Profi-Frauenfußball in den USA erst ab 2009

Von am 4. September 2007 – 22.36 Uhr 4 Kommentare

Tonya AntonucciDer Start einer neuen Frauenfußball-Profiliga in den USA bleibt zunächst eine Utopie. In einer umfassenden, fast 2.000 Wörter langen schriftlichen Erklärung versuchten die Organisatoren am heutigen Dienstag zu begründen, warum nun doch nicht wie geplant bereits im Jahr 2008 die Liga mit dem provisorischen Namen Women’s Soccer LLC ins Leben gerufen wird.

Finanziell sei ein Start bereits im kommenden Jahr möglich gewesen, die Teameigentümer hätten sich jedoch aufgrund verschiedener Faktoren, darunter die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China 2007 und die Olympischen Spiele in Peking 2008, dafür entschieden, den Start der Liga zu verschieben. Eine Begründung, die seltsam anmutet.

Die neu ernannte Ligachefin Tonya Antonucci erklärte: „Es ist einfach eine Frage der Vorbereitung und der operativen Bereitschaft. Der Starttermin der Liga wurde sorgfältig abgewägt, da die Teameigentümer sicherstellen wollen, dass diese Liga einen dauerhaften Erfolg haben wird.“

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Seltsame Begründung

Bereits in den vergangenen Wochen hatten sich die Gerüchte verdichtet, wonach der Start der Liga um ein Jahr verschoben werden soll. Doch die jetzt abgegebene Begründung für die Verschiebung ist an den Haaren herbeigezogen. „Wir wollten nicht, dass unsere neue Liga den Spielerinnen und Fans den Fokus von diesen beiden Großereignissen wegnimmt“, so etwa Michael Stoller von Boston Women’s Soccer, LLC.

Eine erstaunliche Erklärung, waren die Termine der beiden Frauenfußball-Großevents doch seit Jahren bekannt. Ganz im Gegenteil hätte die Frauenfußball-Weltmeisterschaft ursprünglich dazu dienen sollen, die PR-Maschinerie für den im April 2008 geplanten Ligastart in Gang zu setzen.

Sieben Eigentümergesellschaften haben ihre Teilnahme an der Liga bereits zugesagt: AEG L.A. Women’s Soccer, LLC (Los Angeles); Boston Women’s Soccer, LLC (Boston); Chicago Professional Women’s Soccer, LLC (Chicago); Hendricks Investment Holdings, LLC (Washington D.C.); St. Louis United Soccer, LLC (St. Louis); Sky Blue Women’s Soccer, Inc. (New Jersey/New York) und Sting Soccer Group LP (Dallas).

Geldgeber nicht überzeugt

Offenbar ist es Antonucci trotz eines konservativen Geschäftsmodells bisher nicht gelungen, alle beteiligten Gesellschaften von der Rentabilität des Projekts zu überzeugen. Geplant ist aber bereits eine 18-monatige Marketingkampagne, die den Start der Liga im Jahr 2009 vorbereiten soll.

Antonucci, die zweieinhalb Jahre lang als Geschäftsführerin der WSII das Projekt vorangetrieben hat, übernimmt ab sofort die Rolle der Ligachefin. Die ausgezeichnete Fußballspielerin war vor dieser Tätigkeit mehrere Jahre lang als Managerin für Yahoo! Sport unter anderem bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft USA 2003 tätig.

Von der Kompetenz Antonuccis ist man überzeugt: „Ihr Hintergrund in Fußball, Marketing und Führungsrollen macht sie zur idealen Kandidatin, diese Liga durch ihre schwierige Geburts- und Kindheitsphase zu bringen“; sagt etwa Peter Wilt, Geschäftsführer von Chicago Professional Women’s Soccer, LLC.

Spielerinnen fiebern der neuen Liga entgegen

„Ich bin aufregt, dass es 2009 eine neuen Profiliga geben wird“, sagt Abby Wambach. „Mehr Frauen werden sich dann den lang gehegten Traum erfüllen können, Profisportlerin zu sein.“ So diese Liga denn wirklich dann in knapp zwei Jahren das Licht der Welt erblicken wird.

„Seit die WUSA 2001 startete, hat sich viel verändert. Vor allem spielen immer mehr Leute in Amerika Fußball und betrachten sich als Fußballfans”, meint Antonucci, die von einer großen Zukunft des Frauenfußballs träumt: „Unsere Liga wird die weltbesten Athletinnen beherbergen, die das großartigste Spiel der Welt spielen.“

Doch der geringe Zuschauerzuspruch, der der U.S.-Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren zuteil wurde, belegt, dass weiterhin eine neue Mia Hamm schmerzlich vermisst wird. Selbst Topspielerinnen wie Wambach haben es bisher nicht geschafft, die Gunst des breiten Publikums zu erobern.

Antonucci ergänzt: „Die neue Liga wird alle notwendigen Schritte unternehmen, um sicherzustellen, dass diese Liga eine feste Einrichtung der nationalen Sportlandschaft wird. Wir erwarten keinen Erfolg über Nacht, aber wir setzen auf langfristiges Wachstum und Profitabilität.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Von Gerüchten, dass man erst 2009 mit der Liga in den USA anfangen würde, hatte ich schon gehört. Das verändert natürlich die Voraussetzungen gerade auch in „meiner“ schwedischen Liga. Martas Agent Fabiano Farah etwa sagte vor kurzem in Umeå, dass man (Marta und er) die klare Absicht hätten, mit Umeå zu verlängern.
    Lotta Schelin sympathisiert mit dem Gedanken an ein USA-Abenteuer, aber mit dieser Nachricht besteht Hoffnung, dass auch sie nächstes Jahr noch in der Damallsvenskan spielen wird.

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  • Markus Juchem sagt:

    Ich denke, damit dürfte zu 99,9 Prozent feststehen, dass Marta eine weitere Saison in Umeå spielen wird. Dasselbe gilt für Lotta Schelin, die außer an den USA (zumindest derzeit) kein Interesse daran hat, in einer anderen Liga zu spielen.

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  • Detlef sagt:

    Ich glaube schon, dass es viele TOPSPIELERINNEN wieder nach Amerika ziehen wird, wenn die Profiliga erstmal begonnen hat!!!
    Das ist zum einen natürlich gut für den FF im allgemeinen, aber für die Länder, wo die professionellen Strukturen noch auf sich warten lassen, da wirdes sehr bitter!!!
    Für Deutschland bedeutet dies, dass alle „Zugpferde des FF“ nicht mehr in Deutschland spielen werden!!! So wird es zB in Frankfurt sehr schwer werden, die potenten Sponsoren weiter zu interessieren!!! Hier ist alles auf die Vermarktung der Stars ausgelegt!!! Wenn diese aber nicht mehr da sind, bin ich mal gespannt, wie es dort weitergeht!!!

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  • Rainer sagt:

    Ein Exodus der Spielerinnen aus Deutschland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, England, Frankreich usw. in die USA 2009 ist ein Szenario, dass wir in Europa uns für die Entwicklung des Frauenfussballs eigentlich nicht wünschen dürfen.

    Es würde unsere Ligen ziemlich arm machen und wenn man sieht, dass in Norwegen zwischen 100-250 Zuschauer pro Spiel kommen, in Dänemark bisweilen noch weniger, dann sehe ich schwarz, wenn Profile wie Marta, Lotta Schelin, Isabell Herlovsen und viele andere auf einmal jenseits des Atlantiks kicken.

    Für die Spielerinnen mit einem Profivertrag wäre es vielleicht objektiv besser, endlich mal Geld zu verdienen und sich nur auf Fussball konzentrieren zu können, aber ein transatlantisches Gleichgewicht wäre wünschenswert.

    Schweden gehört bekanntlich zu den besten Eishockeynationen der Welt. Nicht, dass mich Eishockey sonderlich interessieren würde, aber die NHL holt sich Jahr für Jahr für Jahr die besten Talente aus der Liga. Da Eishockey (Herren) ein etablierter Sport ist, kommen dennoch genügend Zuschauer zu den Spielen von Färjestad oder HV71, aber Frauenfussball ist noch weit davon entfernt, etabliert zu sein.

    Dass sich ein grösseres Publikumsinteresse für Frauenfussball findet, ist wesentlich von Ereignissen wie der kommenden WM abhängig. Spielen D, DK, N und S eine gute WM, hat das entsprechende Rückwirkung in den Ländern. Und vielleicht werden auch neue Sponsoren auf den Sport aufmerksam.

    Meinetwegen kann die US-Liga auch später beginnen als 2009.

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  • […] Seit der offiziellen Ankündigung der Liga im September wurde im WPS-Büro in San Francisco und den Teambüros in Boston, Chicago, Dallas, Los Angeles, New Jersey/New York, St. Louis und Washington D.C. fieberhaft gearbeitet. In einem ersten Schritt ging es darum, Mitarbeiter einzustellen. Unter den prominentesten Namen ist Tony DiCicco, der Trainer der Boston Breakers sein wird. Auch bei Washington Freedom wird in Jim Gabarra ein bekannter Trainer arbeiten. […]