Überraschende Außenseiter, schwächelnde Favoriten

Von am 21. September 2007 – 15.00 Uhr 4 Kommentare

Australien24 von 32 Partien sind bei der fünften Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China gespielt, ab morgen kämpfen die verbliebenen acht Teams darum, sich den großen Traum vom WM-Titel zu erfüllen. womensoccer.de wirft noch einmal einen Blick zurück auf die Vorrunde, beleuchtet Highlights, Überraschungen und Enttäuschungen.

34.000 Zuschauer kamen im Schnitt zu den ersten 24 WM-Spielen, der zweitbeste Schnitt aller bisher gespielten Weltmeisterschaften. Doch gilt es die Zahl mit Vorsicht zu genießen, hatte das Lokale Organisationskomitee doch bereits vor Beginn des Turniers eingeräumt, Schüler und Beamte abzukommandieren, um die Stadien zu füllen.

Die Zuschauer sahen teils packende Spiele und viele schöne Tore. So etwa bereits im WM-Eröffnungsspiel, als Welt- und Europameister Deutschland mit einem furiosen Start gegen die überforderten Argentinierinnen die Konkurrenz noch beeindruckte. „Die Weltspitze ist enger zusammengerückt“ war vor der WM ein viel gehörter Satz und diese Einschätzung hat den Ereignissen der Realität zumindest teilweise stand gehalten.

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Von Gruppe A bis Gruppe D waren die meisten Spiele hart umgekämpft, Brasilien gelang es als einzigem Team, alle seine Vorrundenspiele zu gewinnen. In allen Gruppen dauerte es bis zum letzten Spieltag, bis die Entscheidungen gefallen waren.

In Vizeweltmeister Schweden und dem WM-Vierten der Titelkämpfe 2003 Kanada schieden in der Vorrunde bereits zwei Teams aus, die sogar mit Titelambitionen nach China gereist waren. Und auch Dänemark, im Frühling noch Finalist beim Algarve Cup, musste vorzeitig die Heimreise antreten.

Nordkorea und Australien im Rampenlicht – England überrascht

Dafür konnten sich andere Teams ins Rampenlicht spielen, wie etwa Nordkorea und Australien. Die Nordkoreanerinnen brachten die inzwischen seit 50 Spielen ungeschlagenen Amerikanerinnen beim 2:2 zum Auftakt an den Rand einer Niederlage und zogen mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung verdient ins Viertelfinale ein.

Die Australierinnen zeigten in allen drei Partien mit erfrischendem Fußball, welche enormen Fortschritte sie in den vergangenen Jahren unter Trainer Tom Sermanni gemacht haben und wie gut ihnen die stärkere Konkurrenz in Asien tut. Der Einzug ins Viertelfinale ist der verdiente Lohn.

Auch England hat einen Sprung nach vorne gemacht, hatte aber auch das Glück in Japan und Argentinien zwei Gruppengegner zu haben, die hinter den Erwartungen zurückblieben. Gegen Deutschland blieb man allerdings zum zweiten Mal in Folge ohne Gegentreffer und eroberte einen Punkt.

Topfavoriten überzeugen noch nicht

Doch man muss bei der Bewertung auch einräumen, dass die Topfavoriten auf den Titel sich bisher alles andere als weltmeisterlich präsentierten. Das U.S.-Team wirkt, seitdem es auf die unerwartete Gegenwehr der starken Nordkoreanerinnen traf, seltsam verunsichert, von der Leichtigkeit, die das Team bei den meisten seiner 50 Siege in Folge ausstrahlte, ist derzeit trotz der Erfolge gegen Schweden und Nigeria nur wenig zu sehen.

Deutschland glänzte zum WM-Auftakt gegen überforderte Argentinierinnen, insgesamt hat das Team bisher nur einen Bruchteil seines Leistungsvermögen abgerufen, aber auch nicht mehr tun müssen, um Gegner wie England und Japan in Schach zu halten. Doch ab der K.-o.-Phase werden die Weltklasseteams einen Gang höher schalten.

Gastgeber China hatte das Glück, sich in der Gruppe sicherlich nicht mit den stärksten Teams messen zu müssen. Einzig Norwegen wusste von den Topteams bisher zu gefallen, in den schweren Spielen gegen Kanada und Australien konnte sich das Team schon einmal an die K.-o.-Runde gewöhnen. Brasilien bot von der Papierform her die stärkste Leistung, wurde aber auch nur eine Halbzeit lang im Spiel gegen China zumindest ein wenig gefordert.

Asien macht Boden gut

Wie schon vor Turnierbeginn vermutet haben die zur asiatischen Konföderation AFC zählenden Länder einen Sprung nach vorne gemacht. Neben Gastgeber China und Deutschlands Viertelfinal-Gegner Nordkorea zog das zum AFC gehörende Australien erstmals in ein WM-Viertelfinale ein.

Vier von 16 Teams blieben bei der WM ohne Sieg: Argentinien, (0 Punkte, 1:18 Tore), Ghana (0 Punkte/3:15 Tore), Nigeria (1/1:4) und Neuseeland (0/0:9). Wobei Afrikameister Nigeria mit nur vier Gegentreffern in der schwersten Gruppe und dem 1:1 gegen Schweden noch die beste Figur abgab. Neuseeland erzielte zwar als einziges Team bei seiner zweiten WM-Teilnahme nach 1991 kein Tor, gab aber dennoch keine ganz schlechte Visitenkarte des Frauenfußballs in Ozeanien ab.

Schwache Torhüterinnen

Enttäuschend waren in der WM-Vorrunde die Leistungen der Torhüterinnen. Selbst Spitzenkräfte wie U.S.-Keeperin Hope Solo leisteten sich Ausrutscher. Negativer Höhepunkt war die argentinische Torfrau Vanina Correa, die sich gegen Deutschland den Ball gleich zweimal selbst ins Netz beförderte.

Auch Australiens Keeperin Melissa Barbieri patzte bereits, und auch Deutschlands Nadine Angerer und Norwegens Bente Nordby wirkten in ihren Aktionen nicht immer sattelfest. Doch wenn morgen die Viertelfinalpartien beginnen, wird noch einmal durch alle Teams ein Ruck gehen. Die Leistungskurve sollte noch einmal deutlich nach oben zeigen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Deutschland und Brasilien mussten nicht 100% ihrer Leistung bringen, um ins Viertelfinale zu kommen. Es war eher ein Spaziergang für beide. Und ich gehe davon aus, dass sich beide jetzt steigern werden. Das Potential der Brasilianerinnen hat man andeutungsweise gesehen.

    Die USA dagegen haben den anderen gezeigt, dass sie nicht so selbstverständlich den Titel holen werden wie angenommen. Schweden ist tatsächlich in der stärksten Gruppe gescheitert.

    Norwegen tun sicher die sieben Tore gegen Ghana gut für den heissen Kampf gegen China.

    Australien ist die positive Überraschung des Turniers. Aber – Brasilien hat das grösste Reservoir an hervorragenden Offensivkräften und sie haben Marta. Es würde mich überraschen, wenn der Titel nicht nach Südamerika gehen würde.

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  • Detlef sagt:

    @Rainer,
    sicher hast Du die Spiele von Deutschland gegen England und Japan nicht gesehen!!! Sonst würdest Du hier nicht solche Aussagen treffen!!!
    Gegen Argentinien war es ganz sicher ein Spaziergang!!! Aber schon gegen die kantigen Engländerinnen war es das auf gar keinen Fall!!!
    Von Deutschland kam nichts, gar nichts!!! Wenn sich NADZE den „Kopfball“ selber ins Netz gelegt hätte, oder (ich glaube) Alex Scott noch an die Hereingabe von Kelly Smith gekommen wäre, dann wäre der „Spaziergang“ mit einer Niederlage ausgegangen!!!
    Gegen Japan lief es zwar etwas besser, aber Bäume haben sie keine ausgerissen!!! Wer solche Chancen gegen Nordkorea nicht nutzt, geht baden!!! Ich bin nicht so zuversichtlich wie Du, und traue der Neid-Truppe keine Steigerung zu!!!
    Der morgige Gegner steht genau so sicher in der Abwehr, wie die Engländerinnen!!! Aber der Sturm der Nordkoreanerinnen ist stärker als der englische, und wahrscheinlich auch stärker als der norwegische!!! Da bin ich wirklich gespannt, wie sich Deutschland präsentieren wird!!!

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  • Markus Juchem sagt:

    @Detlef: Dein Pessimismus in allen Ehren. Aber Du zeichnest mir doch ein zu negatives Bild der deutschen Mannschaft, bei aller berechtigten Kritik. Sicher war die Vorrunde abgesehen vom Argentinien-Spiel nicht das Gelbe vom Ei, aber war es das bei den USA? Schweden und Kanada wären froh, wenn sie noch dabei wären.

    Ich sehe Nordkorea als sehr guten Gegner an, aber lange nicht so stark, wie er von vielen gesehen wird. Gegen die USA hat man stark gespielt, allerdings war der Gegner an diesem Tag auch weit von der Bestform entfernt. Ich sehe die Abwehr der Nordkoreanerinnen nicht so stark wie Du, ihre Offensive halte ich für weniger stark als die norwegische.

    Also Kopf hoch, Daumen drücken und morgen über den deutschen Sieg freuen! 😉

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  • Detlef sagt:

    @Markus,
    ich lasse mich morgen ja gerne eines besseren belehren, aber ich glaube nicht an WUNDER AUF BESTELLUNG!!! Gegen schwache Teams können sie brillieren, und auch viele schöne Spielzüge, mit vielen tollen Toren zeigen!!! Aber Argentinien war eine Ausnahme, noch mehr so schwache Teams gibt es nicht!!! Gegen England hätten sie den vorzeitige Einzug ins Viertelfinale klar machen können, aber sie konnten es nicht!!! Sie zeigten eines der schlechtesten Spiele, dass ich je von einer deutschen Nationalmannschaft gesehen habe!!!
    Gegen die ängstlichen Japanerinnen gelang aus dem Spiel kaum etwas zählbares!!! PIWI hat schon aus viel schlechteren Chancen, ein Tor gemacht!!! Was war los mit ihr???Zum Glück haben wir Birgit Prinz!!!
    Oder was ist mit Melli??? Vor der WM wirklich SUPER gut, aber auch sie wir immer schlechter!!! Von ARI und Renate Lingor will ich mal gar nicht reden!!! Stege macht so viele Fehler, wie in ihrer gesamten Karriere nicht!!!
    Ob die Nord-Koreanerinnen morgen so ein Spiel wie gegen die Amerikanerinnen wiederholen können, wird man sehen!!! Sie haben aber schon bewiesen, dass sie gegen starke Teams bestehen können!!! Die deutschen Damen sind diesen Beweis bisher schuldig geblieben!!!

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