Rainers WM-Ecke: Weitsicht

Von am 9. September 2007 – 15.08 Uhr 1 Kommentar

Auf den Straßen von ShanghaiSamstag war Tag des Sightseeings. Bei der deutschen Mannschaft wie beim Journalistentross. Aber beide Gruppen für sich getrennt – natürlich und gute alte Sitte. Die Fotografen machten Bilder mit dem Team an der Flusspromenade namens Bund – und dann ging jeder seiner Wege. Spannend und entspannend zugleich die Promenade. Ein kühler Wind bei 30 Grad. Eine Traumkulisse mit der Skyline.

Die fliegenden Händler nervten irgendwann mit ihren Uhren, Rollerblades und sonstigem. Die Polizei amüsierte sich, indem sie die Händler ärgerte. Im E-Karren wird patrouilliert, dann laufen die Chinesen, verschwinden, verstecken sich – und kommen wieder. Freizeitbeschäftigung, denn an den Kragen geht den Verkäufern niemand. Aber Ordnung und Sicherheit wirken dezent und nicht bedrohlich.

Was unsere Girls von Shanghai gesehen haben, wissen wir nicht. Mittags waren sie wieder im Hotel zum Essen. Beim eigenen Koch. Feng Huang, 27 Jahre alt, und Experte für Bratwurst und Sauerkraut, wie wir inzwischen wissen. Und beim Pressegespräch, traditionell gegen 14.30 Uhr im Mannschaftsquartier, ließen Kerstin Stegemann und Melanie Behringer wissen, das der Trip anstrengender gewesen sei als ein Training.

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Die Journalistengruppe gönnte sich mehr Zeit, im französischen Viertel und auf dem Jinmao-Tower, etwa 450 Meter hoch und derzeit das vierthöchste Gebäude der Welt. In beeindruckenden 45 Sekunden waren wir auf der 88. Etage mit der Aussichtsplattform angekommen. Hoch über Shanghai, den Weitblick genießend. Neben dem Jinmao übrigens ist schon das nächste Rekordgebäude im Bau. Es soll über 500 Meter hoch werden.

Beeindruckend auch die Kneipenerlebnisse. Nicht alle sind mitteilungsfähig, aber eines doch auf jeden Fall. Die Tsingtao-Bar ist eine Eckkneipe gegenüber dem Stadion. US-amerikanische Musik der frühen 70er-Jahre ist dort angesagt. Peter Paul and Mary. Natürlich ist Bob Dylans Blowin’ In The Wind der Superhit. Wer hätte das gedacht. Shanghais Freigeister packten an jenem Abend mitunter die eigene Gitarre aus und klampften munter drauflos.

Der mitternächtliche Blick durchs Fenster offenbarte Ungewöhnliches. Lag es am Bier, an der Zeitumstellung? Nein, keine Jetlag-bedingten Halluzinationen, sondern tatsächlich kam ein Trupp Straßenarbeiter und bemalte die Zebrastreifen neu. Shanghai, besonders ums Stadion herum, wird blitzblank poliert sein und sich vom Feinsten präsentieren, wenn der Ball rollt. Auch der Zebrastreifen vor unserem Hotel roch auf dem Heimweg frisch nach weißem Lack. Man verzeihe, dass wir keine Kamera mit dabei hatten beim Gang zum abendlichen Bier. Aber wer rechnet schon mit solchen Bildangeboten seitens der Chinesen.

Das die FIFA das Abschlusstraining für alle Gruppenteams in Shanghai änderte und nicht im Wettkampfstadion stattfinden lässt, betrachtet das DFB-Team als ärgerlich. Eine Protestnote gab es bislang nicht. Denn niemand wird übervorteilt. Der Grund soll sein, dass der Rasen im frisch renovierten Stadion noch nicht richtig angewachsen sei. Also richten wir uns darauf ein, das am Montag gegen Argentinien im wahrsten Sinne des Wortes die Fetzen fliegen.

1 Kommentar »

  • Detlef sagt:

    Es sei Dir verziehen, dass Du auf Deine Kneipentour keine Kamera mitgenommen hast!!!
    Ist das Bier in China wirklich so gut??? Ich habe schon einiges darüber gelesen und auch gehört!!! Es muss schon ein ziemlicher Kulturschock sein, wenn man in einem Land mit 3000-jähriger Geschichte, plötzlich profane US-Musik serviert bekommt!!!
    Was den plötzlichen Trainingsstop im Stadion angeht, so kann ich es nicht ganz nachvollziehen!!! Da hat wohl jemand seine „Hausaufgaben“ nicht gemacht, und den Rasen zu spät ausgerollt!!!

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