Konstellation Gruppe A und B: Remis sollte Deutschland zum Gruppensieg reichen

Von am 15. September 2007 – 9.45 Uhr 12 Kommentare

Diese Weltmeisterschaft ist spannend. In Gruppe A und B ist nach den gestrigen Ergebnissen noch alles möglich. Bis auf Argentinien können alle Mannschaften noch das Viertelfinale erreichen. Doch wer bräuchte welches Ergebnis, wenn der andere so oder so spielt? Wie muss die deutsche Mannschaft gegen Japan spielen, um das Viertelfinale zu erreichen, und wann belegt sie den ersten Tabellenplatz? Womensoccer.de gibt Euch für den letzten Spieltag den wichtigen Überblick.

Gruppe A:

Vor dem dritten und damit letzten Spieltag führt Deutschland die Tabelle mit vier Punkten und 11:0 Toren vor Japan mit vier Punkten und 3:2 Toren an. England hat zwei Punkte und 2:2 Tore. Lediglich Argentinien mit null Punkten und 0:12 Toren ist bereits ausgeschieden.

Anzeige

Wenn England gegen Argentinien nicht gewinnt,

sind Japan und Deutschland für das Viertelfinale qualifiziert. Wer Gruppensieger wird, hängt dann vom Ergebnis des direkten Aufeinandertreffens zwischen Japan und Deutschland ab. Gibt es einen Sieger, wird dieser Gruppenerster. Bei einem Unentschieden wäre Deutschland wegen der besseren Tordifferenz (+11 gegenüber +1 von Japan) Gruppenerster.

Gewinnt England gegen Argentinien,

wird es komplizierter. England hätte dann fünf Punkte. Gibt es zwischen Deutschland und Japan einen Sieger, würde dieser mit sieben Punkten die Gruppe gewinnen, England mit fünf Punkten auf Platz zwei landen.

Spielen Deutschland und Japan aber Unentschieden, hätten alle drei Mannschaften jeweils fünf Punkte. Es zählt dann zunächst das Torverhältnis aus allen Gruppenspielen. Hier hat Deutschland nach dem 11:0 gegen Argentinien klare Vorteile und würde sich vermutlich als Gruppenerster qualifizieren, sollte England nicht auch mindestens 11:0 gegen Argentinien gewinnen. Japan schlug Argentinien nur mit 1:0

Für Platz zwei würden zwischen England und Japan dann auch zunächst das Torverhältnis und dann die Zahl der selbst erzielten Treffer in allen Gruppenspielen gelten. Japan hat vor dem Spiel gegen Deutschland ein Torverhältnis von 3:2, England vor dem Spiel gegen Argentinien 2:2. Ein Sieg mit zwei Toren Unterschied gegen Argentinien würde England dann also reichen.

Bleibt zwischen Japan und England die Tordifferenz und die Anzahl der eigenen Treffer identisch, zählt, da der direkte Vergleich 2:2 ausging, in dieser Reihenfolge:

Der Punktekoeffizient, errechnet aus den Qualifikationsturnieren zur WM 1999 (erzielte Punkte geteilt durch ausgetragene Spiele)

Die Fairplay-Wertung

Der Losentscheid der Kommission

Gruppe B:

In Gruppe B haben die USA und Nordkorea beide vier Punkte und 4:2 Tore auf ihrem Konto. Gegeneinander spielten sie 2:2. Nigeria und Schweden haben jeweils einen Punkt und ein Torverhältnis von 1:3. Gegeneinander spielten sie 1:1.

Die USA/Nordkorea sind weiter bei einem Sieg oder einem Unentschieden gegen Nigeria/Schweden.

Gewinnen die USA und Nordkorea, entscheidet die Höhe ihres Sieges (Tordifferenz vor Anzahl selbst erzielter Tore) über Platz eins, da beide Mannschaften derzeit das gleiche Torverhältnis und die gleiche Anzahl selbst erzielter Tore aus allen Gruppenspielen aufweisen. Bei identischem Torverhältnis müsste der Punktekoeffizient (s.o.), die Fair-Play-Wertung bzw. als letzte Möglichkeit das Los entscheiden.

Spielen die USA und Nordkorea beide Unentschieden, gelten die o.g. Kriterien auch. In diesem Fall würde also die Anzahl der selbst erzielten Tore über Platz eins und zwei entscheiden, weil die Tordifferenz identisch bliebe.

Gewinnen die USA, während Nordkorea nur Unentschieden spielt, sind die USA als Erster weiter und Nordkorea als Zweiter.

Gewinnt Nordkorea bei einem Unentschieden der USA, zieht Nordkorea als Erster und die USA als Zweiter ins Viertelfinale ein.

Holen die USA mindestens ein Unentschieden, während Nordkorea gegen Schweden verliert, sind die USA Gruppensieger. Schweden hat vor dem Spieltag ein Torverhältnis von 1:3, Nordkorea 4:2. Folglich müsste Schweden mit mindestens drei Toren Unterschied gewinnen.

Holt Nordkorea mindestens ein Unentschieden, während die USA gegen Nigeria verlieren, ist Nordkorea Gruppensieger. Nigeria hat vor dem Spieltag ein Torverhältnis von 1:3, die USA 4:2. Folglich müsste Nigeria mit mindestens drei Toren Unterschied gewinnen.

Verlieren die USA gegen Nigeria und verliert Nordkorea gegen Schweden, hätten alle vier Mannschaften vier Punkte. Es zählen dann alle Gruppenspiele. Bei einer Ausgangssituation von 4:2 Toren für die USA und Nordkorea bei 1:3 Toren von Schweden und Nigeria müsste Schweden/Nigeria mit mindestens drei Toren Unterschied gewinnen.

Der Sieger der Gruppe A trifft im Viertelfinale auf den Zweiten der Gruppe B. Der Sieger von Gruppe B spielt gegen den Zweiten von Gruppe A.

Ab dem Viertelfinale, das ist eine feine Sache, ist diese Rechnerei nicht mehr nötig. Dann fällt die Entscheidung in K.O.-Spielen. Wenn es sein muss, bis zum bitteren Ende im Elfmeterschießen. 😉

Tags: , , , , ,

12 Kommentare »

  • Soccer_vom_Hocker sagt:

    Nun, bin ich der einzige, der von diesem Rechenspielchen Kopfschmerzen bekommt?

    Sagen wir es frei heraus, Deutschland muss sich darauf konzentrieren zu GEWINNEN. Auf Teufel komm‘ raus. In diese Situation haben sie sich ja selbst gebracht mit dem gestrigen Grottenkick. Die Bilanz spricht eindeutig für den Weltmeister, aber auf die Japanerinnen muss man bis zu letzten (Nachspiel-)Minute achten, davon können England und Argentinien bekanntlich ein Liedchen singen…

    (0)
  • Uns ist leider bei der Reihenfolge der anzuwendenden Kriterien ein Fehler unterlaufen. Wir bitten diesen zu entschuldigen und haben korrigiert.

    (0)
  • Detlef sagt:

    Ich mag diese Rechnerei auch nicht!!! Ich bevorzuge auch die KO-Regel (mit allen Vor-, und Nachteilen)!!!
    Ich glaube nicht, dass sich der Titelverteidiger auf ein Remis einlassen wird!!! Dafür steht einfach zu viel auf dem Spiel!!! Es wäre wohl mehr als bitter, wenn wir in der dritten Minute der Nachspielzeit, den KO-Stoß versetzt bekämen!!! Dann hieße es schon in der Gruppenphase, „das war das AUS für den amtierenden Weltmeister“!!!

    (0)
  • Max Diderot sagt:

    Die Anwendung der elementaren Mathematik sollte nun wirklich nicht dazu führen, dass sich die deutschen Damen auf ein Unentschieden gegen das japanische Team kaprizieren wollen. Aber das aktuelle Länderspieljahr hatte für die DFB-Elf ihre Schwächen und Stärken. Irgendwie vermute ich auch, dass den Deutschen noch nicht aufgegangen ist, wie und mit welchen spielerischen Mitteln sie den stärker gewordenen Kontrahentinnen Paroli bieten können. Die Partie gegen die Japanerinnen wird anspruchsvoll und ist gewiss kein Selbstläufer für die Damen des DFB.

    (0)
  • Tom Schlimme sagt:

    Also langsam geht mir dieser Pessimismus auf den Zeiger. Die Ausgangspositions vor dem Spiel gegen Japan ist sehr gut und ich rechne fest damit, dass Deutschland als Gruppenerster die Gruppenphase abschließt.

    Kein Mensch hat behauptet, dass die deutsche Mannschaft auf ein Unentschieden spielen wird. Allein, weil ein Unentschieden rechnerisch reichen würde, braucht man nicht gezielt auf ein Unentschieden losspielen. Nicht nur die Bundestrainerin, auch die Spielerinnen wissen, wie schnell so was schiefgehen kann, dazu brauchen sie unsere Ratschläge nicht.

    Es ist aber schon wichtig für die eigene Taktik, die Situation von Japan im Auge zu behalten. Japan reicht ein Unentschieden nämlich eher nicht, denn sie müssen mit einem höheren Sieg von England gegen Argentinien rechnen, als ihr eigenes mageres 1:0. Das heißt, Japan kann sich nicht ganz so mit zwei Viererketten hinten reinstellen, wie dies England getan hat. Da dürften sich für unsere Spielerinnen doch mehr Räume auftun als am Donnerstag.

    Es ist aber auch klar, dass das deutsche Team selber nicht nach der Hauruckmethode alles oder nichts nach vorne stürmen muss. Das würden zwar viele gerne sehen, aber was viele gerne sehen würden, und was taktisch klug ist, muss nicht immer das Gleiche sein.

    Also, hervorragende Ausgansbasis, klug spielen, das heißt gemäßigt offensiv, ohne unvorsichtig zu werden, Geduld haben, dann kommt am Ende der Gruppensieg bei raus.

    Wo wir uns einig sind: ich sehe auch noch nicht, wie diese deutsche Elf USA oder Nordkorea schlagen will, die einfach verdammt stark spielten bisher. Wenn überhaupt, dann aber eher dadurch, dass man gegen Japan noch Kräfte schont, vielleicht sogar noch eine überraschende Variante im Köcher behält, und dann erleben wir vielleicht doch noch eine positive Überraschung im Viertelfinale. Davon, dass wir jetzt alle jammern, wie schlecht doch sowieso das deutsche Team sei und die Bundestrainerin und überhaupt…

    Also ein bißchen erinnert es mich inzwischen an Sepp Herberger 1954!

    (0)
  • schmidt sagt:

    Die eigentliche Schwachstelle im dt. Spiel liegt im Mittelfeld.
    @ Tom Schlimme
    Es ist ja höchst interessant, nicht nur ihre taktische Einschätzung, oder die möglicherweise nach den Gruppenspielen zum Einsatz kommenden neuen deutschen geheimen sportlichen Varianten, die dann alle überraschen sollen, wie es 1954 gelang.
    Dieser Betrachtung und Einschätzung kann ich leider nichts abgewinnen und denke, es ist leider deutsches Wunschdenken.
    Das deutsche Mittelfeld ist m.E. noch nicht richtig besetzt. Hier gilt es noch die eigentliche Schwachstelle zu beheben.

    (0)
  • Tom Schlimme sagt:

    Ich sage nicht, dass es der deutschen Mannschaft gelingen wird, irgendwelche überraschenden Varianten auszupacken. Ich sage nicht, dass die deutsche Mannschaft USA oder Nordkorea schlagen wird. Ich sage nur, dass, wenn Deutschland gegen diese starken Gegner überhaupt eine Chance haben will, dass es dann nicht hilfreich ist, gegen Japan volle Power auf hohen Sieg zu spielen, sondern dass es besser wäre, taktischer vorzugehen.

    WEIL wir eben nicht so stark sind, dass es gegen starke Gegner einfach wird!

    WEIL wir eben nicht nur im Mittelfeld Probleme haben, sondern auch in der Abwehr und im Sturm!

    Also deutsches Wunschdenken kann ich bei mir nicht erkennen. Eher die realistische Einschätzung, dass wir nicht so stark sind, wie ich es gerne hätte.

    (0)
  • Rainer sagt:

    @Katja: Leider reichen den Schwedinnen nicht zwei Tore Unterschied gegen Nordkorea. Es müssen drei sein, denn bei einem 3:1 hat Schweden 4:4 Tore, Nordkorea 5:5, bei einem 4:2 Schweden 5:5 und Nordkorea 6:6 und wäre immer aufgrund der mehr erzielten Tore weiter…

    (0)
  • @ Rainer

    Korrekt, das gilt dann natürlich ebenso für Nigeria und die USA.

    @ Tom/schmidt

    Die Darstellung der rechnerischen Situation ist selbstverständlich überhaupt nicht mit einer Empfehlung verbunden, auf Unentschieden zu spielen. 😉

    Ich stimme zu, dass die deutsche Mannschaft noch keine Leistung gebracht hat, die einen für ein mögliches Duell gegen die USA oder Nordkorea höchst optimistisch stimmt. Allerdings sind vom Montag bis zum Viertelfinale am Samstag fünf Tage Pause. Zumindest körperlich bleibt da genug Zeit zur Erholung. Alle taktischen Varianten muss man deshalb freilich nicht offenlegen.

    Am besten ist es aber, denke ich, das Viertelfinale noch gar nicht im Hinterkopf zu haben. Es wäre wichtig, sich vor einem auf jeden Fall schweren Viertelfinale einmal über 90 Minuten stark zu präsentieren. Auch, um den kommenden Gegner zu beeindrucken. Also so auftreten, als wäre es bereits ein Viertelfinale. Keine übertriebene Offensive, aber konzentrierten Fußball über 90 Minuten, ohne am Ende einen Gang zurückzuschalten. Dafür sind die Japanerinnen mit ihren Standardsituationen auch einfach zu gefährlich.

    (0)
  • Max Diderot sagt:

    In einem Gespräch, oder war es ein Artikel, in der Süddeutschen, das kurz vor Beginn der WM publiziert worden ist, sprach Birgit Prinz sinngemäß davon, dass der Aspekt des Selbstvertrauens, durch ein erfolgreiches Match, im deutschen Team eine bedeutsame Rolle einnehme. Ähnliches war von Frau Neid und einigen Spielerinnen nach dem Spiel gegen Argentinien zu vernehmen. Umso erstaunter war ich dann über das Geschehen gegen England. Eine entsprechende mentale Überzeugung, die sich durch ein druckvoll-konstruktives Spiel hätte darstellen können, konnte ich nicht erkennen. Nun liegt zwischen einer negativen und positiven Einstellung noch der Realismus. Insofern stimme ich der Ansicht, dass das deutsche Mittelfeld der augenblicklich schwierigste Mannschaftsteil sei, zu. Anlässlich einer Frauen-WM im Jahre 2007 auf maskuline Köpfe der 50er Jahre zu verweisen, erinnert mich ein wenig an die Überzeugungen des DFB, mit fußballerisch antiquierten Mitteln der Vergangenheit in der Gegenwart Erfolg haben zu wollen.

    (0)
  • Tom Schlimme sagt:

    Ich wollte mit dem Hinweis auf die Kritik an Sepp Herberger während der WM 1954 einfach nur auf die Unsitte hinweisen, dass jede deutsche Nationalmannschaft, Männer oder Frauen, bzw. die zugehörigen Bundestrainer, meiner Meinung nach über Gebühr kritisiert werden, wenn sie mal nicht so toll spielen. Oft genug stellt sich diese Kritik hinterher dann als überzogen oder sogar völlig daneben heraus, wie 1954, aber anscheinend lernen zu wenige daraus. Wenn etwas antiquiert ist, dann das.

    (0)
  • Max Diderot sagt:

    Ei der Daus! Gegen konstruktive Kritik dürfte doch eigentlich nichts einzuwenden sein. Mein anti-chauvinistisches Selbstwertgefühl nimmt allzu gern zur Kenntnis, dass die aktuelle Damen WM eine Reihe exzellenter Teams und interessanter Spiele bietet. Die ambitionierten Darbietungen einiger Mannschaften kann ich augenblicklich nur auf eine Verbesserung von Athletik und Spieltechnik zurückführen. Gerade im zweiten der beiden Faktoren sehe ich Defizite des deutschen Teams. Und ich vermute auch, dass die DFB-Elfen hier eine Fortentwicklung verschlafen haben. Beleg dafür sind auch die durchwachsenen Resultate der deutschen Mannschaft im aktuellen Kalenderjahr. Diese Annahme, die mein kleines, männliches Gehirn produziert, soll ja auch niemanden und nichts disqualifizieren sondern nur im großen, freien (Frauen-) Fußballraum ein kleiner Partikel sein, der möglicherweise durch ein erfolgreiches Abschneiden der DFB-Mannschaft schnell ins Abseits gerät.

    (0)