Pressestimmen zur Nullnummer gegen England

Von am 15. September 2007 – 15.34 Uhr 1 Kommentar

Nach dem gestrigen 0:0 gegen England überwiegen in der deutschen Presse die kritischen Stimmen, die ein schwaches Spiel sahen und bei der deutschen Mannschaft ein spielerisches Konzept vermissten. Debütantin Annike Krahn darf sich über viel Lob und Anerkennung freuen. Und in der englischen Presse wird der starken Abwehr um Kapitänin Faye White gehuldigt.

Der Tagesspiegel titelt „Von elf auf null“ und sah einen Titelverteidiger, der sich zum Unentschieden „quälte“.

Auch Matthias Kittmann von der Frankfurter Rundschau nimmt Bezug auf den Kantersieg gegen Argentinien und vermutet: „Niemand wollte es einräumen, aber die Leichtigkeit des ersten Spiels war wohl ein bisschen Gift für diese Partie gewesen.“ Möglicherweise sei das Unentschieden ein „Signal zur rechten Zeit“ gewesen.

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Der Sport-Informationsdienst (sid) spricht von einem „durchwachsenen Spiel“ und einer „wenig überzeugenden Vorstellung“ Deutschlands.

Ähnlich sieht es Jana Wiske vom Kicker. Hier lesen wir von einem „Strohfeuer“, das das Aufbäumen vor dem Pausenpfiff gewesen sei. In einer „höhepunktarmen Partie“ habe dem deutschen Spiel „das Konzept und der Spielwitz“ gefehlt.

Etwas härter formuliert es Robert Rist in der taz. Er hat seinen Artikel mit „Schwach, schwächer, 0:0“ überschrieben und wundert sich über eine „überraschend zufriedene Bundestrainerin Neid“. Zwar habe man am Ende einige Chance vergeben, doch: „Ein Sieg der Deutschen wäre aber auch nicht verdient gewesen.“

Katrin Weber-Klüver von Spiegel Online konnte sich für das taktisch geprägte Spiel nicht begeistern. Sie spricht von „Mühsal im Mittelfeld“ und bilanziert nüchtern: „Es war taktisch nicht uninteressant, aber es gibt schönere Spiele.“

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Kathrin Steinbichler von der Süddeutschen Zeitung neigt erneut zur bildlichen Sprache und schreibt: „Wie eine Ziehharmonika aus Menschen wogte die Partie über den regennassen Rasen des Hongkou Stadions in Schanghai.“ Der Punktgewinn sei für England ein „Achtungserfolg“ gewesen.

Nur Potsdams Trainer Bernd Schröder, der die WM im Neuen Deutschland als Kolumnist begleitet, hatte Gefallen an diesem Spiel gefunden: „Was der Kollege Norbert Galeske gestern im ZDF während des Spiels Deutschland gegen England so erzählt hat, war totaler Quatsch. Wie langweilig das Spiel ist und dass die Zuschauer Laola zur Unterhaltung machen. Blödsinn. Das Spiel hatte Klasse. Es war gut.“

Seine Torfrau Nadine Angerer sah er „mal wieder etwas nervös. Manchmal ist sie einfach übermotiviert und rennt wild im Strafraum hin und her.“ Matthias Koch, der für Neues Deutschland in China ist, sah ein „leistungsgerechtes 0:0“.

Debütantin Annike Krahn bekam von allen Seiten gute Noten. Der Sport-Informationsdienst (sid) meint, dass sie Sandra Minnert „glänzend vertrat“. Matthias Koch schreibt, sie habe selbst in der schwächeren ersten Halbzeit „eine ordentlich Vorstellung“ gezeigt. Katrin Weber-Klüver fand sie schlicht „kaltschnäuzig“ gegen Englands Star Kelly Smith.

Der englische Verband spricht von einem „lebensnotwendigen Punkt“. Mit einer „beeindruckenden Entschlossenheit“ und „wildem Tackling“ hätten die „Three Lions“den Deutschen „die Fesseln angelegt“.

„Hope Powells Strategie erstickt Deutschland“ titelt der englische Telegraph. Selten habe ein torloses Unentschieden so „begeistert“. The Independent und The Guardian loben übereinstimmend Faye White als überragende Spielerin, der es gelungen sei, dem deutschen Angriff den Zahn zu ziehen. Die BBC sah in der englischen gar die „dominierende“ Mannschaft.

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1 Kommentar »

  • Detlef sagt:

    Es kann eigentlich nur SARKASMUS gewesen sein, was Schröder da abgelassen hat!!!
    Nach dem letzten, miserablen DFB-Pokalfinale von Duisburg und Frankfurt, hatte er lauthals verkündet, „Ich habe gelitten wie ein Hund“!!!
    Also wenn das Spiel Deutschland – England wirklich „GUT“ war, dann muss das Pokalfinale ein Traumspiel gewesen sein!!!

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