Deutschland startet mit Kantersieg in die WM

Von am 10. September 2007 – 17.37 Uhr 9 Kommentare

Kerstin GarefrekesTitelverteidiger Deutschland ist mit einem 11:0-Kantersieg gegen Argentinien in die fünfte Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China gestartet. Dabei dominierte die Elf von Bundestrainerin Silvia Neid die Begegnung über 90 Minuten nach Belieben und konnte sich über den höchsten WM-Sieg aller Zeiten freuen. Argentinien hingegen dürfte in dieser Verfassung bei der WM zur Schießbude mutieren.

So sieht wohl ein Einstand nach Maß für einen Titelverteidiger aus. Mit dem höchsten WM-Sieg aller Zeiten hat sich die deutsche Mannschaft den Frust aus dem schwachen Norwegen-Spiel förmlich aus der Seele geballert. 11:0 Tore und 21:7 Torschüsse bedeuteten mehr als einen Klassenunterschied – in nackten Zahlen, aber auch spielerisch.

Auf verbales Feuer folgt Debakel

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Es war von der ersten Sekunde an nichts zu sehen von den Problemen, die die argentinische Mannschaft der Neid-Truppe nach vollmundiger Ankündigung von Trainer Carlos Borello bereiten wollte. Es werde für die deutsche Mannschaft keine schöne Zeit werden zwischen 20 Uhr und 21.45 Uhr chinesischer Zeit, hatte Borrello getönt. So kann man sich täuschen.

Ein markiger Spruch, der einen ins Staunen versetzt ob der desaströsen Leistung, die die „Albiceleste“ vor 28.098 Zuschauern im Shanghai Hongkou Stadium bot. Angefangen von Torfrau Vanina Correa, die mehrere Tore verschuldete, konnte kein Mannschaftsteil WM-Reife für sich reklamieren. Auch der Ausfall von Argentiniens Mittelfeldstrategin Mariela Coronel kann diese Leistung nicht ansatzweise erklären.

Viel Raum für deutsche Offensive

So bot sich den Deutschen rasch viel Platz, um die indisponierte argentinische Abwehr schwindlig zu spielen. Über die starken Melanie Behringer und Kerstin Garefrekes auf den Außenpositionen gingen dabei die meisten Akzente und Torvorlagen aus.

Immer wieder konnten die auf Grund mangelnder Gegenwehr weit vorne postierten Renate Lingor und Simone Laudehr die Argentinierinnen aus der Defensive locken, um sogleich mit einem Pass auf die Flügel die Abwehr der Borrello-Truppe auszuhebeln. Ein Lerneffekt blieb dabei aus. Das identische Schema führte reihenweise zum Erfolg.

Selbstvertrauen für Torschützinnen

Ein Schützenfest also, an dem sich gleich fünf Spielerinnen beteiligen durften, was dem Selbstvertrauen vor dem gegnerischen Kasten gut tun sollte. Sandra Smisek und Birgit Prinz waren dabei dreifach erfolgreich. Prinz zog mit ihren WM-Treffern 10-12 damit mit der bisherigen Rekordtorschützin Michelle Akers gleich und kann diese am Freitag gegen England (14 Uhr) überholen.

Sandra SmisekDoch mehr als ein gelungener Aufgalopp war das Eröffnungsspiel zu keinem Zeitpunkt. Nicht einmal ein besseres Training, ein Gradmesser auf keinen Fall. Das weiß auch Bundestrainerin Silvia Neid: „Wir haben umgesetzt, was ich mir vorgestellt habe. Wir wussten, dass wir über die Flügel Freiräume bekommen werden. Aber wir dürfen das Spiel auch nicht überbewerten. England wird ein anderes Kaliber sein.“

Leichte Unsicherheiten bei Debütantinnen Angerer und Laudehr

Dann aber werden die WM-Debütantinnen Nadine Angerer, Melanie Behringer und Simone Laudehr ihre Premiere und damit auch die erste große Nervosität schon hinter sich haben, die vor allem Nadine Angerer und Simone Laudehr noch in manchen Szenen anzusehen war.

Angerer ließ einige Male in Szenen erst kurz abprallen, wo sie sofort den Ball hätte fangen können. Doch ernsthaft geprüft wurde sie nur einmal bei einem Fernschuss von Eva Gonzalez, den sie entschärfen konnte. Bei der anschließenden Ecke rettete Melanie Behringer auf der Linie.

Simone Laudehr brauchte einige Zeit, bis sie ihren Platz im Spielsystem gefunden hatte. Renate Lingor war über weite Strecken die aktivere Mittelfeldspielerin, war sie doch diesmal ob der drückenden Überlegenheit von Defensivaufgaben fast gänzlich entbunden. Doch mit zunehmender Spieldauer fand Laudehr die Bindung zum Spiel und bereitete das 5:0 durch Birgit Prinz mit einer schönen Flanke vor.

Kein Gradmesser

Die deutsche Defensive, zuletzt der große Schwachpunkt, blieb nahezu beschäftigungslos und sah nur einmal, als Behringer nach einem Eckball auf der Linie klären musste, beim Stellungsspiel alt aus. Gegen Kelly Smith, Rachel Yankey, Eni Aluko und Co. sollte sie mehr geprüft werden. Wirkliche Aufschlüsse über den derzeitigen Leistungsstand sind erst dann zu erwarten.

Das gilt übrigens auch für Brasilien, hatte doch die Albiceleste immer mit stolzer Brust auf ihren Sieg bei der Südamerika-Meisterschaft gegen Brasilien verwiesen. Auch wenn damals die Europa-Legionärinnen Marta, Rosana und Elaine fehlten, wirft die Chancenlosigkeit der Mannschaft von Carlos Borrello Fragen auf, die auch Brasilien erst beantworten muss.

Nach jedem deutschen Spiel stellen wir Euch nun die Frage, wer für Euch die Spielerin des Spiels war. Zur Wahl stehen dabei alle Spielerinnen, die mindestens 30 Minuten gespielt haben.

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9 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Was soll man sagen? Das war kein WM-Eröffnungsspiel, sondern mehr ein weiteres Trainingsspiel gegen eine Auswahl, die nicht WM-reif ist und wohl weder in der Bundesliga noch in der Damallsvenskan bestehen könnte. Die Torhüterin könnte in Schweden in der zweiten Liga um einen Stammplatz kämpfen, aber eher in den schlechteren Teams. Die Abwehr leistete keine Gegenwehr, arbeitete nicht zusammen und liess die Deutschen eigentlich nach Belieben agieren.
    Ein guter Auftakt für Deutschland, ich erinnere mich noch an ein Gespräch mit Ariane Hingst, die ziemlich sicher war, dass Argentinien nach dem 1:6 bei der letzten WM sehr viel aufgeholt hätte, aber gesehen hatte sie die Truppe eben auch nicht. Das Fehlen der vermeintlich besten Spielerin ist ebenfalls keine Erklärung.
    Hoffentlich bucht die argentinische Mannschaftsleistung schon mal die Hotelzimmer nach der Vorrunde ab und bucht die Heimreise nach Buenos Aires.
    Ich kann die meisten Spiele nur im Nachhinein auf DVD anschauen und spulte nach dem 4:0 zum jeweils nächsten Tor.
    Was das Ergebnis und die Leistung wert ist, wird man erst nach dem England-Spiel sagen können. Die Deutschen können erst mal feiern. Die WM fängt am nächsten Spieltag an.

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  • Detlef sagt:

    Zunächst muss ich mich mal bei den Schweizerinnen und Tschechinnen entschuldigen!!! Ich hatte ja nach den deutlichen Siegen der DFB-Elf vermutet, dass der Südamerikameister wesentlich mehr Gegenwehr an den Tag legen wird!!! Das war zumindest heute nicht der Fall, und beide Teams wären wohl heute gegen total enttäuschende Argentinierinnen, als Sieger vom Platz gegangen!!!
    Die Borello-Elf, wird wohl auch gegen Japan und England, deutliche Niederlagen einstecken müssen!!! Damit hat sich Carlos Borello wohl deutlich zu weit aus dem Fenster gelehnt, und darf sich jetzt des Hohns und Spotts der argentinischen MACHO-Presse sicher sein!!!
    Hier heißt es jetzt vor allem ÜBEN, ÜBEN, und nochmals ÜBEN!!! Eventuell kann die eine oder andere Hoffnungsträgerin, im Ausland ihre Erfahrungen sammeln, die sie dann in ihrer Heimat weitergeben kann!!!
    Und was bleibt von der deutschen Mannschaft zu berichten???
    Ein imposantes Spiel, gegen einen machtlosen und zahnlosen Gegner!!! Hübsche Spielzüge, tolle Flanken, und schöne Tore, die die Engländerinnen, und sicher auch die Japanerinnen, so nicht zulassen werden!!! Also was bleibt von diesem Spiel???
    11:0 klingt gut, bringt drei Punkte und PLUS ELF TORE!!!
    Sandra Smisek und Renate Lingor sind sicher die größten Nutznießer dieses Auftaktspiels!!! Beide dürften heute ihr Selbstvertrauen aufpoliert haben!!! Leider blieb dies Saskia Bartusiak und vor allem ANJA MITTAG verwehrt, die es sicher ebenso nötig gehabt hätten, wie Smy und Idgie!!! Die kurze Zeit, die beide bekamen, reichte kaum aus, um sich an den Rasen zu gewöhnen!!!
    Hier zeigte Frau Neid zum wiederholten Male, wie wenig sie von Psychologie versteht!!! SCHADE, SEHR SCHADE!!!
    Ansonsten pflichte ich Rainer bei, es war ein Trainingsspiel, nicht mehr!!! Auch in der deutschen Zweiten Liga, gibt es wohl einige Teams, die Argentinien, wenn auch nicht so hoch, heute besiegt hätten!!!
    Aber wir wissen immer noch nicht, WO unsere Mannschaft im Augenblick steht!!!

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  • Rainer sagt:

    Schaun mer mal…

    Gewisse Kritiker bzw. Gegner des Frauenfussballs haben jetzt die Federn gespitzt. Zum Beispiel fragt sich der Chronist von Svenska Dagbladet nach dem Eröffnungsspiel, inwieweit der Frauenfussball internationale Klasse besitzt.

    Das kann man sich wirklich fragen, aber die Krux ist eben auch das bei Männern und Frauen im Endturnier die besten der jeweiligen Föderationen spielen. Was andererseits auch gut ist. Aber Teams wie Finnland und Frankreich hätten garantiert besser ausgesehen.

    Birgit Prinz sagte sowas wie „wir können nix dafür“ über das Spiel, offenbar hat sie sich auch schon Gedanken gemacht.

    Ich glaube, dass Sylvia Neid klug genug ist, die zweite Sturmposition neben der Prinz(essin) nicht endgültig mit Sandra Smisek besetzt zu haben. Anja Mittag hat eine weitere Chance verdient und wird sie sicher auch bekommen. Vielleicht schon gegen England.

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  • Detlef sagt:

    @Rainer,
    Komischerweise fragt sich das kein Journalist, wenn England oder Deutschland gegen Andorra, oder die Farrör-Inseln bei den Herren spielen??? Aber es sollte vielleicht der FIFA einmal ein paar Gedankenanstöße geben, wie man diese Riesenunterschiede verkleinern kann!!! Eventuell muss mal etwas Druck auf den argentinischen Verband ausgeübt werden, dass der auch Mädchen in die Fußballschulen aufnimmt!!!
    Ich glaube Frau Neid ist sehr gut beraten, wenn sie keine der vier Stürmerinnen, fest besetzt!!!

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  • Markus Juchem sagt:

    Im Hinblick auf eine mögliche Aufstockung des Teilnehmerfeldes von 16 auf 24 Mannschaften für die WM 2011 dürfte heute bereits eine kleine Vorentscheidung gefallen sein. Die Mitglieder FIFA-Kommission dürften ihren Augen nicht getraut haben, was sich da auf dem Feld abgespielt hat.

    Bei aller Freude über den deutschen Erfolg ist die Außenwirkung dieses zweistelligen Sieges eher schädlich als nützlich. Die Zuschauerzahl im Stadion war ja bei der Eröffnungsfeier höher, als dann beim Spiel. Wahrscheinlich sind einige zur Pause gegangen.

    Aber vielleicht können ja die nächsten Spiele diesen Eindruck schnell wieder verwischen.

    Selbstläufer werden die Spiele gegen Argentinien für England und Japan aber meiner Meinung nach trotzdem nicht. Man wird die Fehler analysieren und sicherlich in den nächsten Spielen eine besser eingestellt Mannschaft sehen.

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  • Susanne sagt:

    Sag mal Detlef, heiß du eigentlich Katja oder Markus? Das ist ja schon peinlich, wie ihr hier mit euch selbst diskutiert. Ist wohl sonst nix los bei euch, was?

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  • Rainer sagt:

    Tja Susanne, Detlef heisst Detlef, wenn er Katja heissen würde hiesse er ja Katja…

    Ich stimme Markus zu, dass der 11:0 Sieg für das Ansehen des Frauenfussballs bei seinen Gegnern und vielleicht auch bei der FIFA schädlich ist.

    Denn wenn die Nummer 2 aus Südamerika dermassen eingeht, ist an eine Aufstockung kaum zu denken. Wie würde erst die südamerikanische Nummer 3 oder 4 (Kolumbien bzw. Equador) aussehen? Dabei hatte ich gerade darauf gehofft, dass man allmählich das Turnier vergrössert, um auch weiteren Ländern die internationale Bühne des WM-Endturniers zu geben.

    Aber nun warten wir mal ab, was der morgige Tag bringt. Wenn die USA den Weltranglistenfünften Nordkorea mit mehr als vier Toren schlagen sollte…aber im Tor der Asiatinnen steht ja eine 15-Jährige, die 1,96 m gross ist. Bin auf sie gespannt.

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  • Detlef sagt:

    @Susanne,
    Na klar, ich heiße Katja, und Rainer heißt Markus, und Du heißt vielleicht Elisabeth???
    Wenn Du öfter mitdiskutieren würdest (aber bitte nicht so aggressiv), wäre es nicht mehr so „peinlich“!!!
    Gruß Katja

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  • Crackfly sagt:

    Vielleicht sollte man einfach die WM-Teilnahme anders gewichten? Immerhin ist in Europa die Leistungsdichte wirklich enger geworden. Frankreich und die Niederlande z. B. sind nur knapp an ner Qualifikation für die WM vorbeigeschrammt.

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