Zwei Fragen oder 20 Minuten – Nordkoreas peinlicher Medienauftritt

Von am 21. September 2007 – 16.00 Uhr 5 Kommentare

NordkoreaWuhan – Segolène Valentin, FIFA-Medienbeauftragte in Wuhan, hatte die internationale Pressekonferenz mit Nordkorea zum WM-Viertelfinale gegen Deutschland noch gar nicht eröffnet, da schockten Nordkoreas Vertreter bereits zum ersten Mal, in dem sie im Konferenzraum im sechsten Stock des Mannschaftsquartiers erklärten: „Zwei Fragen bitte, wir müssen zum Training.“

Doch ließ sich die Französin nicht beeindrucken. Der Trainer und sein Übersetzer mussten die 20 Minuten auf dem Podium durchhalten. Nur nichts verraten war die Devise. Dass Nordkorea, zum dritten Mal mit den Frauen WM-Teilnehmer, nicht einmal den Cheftrainer geschickt hatte, sondern mit Kim Pong Il seinen Assistenten, wirkte ohnehin brüskierend und arrogant wie ignorant gegenüber der Konkurrenz im Turnier.

Über die Mannschaft war einmal mehr nicht viel zu erfahren. Drei Spielerinnen aus dem U20-Weltmeisterteam vom letzten Jahr sind dabei. „Die anderen sind noch nicht reif genug“, sagte Assistenztrainer Kim. Weder über Stars noch über den Stellenwert des Frauenfußballs gab er Auskunft. Stattdessen stellte er fest, dass Deutschland ein starkes Team habe. Deutlich sichtbar wurde, wie Diktaturen funktionieren.

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„Ein Tor – und die Mannschaft ist im Gespräch“, meinte der Übersetzer, ein junger Chinese aus dem freidenkerischen Shanghai. „Wir spielen zu allererst für unser Land, nicht für Geld“, verlautbarte der Coach ungefragt. Der Militärgeneral und liebevolle Führer Kim Song Il werde stolz sein, wenn die Frauen den WM-Titel gewännen.

„Das ist gut für die Zukunft“, aber wie stolz die Menschen sein würden, könne er nicht beurteilen“, sagte Kim. „Wir haben bisher noch nicht viel für die Bevölkerung getan, die uns voll unterstützt.“ Was durchaus als Forderung nach einer Leistungssteigerung interpretiert werden darf.

Die Frage nach Intensität der Medienberichterstattung in TV und Presse war damit beantwortet. Bezeichnend: Journalisten aus Nordkorea sind nicht akkreditiert. Die Berichterstattung kommt Exil-Koreanern aus China zu. Das Gerücht, der medienscheue Staatschef Kim Song Il werde persönlich kommen, wurde dementiert.

Und Segolène Valentin war am Ende heilfroh, die geforderten 20 Minuten ohne größere Probleme moderiert zu haben. Ihre Medienpräsentation absolvierten die Nordkoreaner peinlich. Fußball spielen können die Mädels besser.

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5 Kommentare »

  • Max Diderot sagt:

    Es ist wahrscheinlich recht schwierig für uns Europäer, diese nord-koreanischen Verhaltensweisen zu verstehen oder gar zu akzeptieren. Die beinahe physisch-militante Präsenz beruft sich auf die von Kim Il-sung initiierte Juche- oder Chuch’e-Ideologie. Vereinfacht: Die Nation ist alles und die individuellen Interessen sind nachrangig. Vielleicht erklärt sich bei diesen hehren Ansprüchen auch der Druck, der gerade bei Niederlagen zu Disziplinlosigkeiten führt. U.a. wurde ja die nord-koreanische Torfrau wegen eines absichtlichen Trittes gegen die Schiedsrichterin für ein Jahr gesperrt. Grund dafür war die 0:1 Niederlage im Spiel um die WM-Qualifikation gegen China.

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  • Christian sagt:

    @Max
    Hinsichtlich des Verhaltens der nordkoreanischen Offiziellen zu den Medien magst du recht haben. Aber ob das auch so auf die Spielerinnen übertragen werden kann, da bin ich skeptisch.
    Du schreibst von Niederlagen und Disziplinlosigkeiten und benutzt beides mal den Plural. Mir ist nur die Unsportlichkeit dreier Spielerinnen nach dem Halbfinalspiel gegen China bei den Asienspielen bekannt. Das war aber nicht irgendeine Niederlage! Nordkorea hatte das Spiel, in dem es für Nordkorea auch um die direkte WM-Qualifikation ging, gegen den großen Rivalen dominiert und fing sich kurz vor Abpfiff den spielentscheidenden Gegentreffer ein – nach Ansicht der Nordkoreaner ein Abseitstor…

    Auch die Argentiner verloren nach der Niederlage gegen Deutschland im WM-Viertelfinale 2006 die Nerven – und das hat wohl kaum etwas mit dem politischen oder wirtschaftlichen System dieses südamerikanischen Landes zu tun. 😉

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  • Markus Juchem sagt:

    Hier ein Link zu einem Video, indem man die Ereignisse von damals gut nachvollziehen kann:

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  • Max Diderot sagt:

    Christian, natürlich lässt sich ein solcher Sachverhalt nicht generalisieren. Aber auch ohne ein entsprechendes Psychologie-Studium vermute ich, dass der Aspekt der Niederlage in der nord-koreanischen Ideologie keinen Stellenwert besitzt. Und dieses mentale Manko scheint mir das eigentliche Problem solcher Gesellschaftsformen zu sein. Apropos: ich empfand das Tackling der Nord-Koreanerinnen im Spiel gegen Deutschland recht hinterfotzig! Zu Recht weist Du auch auf den Plural meines Beitrages hin. Ich meine, es war in einem Quali-Match zur WM 2002 oder 2006, da gab es mit den nord-koreanischen Herren eine Art déjà-vu. Ich werde mich bemühen, entsprechende Angaben zu recherchieren.

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  • Max Diderot sagt:

    Hier der Link zu dem angerissenen Ereignis: WM-Qualifikationsspiel Nordkorea vs Iran im Jahre 2005.
    http://www.stern.de/sport-motor/fussball/:WM-Qualifikation-Explosive-Stimmung-Nordkorea/538396.html

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