Nigeria droht mit WM-Boykott

Von am 17. September 2007 – 22.54 Uhr 2 Kommentare

Erst der Abhörskandal um das Team aus Dänemark, jetzt eine Boykottdrohung: die noch junge fünfte Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China produziert reichhaltig Schlagzeilen. Das nigerianische Team hat angedroht, nicht zu seinem WM-Spiel gegen die USA anzutreten. Hintergrund sind ausgebliebene finanzielle Zuwendungen, die den Spielerinnen zunächst vom nigerianischen Verband (NFA) versprochen worden sein sollen.

„Wir haben seit unserem Spiel gegen Nordkorea nicht trainiert“, wird eine ungenannte Spielerin von KICK OFF zitiert. „Und wir werden auch nicht trainieren, bis wir unser Geld sehen. Wenn das nicht vor Dienstag passiert, werden wir nicht gegen die USA spielen.“

Nach Angaben der Spielerinnen hat der nigerianische Fußballverband (NFA) versprochene Prämien- und Spesensätze drastisch reduziert. Den Spielerinnen zufolge hätten sie ursprünglich 100 U.S.-Dollar Spesen pro Tag erhalten sollen. Diese wurde bereits für das Trainingslager in Deutschland auf 30 Dollar, und für die WM in China auf 70 Dollar pro Tag reduziert. Für einen WM-Sieg sollte man ursprünglich einen Bonus von 3000 Dollar bekommen, für ein Remis 1500 Dollar. Zahlen will der NFA nun offensichtlich nur noch 700 Dollar für einen Sieg und 400 Dollar für ein Remis.

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Bereits vor der Abreise aus Nigeria seien die Spielerinnen vom NFA-Vorsitzenden Sani Lulu Abdullahi genötigt worden, die neuen Bedingungen zu akzeptieren. „Bevor wir abgereist sind, sagte er uns, wie viel sie zahlen würden und dass jeder, der nicht einverstanden wäre, das Lager verlassen und seine Koffer packen könnte.“

Inzwischen hat sich auch Amos Adamu eingeschaltet, seit 2006 FIFA-Exekutivmitglied. Er soll Maureen Mmadu und Christy George in einem Telefongespräch versprochen haben, eine Lösung für das Problem zu finden. Die Spielerinnen bestehen weiterhin auf die Zahlung des vollen versprochenen Beitrags, Adamu bat, die Spielerinnen sollten wieder das Training aufnehmen.

Boykottdrohungen in der Vergangenheit

Es ist nicht zum ersten Mal, dass nigerianische Spielerinnen mit einem Boykott drohen. 2004 gab es nach dem Gewinn der Afrikameisterschaft einen ähnlichen Fall wegen ausgebliebener Bonuszahlungen. Und auch 2007 gab es bereits Ärger. So drohten die Nigerianerinnen vor dem Halbfinalspiel gegen Gastgeber Algerien bei den All African Games ebenfalls damit nicht anzutreten. Auch damals ging es unter anderem bereits um Spesensätze, die nicht ausgezahlt wurden.

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Im vergangenen Jahr hatte bereits Togo für Aufsehen bei der Männer-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gesorgt, als man vor dem zweiten Gruppenspiel gegen die Schweiz ebenfalls mit Boykott drohte.

Sollte das Team wirklich nicht zum Spiel gegen die USA antreten, drohen nicht nur eine Disqualifikation und finanzielle Sanktionen, sondern gemäß dem Regelwerk der Frauenfußball-Weltmeisterschaft auch der Ausschluss von zukünftigen FIFA-Turnieren.

„Je nach Umständen des Rückzugs kann die FIFA-Disziplinarkommission zusätzliche Sanktionen verhängen, einschließlich des Ausschlusses des fehlbaren Verbands von nachfolgenden FIFA-Wettbewerben“, heißt es dort.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Der nigerianische Fußballverband hat einen Streik noch einmal abgewendet und wird den Spielerinnen die geforderte Aufwandsentschädigung von 100 US-Dollar pro Tag sowie 750 Euro Bonus für das Unentschieden gegen Schweden zahlen, berichtet KICK OFF heute.

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  • schmidt sagt:

    Ja, wenn das liebe Geld nicht wäre. Es dreht sich mehr und mehr um dieses. Geld ist und regiert noch nicht alles. Mit dem Geld kann einiges erreicht und beeinflußt werden. Wer über die Kontinente nicht nur spielerisch sondern auch finanziell Unterschiede erkennen kann, sieht auch zielgerichtet die Eogoismen und verschiedenen angewandten Maßstäbe.

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