Vorschau: Deutschland – Nordkorea

Von am 21. September 2007 – 22.05 Uhr 8 Kommentare

Sandra MinnertEndlich Schluss mit Rechnen, die K.O.-Runde geht los! Und sie könnte kaum mit einem spannenderen Spiel beginnen. Deutschland gegen Nordkorea heißt es morgen um 11 Uhr in Wuhan (live bei ARD und Eurosport). Der Titelverteidiger gegen den Geheimfavoriten aus Asien, von dem man immer noch nicht viel mehr weiß, als das, was die Mannschaft von Trainer Kim Kwang-Min in den drei Vorrundenspielen gezeigt hat.

Noch weniger als vor dem morgigen Spiel wusste man im letzten Herbst von den Nordkoreanerinnen. Bei der U20-WM setzte es damals eine 0:2-Niederlage gegen den späteren Turniersieger, der im Finale China mit 5:0 heimschickte. Acht Spielerinnen aus den heutigen Aufgeboten waren damals dabei. Simone Laudehr, Fatmire Bajramaj und Babett Peter auf deutscher, Jon Myong Hui, Kim Kyong Hwa, Kil Son Hui, Ri Un Suk und Hong Myong Gum auf nordkoreanischer Seite.

Deutschland:

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Damals stand mit Maren Meinert eine Weltmeisterin von 2003 als Trainerin an der Seitenlinie. Heute ist sie als Co-Trainerin mit dem A-Nationalteam in China und wird ihre Erkenntnisse mit in die Teambesprechungen einbringen. „Die USA liegen uns einfach viel mehr als Nordkorea“, meinte Bundestrainerin Silvia Neid noch bevor feststand, wer der Viertelfinal-Gegner sein wird.

Doch nun ist es Nordkorea geworden. Um das zehnte WM-Spiel in Folge ungeschlagen zu bleiben, hat die deutsche Mannschaft die fünf freien Tage nach dem letzten Gruppenspiel gegen Japan genutzt, um sich auf die zu erwartende Mittagshitze mit etwa 30 Grad einzustellen. „Ich habe das Gefühl, dass alle wissen, um was es geht. Und wenn wir dagegenhalten, dann werden wir dieses Spiel gewinnen“, bringt Neid den Respekt vor dem Gegner ebenso wie den Optimismus im deutschen Lager auf den Punkt.

Ein Optimismus, der nach eher durchwachsenen Leistungen in der Vorrunde vor allem dadurch genährt wird, dass die Trainerin gegen Nordkorea wieder auf alle Spielerinnen zurückgreifen kann. Simone Laudehr hat ihre Gelbsperre abgesessen und wird wie schon in den beiden ersten Spielen mit Renate Lingor die „Doppel-Sechs“ bilden.

Sandra Minnert hat ihre Oberschenkelverletzung auskuriert und könnte in der Innenverteidigung wieder auf ihre angestammte Position neben Ariane Hingst rücken. Könnte – denn noch wollte sich Neid nicht festlegen, ob sie nicht vielleicht erneut auf Annike Krahn baut, die für ihre Vertretung von Minnert viel Lob erntete. „Es wird keine Entscheidung gegen eine Spielerin, es wird eine Entscheidung für die Taktik“, so Silvia Neid.

In den letzten Tagen hatten sich Linda Bresonik und Sandra Smisek mit kleineren Blessuren geplagt, sie sollen nach Auskunft von DFB-Mannschaftsarzt Dr. Bernd Lasarczewski aber auflaufen können. Sollte Bresonik passen müssen, wäre die Entscheidung Minnert/Krahn der Bundestrainerin abgenommen. Minnert würde dann Bresoniks Posten auf der linken Abwehrseite übernehmen. Martina Müller dürfte erster Ersatz sein, sollte Smisek ihre Verletzung doch noch Probleme bereiten.

Nordkorea:

Derart detaillierte Informationen, wie man sie aus dem deutschen Lager bekommt, sind vom Team Nordkorea nicht zu erwarten. Dort gab bei der heutigen offiziellen Pressekonferenz nur Co-Trainer Kim Pong Il Auskunft – wortkarg und widerwillig. Alle Spielerinnen sollen gesund sein, ist zu hören.

Spielerinnen, die beim Dritten der Asienmeisterschaften vor allem ein starkes Kollektiv bilden. Ausdauernd, durchsetzungsfähig bis in den Strafraum, mit guter Schusstechnik ausgestattet und vor allem nur wenig zauderhaft im Abschluss – das sind die Eigenschaften, die die Nordkoreanerinnen auszeichnen.

Den USA rangen sie damit ein viel beachtetes Unentschieden ab, Nigeria ließen sie im zweiten Spiel keine Chance. Nur gegen die Schwedinnen wirkten sie am Dienstag schon etwas müde. Was den ein oder anderen vielleicht beruhigt, denn Sandra Smisek hatte sich schon gewundert: „Die rennen wie die Bekloppten und werden scheinbar überhaupt nicht müde“.

Wundern ist das eine, Vermutungen sind das andere. Dass die Nordkoreanerinnen abgeschottet trainieren und sich mit Ausnahme ihrer Pflichtspiele nicht der Öffentlichkeit zeigen, wirft Fragen auf. Doch das Wort Doping wird allenfalls hinter vorgehaltener Hand in den Mund genommen. Da bei der WM bisher vier Teams – darunter das deutsche – getestet wurden, Nordkorea aber nicht zu diesen gehörte, hätte man auch schlichtweg nichts in der Hand.

In der Hand hat es morgen die deutsche Mannschaft, ihre makellose Serie gegen asiatische Gegner – fünf Spiele, fünf Siege und 10:0 Tore – fortzusetzen. Eine Niederlage würde eine herbe Enttäuschung bedeuten.

Die Nordkoreanerinnen haben mit dem Viertelfinal-Einzug bereits das beste Ergebnis bei Frauenfußball-Meisterschaften nach zweimaligem Vorrunden-Aus erreicht. Wäre da nicht der politische Druck, der auf den sportlichen Vertretern des Landes lastet, sie könnten ganz befreit aufspielen.

Mein Tipp: 3:2 für Nordkorea
Tipp von Markus: 3:1 für Deutschland
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8 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Deutschland gewinnt das Viertelfinale. Die Schwedinnen haben gezeigt, wie man gegen Nordkorea spielen muss. Ich glaube nicht, dass sie müde waren, die Asiatinnen, Schweden war einfach bis in die Haarspitzen hochmotiviert.
    Deutschland muss vollen Einsatz gehen und versuchen zu verhindern, dass die Nordkoreanerinnen Gelegenheit zu ihren unglaublichen Fernschüssen bekommen. Die körperliche Überlegenheit (Grösse) ausnützen, vor allem bei Standards. Birgit Prinz ist besonders gefordert.

    Deutschland gewinnt 4:1.

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  • Detlef sagt:

    Nach den zuletzt gezeigten Leistungen, habe ich keine große Hoffnung, dass sich Deutschland behaupten kann!!!
    An eine Steigerung kann ich auch nicht glauben, da es vor allem am ungenauen Zusammenspiel und den fehlenden Ideen liegt!!! Birgit Prinz wird ihr Tor machen, aber ansonsten geht wohl wenig!!!
    Nordkorea gewinnt mit 3:1!!!

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  • Die Entscheidung über die Position in der Innenverteidigung ist gefallen. Annike Krahn wird von Beginn an auflaufen.

    Die deutsche Aufstellung:

    Angerer, Stegemann, Krahn, Hingst, Bresonik – Garefrekes, Lingor, Laudehr, Behringer – Prinz, Smisek

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  • Markus Juchem sagt:

    1:0 für Deutschland! Kerstin Garefrekes bringt Deutschland mit einem schönen Schlenzer nach Vorarbeit von Sandra Smisek kurz vor der Pause (44.) in Führung.

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  • Markus Juchem sagt:

    2:0 für Deutschland! Renate Lingor trifft nach einem schönen Doppelpass mit Sandra Smisek mit einem Schuss ins lange Eck.

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  • Markus Juchem sagt:

    3:0 für Deutschland! Annike Krahn trifft nach Ecke von Melanie Behringer mit einer artistischen Einlage zur Vorentscheidung.

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  • Markus Juchem sagt:

    Schlusspfiff! Deutschland steht nach einem verdienten 3:0-Sieg gegen Nordkorea durch Treffer von Kerstin Garefrekes, Renate Lingor und Annike Krahn im WM-Halbfinale. Dort trifft man am Mittwoch auf den Sieger der Partie China gegen Norwegen.

    Spielanalyse folgt…

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  • Max Diderot sagt:

    Den Erfolg der deutschen Elfen sehe ich als verdient an. Eine sehr gute Defensivleistung mit einigen offensiv-technischen Tupfern. Klasse der zweite Treffer von Renate Lingor. Und die Super-Parade von Nadine Angerer, kurz vor dem zweiten Treffer, lässt erahnen, was für ein Narr ich war, an ihrer Leistung Zweifel zu hegen. Die Laufbereitschaft beider Mannschaften war groß und in einigen Situationen war recht deutlich zu erkennen, wie konzentriert die deutschen Damen bemüht waren, die antrittschnellen Nord-Koreanerinnen zu doppeln. Nach meinem Empfinden war das Spiel der Deutschen recht intelligent.
    Besser werden, und jetzt mach‘ ich mal den Cruyff, könnte noch der Spielaufbau aus der Defensive heraus. Da fehlte manchmal das konstruktive Moment. Was ich ungern betreibe, aber hier und jetzt muss es sein, ist Kritik an Birgit Prinz zu formulieren. Aber ihre mannschaftliche Leistung war heute, wie auch schon in den vergangenen Partien, recht mau. Eigensinnig vertändelte sie des öfteren den Ball, anstatt einen Pass auf die besser positionierte Mitspielerin zu kicken. Schade, aber mir drängt sich der Eindruck auf, als würde ein schnelles Kombinationsspiel eine solch verdienstvolle Spielerin momentan überfordern. Und natürlich hoffe ich auch, dass ich mich in dieser Einschätzung täusche, und analog zu dem was ich über Nadine Angerer schrieb, demnächst Abbitte leisten werde. Tue ich dann gern.

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