Heiter bis wolkig in Shanghai

Von am 7. September 2007 – 18.40 Uhr 7 Kommentare

Birgit PrinzEs gibt nicht wenige, die beschleicht beim Gedanken an die WM-Spiele der deutschen Mannschaft ein Gefühl der Unsicherheit. Wo steht die deutsche Mannschaft wirklich? Testspiele können darüber nur bedingt Auskunft geben – es ist daher Zeit, dass es los geht! Drei Trainingstage stehen noch an, „dann wird es aber langsam Zeit, dass es endlich los geht. Wir haben lange genug trainiert“, sagt Abwehrspielerin Ariane Hingst und trifft damit wahrscheinlich die Gefühlslage ihrer Mitspielerinnen sehr genau.

Eine gesunde Mischung aus warnendem Zeigefinger, nüchternem Realismus und Optimismus ist beim Titelverteidiger zu spüren. „Man merkt, dass wir alle das gleiche Ziel verfolgen, wir liegen genau im Plan“, sagt etwa Bundestrainerin Silvia Neid. Was zu erwarten ist, wenn die Leistung gegen Norwegen „genau im Plan“ lag? Etwas beunruhigend klingt das schon, doch ist es schlichtweg die Aufgabe einer Trainerin, ihre Mannschaft – zumindest öffentlich – stark zu reden.

Auch vor Olympia gegen Norwegen verloren

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Schließlich verlor 2004 die deutsche Elf auch das vorletzte Vorbereitungsspiel gegen Norwegen in Hoffenheim mit 0:1 und riss damit im Stadion des „deutschen Abramowitsch“, Dietmar Hopp, keinen von den Sitzen. Bei Olympia gab es dann Bronze nach einer denkbar knappen Niederlage nach Verlängerung gegen die USA im Halbfinale. Übertriebener Pessimismus ist daher ebenso wenig angebracht wie übertriebener Optimismus.

Doch die Steigerungen bei Turnieren gelingen auch nicht automatisch, weshalb Spielführerin Birgit Prinz im Interview mit der ZEIT warnt: „Wir sollten nicht anfangen, uns über die zweite Runde Gedanken zu machen. Erst müssen wir die Gruppenphase überstehen.“ Womit sie die Frage von ZEIT-Journalistin Heike Faller provoziert, ob das nicht das von den Männern bekannte Understatement sei? „Ja, aber das ist eben die Wahrheit. Außer den Europäerinnen und den traditionell großen Teams kenne ich viele Mannschaften nicht, die Teams haben ja noch nicht so eine Fernsehpräsenz.“

Stegemann wieder im Training

Eine gute Einstellung, um Auftaktgegner Argentinien nicht zu unterschätzen. Womöglich eine der wenigen positiven Konsequenzen des Norwegen-Spiels. Apropos positiv – die rechte Verteidigerin Kerstin Stegemann befindet sich nach ihrer Erkältung seit gestern wieder im Training, ihr Einsatz am Montag scheint nicht in Gefahr.

Das ist mehr als beruhigend, hätte der Ausfall Stegemanns die deutsche Mannschaft doch vor arge Probleme gestellt. Wahrscheinlich hätte Kerstin Garefrekes dann die defensivere Rolle auf der rechten Seite übernommen – wie bei der EM, als Stegemann in der Vorrunde verletzt ausscheiden musste. Doch im Offensivspiel will niemand freiwillig auf die torgefährliche Frankfurterin verzichten.

Gleich zwei Trainingseinheiten standen gestern auf dem Programm. Eine morgens um 9 Uhr, eine abends um 19 Uhr. Bis zum ersten Spiel ist jetzt aber nur noch eine Schicht pro Tag geplant, um am Montag frisch zu sein. Anja Mittag, Fatmire Bajramaj und Annike Krahn besuchten heute morgen eine deutsche Schule in Shanghai, morgen steht eine gemeinsame „Sightseeing-Tour“ an. Trainiert wird abends um 19 Uhr (13 Uhr MESZ).

Letzte Personalfragen zu klären

Dann muss auch die endgültige Entscheidung über die zwei noch offenen Positionen fallen. Nachdem sich Sonja Fuss gegen Norwegen nicht empfehlen konnte, dürfte Linda Bresonik auf der linken Verteidigerposition gesetzt sein. Simone Laudehr hat auf der Sechser-Position die besten Karten, da von Saskia Bartusiak nur wenige Akzente ausgingen. Bleibt als spannendste Frage: wer sollte als Sturmpartnerin von Birgit Prinz auflaufen?

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7 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    >Übertriebener Pessimismus ist ebenso unangebracht, wie übertriebener Optimismus

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  • Detlef sagt:

    UPPS, schon wieder mal hat es den Text verschluckt!!!
    VERSUCH 2!!!
    Übertriebener Pessimismus ist ebenso unangebracht, wie übertriebener Optimismus, schreibt Katja!!!
    Also ich bin durchaus pessimistisch, wenn ich an die Leistung der deutschen Mannschaft denke!!!
    Wir wissen jetzt genau soviel, wie vor den Testspielen, und nach dem Algarve-Cup!!! Haben wir irgendwelche neue Erkenntnisse sammeln können, ich glaube NEIN!!! Also wissen wir nicht wo wir stehen!!!
    Wir wissen, dass es bei der letzten EM wesentlich besser gelaufen ist!!!
    Aber das ist lange her!!! Da waren nicht so viele Spielerinnen mit sich selbst beschäftigt!!!
    Alle verletzten Akteure wurden Zuhause gelassen!!!
    Es gibt sicherlich einige Gründe, vor dieser WM pessimistisch zu sein!!!

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  • @ Detlef

    Ich habe die Leistung gegen Norwegen – wie hier auch geäußert – ebenfalls durchaus kritisch gesehen. Dennoch teile ich Deinen Pessimismus in dieser Form nicht.

    Erstens hat sich meiner Einschätzung nach die Offensive gegenüber dem Algarve Cup deutlich verbessert. Da ist mehr Selbstvertrauen da, sind die Laufwege besser aufeinander abgestimmt und werden auch die Torchancen besser, wenngleich nicht optimal verwertet.

    Die Defensive gibt Anlass zur Sorge, aber nicht jeder Gegner weiß daraus so überzeugend Kapital zu schlagen wie Norwegen. Norwegen ist ein Top-Team.

    Und schließlich haben auch die anderen Mannschaften ihre Schwächen. Wir beschäftigen uns vor allem mit der deutschen Mannschaft, sollten dabei aber nicht vergessen, dass bei den Konkurrenten auch nicht alles perfekt gelaufen ist. Wo sie ihre Defizite haben, werden wir ab Montag sehen.

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  • Idgie-Jonsi-Fan sagt:

    Diesesmal muss ich Katja recht geben. Auch die anderen Top-Favoriten haben ihre Schwächen. Was mir durchaus gegen Norwegen imponiert hat ist die Tatsache das wir nach zweimaligem Rückstand immer wieder zurückgekommen sind und ausgleichen konnten. Und was mein Idol betrifft, hat sie im ersten Bundesligaspiel gegen Bayern München deutlich aufsteigende WM-Form gezeigt. Das es in den beiden Länderspielen dann net so toll aussah, lag meiner Meinung wohl eher daran, dass aufgrund einer kleinen Bänderdehnung (zugezogen im ersten Länderspiel) sie sich wohl schonen wollte um jetzt am Montag topfit zu sein. Sie hat soviel Erfahrung (auch mit Verletzungen), kennt ihren Körper genau und weiß genau wann sie wieder Gas geben muss.
    Und ich bin mir sicher, dass es eine gigantische WM wird und wir Anfang Oktober unsere Mannschaft am Frankfurter Römer feiern dürfen!!! 🙂

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  • Detlef sagt:

    @Katja,
    Ganz sicher haben auch die anderen Teams ihre Schwächen, aber auch die muss man erst mal erkennen und ausnutzen können!!!
    Unser Sturm ist sicher der beste und flexibelste Mannschaftsteil!!! Aber es ist mir alles zu sehr auf Birgit Prinz zugeschnitten, und daher sehr leicht ausrechenbar!!! Natürlich hat nicht jede Mannschaft die spielerischen Mittel, eine Birgit Prinz über 90 min ausschalten zu können!!! Aber man sollte auch mal über andere „Paarungen“ im Angriff nachdenken!!! Das effektivste Sturmduo sind sicher Prinz und PIWI, unterstützt von Garefrekes und Behringer!!!
    Aber an wem wollen wir unsere Mannschaft messen, wenn nicht an den besten der Welt??? Und wenn Mannschaften wie Japan, in der Lage sind, diese Top-Teams zu besiegen (Norwegen, Brasilien), muss ich doch unsere Leistung hinterfragen dürfen!!! Und unsere Mannschaft blieb (bis jetzt) den Beweis leider schuldig, gegen gute Teams bestehen zu können!!!
    SORRY, ich sehe keine wesentlichen Fortschritte in dieser Hinsicht!!!
    Als der norwegische Trainer, sein Team in Hälfte zwei „kaputtgewechselt“ hat, da war unsere beste Besetzung auf dem Platz!!! Konnten wir jetzt, irgendwelche Überlegenheit feststellen???
    Hätte nicht jetzt Chance auf Chance folgen müssen, und damit auch TORE???
    Aber mehr als der schmeichelhafte Ausgleich, nach grobem Patzer der norwegischen Abwehr, und nur durch eine verzweifelte und wütende Birgit Prinz, gelang uns nicht!!! Also was wäre gewesen WENN??? Und da die Ideen aus dem Mittelfeld weiterhin fehlen, sind unsere Stürmerinnen auf sich allein gestellt!!!
    Du siehst, bei mir sind noch zu viele „ABER“ im Text!!!
    Das Potenzial ist sicher vorhanden, aber dafür sollten alle bei 100% sein, und das Zusammenspiel besser und genauer sein!!!
    Dadurch, dass die Argentinierinnen nun so grausam geschwächt wurden, dadurch wächst unsere Chance, ein gutes Spiel abzuliefern, und den ersten Sieg einzufahren!!!

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  • werkselfe sagt:

    zur frage sturmpartner prinz:

    piwi. mittag schon seit monaten im formtief, trifft das tor momentan nicht. müller ist meine nummer 1 option als joker, und das ich smisek erst gar nicht mitgenommen hätte, dürfte mittlerweile kein geheimnis mehr sein 😉

    aber ich bin mir ziemlich sicher, dass frau neid smisek aufstellt.

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  • Ein klares Votum der Leserinnen und Leser von Womensoccer.de. Eurer Meinung nach sollte Petra Wimbersky einen Platz in der Startelf bekommen. Die Frankfurterin liegt mit 69 Prozent klar vor ihrer Vereinskollegin Sandra Smisek, die 19 Prozent der Stimmen auf sich vereint. Martina Müller (8 Prozent) und Anja Mittag (5%) stehen dagegen nicht sehr hoch im Kurs unserer Leserinnen und Leser.

    Bald werden wir sehen, wie sich Bundestrainerin Silvia Neid entschieden hat.

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