Rainers WM-Ecke: Aus dem Leben eines Volunteers

Von am 13. September 2007 – 11.42 Uhr

Li YinLi Yin ist 20 Jahre alt. Ein junges Mädel in Shanghai und aus Shanghai. Eine von 3000 Volunteers bei dieser WM. Freundlich, unglaublich freundlich und nett anzuschauen in ihrer Dienstkleidung der Firma mit den drei Streifen. Viel wichtiger: Li Yin ist nicht nur für uns dabei, sondern sie löst auch jedes Problem. Mit einem Lächeln, mit Kompetenz und guten englischen Sprachkenntnissen.

Li Yin ist so etwas wie der Prototyp eines Volunteers. Fußball gespielt hat sie nicht. „Aber ich schaue sehr gerne Fußball und mag diesen Sport.“ Frauenfußball oder Männerfußball? Li Yin lächelt wieder, dieses Mal aber leicht verlegen, und antwortet nach kurzem Überlegen mit Diplomatie „Beides.“

Im richtigen Leben ist Li Yin Wirtschaftsstudentin in Shanghai. Auch im September, aber „die Uni sieht es gerne, das ich diesen Volunteersjob mache und hat mir frei gegeben.“ Gelernt werden muss natürlich trotzdem. Das macht die junge Frau dann am Abend, wenn sie mit dem Bus heimgefahren ist. Mit dem Fahrrad wäre das nichts für sie angesichts der Dimensionen in dieser 19-Millionen-Metropole. Ein eigenes Auto hat sie noch nicht. „Davon träume ich.“

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Vorliebe für westliche Popmusik

Die junge Frau ist übrigens ein Einzelkind und oft noch bei ihren Eltern. Allerdings teilt sie sich mit einer Kommilitonin ein eigenes Zimmer an der Highschool. In ihrer Freizeit macht sie alles das, was auch deutsche junge Leute gerne tun. Mit Freunden unterwegs sein, ins Kino gehen oder auch lesen. Fay Wang ist ihre Lieblingsschauspielerin. „Das ist eine Chinesin, die nicht nur in Filmen spielt, sondern auch singt“, erklärt Li Yin. Ihr Musik-Geschmack orientiert sich an westlicher Popmusik, „eher soft als hart.“

Dass Li Yin den Volunteersjob bekommen hat, macht sie ein wenig stolz. Denn sie betrachtet diese Aufgabe als eine wichtige persönliche Angelegenheit. „Ich mag die Menschen und ich möchte ihnen meine Liebe geben und mit ihnen gemeinsam Frieden erleben“, sagt sie. „Und ich möchte für mein Heimatland etwas Gutes tun, China als ein freundliches Land repräsentieren.“

Alltags ist Li Yin in der politisch und kulturell interessierten Freizeitgruppe „Junior Achievement China“ aktiv, was so viel bedeutet: „Die Jugend verbessert China.“ Am Revers von Li Yins FIFA-Arbeitskleidung, einem roten Polo-Shirt, ist der Sticker aller Shanghai-Volunteers befestigt: Eine stilisierte Friedenstaube.

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