Zwei Gruppen, zwei Klassen

Von am 20. September 2007 – 22.27 Uhr 5 Kommentare

Lene StorløkkenEs war sicherlich nicht der Grund, warum die FIFA sich gestern doch noch dazu entschloss, alle Spiele des letzten Spieltags der Gruppe C und D auf einen Tag zu legen. Wie es ursprünglich für gestern geplant war. Nein, der Grund war es nicht, aber der Effekt war ein interessanter.

Morgens (deutscher Zeit) spielten vier Mannschaften aus Gruppe C, nachmittags vier aus Gruppe D. In beiden Gruppen fiel die Entscheidung erst heute – auch darüber, wer aus diesen beiden Gruppen sich am Sonntag im Viertelfinale begegnen wird.

Norwegen wird dann nach dem heutigen 7:2 gegen Ghana auf China treffen, das sich zu einem 2:0 gegen Neuseeland mühte. Und Brasilien, das zu einem späten 1:0-Erfolg über Dänemark kam, bekommt es mit Australien zu tun. Die Truppe aus „Down Under“ qualifizierte sich durch den Ausgleichstreffer von Cheryl Salisbury in der Nachspielzeit gegen Kanada.

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Norwegen in Torlaune

Also, was fiel auf? Zwei Gruppen, aber bei weitem nicht das gleiche Niveau. Relativ einseitig, aber doch sehenswert wegen der viele schönen Treffer Norwegens verlief die erste Partie in Hangzhou zwischen Norwegen und Ghana.

Lene Storløkken gab dort gleich nach einer Minute den Startschuss mit dem frühen 1:0. Zwar dauerte es dann bis zur 39. Minute, bis Top-Torjägerin Ragnhild Gulbrandsen den Vorsprung ausbaute und damit das 500. Tor der WM-Geschichte erzielte. Doch die Mannschaft von Bjarne Berntsen hatte das Spiel kontrolliert. Die Ghanaerinnen kamen nur durch Einzelaktionen vor den Kasten von Bente Nordby und verstolperten dann zumeist kläglich.

Ragnhild Gulbrandsen mit zwei weiteren Treffern (59. und 62.), Ane Stangeland Horpestad per Elfmeter (45.), Isabell Herlovsen (56.) sowie Lise Klaveness (69.) schraubten den Spielstand noch auf ein klares 7:0, ehe Adjoa Bayor durch einen Freistoß (73.) und Florence Okoe mit einem Elfmeter Ergebniskosmetik betrieben.

Last-Minute-Tor von Salisbury

Das beste Spiel des Tages sahen die Zuschauer zeitgleich in Chengdu. Dort lieferten sich Kanada und Australien einen packenden Kampf um den zweiten Gruppenplatz, der hinter Norwegen für das Viertelfinale reicht.

Mit einem Blitzstart hatten die Kanadierinnen gleich nach einer Minute urplötzlich die besseren Karten. Sie brauchten einen Sieg und Melissa Tancredi trug in der 1. Minute nach nur 32 Sekunden ihren Teil dazu bei. Es war das zweitschnellste Tor der WM-Geschichte. In den nächsten Minuten blieb Kanada die bessere Mannschaft, verpasste es aber, die Führung auszubauen.

Mitte des ersten Spielabschnitts nahm Australien in Person von Mittelfeldregisseurin Collette McCallum das Heft in die Hand. Sie leitete zahlreiche Angriffe ein, die von Sarah Walsh (Pfosten) und Joanne Peters aber nicht in Zählbares verwandelt werden konnten. So war es McCallum selber, die in der 53. Minute mit einem sehenswerten Freistoß den Ausgleich besorgte.

Nun war Kanada wieder am Zug, sie verstärkten ihre Angriffsbemühungen. Erstaunlich passiv agierten nun die Matildas. Das musste sich rächen, auch wenn es erst in der 85. Christine Sinclair mit einem Kopfball war. Doch die Freude der Kanadierinnen währte nur kurz. Den vermutlich letzten Angriff, der den Australierinnen blieb, leitete Lisa De Vanna ein, umspielte ihre Gegenspielerinnen im Strafraum und gab den goldenen Pass auf Kapitänin Salisbury.

2:2, auf der einen Seite war der Jubel groß, auf der anderen wurden bittere Tränen vergossen. Die Kanadierinnen hatten in jedem Spiel überzeugen können, scheiterten aber an dieser starken Gruppe, die zum bisherigen Turnier gleich drei hochklassige Partien beigetragen hatte. Norwegen – Kanada, Norwegen – Australien und heute eben Australien – Kanada. Alle waren sie bis zum Schluss offen und alle waren sie enorm temporeich.

Erschreckend harmlose Däninnen

Tempo, ja, „Tempo, Tempo“ mochte der geneigte Dänemark-Fan der Mannschaft des gesperrten Kenneth Heiner-Møller immer wieder zurufen. Merkwürdig passiv und defensiv eingestellt gingen die Skandinavierinnen gegen Brasilien ans Werk. Obwohl sie damit rechnen mussten, dass die Chinesinnen im Parallelspiel gegen Neuseeland obsiegen.

Mit Merete Pedersen und Johanna Rasmussen hatte Heiner-Møller gleich zwei wichtige Offensivspielerinnen auf die Bank gesetzt und im Sturm erneut nur Maiken With Pape aufgeboten. Diese hatte zwar in der 9. Minute nach Flanke von Christina Øyangen Ørntoft eine hervorragende Chance. Danach aber war von Dänemark nur noch wenig zu sehen.

Brasilien hielt sich auch weitestgehend zurück, wurde nur mit Distanzschüssen oder durch Einzelaktionen von Weltfußballerin Marta gefährlich. Dennoch ließen die Däninnen sie über weite Strecken gewähren.

Erst etwa zwanzig Minuten vor Spielende schienen die Däninnen den Ernst der Lage begriffen zu haben. Die Bissigkeit, die man vorher vermisste, legten sie nun an den Tag, um durch die eingewechselte Rasmussen in der 71. Minute zur besten Chance der zweiten Halbzeit zu kommen.

Doch es blieb ein Strohfeuer. In den letzten Minuten hatte man nicht den Eindruck, dass die Däninnen noch entscheidend zulegen konnten. Eine exzellente Freistoßgelegenheit drei Minuten vor Schluss wurde schon allein dadurch vergeben, dass sich Anne Dot Eggers Nielsen und Katrine Pedersen nicht einig wurden, wer ausführen sollte. In der ersten Minute der Nachspielzeit sagte Pretinha „Danke“ und traf zum 1:0-Endstand für Brasilien.

Brasilien schließt die Vorrunde damit mit einer weißen Weste von drei Siegen in drei Spielen ab, wurde jedoch in keiner der Begegnungen ernsthaft gefordert. Dänemark hat die Gelegenheiten, die sich ihnen boten, nicht genutzt und sich gegen Brasilianerinnen, die sich ob der für sie guten Ausgangslage nicht mehr zerrissen, viel zu vorsichtig und defensiv verhalten. Das Ausscheiden nach der Vorrunde, das nun zwei Play-Off-Spiele gegen Schweden um den dritten europäischen Olympia-Platz bedeutet, ist da die logische Konsequenz.

Miserable Torausbaute beim Gastgeber

22:6 Schüsse, 13:3 Torschüsse und 2:0 Tore für China – das sagt fast schon alles aus über dieses Spiel, das ein einseitiges, aber keinesfalls hochklassiges war.

An Chancen mangelte es den Chinesinnen nicht. Die Neuseeländerinnen standen zwar mit voller Mannschaftsstärke in der Abwehr, doch das Mittelfeld überließen sie weitestgehend dem Gastgeber. Eine Reihe von Chancen für Han Duan, Ma Xiaoxu oder Bi Yan waren die Folge. Allein, sobald sie im Strafraum waren, war es aus mit der chinesischen Herrlichkeit. Und in diesen zu kommen, war nicht schwer.

So musste für die Führung wieder einmal eine Standardsituation herhalten. Zhou Gaoping bediente in der 57. Minute Li Jie, die eine Unaufmerksamkeit der ansonsten starken Jenny Bindon im neuseeländischen Tor bestrafte und zum 1:0 einköpfte.

Nach weiteren vergebenen Chancen durch Han Duan und Ma Xiaoxu besorgte Xie Caixia in der 79. Minute den 2:0-Endstand. Überzeugt hatten die Chinesinnen aber keinesfalls. Gegen Norwegen muss eine deutliche Leistungssteigerung her, soll der Gastgeber auch noch im Halbfinale im Turnier sein.

So lässt sich für Gruppe C und D bilanzieren: Kanada als Dritter in Gruppe C ausgeschieden, weil die anderen zu stark waren. China in Gruppe D weiter, weil die anderen so schwach waren. Im Viertelfinale wird sich zeigen, ob dieser Eindruck täuscht.

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5 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Ich rechne mit Favoritensiegen in den Viertelfinals.

    Deutschland, USA, Norwegen und Brasilien.

    Finale: Norwegen – Brasilien.

    Aber Norwegens nächstes Spiel wird schwer. Die Chinesinnen sind zwar klar schwächer, aber daheim. Die Umstände werden für Norwegen nicht leicht sein, hoffentlich haben sie einen eigenen Koch dabei.

    Die USA werden sich gegen England sehr schwer tun, schaffens aber.

    Brasilien macht jetzt mal richtig ernst.

    Deutschland machts den Schwedinnen nach, Körpergrösse ausnützen. Viele Standardsituationen schaffen und mit grossem Einsatz Distanzschüsse vermeiden.

    Schaun mer mal…

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  • Markus Juchem sagt:

    Was Deutschland, Norwegen und USA angeht, gebe ich Dir Recht. Was Brasilien angeht: Vielleicht macht ja auch Australien richtig ernst. 😉

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  • Detlef sagt:

    Für Deutschland dürfte wohl morgen Schluss sein!!! Mit der Leistung aus den Spielen gegen Japan und England, werden wir morgen nur Statisten sein!!! Ich glaube nicht, dass sie sich entscheidend verbessern können!!!
    Ich denke auch, dass es die Amerikanerinnen sehr schwer haben, gegen die kantigen Engländerinnen!!! Aber steter Tropfen höhlt den Stein, und schließlich muss Rachel Brown, doch hinter sich greifen!!!
    Brasilien ist jetzt so stark, da wird auch für die tapferen Aussies kaum etwas zu machen sein!!! Aber kampflos werden sie sich nicht geschlagen geben, wird sicher ein Klassespiel!!!
    China gegen Norwegen wird sicher der andere Schlager werden!!! Norwegen wird am Ende knapp vorne liegen, wird aber viel Kraft lassen müssen!!!

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  • Max Diderot sagt:

    Gemach. Auch die vielen Ausrufezeichen können doch nicht den bis dato befriedigenden Eindruck der deutschen Mannschaft leugnen. Und mit Verlaub: Die koreanischen Amazonen haben gegen die USA ein passables Spiel geliefert und in den beiden anderen Partien eher an das biedere Charisma ihres geliebten Führers erinnert. Natürlich sind die Nord-Koreanerinnen ein starkes Team. Aber die deutsche Elf braucht doch vor diesem Werktätigen-Kollektiv keine Furcht zu haben! Respekt ja, und die entsprechende spielerische und taktische Initiative, damit sich die nordkoreanischen Damen ab Sonntag wieder ungestört mit der Chuch’e-Ideologie beschäftigen können.

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  • Detlef sagt:

    @Max Diderot,
    Du scheinst ja sehr leicht zu befriedigen zu sein, wenn Du der deutschen Mannschaft die Note DREI gibst!!! Oder ist es eher statistisch erhoben, Gegen Argentinien= Note EINS, Gegen England= Note Vier bis Fünf, und gegen Japan= Note DREI???
    Die A-Natio hat noch nie gegen Nord-Korea gespielt!!!
    Also wissen wir nicht, wie wir agieren müssen!!!
    Maren Meinert hat ausdrücklich vor ihnen gewarnt!!!

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