Ein Dutzend Tore, doch nur ein Spiel auf Topniveau

Von am 15. September 2007 – 19.50 Uhr 1 Kommentar

Lisa De VennaDer vierte Spieltag bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China bescherte nur den 33.835 Zuschauern im Hangzhou Dragon Stadium bei der Partie Norwegen gegen Australien Frauenfußball der Extraklasse.

In Wuhan setzte sich Weltfußballerin Marta mit ihrem zweiten Doppelpack an die Spitze der Torschützinnenliste, wenngleich das Spiel zwischen Brasilien und China die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllen konnte. Teamkollegin Cristiane und die Kanadierin Christine Sinclair durften sich ebenfalls über gleich zwei erzielte Tore freuen.

Nach Argentinien steht Ghana als zweites Team fest, das bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten muss. Womensoccer.de liefert einen Überblick über die Partien des Tages.

Anzeige

Norwegen – Australien: Frauenfußball zum Zungeschnalzen

Australiens Trainer Tom Sermanni veränderte sein Team gegenüber dem 4:1-Erfolg gegen Ghana erstaunlicherweise gleich auf sechs Positionen. Ein Schritt, der sich am Ende jedoch bezahlt machte. Denn die Australierinnen trotzten Norwegen in einer der besten Partien des bisherigen WM-Turniers ein 1:1-Unentschieden ab.

Bereits in der fünften Minute brachte Ragnhild Gulbrandsen ihr Team mit ihrem zweiten Turniertreffer in Führung, Sermannis personelle Umstellungen schienen zunächst nicht zu fruchten. Doch Australien biss sich in die Partie hinein und bot den starken Norwegerinnen zunehmend Paroli.

Und wie schon im Spiel gegen Ghana erwies sich die Einwechslung von Lisa De Vanna zur zweiten Halbzeit als Volltreffer. Denn nach ihren beiden Treffern gegen die Afrikanerinnen erzielte sie diesmal mit einem platzierten Schuss in den Winkel in der 83. Minute den verdienten Ausgleich. Bereits zuvor hatte De Vanna ebenso wie auf der Gegenseite Lene Mykjålland den Pfosten in der attraktiven Partie getroffen.

„Es war ein sensationelles Spiel“, freute sich Sermanni nach dem Remis, dass beiden Teams eine gute Chance auf Erreichen des Viertelfinales lässt. „Beide Mannschaften haben auf Sieg gespielt und eine Menge guten Fußball gezeigt. Ich bin wirklich zufrieden mit meinen Spielerinnen. Im nächsten Spiel werden wir unsere stärkste Elf aufbieten.“

Und auch Norwegens Trainer Bjarne Berntsen stimmte zu: „Es war ein sehr gutes Spiel, aus unserer Sicht vor allem in den ersten 45 Minuten. In der zweiten Halbzeit haben wir uns viel schwerer getan. Über die 90 Minuten betrachtet müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein. Wir sind immer noch in einer guten Position.“ Beiden Mannschaften zeigten in ihrem zweiten Gruppenspiel, dass mit ihnen im weiteren Turnierverlauf noch zu rechnen sein wird.

Brasilien – China: Lockerer Sieg gegen uninspirierte Gastgeber

Die Freude bei den brasilianischen Spielerinnen fiel nach dem klaren 4:0-Erfolg gegen Gastgeber China verhalten aus. Denn sie wussten gut einzuschätzen, dass die Chinesinnen im Vergleich zum Spiel gegen Dänemark in den letzten Tagen irgendwo in Wuhan ihre Form und Motivation verloren zu haben schienen und seltsam uninspiriert auftraten. Oder die Ablenkung und Irritation rund um die Abhöraffäre hatten dem Team von Trainerin Marika Domanski-Lyfors mehr zugesetzt, als man das nach außen hin zugeben wollte.

Zweimal Marta (42. und 70.) und zweimal Cristiane (47. und 48.) sorgten für den deutlichen Sieg, und das, obwohl das Team von Trainer Jorge Barcellos wie schon gegen Neuseeland nur phasenweise überzeugen konnte. Song Xiaoli hatte in der ersten Halbzeit mit einem Lattenschuss die einzige nennenswerte Chance der über große Strecken des Spiels teilnahmslos wirkenden Chinesinnen. Brasilien ist neben Deutschland das einzige Team, das noch keinen Gegentreffer einstecken musste und hat von der Papierform her einen optimalen Start in das Turnier erwischt.

Die Art und Weise wie Domanski-Lyfors vom Platz schlich und die Vorfälle der vergangenen Tage könnten die ersten Anzeichen für einen möglichen Rücktritt der Schwedin gewesen sein. Dass Domanski-Lyfors die „Steel Roses“ bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 noch betreuen wird, dürfte nach dieser Niederlage eher unwahrscheinlich sein.

Kanada – Ghana: Überforderte Afrikanerinnen

Nach der knappen 1:2-Niederlage gegen Norwegen zeigte sich Kanada beim 4:0-Sieg gegen Ghana gut erholt. Zwei Treffer von Christine Sinclair (16. und 62.) sowie Tore von den WM-Newcomern Sophie Schmidt (55.) und Martina Franko (77.) sorgten für zufriedene Gesichter im Lager der Kanadierinnen.

„Ghana war kein einfacher Gegner, sie sind schnell und hatten sogar mehr Ballbesitz als wir“, so Kanadas Trainer Even Pellerud. Doch in punkto Effizienz konnten die Afrikanerinnen ihrem Kontrahenten nicht das Wasser reichen. „Wenn man genauer hinschaut, kann man sehen, dass die anderen Teams einen großen Vorsprung haben“, so Ghanas Trainer Isaac Paha ernüchtert. „Aber wir werden weiter kämpfen und uns bleibt noch ein Spiel, um mit einem Sieg das Gesicht des Teams zu wahren.“

Mit einem Torschussverhältnis von 14:3 für Kanada bei 55 Prozent Ballbesitz für Ghana zeigten die Kanadierinnen, worauf es im Fußball ankommt. Für die Ahornblätter gilt es nun, im letzten Gruppenspiel gegen Australien einen weiteren Sieg einzufahren, will man ins Viertelfinale, ohne auf die Hilfe Ghanas im Spiel gegen Norwegen angewiesen zu sein.

Dänemark – Neuseeland: Glanzloser Sieg für den Favoriten

Dänemark jubeltWar es das Fehlen des gesperrten Trainers Kenneth Heiner-Møller oder das Wissen, drei Punkte holen zu müssen, um weiter im Rennen um einen Viertelfinalplatz zu bleiben? Das Team aus Dänemark blieb über weite Strecken blass und entledigte sich der Pflichtaufgabe nur dank zweier Standardsituationen in der zweiten Halbzeit mit 2:0. Gegen die kompakte Abwehr der Neuseeländerinnen fiel den Däninnen vor allem in den ersten 45 Minuten nur wenig ein.

Nach der Pause erhöhte man das Tempo und agierte verstärkt mit langen Pässen. Es dauerte über eine Stunde, bis Spielführerin Katrine Pedersen mit einem schön getretenen Freistoß von der Strafraumgrenze den Bann brach (61.). Zuvor hatte Maia Jackman Stürmerin Maiken With Pape hart bedrängt, die Dänin kam kurz vor der Strafraumgrenze zu Fall. Nur fünf Minuten später war es dann Cathrine Paaske-Sörensen, die mit einem Kopfball nach einem weiteren Freistoß für die Entscheidung sorgte (66.).

Mittelfeldspielerin Anne Dot Eggers Nielsen räumte nach der Partie ein: „Mit so einer Leistung werden wir gegen Brasilien nicht gewinnen können.“ Katrine Pedersen hatte hingegen ein „fantastisches Spiel“ gesehen. Trainer Heiner-Møller war erleichtert: „Wichtig war, dass wir die drei Punkte geholt haben. Das Tempo in der ersten Halbzeit war zu niedrig, deswegen habe ich in der Pause ein paar Änderungen vorgenommen.“

Tags: , , , , , , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Rainer sagt:

    Man spielt immer nur so gut wie der Gegner es zulässt. Ist das von Herberger?

    Brasilien bekam die Chinesinnen nach einer Anlaufphase immer besser in den Griff und hatte sicher etwas Glück, das nach Martas genialem 1:0 schon zu Beginn der zweiten Halbzeit mit dem Doppelschlag von Cristiane (zweimal Vorarbeit Marta) das Spiel entschieden wurde. Aber die Selecao hat durch den Doppelschlag einfach die Luft rausgelassen aus dem chinesischen Spiel. Und das Team hat einfach ungeheuer gute Offensivspielerinnen, ist physisch stark und für mich nach den beiden Auftritten, wo man das tat, was nötig war, ein klarer Medaillenanwärter, egal ob der Viertelfinalgegner Australien oder Kanada heisst.

    Dänemark kann leider nur hoffen, dass die Südamerikanerinnen eventuell die eine und die andere im letzten Gruppenspiel für das Viertelfinale schonen wollen.

    Hier in Schweden glaubt kaum jemand ans Weiterkommen, die exzellente Frauenfussballkennerin Jennifer Wegerup schrieb heute schon einen Abgesang auf die erfolgreiche Generation der Svenssons, Ljungbergs und Marklunds, die über Rücktritte nachdenken sollen.

    Dabei war allerdings schon vor der WM klar, dass Hanna Marklund sich im November entscheiden wird, ob sie überhaupt weiter Fussball spielt. Victoria Svensson hatte mir in einem Interview etwa vier Wochen vor der WM gesagt, dass sie nächste Saison auf jeden Fall Vereinsfussball spielt, aber über die Nationalelf nachdenken würde. Das ist also nicht durch das Abschneiden bedingt.

    Für Olympia sollten sich die Schwedinnen dennoch qualifizieren, es sei denn, Dänemark schafft ein Wunder gegen Brasilien. Falls beide Teams nach der Vorrunde ausscheiden, wird ein Play-Off-Spiel zwischen Dänemark und Schweden angesetzt.

    Aber auch Deutschland ist noch nicht im Viertelfinale. Die Japanerinnen müssen gewinnen und sollten sie die Überraschung schaffen, fährt Deutschland nach Hause.

    (0)