Favoriten patzen am Tag der Unentschieden

Von am 11. September 2007 – 19.45 Uhr 12 Kommentare

USA gegen NordkoreaSo viele Treffer wie beim 11:0-Rekordsieg Deutschlands im Eröffnungsspiel fielen am zweiten Spieltag der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China zwar nicht, die begeisterten Zuschauer sahen in den drei Spielen zehn Treffer. Doch was viel wichtiger ist: Die drei Unentschieden zeigten, dass es im internationalen Frauenfußball enger zugeht, als es das Ergebnis des Vortags hätte vermuten lassen.

Der hoch gehandelte Außenseiter Nordkorea wurde seinen Vorschusslorbeeren gerecht und trotzte dem Titelfavoriten USA ein verdientes Remis ab, ebenso wie Afrikameister Nigeria dem Vizeweltmeister aus Schweden. Doch die turbulenteste Partie sahen die Zuschauer in Shanghai. Nach einer packenden zweiten Halbzeit und drei späten Toren teilten sich am Ende auch Japan und England die Punkte.

USA – Nordkorea: Asiaten überraschend Titelfavoriten

Es dauerte gerade einmal 12 Sekunden, da ließ Nordkoreas Spielführerin Ri Kum-Suk einen ersten Warnschuss auf das von Hope Solo gehütete U.S.-Tor ab. Und gleich die erste Aktion der Asiatinnen schien das U.S.-Team dermaßen zu beeindrucken, dass das Spiel des Teams von Trainer Greg Ryan im gesamten Spiel nicht richtig in Gang kam. Mit einer derartigen Gegenwehr und Athletik des Gegners hatten die Amerikanerinnen nach 47 Spielen ohne Niederlage in Folge nicht gerechnet. Ein ums andere Mal brachte der Gegner die unsichere U.S.-Verteidigung gehörig ins Wackeln.

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Die beste Chance der Amerikanerinnen in Halbzeit eins vergab im strömenden Regen von Chengdu Abby Wambach, die einen Kopfball gegen die Latte setzte (41.).In der 50. Minute gingen die USA fast ein wenig überraschend in Führung. Lilly setzte mit einem Pass Wambach ein, deren Schrägschuss Nordkoreas Torhüterin Jon Myong Hui durch die Finger gleiten ließ (50.). Doch wer dachte, das U.S.-Spiel würde sich jetzt entkrampfen, sah sich getäuscht und auch die Anspannung auf dem Gesicht von Ryan wich nicht.

Läuferisch stark hielten die technisch versierten Nordkoreanerinnen weiter dagegen und wurden schnell belohnt. Allerdings bedurfte es eines Patzers der in einigen Situationen unsicher wirkenden Solo, die einen 17-Meter-Schuss von Kil Son Hui zum von den Spielerinnen und den mit roten T-Shirts und weißen Caps bekleideten Fans gleichermaßen umjubelten 1:1 passieren ließ (58.).

Und nur vier Minuten später gab es noch mehr Grund zum Feiern: Aus acht Metern setzte die früh eingewechselte Kim Yong Ae den Ball ins lange Eck, nachdem Shannon Boxx einen Schuss von Kim Kyong Hwa ihr direkt vor die Füße abgewehrt hatte (62.). Beide Tore fielen, als Wambach neun Minuten lang wegen einer Platzwunde in der Kabine genäht werden musste. Ryan muss sich fragen lassen, ob eine Auswechslung nicht taktisch klüger gewesen wäre.

Doch die Amerikanerinnen bewiesen Kampfgeist. Sieben Minuten später klärte die nordkoreanische Abwehr eine Lilly-Hereingabe zu hastig, der Ball prallt von Ri Un Gyong vor die Füße von Heather O’Reilly, die den Ball gefühlvoll mit dem Außenrist in den Winkel zum schmeichelhaften 2:2-Endstand schlenzte (69.).

Wambachs Fazit nach dem Spiel: „Nordkorea gehört mit Abstand zu den fünf besten Teams der Welt, das haben sie heute bewiesen.“ Nordkoreas Trainer Kim Kwang-Min meinte: „Meiner Meinung nach haben die USA die beste Mannschaft der Welt, aber heute waren sie nicht in Bestform, und das haben wir ausgenutzt.“

Japan und England liefern sich Herzschlagfinale

Der Gesichtsausdruck von Englands Trainerin Hope Powell nach Ende des Spiels Japan gegen England sprach Bände. Mit zwei späten Treffern (81. und 83.) hatte die starke Kelly Smith in einer verbissen geführten Partie aus einem 0:1-Rückstand durch das Freistoßtor von Aya Miyama (55.) eine 2:1-Führung gemacht. Doch Miyama gelangen erstmals in einem Spiel zwei Freistoßtore und  mit ihrem zweiten Treffer in der fünften Minute der Nachspielzeit verdarb sie den Engländerinnen die Party. „Wir sind natürlich sehr enttäuscht“, meinte eine frustrierte Smith nach der Partie. Japans Trainer Hiroshi Ohashi erklärte: „Wir hatten heute mit einem besseren Ergebnis gerechnet, aber ich bin zufrieden.“

Nachdem Japan erstmals gegen ein europäisches Team einen Treffer erzielt hatte, gewann mit zunehmender Spieldauer das athletische Spiel der Engländerinnen immer mehr die Oberhand, die Kondition der Japanerinnen ließ nach und es ergaben sich Räume, die Smith zweimal geschickt ausnutzte. England fühlte sich schon als sicherer Sieger, doch musste am Ende mit hängenden Köpfen den Platz verlassen.

Für beide Teams dürfte es in den nächsten Spielen nun darum gehen, gegen Deutschland nicht zu hoch zu verlieren, und gegen Argentinien möglichst hoch zu gewinnen. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Aufstieg ins Viertelfinale mit einem am Ende möglicherweise entscheidenden Torverhältnis bahnt sich an.

Nigeria – Schweden: Blasser Vizeweltmeister

Schweden gegen NigeriaNur wenige Höhepunkte hatte das Spiel Nigeria gegen Schweden zu bieten. Der Vizeweltmeister war in den ersten 45 Minuten optisch überlegen, scheiterte aber mehrfach an der starken nigerianischen Torhüterin Precious Dede, die ein ums andere Mal glänzend reagierte, wie etwa gegen einen Schuss von Spielführerin Victoria Svensson in der 34. Minute, den sie um den Pfosten drehte. Doch drei Minuten vorher hatte sie Glück, als Svensson einen 20-Meter-Schuss an die Latte setzte. Sonst gab es kaum nennenswerte Highlights, der Afrikameister wirkte in seinen Aktionen zunächst zu unentschlossen und schien zu viel Respekt vor dem Gegner zu haben.

Auch in der zweiten Halbzeit hatten die spielerisch nicht überzeugenden Schwedinnen zunächst Feldvorteile, doch weder Hanna Ljungberg noch Lotta Schelin konnten dem Spiel maßgebliche Impulse geben. Und so war es erneut Svensson, die mit einem Drehschuss nach Vorarbeit von Frida Östberg die schwedische Führung erzielte (50.).

Das Team von Trainer Thomas Dennerby versäumte es in der Folge, einen zweiten Treffer nachzulegen und wurde in der Schlussphase bestraft. Cynthia Uwak, Afrikas Fußballerin des Jahres 2006, nutzte eine Unachtsamkeit der schwedischen Defensive mit einem platzierten Schuss zum glücklichen, aber nicht ganz unverdienten Ausgleich (82.), dem das nun mutiger agierende Team in den Schlussminuten fast noch den Siegtreffer hinzugefügt hätte.

Schweden feierte erstmals einen Punktgewinn in seinen WM-Eröffnungsspielen. Dennoch meinte ein ernüchterter Dennerby: „Das ist nicht das Ergebnis, das wir uns erhofft hatten.“ Nigerias Trainer Effiom Ntiero kommentierte: „Das war ein guter Anfang, und jetzt möchten wir uns von Spiel zu Spiel steigern.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

12 Kommentare »

  • Soccer_vom_Hocker sagt:

    Vielleicht sollte man es nicht überbewerten, aber der Sieg der deutschen Mannschaft wirkt wohl doch auf die Mitfavoriten einschüchternd. Immerhin gilt die US-Truppe ja als momentan beste Mannschaft der Welt, obwohl ich ehrlich gesagt diese Top Ten-Listen wie auch bei den Männern als völligen Unsinn betrachte. Nordkorea hat mich angenehm überrascht und gezeigt, dass die asiatischen Mannschaften (bin gespannt auf China) dieses mal ein gewichtiges Wort mitzureden haben, wenn es um die ersten drei Plätze geht…

    Gut für uns ist allerdings, dass sich England und Japan den Punkt teilen, ich denke es stehen alle Zeichen auf eine lockere Qualifikation für die Endrunde.

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  • Rainer sagt:

    Ich habe mir USA-Nordkorea und Nigeria-Schweden heute Abend als Aufzeichnung angesehen.

    Niemand wusste so ganz genau, wie gut Nordkorea ist. Jetzt wissen wir Bescheid und haben ein Team gesehen, dass allen Favoriten gefährlich werden kann. Sehr athletisch, unglaublich schnell und kampfstark.

    Die USA sind die Nummer 1, aber unschlagbar ist das Team keinesfalls, es hätte heute schon schief gehen können.

    Schweden versäumte es, den Sack zu schliessen. Klare Spielüberlegenheit, aber nur ein Tor. Mich ärgert, dass man im Nationalteam zu viele Spielerinnen auf anderen Positionen einsetzt als im Verein. Lotta Schelin gehört in die zentrale Mitte als Doppelspitze mit Ljungberg. Hanna war erstaunt über ihre Auswechslung, danach ging es bergab. Dennerby hätte sie auswechseln können falls es 2-0 gestanden hätte.

    Das wird jetzt sehr schwer für Schweden, sich fürs Viertelfinale zu qualifizieren. Einziges Trostpflaster: Die USA sind nicht unantastbar.

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  • Jan Kuppert sagt:

    Dieser 11.September war ein wahrer Feiertag für den Frauenfußball. Ich habe selten so dramatisch spannende Spiele in dieser Randsportart gesehen. Das hilft auf jeden Fall mehr als ein Rekordsieg.

    Vor allem das Spiel Nordkorea – USA hat mich beeindruckt. Vor dem Spiel dachte ich mir schon, dass es auch das vorgezogene Finale sein könnte und am Ende wurden die Erwartungen sogar übertroffen, obwohl die Tore alle etwas unglücklich und vermeidbar waren. Aber das die Asiatinnen so spielstark seien würden, hätte ich mir vorher nicht vorstellen können. Großes Kino also! So macht Frauenfußball richtig Spaß.

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  • Detlef sagt:

    ZITAT;
    „Für beide Teams dürfte es in den nächsten Spielen nun darum gehen, gegen Deutschland nicht zu hoch zu verlieren, und gegen Argentinien möglichst hoch zu gewinnen.“
    SORRY Markus, aber dieser Satz klingt ziemlich arrogant!!!
    WARUM spielt Deutschland überhaupt in der Gruppenphase???
    WARUM steigen wir nicht erst ins Viertelfinale ein???
    Gegen uns hat doch sowieso keiner eine Chance!!!
    England stellt nicht umsonst den europäischen Vereins-Champion im FF!!! Nicht weniger als 10 Arsenal-Ladys, stellte Hope Powell in die englische Mannschaft!!! Wenn man die Spielerinnen von Everton noch dazu zählt, spielen in dieser Saison, 15 englische Nationalspielerinnen im Womens-Cup!!!
    Sie verfügen sicher nicht ganz über die spielerische Klasse der Norwegerinnen, aber sie sind genauso Zweikampfstark!!! Yankey und Aluko sind enorm schnell, und Kelly Smith ist eine Klasse für sich!!!
    Also bei aller Wertschätzung für das deutsche Team, aber der hohe Sieg gegen die völlig überforderten Argentinierinnen, gibt Dir sicher nicht das Recht, so überheblich zu sein!!!
    Auch die Japanerinnen werden sich nicht so abschießen lassen, und mit ihren quirligen Spitzen, unsere alles andere als sichere Abwehr vor eine große Bewährungsprobe stellen!!!
    Wir sind noch lange nicht im Viertelfinale!!! Auch England und Japan werden hohe Siege gegen Argentinien einfahren!!!
    Nach dem Freitag-Spiel, werden wir weitersehen!!!

    Das die Amerikanerinnen nur einen Punkt geholt haben, zeigt allerdings, das sie nicht die Übermannschaft sind, für die sie viele (auch ich) gehalten haben!!!
    Nord-Korea zeigt weiter aufsteigende Form, die Übernahme der vielen U20-Weltmeisterinnen, hat sich jetzt schon ausgezahlt!!! Mit ihnen wird wohl weiter zu rechnen sein!!!

    Das die Dennerby-Truppe, bereits im ersten Spiel, schon einen Punkt geholt hat, ist mal ein gutes Zeichen!!!
    Der SCHWEDEN-Motor muss erst mal richtig warm laufen!!!
    Nigeria zeigt deutlich, dass die Vorschusslorbeeren durchaus berechtigt waren!!! Hier wird es sicher ganz spannend in der Gruppe B!!!

    Der zweite Tag zeigte deutlich, dass das Eröffnungsspiel kein Gradmesser für die Entwicklung im internationalen FF gewesen ist!!!
    Drei spannende Begegnungen, mit einer kleinen Sensation!!!

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  • Markus Juchem sagt:

    @Detlef

    Das war gar nicht arrogant gemeint, auch wenn es möglicherweise so herübergekommen ist. Ich könnte mir aber vorstellen, dass sowohl Japan als auch England ihr Hauptaugenmerk auf das Spiel gegen Argentinien legen werden, weil sie beide zumindest eine Niederlage gegen Deutschland ins Kalkül ziehen müssen. Beide werden gegen die DFB-Elf sicherlich sehr vorsichtig agieren.

    Das Unentschieden hat den Deutschen in die Karten gespielt, denn mit einem Sieg gegen England hätte man sich bereits sicher für das Viertelfinale qualifiziert, unabhängig vom Ausgang der anderen Partie.

    Ich sehe anders als Du ziemlich klare Vorteile des deutschen Teams gegenüber England und Japan. Ich glaube nicht, dass eines der beiden Teams zum Stolperstein für Deutschland werden kann. Zudem glaube ich auch nicht, dass Japan und England hohe Siege gegen Argentinien erzielen werden. Lass Dich überraschen! 😉

    Das Remis war für Nordkorea ein schöner Teilerfolg, mehr aber auch nicht. Die Amerikanerinnen haben heute für ihre Verhältnisse einen wirklich schlechten Tag erwischt. Dass sie gegen ein gutes Team aus Nordkorea dennoch nicht verlieren, spricht nicht unbedingt gegen sie.

    Die Spiele gegen Nigeria und Schweden werden für Nordkorea vielleicht sogar schwieriger, weil sie hier jetzt von einigen favorisiert werden und man wird sehen, ob sie dann noch so befreit aufspielen, wie sie das heute teilweise gezeigt haben.

    Schweden hat mich heute in meiner Meinung bestärkt, dass sie es in diesem Turnier nicht besonders weit bringen werden. Aber ich lasse mich gerne positiv überraschen!

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  • Detlef sagt:

    @Markus,
    Ich glaube schon, dass sich die Engländerinnen gegen Deutschland einige Chancen ausrechnen werden!!! Auch sie werden sicher Videoanalysen vom Weltmeister gemacht haben, und unsere Schwächen klar erkannt haben!!! Ob sie die dann auch nutzen können, ist natürlich etwas anderes, aber sie haben viele gute Stürmerinnen, und sie haben Kelly Smith!!! Hier fürchte ich um unsere schwache Abwehr, vor allem die Innenverteidigung!!! Aber wenn ich mich richtig erinnere, kommen sie gerne über außen, und da haben wir mit Stege und Bresonik zwei Top-Leute!!!
    Ich glaube nicht, dass die Powell-Truppe sehr vorsichtig agieren wird.
    Im Gegenteil, sie werden versuchen ein schnelles Tor zu erzielen, um dann hinten dicht zu machen, und mit ihren schnellen Spitzen, den Titelverteidiger auszukontern!!!
    England hat eine sehr ähnliche Spielweise wie Norwegen!!! Ich kann nur hoffen, dass Frau Neid sehr viele Zweikämpfe trainieren lässt, denn die Engländerinnen sind da (wie die Norwegerinnen) nicht zimperlich, und hier könnte sich zum ersten mal der „LENOR-TREND“ in der Bundesliga, negativ bemerkbar machen!!!

    Ich halte es schon für eine ziemliche Anmaßung, die Siege gegen England und Japan schon fest einzuplanen, und sich nur über die Höhe Gedanken zu machen!!!

    Schweden wird sich steigern, die USA aber sicher auch, und die Nord-Koreanerinnen werden zumindest die Gruppe noch weiter spannend machen!!! Und wer weis, am Ende???????

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  • Bernd sagt:

    Ich habe letztes Jahr das Länderspiel in Karlsruhe gegen Japan gesehen. Das Spiel wurde zwar 6-3 gewonnen, aber bei den 3 Gegentoren haben Nadine Angerer und die deutsche Abwehr sehr schlecht ausgesehen. Wenn die deutschen Spielerinnen ihre Chancen nicht nutzen und die Abwehr schwammig steht, dann könnte es durchaus Probleme auch gegen Japan geben.

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  • Bernhard sagt:

    @Markus
    @Detlef

    Überall das gleiche,
    anstatt über gewesenes zu diskutieren werden Mutmaßungen und
    Spekulationen über kommendes aufgestellt.
    Vertragt euch lieber, es kommt sowieso wie es kommt!
    Ihr ändert daran ja e‘ nichts.
    Auf eine schöne WM!
    liebe Grüße
    Bernhard

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  • @ Bernhard

    Ich bin dafür, über die tollen gestrigen Spiele zu sprechen UND daraus Vermutungen abzuleiten, wie sich die Gruppen weiter entwickeln werden. Beides ist doch das, was Fußball ausmacht. 😉

    @ Jan

    Ich kann Dir da nur beipflichten. Ich habe ehrlich gesagt noch nie drei so hart umkämpfte Frauenfußball-Spiele an einem Tag gesehen. Nach dem Eröffnungsspiel konnte dem Frauenfußball nichts Besseres passieren, als ein Straucheln des großen Favoriten USA und eine Ausgangslage in Gruppe B, die viele erwartet und auch erhofft hatten. Hier bleibt wahrscheinlich bis zur letzten Sekunde die Spannung erhalten, dürfen sich auch die USA keinen schlechten Tag erlauben.

    Die USA waren offensichtlich von der starken Präsenz und der Athletik der Nordkoreanerinnen beeindruckt. Möglicherweise haben sie die Asiatinnen ein wenig unterschätzt und konnten den Schalter nicht mehr umlegen. Ihre beste Leistung haben sie gestern sicherlich nicht gezeigt. Aber ich gehe davon aus, dass die USA nach den vielen Testspielen gegen schwächere Gegner – Norwegen im Juli war da eine Ausnahme – diese echte Kraftprobe benötigt haben und sie zum Leidwesen der Schwedinnen am Freitag anders auftreten werden.

    Auf jeden Fall steckt in der Paarung Schweden – USA schon jetzt maximale Spannung. Aber die Mannschaft von Thomas Dennerby muss sich gewaltig steigern. Meiner Ansicht nach stagnieren sie seit der WM 2003 in ihrer Entwicklung und entwickeln zu wenig Ideen, um die gegnerische Abwehr auszuhebeln. Dass das auch bei den USA geht, hat Nordkorea gezeigt. Die Abwehr ist und bleibt die Schwachstelle der USA.

    Nordkorea und Nigeria haben jetzt zwar beide einem Favoriten das Leben sehr schwer gemacht, dennoch aber bisher nur diesen einen Punkt. Sie hatten optimale Auftaktspiele erwischt, in denen sie in der Rolle des Außenseiters waren. Jetzt gilt es nachzulegen, wenn die Erwartungen gestiegen sind. Nordkorea sehe ich da klar im Vorteil, weil sie in der Offensive vielseitiger sind. Sie haben starke Schützinnen, spielen gut über die Flügel und können ein enormes Tempo über die gesamte Spieldauer aufrecht erhalten.

    Darin haben sie auch einen klaren Vorteil gegenüber den Japanerinnen, die gestern gegen Ende doch ziemlich eingebrochen sind. Freilich war der Punktgewinn für England mehr als verdient. Aber mit einer besseren Kondition hätten die Japanerinnen ihre Führung möglicherweise über die Zeit schaukeln können und dann den Preis der höchsten Effektivität gewonnen.

    England agierte im Spiel nach vorne für meinen Geschmack zu umständlich, weswegen ich glaube, dass Japan die deutsche Mannschaft mit ihren unangenehmen Fernschüssen mehr in Bedrängnis bringen kann als England. In der deutschen Abwehr entstehen doch immer wieder gefährliche Lücken – diese Chancen gilt es dann zu nutzen.

    Auch ich sehe Deutschland gegen England und Japan klar in der Favoritenrolle. Allerdings vor allem, weil weder England noch Japan mich wirklich überzeugt haben. Da waren doch bei beiden eklatante Schwächen erkennbar. Nur keiner weiß, wie die beiden Teams auf ein so dramatisches Spiel reagieren. Das kann für England die pure Motivation sein oder einen Knacks geben. Wichtig wird sein, wie die Mannschaften in die Partie kommen. Noch musste die deutsche Mannschaft nicht einen Rückstand kontern. Doch damit es dazu kommt, müsste bei England schon alles passen.

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  • Rainer sagt:

    Deutschland hat eine leichte Gruppe im Vergleich zur Brasilien-Gruppe oder zur USA-Gruppe oder sollte man besser Nordkorea-Gruppe sagen??

    Die USA waren nicht gut, aber ich kann nur den alten Sepp Herberger zitieren, dass man immer nur so gut spielt, wie der Gegner es zulässt.

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  • Detlef sagt:

    Natürlich sind wir der Favorit, immerhin sind wir der Titelverteidiger, und amtierender Europameister dazu!!! Aber wir wissen nur aus dem Spiel gegen Norwegen, wie Deutschland gegen einen starken Gegner ausgesehen hat!!! Ob sich da durch das 11:0 etwas mental geändert hat, oder sie gegen England genau so alt aussehen werden, bleibt natürlich reine Spekulation!!! Aber genau die machen solche Diskussionen doch erst interessant!!!
    Es verwundert natürlich, dass alle Favoriten bis jetzt ins Straucheln gekommen sind, mit Ausnahme von Deutschland und Brasilien!!!
    Aber es zeigt doch insgesamt, dass die Weltspitze dichter zusammengerückt ist!!! Also Favorit hin oder her, wer im Spiel seine Möglichkeiten nicht nutzt, verliert auch als Favorit die Punkte!!!

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  • @Detlef

    „Es verwundert natürlich, dass alle Favoriten bis jetzt ins Straucheln gekommen sind, mit Ausnahme von Deutschland und Brasilien!!!“

    Wahrscheinlich sind wir uns einig, dass sie auch die mit Abstand schwächsten Gegner hatten? Immerhin haben wir in acht Partien drei Unentschieden und zwei Spiele mit nur einem Tor Unterschied am Ende. Das zeugt doch von einer gewachsenen Leistungsdichte. Nur Argentinien und Neuseeland fallen da meines Erachtens deutlich ab. Ghana hat Probleme, mitzuhalten, aber noch nah dran.

    Eine Auswertung des 1. Spieltags aller vier Gruppen werdet ihr natürlich morgen noch bei Womensoccer.de zu lesen bekommen.

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