Drei Favoritensiege, doch die Spannung bleibt

Von am 14. September 2007 – 22.03 Uhr 2 Kommentare

Abby WambachAm 2. Spieltag von Gruppe A und B gab es neben dem 0:0 von Titelverteidiger Deutschland gegen England heute drei Favoritensiege. Die USA fanden nach dem 2:2 gegen Nordkorea durch einen verdienten 2:0-Erfolg gegen Schweden auf die Siegerstraße zurück. Auch Nordkorea ließ dem heißen Fight vom Dienstag einen Drei-Punkte-Erfolg folgen und wies Nigeria bei ihrem 2:0 deutlicher in die Schranken, als es das Ergebnis aussagt.

In der deutschen Gruppe A tat sich Japan gegen Argentinien unerwartet schwer und kam erst in der Nachspielzeit zum einzigen und damit entscheidenden Tor des Tages. Die Tabellenkonstellation in beiden Gruppen verspricht für den letzten Spieltag am Montag reichlich Spannung.

Abby Wambach doppelt erfolgreich

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Das mit viel Spannung erwartete Duell zwischen den USA und Schweden, die bei mit einem Unentschieden in das Turnier gestartet waren, hielt in Sachen Spannung und Einsatzwillen von Beginn an, was es versprach. Beide Teams wussten um die Bedeutung dieser Partie und gingen dementsprechend entschlossen und leidenschaftlich zur Sache.

Der schwedische Coach Thomas Dennerby hatte mit Linda Forsberg für Sara Thunebro einen Wechsel vorgenommen. Greg Ryan schickte mit Leslie Osborne für Shannon Boxx und Lindsay Tarpley für Heather O’Reilly zwei neue Spielerinnen auf den Platz. Leichte Vorteile erarbeitete sich in den Anfangsminuten zunächst die Mannschaft von Thomas Dennerby. Nachdem zwei frühe Eckbälle und ein Kopfball von Hanna Ljungberg (3. Minute) ungenutzt blieben, verebbte der Anfangselan der Schwedinnen allerdings zusehends.

Nach gut 20 Minuten drehte sich die Partie und die USA wurden die spielbestimmende Mannschaft. Eine Flanke von Cat Whitehill, die wohl ungewollt noch zum Torschuss geriet, schnappte sich Torfrau Hedvig Lindahl gerade noch in der Rückwärtsbewegung. Nach einer halben Stunde versuchten es beide Teams noch einmal per Fernschuss. Doch Chalupnys Schuss konnte Lindahl im Nachfassen abwehren, eine Minute später lenkte Hope Solo einen Kracher von Victoria Svensson über die Latte.

Aus der nun drückenden Überlegenheit der USA ergab sich in der 37. Minute eine für Torfrau Hedvig Lindahl sehr unglückliche Situation. Bei einem weiten Pass von Kate Markgraf verschätzte sie sich, der Ball sprang vor ihr auf und über sie drüber gefährlich in Richtung Torlinie. Dort versuchte Stina Segerström gegen Chalupny noch zu retten, traf jedoch neben dem Ball auch die Beine der US-Amerikanerin. Schiedsrichterin Gyoengyi Gaal entschiede, durchaus vertretbar, auf Strafstoß, den Abby Wambach mit ihrem ersten Streich sicher zur amerikanischen Führung verwandelte.

Nach dem Führungstreffer agierten die USA noch zielstrebiger und hätten in der 49. Minute durch Kristine Lilly nach schöner Hereingabe von Wambach beinahe das 2:0 gemacht. Das besorgte neun Minuten später dann erneut die überragende Wambach mit einer brillanten Direktabnahme nach Flanke von Kristine Lilly. Dass die ganz großen Spielerinnen, solche wie Lilly und Wambach, Spiele dieser Bedeutung entscheiden, bewahrheitete sich damit eindrucksvoll.

„Wer Fussball mag, muss Spielerinnen wie Abby Wambach mögen. Das ist einfach die Wahrheit. Sie hat heute den Ausschlag gegeben“, zollte Dennerby der Top-Stürmerin seine Anerkennung. Den Ausschlag gegeben hat aber auch, dass Schweden noch keinen Ersatz für die zurückgetretene Malin Moström im zentralen Mittelfeld gefunden hat. Hier mühte sich Therese Sjögran zwar redlich, blieb aber lediglich bemüht und wenig erfolgreich. Hanna Lungberg präsentierte sich wie schon gegen Nigeria nicht in bester körperlicher Verfassung. Und Hedvig Lindahl im Tor strahlte nicht die notwendige Sicherheit aus, die es gegen einen Gegner wie die USA braucht.

Nordkorea in souveränder Manier zu drei Punkten

Nordkorea, und damit vielleicht die Mannschaft, die am ersten Spieltag den größten Eindruck hinterlassen hat, bekam es heute mit dem Afrikameister Nigeria zu tun. Nach dem starken Auftritt gegen die USA ging die Mannschaft von Trainer Kim Kwang-Min als klarer Favorit in die Begegnung und wurde dieser Rolle von Beginn an gerecht.

Starke erste 25 Minuten reichten den Nordkoreanerinnen, um Nigeria den Zahn zu ziehen und den Rest der Partie im Schongang absolvieren zu können. Dabei kamen die Asiatinnen nicht, wie noch gegen die USA, per Fernschüssen zum Erfolg. In Keeperin Precious Dede fanden sie reihenweise ihre Meisterin. Das probate Mittel gegen die Mannschaft von Trainer Isaac Paha waren Standardsituationen.

Sowohl das erste als auch das zweite Tor resultierten aus einem Eckball. Den ersten verwandelte Kim Kyong-Hwa mit viel Effet direkt über Dede hinweg. Mit ihrem zweiten Eckball nur vier Minuten später bediente sie Ri Kum-Suk mustergültig und diese köpfte zum 2:0 ein. Die nigerianische Abwehr offenbarte dabei ihre Schwächen im Stellungsspiel, als die Torschützin ungedeckt zum Einköpfen kam, gleichzeitig aber drei Nigerianerinnen auf der Torlinie auf eine Rettungstat lauerten.

Im weiteren Verlauf des Spiels blieb Nordkorea die überlegene Mannschaft, ohne den Druck der Anfangsminuten beizubehalten. Nigeria kam nur zu wenigen Chancen. Maureen Mbachu hatte kurz vor Spielende die beste, zog das Leder aber knapp am Tor vorbei. Nordkorea hatte in Person von Yun Song-Mi noch einen Lattentreffer zu verzeichnen. Die Asiatinnen können damit mit viel Selbstvertrauen in ihr letztes Spiel gegen Schweden gehen, in dem sie nach Aussage von Trainer Kim Kwang-Min „voll auf Sieg spielen“ wollen. Nigeria steht vor einer sehr schweren Aufgabe gegen die USA.

Argentinien rehabilitiert sich

Was hatte das 0:11 gegen Deutschland nicht Anlass zu Befürchtungen gegeben, die Argentinierinnen könnten gegen Japan und England ein ähnliches Debakel erleben. Heute bewiesen sie gegen Japan, dass sie zu mehr in der Lage sind und mit einer konsequenten Defensivarbeit dem Gegner das Leben schwer machen können.

Gleich auf vier Positionen hatte Trainer Carlos Borrello seine Mannschaft nach dem Deutschland-Spiel umgebaut. Im Tor ersetzte Romina Ferro die gegen Deutschland überforderte Vanina Correa. Außerdem kamen die zuletzt gesperrte Catalina Perez, Mercedes Peryra und Florencia Mandrile zu ihrem ersten Einsatz von Beginn an. Für sie blieben Valeria Cotelo, Rosana Gomez und Sabrina Barbitta auf der Bank.

Umstellungen, die sich bezahlt machten. Japan, das auch gegen England nur über Standardsituationen zum Erfolg gekommen war, konnte kein geordnetes Aufbauspiel aufziehen. Vieles glich Stückwerk.

Mit zunehmender Spieldauer wuchs die Dominanz der Japanerinnen, die ihr Heil erneut in Fernschüssen suchten. „Das Tor wollte einfach nicht fallen“, sagte Trainer Hiroshi Ohashi später. Es fiel erst in der ersten Minute der Nachspielzeit durch Yuki Nagasato. Sie staubte ab, als Torfrau Ferro einen Schuss der eingewechselten Yukari Kinga nur noch abprallen lassen konnte. Schon gegen England hatten die Japanerinnen erst in der Nachspielzeit den Ausgleich erzielt.

„Es ist wichtiger zu gewinnen, als viele Tore zu schießen. Hoffentlich gelingt uns das gegen Deutschland auch“, kommentierte Trainer Ohashi den Last-Minute-Sieg trocken. Argentinien, das durch die Niederlage als erste Mannschaft bereits ausgeschieden ist, konnte sich trotz des bitteren Gegentreffers für das Debakel gegen Deutschland rehabilitieren.

„Wir verabschieden uns hier mit zwiespältigen Gefühlen. Einerseits sind wir natürlich traurig über das Ausscheiden. Andererseits haben wir die herbe Klatsche aus dem ersten Spiel hinter uns gelassen und sind daher schon zufriedener“, meinte Torfrau Ferro.

Japan benötigt im abschließenden Gruppenspiel gegen Deutschland lediglich einen Punkt, um Gruppensieger der Gruppe A zu werden, sollte England seine Partie gegen Argentinien gewinnen. Wer genau wann weiterkommt nach dem dritten Spieltag, stellen wir Euch in einem gesonderten Beitrag zusammen.

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2 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Die Japanerinnen waren die weit bessere Truppe, gegen Argentinien, blieben aber dabei sehr harmlos!!! Sie agierten viel zu umständlich, und vergaßen ihre guten Vorsätze, Zweikämpfen aus dem Wege zu gehen!!!
    Ihre Flanken kamen oft zu dicht ans Tor ran, sodass die wesentlich bessere Torfrau Ferro, diese immer entschärfen konnte!!!
    Es ist schon tragisch, dass ausgerechnet dieser Ferro dann der entscheidende Fehler passierte!!! Ich glaube es liegt den Japanerinnen nicht, wenn sie das Spiel machen müssen!!! Gegen Deutschland dürften sie daher besser spielen!!!
    Den Schwedinnen dürften nun wirklich bald die Fälle davon schwimmen!!! Mein Titelfavorit scheint wohl doch noch nicht so weit zu sein, um mit den besten Teams mithalten zu können!!! Mit einem deutlichen Sieg über Nordkorea, könnte es aber noch klappen, obwohl das sicher nicht zu erwarten ist!!! Na wal sehen, wer sich hier durchsetzen kann!!!

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  • Rainer sagt:

    Die ersten 30 Minunten der Schwedinnen waren ganz ok. Aber nach Hedvig Lindahls Kardinalfehler und dem Elfmeter konnte das Team sich nicht mehr zusammennehmen und gegen die Amerikanerinnen Paroli bieten.
    Nicht die Verletzungen im Vorfeld machen den Schwedinnen zu schaffen, es zeigt sich, dass Malin Moström noch unersetzlich ist.
    Ich bin etwas unzufrieden mi den Aufstellungen und auch den Auswechslungen. Gegen Nigeria nahm Dennerby Hanna Ljungberg zu früh raus, gegen die USA tauschte er aus unerfindlichen Gründen die effektive Therese Sjögran gegen Nilla Fischer aus.
    Und dass ich lieber die in dieser Saison wesentlich mehr Spielpraxis habende Sofia Lundgren im Tor gesehen hätte, als die im Frühjahr noch verletzte Hedvig Lindahl, bestätigte sich, als der Ball über Lindahl hinweg sprang und Stina Segerström zu dem Foul nötigte, der zum entscheidenden Elfer führte.
    Die Presse murrt, Trainer und Mannschaft strahlen gespielte Zuversicht aus, aber nach dem Ausscheiden am Dienstag dürfte dann ohne Bandagen diskutiert werden. Auch Hanna Ljungberg ist nicht topfit und sollte eigentlich nicht im Team stehen.
    Der schwedische Verbandspräsident Lars-Åke Lagrell hat gesagt, es gäbe Lücken im Team, was Thomas Dennerby unverständlich erschien.
    Nordkorea muss geschlagen werden, wenn schon nicht mit 3:0 fürs Weiterkommen, dann auch wenigstens mit einem Tor, um das Ansehen des Frauenfussballs hierzulande zu retten.

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