Rainers WM-Ecke: DFB wirft Europa in die Waagschale

Von am 12. September 2007 – 18.57 Uhr 6 Kommentare

DFB-Präsident Dr. Theo ZwanzigerEs gab Kaffee und Kuchen für die Journalisten im Mannschaftshotel Hua Ting in Shanghai und einen hemdsärmeligen gut gelaunten DFB-Präsidenten Theo Zwanziger als Gastgeber, der sich frei weg zur WM und zur Bewerbung um die WM 2011 äußerte, ehe er am Abend, wie er gestand, bei seinem ersten China-Besuch erstmals mit dem Stäbchen-Essen konfrontiert werde.

„Ich sehe gerne deutsche Tore“, kam er zuvor noch einmal auf das glanzvolle Rekordspiel gegen Argentinien zu sprechen. „Wir sollten das jedoch nicht überbewerten. Die WM beginnt erst jetzt, mit dem Spiel gegen England.“ Gewinnt Deutschland, bedeutet das das Erreichen des Viertelfinales. Zwanziger würde für eine Woche nach Hause fliegen und zu jener Partie wieder zurück in China sein, um bis zum Schluss die Daumen zu drücken. „Ansonsten fliege ich erst nach dem dritten Gruppenspiel gegen Japan.“

Beim Finale werde er auf jeden Fall dabei sein, nicht zuletzt um der WM-Bewerbung 2011 für Deutschland zusätzliche Kraft zu verleihen. Das hatte bereits Franz Beckenbauer getan, der kurzfristig auf dem Rückflug von der U17 WM in Korea bei den Frauen in Shanghai Station machte. „Franz Beckenbauer ist in Asien eine wichtige Figur“, sagte Zwanziger bezüglich Stimmenfangs für die FIFA-Abstimmung Ende Oktober über 2011. „Natürlich haben wir die WM-Bewerbung mitbedacht. Ich habe beim Eröffnungsspiel auch schon mit FIFA-Präsident Joseph Blatter gesprochen. Er steht einer deutschen Bewerbung sehr aufgeschlossen gegenüber“, sagte Zwanziger.

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Das Problem: Konkurrent Kanada buhlt ebenfalls um 2011 und dort sagt Blatter das gleiche. Nachdem Deutschland und Frankreich sich zugunsten des DFB geeinigt haben, dass Europa mit einen Kandidaten und einer Stimme auftritt, sind noch Australien, Peru und Kanada im Rennen. Letzte gelten als aussichtsreicher Kandidat, die beiden ersten eher als Außenseiter.

„Wir werden auch mit Kanada sprechen und unsere Argumente darlegen. Die sind in erster Linie europäisch. Nach zwei mal Nordamerika, zwei mal Asien und einmal Europa im Jahre 1995 ist Europa mal wieder dran“, sagte Zwanziger. „Wir haben eine starke Bewerbung abgegeben, verfügen über eine glänzende Infrastruktur und wollen die Welt zurück zu Freunden holen. Dabei wollen wir Überzeugungsarbeit mit Fair Play leisten.“ Mit 80.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion zur Eröffnung, wie Bundespräsident Horst Köhler bereits durchblicken ließ.

Eine Anhebung des Turnierfeldes von 16 auf 24 Nationen, wie sie die FIFA nach Analyse des China-Turnieres plant, dürfte Deutschlands Position gegenüber Kanada stärken. „Wir haben genug moderne Stadien mit einer Kapazität von etwa 25.000 Zuschauern. Es fällt mir leicht, die mindestens acht benötigten Spielstätten zu benennen, in denen wir über ganz Deutschland verteilt präsent sein können.“

Die Kritik nach dem 11:0 an der schwachen argentinischen Mannschaft relativierte Zwanziger. „Die hatten kein Konzept und danach auch noch alle Fehler gemacht, die möglich sind. Man sollte Argentinien nicht an diesem Spiel messen. Sie haben auch schon Brasilien geschlagen und sind Südamerika-Meister.“ Vielmehr sei der Verteilerschlüssel bedeutsam, um ein gleichwertiges Nationenfeld zu bieten. „Ich kenne viele europäische Nationen, die hier sofort mitspielen könnten, zum Beispiel Frankreich.“

Für die Aufwärtsentwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs in Deutschland, das seit drei Jahren einen ungeheuren Boom erlebt, in der Breite, beim Nachwuchs wie in der Elite, habe die WM 2011 jedoch nicht entscheidend. „Wir werden unseren Weg gehen. Natürlich hat die Nationalmannschaft eine Botschafterrolle. Ihr Abschneiden ist wichtig und 2011 könnte unseren Weg der gesellschaftlichen Verantwortung des Fußballs beschleunigen. Es gibt keinen Weg zurück. Ich kenne keinen Fußball, auf dem steht: Nur für Jungs.“

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6 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Hoffen wir, das 2011 die Welt zu Gast bei Freundinnen sein wird.

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  • Detlef sagt:

    Ich teile natürlich die Hoffnung von Rainer!!!
    Den Verteilerschlüssel, den THEO ZWANZIGER ansprach, sollte man dennoch nicht ändern!!! Natürlich spielen in Europa mehr gute Teams,
    als irgendwo anders in der Welt!!! Aber trotzdem sollen es doch Weltmeisterschaften bleiben, und keine Europameisterschaft mit „Fremdbeteiligung“!!!

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  • schmidt sagt:

    Was soll denn die Parteiergreifung ausschließlich für Deutschland?

    Ich kann mich mit allen 4 möglichen Staaten als Austragungsstätte der nächsten FF-WM anfreunden.
    Wir sollten Toleranz zeigen, weniger national sondern mehr international denken. Die freundschaftlichen Bande des Sports gehen von jedem aus und verbinden jedem mit jedem.
    Überall kann und wird der FF an Interesse und Begeistung neue Spielerinnen und Fans gewinnen, solange alles weiterhin Fair zugeht.

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  • Rainer sagt:

    1991 China, 1995 Schweden, 1999 USA, 2003 USA, 2007 China. In vier Jahren ist es sechzehn Jahre her, dass die WM in Europa war und insgesamt auch nur einmal in der Geschichte. Das spricht für Europa und Deutschland.

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  • Detlef sagt:

    @Rainer,
    eigentlich spricht alles für Australien oder Peru!!!
    Denn die FF-WM war noch nie in Südamerika, und auch noch nie auf dem „fünften Kontinent“!!!
    Da der FF aber in EUROPA am stärksten vertreten ist, und hier auch die Zuschauerzahlen recht ordentlich sind, stehen unsere Chancen doch recht gut!!!
    Allerdings bin ich skeptisch, wie THEO das Olympiastadion „ausverkaufen“ will???

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  • Markus Juchem sagt:

    @Detlef
    Also an Peru glaube ich ehrlich gesagt nicht. Ich war vor zwei Jahren dort bei der U17-Weltmeisterschaft der Männer, und bei einem Turnier mit damals 16 Mannschaften war man, was Infrastruktur und Logistik anging, schon ziemlich am Anschlag, obwohl man die WM damals gut gemeistert hat. Und es gibt ja Tendenzen, dass man doch bereits 2011 auf 24 Mannschaften aufstockt.

    Australien hat sicherlich eine Außenseiterchance, man bewarb sich ja bereits für die Titelkämpfe 2003 und unterlag damals nur knapp gegen China. Was allerdings dagegen spricht ist die Tatsache, dass Australien nun zur asiatischen Fußball-Konföderation gezählt wird, und somit zweimal hintereinander eine WM in „Asien“ ausgetragen würde. Außerdem tragen sowohl Ozeanien wie auch Südamerika im kommenden Jahr Junioren-Weltmeisterschaften bei den Frauen aus (U17 und U20), so dass ich eher glaube, dass Australien für 2015 eine Option wäre.

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