Abhörskandal bei Frauenfußball-WM?

Von am 13. September 2007 – 12.53 Uhr 9 Kommentare

Die fünfte Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China wird möglicherweise von einem handfesten Skandal überschattet. Wie der Fußball-Weltverband (FIFA) bestätigte, hat das Team aus Dänemark gegenüber der FIFA dargelegt, dass die Privatsphäre des dänischen Teams bei einer internen Mannschaftsbesprechung im Teamhotel in Wuhan am Tag vor dem Spiel gegen den Gastgeber am Montag nicht respektiert worden ist.

„Bei einem geschlossenen Training am Montag wurden wir von einigen Leuten mit versteckten Kamaras beobachtet“, teilte Dänemarks Teamsprecherin Pia Schou Nielsen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters mit. Nachdem die Dänen zwei Männer mit „großen Kameras“ in einem Gebäude unmittelbar an ihrem Trainingsgelände gesehen hätten, habe man den Sicherheitsdienst verständigt. „Die Männer erklärten, ihnen sei nicht klar gewesen, dass es sich um ein geschlossenes Training handelte“, so Nielsen weiter.

„Am nächsten Tag sahen wir wieder Leute hinter einer Glaswand unseres Hotels“, fuhr Nielsen fort. Zwei Männer hätten sich mit einer Kamera in einem Raum hinter einem Spiegel versteckt, der auf einen Besprechungsraum gerichtet war, in dem gerade eine Taktikbesprechung abgehalten wurde. Der Aufforderung, aus dem Raum herauszukommen, seien die beiden Männer nicht nachgekommen, berichtete Nielsen. Es habe sich um Chinesen gehandelt, „aber wir haben keine Ahnung, wer sie waren.“

Anzeige

Die FIFA ließ inzwischen mitteilen, man habe in Zusammenarbeit mit der dänischen Delegation und dem Mannschaftshotel den Fall untersucht und sich darauf verständigt, den Fall nicht weiter zu verfolgen.

Alles also nur heiße Luft? Fraglich bleibt, ob sich die dänische Delegation dann überhaupt offiziell an die FIFA gewandt hätte, Zweifel bleiben. Hätte sich der Verdacht bestätigt, wäre der Imageschaden für das Land ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Peking beträchtlich gewesen.

Bereits direkt nach Spielende hatten sich die dänischen Co-Trainer eine lautstarke Auseinandersetzung mit den beiden schwedischen Trainerinnen des chinesischen Teams, Marika Domanski-Lyfors und Pia Sundhage, geliefert. Trainer Kenneth Heiner-Møller hatte den Platz grußlos und ohne Shakehands mit seinen schwedischen Kollegen verlassen. Rainer Fußgänger, unser Korrespondent aus Schweden, hatte seine Beobachtungen bereits gestern Abend geschildert.

Die schwedische Trainerin Marika Domanski-Lyfors bestritt heute morgen in einem Interview mit dem schwedischen Sender SVT die Anschuldigungen. Zurückhaltend sagt sie darin zunächst, dass die Däninnen sich nicht für das Spiel bedankt hätten. Erst auf Nachfrage erklärte sie, dass sie die Dänen so gut kenne, dass sie es nicht nötig habe, mehr zu wissen.

Tags: , , , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

9 Kommentare »

  • werkselfe sagt:

    wenn die chinesen wirklich die gegner „ausspionieren“ hätten sie bestimmt die technischen möglichkeiten dazu, dass zu tun, ohne sich erwischen zu lassen.

    (0)
  • Rainer sagt:

    FIFA und Dänemark haben sich geeinigt, die Sache nicht weiter zu verfolgen, heisst es heute Nachmittag. Aber das heisst nicht, dass nichts geschehen ist…
    Wären die dänischen Anklagen aus der Luft gegriffen gewesen, hätte die FIFA Dänemark eine Art Mahnung ausfertigen müssen, aber es gibt kein Wort der Kritik an Dänemark.
    Das heisst Deckel drauf, zu viel (Geld, Olympia 2008) steht auf dem Spiel.
    Als Chinas Trainerin Do Man Sji (Marika Domanski-Lyfors), als sie den Job angenommen hatte, von schwedischen Journalisten gefragt wurde, ob sie über das Problem nachgedacht habe, ein Land wie China zu repräsentieren, sagte sie „Daran habe ich nicht gedacht.“
    Auch wenn jetzt einvernehmlich Ruhe im Karton herrschen wird, glaube ich, dass Do Man Sji jetzt ins Grübeln und Nachdenken gekommen ist. Schon ihr Interview mit dem schwedischen Fernsehen (per Telefon) gestern zeigte, dass sie sehr unsicher ist, obwohl sie alle Anschuldigungen dementierte.
    Schaun mer mal, wie lange sie noch Chinas Trainerin bleibt. Gleiches gilt für Pia Sundhage, zwei absolut ehrenwerte Sportfsrauen, die sicher nicht wussten, auf was sie sich eingelassen haben. Dennoch, mitgehangen, mitgefangen.

    (0)
  • schmidt sagt:

    Wenn Dänemark jetzt klein bei gibt und womöglich vielleicht ausscheiden sollte, vermute ich schon jetzt welche Wellen diese beiden Vorfälle des Ausspionierens schlagen wird.
    Wenn auch die FIFA, wie es scheint, alles bekannten Fakten unter den Teppich kehrt, schweigt, keine Stellungnahmen bei dem Trainerstab Chinas einholen lässt und nicht einmal selbst klar Stellung bezieht, macht die FIFA sich so zum Mitwisser.
    Das ist kein Fair Play. Es zeigt deutlich, dass jetzt andere wichtigere Maßstäbe gelten.

    (0)
  • Detlef sagt:

    @Werkselfe,
    wenn es der chinesische Geheimdienst gewesen wäre, hätte es niemand der Dänen gemerkt, das sind keine Anfänger!!!
    Aber wenn es irgendwelche „Schmalspur-Bonds“ waren, vom Verband, oder von WERWEISWO, dann haben sie sicher Fehler gemacht!!!
    @Rainer,
    ich pflichte Dir bei, dass die beiden schwedischen Trainerinnen sicher nichts wussten, und schon gar nicht irgendwen beauftragt hätten!!!
    Sie stehen jetzt als Betrügerinnen da, und fühlen sich bestimmt nicht sehr wohl in ihrer Haut!!! Aber in einem Land, wo das SPIONIEREN zum Alltag gehört, muss man wohl mit so etwas rechnen!!!
    @Schmidt,
    es kommt sicher nicht oft vor, dass ich Dir recht geben muss!!!
    Aber hier hast Du meine volle Zustimmung!!!
    Es gehört definitiv an die große Glocke gehängt!!!

    Aber die chinesischen Spielerinnen können (genau wie ihre Trainerinnen) nichts dafür, und sind hier sicher ebenfalls Opfer!!!
    Solche Beschuldigen belasten sicher auch sie!!!

    (0)
  • schmidt sagt:

    Wie blauäugig muß denn jemand sein?
    Die chinesische Delegation dementierte sofort die Abhöraktion.
    Wie blauäugig muß jemand sein, dass einfach nichts passiert und arrangiert worden sein soll. Wer sich die Frage stellt, wer hätte kurz von dem Spiel den eigentlichen Nutzen von einer solchen wohl geplanten Aktion hinter einer Wand wohl bedacht versteckt, weiss auch die entsprechende Antwort.

    (0)
  • schmidt sagt:

    Hier die ersten Folgen durch die Abhöraktion, das anschließende Verhalten des dänischen Nationaltrainers, die FIFA handelt und bestraft.

    Wo bleibt die eigentliche Aufklärung und die Wahrheit?

    Dänischer Nationaltrainer für vier Spiele gesperrt
    Quelle: FFNews

    Ein Wutausbruch des dänischen Trainers Heiner-Möller nach der 2:3-Pleite gegen China ist nicht ohne Konsequenzen geblieben. Der Weltverband FIFA sperrte ihn für vier Spiele.
    Der Däne hatte unmittelbar nach dem Schlusspfiff des WM-Auftaktspiels seiner Elf Vertreter der Gastgeber beschimpft.

    weiter:

    (0)
  • Rainer sagt:

    Ich hörte heute, dass Heiner-Möller auf die Tribüne musste, weil er im China-Spiel den erlaubten Trainerbewegungsraum oder wie das nun heisst verlassen hat und/oder weil er den vierten FIFA-Schiedsrichter geschubst haben soll.

    (0)
  • Markus Juchem sagt:

    Hier ist die offizielle Erklärung der FIFA (gibt es nur auf Englisch):

    Coach of Denmark sanctioned

    Kenneth Heiner-Moller, coach of Denmark, has been suspended today by the FIFA Disciplinary Committee for unsporting behaviour towards a match official at the end of the game China vs. Denmark played on 12 September in Wuhan.

    The suspension amounts to 4 matches but, in application of Art. 33 par. 4 of the FIFA Disciplinary Code, the FIFA Disciplinary Committee decided to suspend partially the sanction and fix a probationary period of six months.

    Consequently, the coach will have to serve 2 matches suspension, including today’s game Denmark vs New Zealand (Wuhan, 17:00 local time). (see FIFA Disciplinary Code)

    FIFA Media Department
    Shanghai, 15 September 2007

    (0)
  • schmidt sagt:

    Quelle: http://www.wz-newsline.de/?redid=235&ID=667185
    Die FIFA wirft Heiner-Möller vor, beim 2:3 gegen China am Mittwoch die vierte Schiedsrichterin mit unerlaubtem «Körperkontakt» angegangen zu haben.

    Auf der Internetseite des Dänischen Fußball-Verbandes sagte Heiner-Möller, er könne sich nicht erinnern, die Ungarin Gyongyi Gaal an der Schulter gerempelt zu haben. «Wenn ich sie erwischt haben sollte, dann weil sie sehr nah bei mir stand, als ich versuchte, Kontakt zu meinen Spielerinnen auf dem Platz aufzunehmen», rechtfertigte sich der Coach, der auch im letzten Gruppenspiel gegen Brasilien von seinem Assistenten Per Nielsen vertreten wird.

    Heiner-Möller war nach der Partie gegen China auch dabei beobachtet worden, wie er sich mit der schwedischen Trainerin der chinesischen Mannschaft, Marika Domanski Lyfors, eine heftige Auseinandersetzung geliefert hatte. Für sein Verhalten nach der frustrierenden Niederlage habe er sich bei seiner Trainer-Kollegin bereits entschuldigt, sagte Heiner-Möller.

    Ob die Vorfälle mit den Vorwürfen der Dänen gegen zwei Chinesen zusammenhängen, blieb unklar. Sie sollen versucht haben, Dänemark bei einer Teamsitzung und einem Geheimtraining auszuspionieren. Die FIFA hatte diesen Fall nach eingehenden Untersuchungen zu den Akten gelegt, weil die beiden Personen nicht in Beziehung zu irgendeiner Mannschaft bei der WM stünden.

    (0)