Pressestimmen zum 11:0-Rekordsieg der DFB-Elf

Von am 11. September 2007 – 11.01 Uhr

EröffnungsfeierDie deutsche Presse feiert ihre Frauenfußball-Nationalmannschaft, die internationale flüchtet sich in Kriegsmetaphorik, und die argentinische Verbandsseite badet in Melancholie.

Am Tag nach dem 11:0-Rekordsieg gegen Argentinien halten die Medien für alle Gemütslagen etwas bereit. Viel Lob erntete die farbenfrohe Eröffnungsfeier.

Die Deutsche Nachrichten-Agentur (dpa) freut sich über den gelungenen Einstand des Teams von Silvia Neid. „Damit sendete die deutsche Mannschaft ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz“, so der Tenor. Nach nervösem Beginn habe man überraschend schnell ins Spiel gefunden.

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Der Sport-Informationsdienst (sid) sah eine „wahre Fußball-Gala“, bei der verfolgt von „Glücksbringer“ Franz Beckenbauer die DFB-Elf den „hoffnungslos unterlegenen Gegner“ überrollt habe. Man sei „eindrucksvoll“ in das Unternehmen Titelverteidigung gestartet.

Kathrin Steinbichler von der Süddeutschen Zeitung und Matthias Kittmann von der Frankfurter Rundschau scheinen beide noch unter dem Eindruck des Feuerwerks der Eröffnungsfeier gestanden zu haben. Beide vergleichen in ihren Berichten das Spiel der DFB-Elf mit dem Spektakel vor dem Anpfiff.

„Deutschland dominierte Argentinien wie eine Katze die gefangene Maus“, so die SZ. Und die FR titelte „Feuerwerk am Huangpu“, nicht ohne auf die Ambivalenz des Ergebnisses hinzuweisen. Denn der Rekordsieg sei „äußerst zwiespältig für die Reputation des Frauenfußballs.“ Die Eröffnungsfeier sei hingegen ein Fest ohne Widersprüche gewesen.

Der Berliner Tagesspiegel titelte überschwänglich „Deutscher Weltrekord“, der Kölner Stadtanzeiger empfand „Mitleid nach dem Auftaktsieg“. Wie häufiger in den vergangenen Tagen bestach die taz durch eine ganz eigene Sicht der Dinge. „Am Dutzend gescheitert“, so die Überschrift. Ob Silvia Neid ihre Schützlinge heute wohl zum Straftraining bitten wird ob des nicht erzielten 12. Treffers? Doch vollkommen richtig bemerkt Markus Völker: „Es war ein Kantersieg, wertvoll war er nicht.“

Der „Kicker“ erfreute sich daran, dass Deutschland auch nach der Pause an die starke erste Hälfte angeknüpft habe gegen die „in allen Belangen unterlegenen Argentinierinnen“.

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Die Nachrichtenagentur afp schreibt von einer „historischen Niederlage“ und einem „harten Schlag“ für die argentinische Mannschaft und greift ärgerlicherweise zum wiederholten Male zur Kriegsmetaphorik. „Germans bombard hapless Argentines“ – eine Übersetzung erübrigt sich.

Die spanische El Mundo ließ Zahlen sprechen. „Alemania 11 – Argentina 0“, so die aussagekräftige Überschrift. Das Eigentor sei das erste der „schlechten Vorzeichen“ gewesen.

Der Schmerz im argentinische Fußballverband (AFA) sitzt derart tief, dass man gleich in zwei Berichten über die 0:11-Niederlage philosophiert und dabei in tiefe Melancholie verfällt. „Eine ewige Nacht mit nicht enden wollenden Albträumen“, so der Titel eines der beiden Berichte, „eine Niederlage, die weh tut“, so die Überschrift des anderen. „In der traurigen, nicht enden wollenden Nacht von Shanghai zerbrachen die Illusionen in 1000 kleine Stücke und die Hoffnungen erlitten Schiffbruch wie ein Blatt Papier inmitten des Ozeans.“

Dabei wurde die „bessere Ballbehandlung“ der DFB-Elf und „eine klare physische Überlegenheit“ anerkannt. Nun gelte es, das ramponierte Selbstvertrauen wieder aufzupolieren. „Das erscheint wie eine Herkulesaufgabe“, so die offizielle Verbandswebsite weiter.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.