WM-Begeisterung nur eine Frage des Timings?

Von am 19. September 2007 – 12.12 Uhr 4 Kommentare

Es ist September und wir erleben die Frauenfußball-Weltmeisterschaft. Aber warum September? „Juni und Juli“, das ist das Mantra von Kolumnistin Christine Brennan von „USA Today“. „Das wäre der perfekte Zeitpunkt, um einer aufstrebenden Frauensportart eine Bühne zu bieten“, schreibt sie.

Wesentlich mehr Medienpräsenz, mehr Interesse, ein nachhaltiger Impuls für die Zukunft – alles wäre möglich. So aber müsse die WM in Konkurrenz zu zahlreichen anderen Sporthighlights treten. Ausgerechnet September, wo im Sport am meisten los sei. „Fände die Männer-WM im September statt, es wäre ein Reinfall sondersgleichen in den USA.“

Doch die Frauen-WM, sie beginnt erst im Herbst. „Und dann schüttelt man verwundert den Kopf und fragt sich, warum sich niemand mehr für die Frauen interessiert.“ Juni oder Juli, maximal August – eine Patentlösung für einen großen Erfolg?

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Konkurrenz ist groß

Es stimmt, viele Argumente von Brennan sind nicht von der Hand zu weisen. In den ersten Tagen lief noch die Basketball-EM parallel, die Rugby-WM begann gerade und dauert noch bis Mitte Oktober. Gerade in Australien, Neuseeland und bei Titelverteidiger England zieht der Kampf ums „Ei“ alle in ihren Bann.

Die Fußball-Ligen haben schon lange wieder ihren Spielbetrieb aufgenommen, die neue Cahmpions-League-Saison startete gestern, in den USA läuft die Baseball-Saison und auch das Politik-Sommerloch haben wir hinter uns gelassen. Die Geliebte von Horst Seehofer schafft es nun sicher nicht mehr auf die Titelseiten der Tageszeitungen. Die Konkurrenz ist also tatsächlich groß.

Komplizierte Abstimmung mit dem Ligenbetrieb

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Der Verweis auf den FIFA-Kalender sei keine Entschuldigung, so Brennan weiter. Auch dass das Wetter in China jetzt besser sei, lässt sie nicht gelten. Schließlich werden die Olympischen Spiele im nächsten Jahr auch im August stattfinden. Kein Wunder sei es also, dass nur sieben Journalisten aus den USA vor Ort sein werden.

Das klingt alles einleuchtend, vereinfacht die Problematik allerdings. Aus der Perspektive der USA, für die der Ligenbetrieb keine Rolle spielt, mag das alles plausibel sein. Die Bundesliga-Vereine aber sind froh, wenn ihre Spielerinnen auch mal ein paar Wochen Pause haben und nicht gleich nach Saisonende zur WM müssen, an die sich dann sofort die Bundesliga anschließt.

Auch Pausen sind wichtig

Wohin physische Überforderung führt, haben wir auch gerade erst mehrfach bei Welt- oder Europameisterschaften der Männer gesehen. Das spielerische Niveau blieb oft hinter den Erwartungen zurück. Ein warnendes Beispiel. Eine WM im Juni oder Juli hätte daher durchaus ihre Schattenseiten. Schließlich verläuft der Ligenbetrieb in den Teilnehmerländern ja auch beileibe nicht parallel.

Dennoch – dass der August eine bessere Lösung wäre, darüber kann und muss man reden. Ist doch die jetzige Situation, dass die Bundesliga nach zwei Spieltagen in eine vierwöchige Pause geht, alles andere als optimal. Ein WM-Überbrückungsturnier hat nur begrenzten Wert.

Saisonvorbereitung der Vereine jetzt schon nicht optimal

Warum also nicht im August die WM spielen und im September die Liga beginnen? Durch die zahlreichen Trainingslager und Testspiele konnten die Nationalspielerinnen schon jetzt keinesfalls optimal in die Saisonvorbereitung der Vereine eingebunden werden.

Schließlich hängt die Begeisterung und das Interesse für eine WM auch von wesentlich mehr Faktoren ab als vom Zeitpunkt. Immerhin 14 Journalisten aus Deutschland berichten direkt aus China. Deutlich mehr als vor vier Jahren in den USA, obwohl der Zeitpunkt der gleiche war.

Was aber selbstverständlich die Frage des günstigsten Zeitpunkts nicht weniger wichtig macht. Juni, Juli, August oder September? Eure Meinung ist gefragt!

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4 Kommentare »

  • Ruhrschnellweg sagt:

    Zum Einen ist der September international ungünstig, dass ist nicht zu leugnen. Zum Anderen ist der BuLi – Spielplan mit der Pause ne kleine Katastrophe, schon einmal marketingtechnisch (für viele im FF zwar ein Unwort, ich weiß) – gewiss aber Mannschaftstechnisch. Dies gilt nicht nur für die Teams mit vielen Abstellungen. Zum Beispiel haben bei der SGS die zentralen Mittelfeldakteurinnen Mel Hoffmann und Linda Bresonik noch keine Minute gemeinsam auf dem Platz gestanden, in W’scheid dürften viele den Neuzugang noch immer öfter im TV gesehen haben als vor Ort.
    Zum Thema Medienpräsenz: das Interesse wäre sicher noch größer, wenn dem „Normal-Fußballfan“ nicht parallel der Auftakt zur C-League etc. geboten werden würde…
    Jetzt muss man da durch, aber bitte: Wiederholung ausgeschlossen!

    PS: das Ü-Turnier ist anbetracht der Situation nicht die schlechteste Idee…

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  • Max Diderot sagt:

    “Und dann schüttelt man verwundert den Kopf und fragt sich, warum sich niemand mehr für die Frauen interessiert.” sagt die auf ihren Markt fokussierte amerikanische Sportsfreundin und verkennt dabei die europäische Heterogenität. Vermutlich, mir liegen keine Zahlen vor aber ich stütze mich auf die Aussage von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, der sinngemäß vom europäischen Wachstumsmarkt Frauenfußball sprach, tendieren die ökonomischen Parameter momentan eher gen Europa denn USA. Nichtsdestotrotz: der optimale Zeitpunkt für eine solche Veranstaltung, und die Frauen-WM soll ja, wenn es nach der FIFA geht voraussichtlich schon ab dem kommenden Turnier, auf 24 Teams komplettiert werden, gibt es nicht! Ebenso sind die Interessen der anderen Nationen, aus Afrika, Asien, Ozeanien sowie Mittel- und Südamerika gleichberechtigt zu berücksichtigen.
    Mir persönlich passt der augenblickliche Zeitpunkt gut. Und die letzte WM, in den USA, fand ja vom 20.09. – 12.10.2004 statt. Wenn ich mich richtig erinnere, war die ideele und merkantile Resonanz doch ganz passabel.
    Bleibt die FIFA bei der momentanen Terminvorgabe September, werden die Verbände ihren Spielbetrieb darauf abwägen. Und bei einer mittelfristigen Optimierung der kommerziellen Interessen der kickenden Damen, wird dies das geringfügigste Problem werden.

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  • Tommy sagt:

    Die gute Frau hat für den US-„Markt“ auf jeden Fall recht.
    Nicht nur die MLB läuft gerade an, sondern die allmächtige NASCAR geht in die letzten 10 Rennen der Saison, welche in einer Art Play-off System ausgefahren werden. („Chase for the Cup“)
    NASCAR ist die zweit oder dritt zuschauerträchtigste Sportart in den Staaten.

    Doch auch den deutschen Ligaspielplan muss man nicht unbedingt verstehen. Hätte man nicht erst im Oktober anfangen können und die Zeit hinten dran hängen?
    Warum richtet man sich nicht nach dem Männer-Modell und lässt die Ligen früher aufhören und spielt eine WM im Sommer?
    Natürlich müsste man hier die Ligen einigermaßen gleichschalten.

    Der einzige Vorteil für mich war, dass die WM in die „Grippewelle“ fällt und ich eine Woche lang die Matches verfolgen konnte 😀

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  • Christiane sagt:

    Wenn hier jeder seine Wünsche äußert, wird man nicht weit kommen. Da müssten sich die Länder abstimmen, ihre Anliegen institutionalisiert vertreten.

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