Deutschland in China eingetroffen – Argentinien auf dem Weg

Von am 4. September 2007 – 14.21 Uhr

DeutschlandDie deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft ist nach einem rund zehnstündigen Flug in Shanghai angekommen. Bundestrainerin Silvia Neid gönnte ihren 21 Spielerinnen nach der strapaziösen Reise erst einmal ein paar Stunden Ruhe im Mannschaftshotel Hua Ting, ehe sie um 19.00 Uhr Ortszeit (13.00 Uhr MESZ) zum ersten Training bat.

Die chinesische Metropole empfing den Teamtross mit regnerischem und schwülem Wetter bei Temperaturen um die 23 Grad. „Die Einheiten werden kurz und knapp sein. Wir wollen absolut ausgeruht ins Turnier gehen“, so Neid, die ihr Team täglich erst gegen 19 Uhr zum Training bitten will, wenn die äußeren Bedingungen aufgrund sinkender Temperaturen am besten sind.

Kerstin Garefrekes feierte bereits an Bord in ihren 28. Geburtstag hinein, eine Geburtstagstorte der Bordcrew und ein Ständchen der Teamkolleginnen versüßten den ungewohnten Ort der Feierlichkeiten. Doch Feiern soll wenn möglich dann erst wieder am 30. September auf dem Programm stehen, wenn das WM-Finale ansteht und Deutschland erneut siegreich sein will.

Anzeige

„Wir fahren nicht zur WM, um etwas zu verteidigen, sondern um etwas zu gewinnen“, formulierte Neid bereits vor Monaten die Zielsetzung für die Frauenfußball-Weltmeisterschaft. „Wir sind selbstbewusst und wollen natürlich am liebsten den Titel. Aber wir wissen auch, dass wir die Gejagten sein werden“, so die 43-Jährige.

Zwanziger hofft auf Schub für WM-Bewerbung

Dr. Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) hofft auf eine möglichst erfolgreiche Teilnahme, die auch der Bewerbung um die WM 2011 im eigenen Land noch einmal neue Dynamik verleihen soll. „Der Titel wäre für den deutschen Fußball insgesamt und die Entwicklung in der Zeit nach der WM unbezahlbar“, so Zwanziger, der anstelle von Engelbert Nelle als DFB-Delegationsleiter mit nach China reiste.

Damit das Unternehmen WM-Titel möglichst reibungslos klappt, wollte man sich auch in Sachen Ernährung auf keine halben Sachen einlassen. Ein eigener Koch soll dafür sorgen, dass bei den Spielerinnen keine Angst aufkommt, Ungewohntes aus dem Tierreich auf dem Teller serviert zu bekommen. „Der weiß, was wir gerne essen. Wir haben ihn dabei, damit wir keine Schlangen essen.“

Mariela CoronelErster Vorgeschmack auf Deutschland

Auf ihrer 30-stündigen Mammutreise nach China mit einer Zeitverschiebung von fast einem halben Tag konnte sich die argentinische Delegation bereits einen ersten Vorgeschmack für das WM-Eröffnungsspiel gegen Deutschland am 10. September holen. Denn von Buenos Aires ging es via Frankfurt ins Reich der Mitte. Das Team wird im gleichen Hotel wie die deutsche Mannschaft logieren, schon vor dem Spiel ist also ein erstes vorsichtiges Beschnuppern möglich.

Im Lager der Argentinierinnen ist man zuversichtlich, dass man anders als bei der 1:6-Niederlage gegen Deutschland bei der WM 2003 diesmal ein konkurrenzfähigerer Gegner sein wird. Eine der routiniertesten Spielerinnen im Team, Mariela Coronel, meint: „Wir haben uns in den vergangenen Monaten stark verbessert, sowohl mannschaftlich wie auch individuell. Unser erstes Ziel ist es, die Vorrunde zu überstehen. Das sollte machbar sein. Der Abstand zu den Topteams ist auf jeden Fall kleiner geworden.“

Warnung an deutsches Team

Trainer Carlos Borrello ist in seiner Einschätzung etwas vorsichtiger: „Das Team hat an Erfahrung gewonnen, aber natürlich gibt es im Fußball immer etwas zu verbessern, vor allem im Frauenfußball.“ Angst vor dem Spiel gegen Deutschland hat er jedoch nicht: „Meine Spielerinnen waren zufrieden, als sie erfahren haben, dass sie gegen Deutschland spielen werden. Genauso wie sie vor einiger Zeit die Revanche gegen Brasilien wollten, wollen sie sie jetzt auch gegen Deutschland. Die Deutschen werden gegen uns kein leichtes Spiel haben.“

Die Zukunft des argentinischen Frauenfußballs malt er rosig: „Ich glaube, in vier Jahren werden wir zu den zehn besten Mannschaften gehören. Aber auch bei der jetzigen Truppe würde ich nichts ausschließen. Wenn wir einmal in China sind, werden wir versuchen, Spiel für Spiel zu gewinnen“, so Borrello.

Tags: , , , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.