Martina Müller: „Ich kann mich nur immer wieder anbieten”

Von am 21. September 2007 – 16.47 Uhr

Martina MüllerSie ist 27 Jahre alt, gilt mit ihren 1,61 Meter Körpergröße als quirlige Stürmerin und ist die einzige Spielerin eines norddeutschen Vereins bei der Fußball-WM der Frauen in China. Martina Müller, im dritten Jahr beim VfL Wolfsburg in der Bundesliga, kommt international nicht über ihre Rolle als Einwechselspielerin hinaus.

Das ist auch in China so. Dennoch bestritt Müller bereits 59 Länderspiele, in denen sie auf eine gute Trefferquote von 26 Toren kommt. Ein typischer Joker. womensoccer.de-Korrespondent Rainer Hennies sprach kurz vor dem Viertelfinale in Wuhan mit der Wolfsburgerin.

Martina Müller, wie gefällt es Ihnen in China?

MM: Wenn ich ehrlich bin, dann muss ich sagen: Das ist kein Land, in dem ich Urlaub verbringen würde. Aber wir sind hier ja auch zum Fußballspielen und wollen wieder Weltmeister werden.

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Was stößt Ihnen denn auf?

MM: Die Menschen sind unheimlich freundlich, aber es sind einfach zu viele. Mir ist das hier zu viel Trubel. Die Luft ist unangenehm, kaum frisch und sehr feucht. Ich war deswegen auch noch nicht draußen. Aber mir gefällt es in den Hotels ganz gut. Es gibt genug zu tun für mich auf dem Zimmer. Internet-Chats mit Freunden in Deutschland, Nintendo Gehirnjogging und vieles mehr. Ich muss nicht in die Stadt zum Shopping. Das kann ich auch zu Hause machen. Hier konzentriere ich mich auf die WM. Ich habe nicht das Gefühl, das mir etwas fehlt. Am Donnerstag hatten wir außerdem ein mannschaftsinternes Tischtennisturnier im Hotel mit anschließendem Barbecue auf der Dachterrasse im 41.Stockwerk hoch über Wuhan.

Das ist bestimmt ein traumhafter Ausblick auf die Stadt mit ihren 9,9 Millionen Einwohnern.

MM: Das schon. Aber ich muss auch sagen, diese Riesenstädte sind nichts für mich. Ich bin eher vom Dorf und fühle mich in kleineren Städten wohl. Wolfsburg ist genau richtig für mich. Da gibt es nicht mal Staus, wenn bei VW Schichtwechsel ist. In Shanghai dagegen herrscht das vollkommene Chaos. Wenn ich mal in eine Großstadt will, dann fahre ich nach Berlin. Aber im Prinzip fühle ich mich in Wolfsburg wohl, weil der VFL mir alles bieten kann. Ich habe einen Job im Ticketing, ein Auto und eine Wohnung. Das bietet schon eine gewisse Sicherheit.

Bei der WM sind Sie wieder einmal nur für Kurzeinsätze gut. Wie befriedigend ist das?

MM: Ich lerne allmählich, meine Rolle zu akzeptieren. Ich bin so etwas wie ein Joker. Irgendwie scheint das international für mich zu passen. Denn mir gelingen bei den Kurzeinsätzen relativ viele Tore. Ich bin jemand, der schnell in ein Spiel herein finden kann. Das gelingt mir meistens gut. Und dann muss ich auch sagen: Lieber eine Joker-Rolle bei der WM als gar keine Rolle. Ich bin froh, dass ich dabei sein darf und bin mit jedem Einsatz zufrieden. Das Angebot an Klassestürmerinnen in unserem Team ist ja wirklich auch groß.

Werden Sie gegen Nordkorea im Viertelfinale dabei sein? Konkurrentin Sandra Smisek ist ja angeschlagen.

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MM: Ich kann nichts anderes tun, als mich im Training immer wieder anbieten. Trainerin Silvia Neid muss dann entscheiden.

Wie schwer wird das Spiel am Sonnabend in Wuhan?

MM: Nordkorea hat eine dribbelstarke, flinke Mannschaft mit für asiatische Verhältnisse groß gewachsenen Spielerinnen. Ich habe Nordkorea gegen Schweden im TV gesehen und muss sagen: Das wird nicht leicht für uns. Die haben immer drei, vier Anspielstationen bei ihrem exzellenten Kurzpassspiel. Wir müssen aufpassen und von Beginn an hellwach sein. Physisch sind wir stärker. Ich hoffe, dass das zusammen mit unserem technischen und taktischen Können für einen Sieg reicht. Wir wollen schließlich erneut Weltmeister werden.

Sie selbst haben noch nie gegen Nordkorea gespielt?

MM: Die ganze Mannschaft nicht. Ich selbst hoffe auf einen Einsatz, so wie bei der WM 2003 im Viertelfinale. Ein bisschen Hoffnung ist da. Aber wenn es nicht klappt, ist es auch nicht schlimm. Wichtig ist, dass wir das Spiel gewinnen und dass wir von der Bank aus die Spielerinnen auf dem Feld anfeuern und unterstützen. Die merken das und es hilft ihnen wie auch die bisher gute Fan-Unterstützung von den Rängen.

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