt:

    Man darf aber nicht die rüden Fouls der Asiatinnen an Simone Laudehr vergessen! Die waren wirklich nicht mehr feierlich…

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  • Jens K sagt:

    Ganz einfach unsere Frauen waren ohne ein Faul nicht aufzuhalten aber trotzdem haben Sie sich durchgesetzt.

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  • Serdar sagt:

    Unsere Frauen werden immer besser und in der ganzen Welt noch bekannter da jetzt auch die nechste Frauen WM war das glaube ich in deutschland ist wieder ein sommer märchen:)

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