Vorschau: China – Dänemark

Von am 12. September 2007 – 13.00 Uhr 7 Kommentare

Kenneth Heiner-MøllerAm Großkampftag Mittwoch, der gleich vier Spiele bereithält, steigt Gastgeber China um 14 Uhr (live bei Eurosport) ins Turnier ein. Vor erwarteten 60.000 Zuschauern in Wuhan steht die Mannschaft der schwedischen Trainerin Marika Domanski-Lyfors gegen den Zweiten des diesjährigen Algarve Cups, Dänemark, gleich vor einer schweren Prüfung.

Bisherige Spiele:

Die bloße Statistik spricht eine klare Sprache. Bereits elf Partien absolvierte man gegeneinander, lediglich eine konnte Dänemark für sich entscheiden. 2001 in einem Freundschaftsspiel war das. Sieben Mal behielten die Chinesinnen die Oberhand, drei Partien fanden keinen Sieger. Bei Weltmeisterschaften traf man 1991 (2:2) und 1995 (3:1 für China) aufeinander, bei den Olympischen Spielen 1996 schickte China die Skandinavierinnen gar mit einem 5:1 nach Hause.

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Und noch ein Leckerli für die Statistik-Freaks: Auftaktspiele des Gastgebers gegen europäische Mannschaften konnten immer gewonnen werden. 1991 schlug China Norwegen mit 4:0, 1999 besiegten die USA Dänemark mit 3:0 und 2003 unterlag der spätere Vizeweltmeister Schweden Gastgeber USA mit 1:3.

China:

Ein Jahr vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking will das ganze Land die Frauenfußball-Weltmeisterschaft nutzen, um sich der Welt als guter Gastgeber zu präsentieren. Was könnte da die Begeisterung im Land des Lächelns besser entfachen, als ein gutes Abschneiden der eigenen Mannschaft? Dementsprechend groß ist der Druck, der auf den „Steel Roses“ lastet.

Zudem müssen Zweifel weggewischt werden, die in nicht unerheblichem Maße wegen der Verpflichtung eines ausländischen Trainergespanns noch immer im chinesischen Verband vorhanden sind. Mit den Schwedinnen Marika Domanski-Lyfors und Pia Sundhage wird die Mannschaft erstmals nicht von Chinesen in eine Weltmeisterschaft geführt.

Die erfahrene ehemalige schwedische Nationaltrainerin Domanski-Lyfors konnte ihr Team schon seit mehreren Monaten gezielt auf das Highlight im September vorbereiten und zeigte sich begeistert von der Lernfähigkeit ihrer Spielerinnen.

Mit der erfahrenen Spielführerin Pu Wei in der Abwehr, der von Dänemarks Trainer Kenneth Heiner-Møller hochgelobten Bi Yan im Mittelfeld sowie dem starken Sturmduo Ma Xiaoxu und Han Duan, das die Schwächen der Däninnen im Kurzpassspiel bestrafen soll, will sie im Ernstfall beweisen, was im Training zuletzt ganz nach ihren Vorstellungen gelang. Mit Zhang Yanru steht bei den Steel Roses schließlich eine Torfrau zwischen den Pfosten, die schon auf Juniorinnenebene die gegnerischen Angreiferinnen permanent zur Verzweiflung trieb.

Gegen England feierten die Chinesinnen Ende August eine gelungene Generalprobe, und so sieht Mittelfeldspielerin Qu Feifei dem Showdown in Wuhan optimistisch entgegen: „Auf uns lastet ein großer Druck, aber wir hoffen, diesen in Motivation umwandeln zu können.“

Motivation, die sich auch daraus speisen könnte, dass einige ehemalige Nationalspielerinnen der aktuellen Auswahl nur wenig zutrauen. Die chinesische Frauenfußball-Ikone Sun Wen etwa kritisiert, es fehle der Mannschaft an einer Spielmacherin. Und die frühere Torfrau Gao Hong ließ sich gar zu der Aussage hinreißen, China sei „keine Spitzenmannschaft mehr. Sie sind ein Team, das sich durch keine besonderen Eigenschaften auszeichnet. Ich glaube nicht, dass sie weit kommen werden.“

Dänemark:

Die mit 1,72 Meter größte Mannschaft des Turniers spielte sich in diesem März als Zweitplatzierter beim Algarve Cup wieder zurück in den Kreis der Großen, nachdem die Skandinavierinnen 2003 die WM-Qualifikation verpasst hatten und 2005 tief enttäuscht schon nach der Vorrunde von der EM in England abreisen mussten. Siege gegen Frankreich und Norwegen ließen aufhorchen und machten Mut, hat der Weltranglistensechste doch zuletzt bei Weltmeisterschaften sechs Niederlagen in Folge einstecken müssen. Den letzten Erfolg feierten die Däninnen 1995 mit 5:0 gegen Australien.

Die letzten beiden Testspiele gegen Deutschland (0:4) und Schweden (1:2) gingen verloren, und doch zog Trainer Kenneth Heiner-Møller vor allem aus dem knappen 1:2 gegen Schweden auch positive Erkenntnisse. Die vielen Abspielfehler, mit denen seine Mannschaft in Magdeburg den Deutschen fast schon die Vorlagen zum Toreschießen lieferte, konnten minimiert werden. Zudem kehrte die erfahrene Stürmerin Merete Pedersen zurück in die Mannschaft und unterstrich mit ihrem Tor sofort ihre Klasse.

Pedersen war in der WM-Qualifikation zusammen mit der Schwedin Hanna Ljungberg die erfolgreichste Torschützin und soll nun Maiken With Pape im Angriff etwas entlasten. Pape, die Dänemark durch ihr entscheidendes Tor gegen Finnland überhaupt erst zur WM schoss, stand zuletzt oftmals alleine auf weiter Flur und konnte sich gegen gut gestaffelte Abwehrreihen, über die auch die Chinesinnen verfügen, kaum in Szene setzen.

Jetzt, wo Pedersen wieder an Bord ist, darf Heiner-Møller erleichtert verkünden, dass er frei von jeglichen Verletzungssorgen aufstellen kann. So sollen die etablierten Katrine Pedersen in der Abwehr, Anne Dot Eggers Nielsen und Cathrine Paaske Sørensen im Mittelfeld sowie Pedersen in der Sturmspitze erfolgreich durch die Gruppenphase führen. Die zu überstehen und damit auch einer Olympia-Qualifikation ein gewaltiges Stück näher zu kommen, genießt für den gewissenhaften dänischen Coach Priorität.

Mit Blick auf morgen empfiehlt er seinen Spielerinnen, „diesen Moment einfach zu genießen“. Denn: „Es ist der Höhepunkt von acht Jahren harter Arbeit.“

Mein Tipp: 2:1 für Dänemark
Tipp von Markus: 2:1 für China

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7 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Das wird sicher ein richtiger WM-Knaller!!!
    Hier wird sich zeigen, ob der große Druck der chinesischen Mannschaft die Kehle zuschnürt, oder extra Energien freisetzt!!!
    Mit der Schwedischen Trainerin, konnten sie eigentlich keine bessere Motivatorin engagieren, das zahlt sich sicher aus!!!
    Dänemark ist für mich keine gute Mannschaft im Moment!!! Auch wenn sie gegen Schweden ein knappes 1:2 geschafft haben, zeigten sie doch gegen Deutschland so erhebliche Fehler und Schwächen, dass sie wohl kaum das Viertelfinale erreichen werden!!! Vor allem die Torfrau ist extrem schwach!!! Aber vielleicht strafen sie mich ja Lügen, und zeigen eine ansprechende Leistung!!!
    Ich glaube China ist klar überlegen, und gewinnt 3:1!!!

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  • Rainer sagt:

    Ich hoffe, dass die Däninnen wenigstens einen Punkt holen, würde mich aber nicht wundern, wenn wir heute ein „zweites Nordkorea“ erleben, d.h. unermüdlich rackernde Chinesinnen. Das Publikum wird sicher der zwölfte Mann, das wird ganz schwer…

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  • Rainer sagt:

    Der Kommentar ging zu schnell los. Das wird ganz schwer, aber Dänemark gewann 1970 und 1971 jeweils die Fussballweltmeisterschaft der Frauen, damals noch ziemlich inoffiziell.

    1970 gegen Italien in Turin vor 60.000 mZuschauern und 1971 in Mexiko mit 3:0 gegen Mexiko vor 110.000 Zuschauern. Damals schoss die 15-Jähige Susanne Augustesen alle Tore. Vielleicht kann die heutige Generation daran anknüpfen.

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  • Dass nicht nur in Japan, sondern auch in China gute Freistoßschützinnen zu Hause sind, das zeigte in der 31. Minute Li Jie stellvertretend für ihre Teamkolleginnen. Sie bringt den Gastgeber zur Halbzeit mit 1:0 in Führung.

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  • Eine dramatische zweite Halbzeit mit vier Treffern ist zu Ende. Letzlich hieß es 3:2 für China. Bi Yan brachte den Gastgeber in der 50. Minute mit 2:0 in Führung, was von Anne Dot Eggers Nielsen nur eine Minute später mit dem Anschlusstreffer beantwortet wurde. Gleicher Ablauf, nur andersrum, dann wenige Minuten vor Schluss. Cathrine Paaske Sørensen gelingt per Kopfball der Ausgleich, doch die Däninnen jubeln zu lange. Song Xiaoli bedankt sich und schießt relativ unbedrängt zum 3:2-Endstand ein.

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  • Detlef sagt:

    Da wars doch knapper als vermutet!!! Na vielleicht wirds doch noch was mit „Danish Dynamit“!!!
    Es ist sicher gut, dass der Gastgeber sein erstes Spiel gewonnen hat!!!
    So bleibt das Zuschauerinteresse weiter hoch!!!

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  • Rainer sagt:

    Nach dem Spiel verliess Dänemarks Coach Heiner-Möller das Stadioninnere ohne den beiden Schwedinnen Domanski-Lyfors und Sundhage die Hand zu schütteln. Die beiden dänischen Assistenztrainer schrien minutenlang laut auf die beiden Trainerinnen Chinas ein. Was war los?

    Nach Angaben des schwedischen TV4 behaupten die Dänen, dass China die letzte Takikbesprechung vor dem Spiel in der dänischen Kabine abgehört hat. Darüber hinaus habe man (Dänemark) Beweise, dass auch die beiden letzten Trainingseinheiten, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden gefilmt wurden.

    Sundhage und Domanski-Lyfors behaupten von nichts zu wissen. Sundhage zeigte einem der Dänen einen Vogel und verliess auch das Stadioninnere.

    Ist das der grösste Skandal in der Geschichte von Frauenfussballweltmeisterschaften oder lediglich das Benehmen schlechter Verlierer? Hoffentlich wissen wir morgen mehr.

    Die schwedischen Experten im Studio, darunter die 78-fache Ex-Nationalspielerin Malin Swedberg, waren sich einig, dass man sich nicht wundern würde und dass die Dänen kaum so vehement reagieren würden, wenn sie keine Beweise hätten.

    Heiner-Möller wurde dazu befragt und sagte, er sei für das Sportliche zuständig, um alles andere kümmere er sich nicht.

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