Brasilien schießt sich für WM warm

Von am 2. September 2007 – 12.13 Uhr 3 Kommentare

BrasilienEs war lediglich eine kleine Überraschung, als in den Sommerferien bekannt wurde, dass Brasilien seine Vorbereitung auf die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Umeå abschließen und seine Nationalspielerinnen Marta und Elaine auf dem Weg nach China sozusagen abholen würde.

Seit der schwedische Meister Umeå IK vor dreieinhalb Jahren Marta und etwas später Elaine verpflichtete, hat man exzellente Beziehungen zum brasilianischen Fußballverband. Bereits 2004 hatte Brasilien sich in der nordschwedischen Stadt auf die Olympischen Spiele in Athen vorbereitet, die mit dem Gewinn der Silbermedaille den bislang größten internationalen Erfolg des brasilianischen Frauenfußballs brachte.

Zwei Sparringspartner wurden auserkoren, natürlich der Gastgeber und etwas überraschend die Zweitliga-Mannschaft von Eskilstuna United, die in der sogenannten Norrettan derzeit mit UIK’s Lokalrivalen Umeå FF Södra um den Aufstieg in die Damallsvenskan kämpft.

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Am Donnerstag vergangener Woche trafen Umeå und Brasilien dann aufeinander und die Begegnung am Gammliavallen lockte mit 6.100 Zuschauern das für dieses Jahr größte Publikum zu einem Frauenfußballspiel in Umeå.

Salomonische Entscheidung

Bis zuletzt hielten die beiden Trainer Andrée Jeglertz und Jorge Barcellos geheim, für wen denn Marta und Elaine spielen werden und überraschten das Publikum dann mit einer salomonischen und besonders attraktiven Lösung: In der ersten Halbzeit spielten die beiden Brasilianerinnen für Umeå, um in der Pause das Trikot zu tauschen und in den zweiten 45 Minuten für Brasilien zu spielen.

Ein ungeheuer attraktives Spiel, „das beste, das ich je am Gammliavallen gesehen habe“ (Roland Arnqvist), boten beide Teams den Zuschauern. Zunächst noch mit großem Respekt vor dem WM-Mitfavoriten, zeigte Umeå insbesondere in der zweiten Halbzeit, dass es auch ohne Marta (und ohne die Norwegerin Lise Klaveness sowie Johanna Frisk und Emma Berglund und mit einer vom Spiel gegen Deutschland am Vorabend müden Ramona Bachmann) ein sehr ernstzunehmender Gegner ist.

Spanisches Flair in Nordschweden

Insbesondere die 23-jährige Nationalverteidigerin Anna Paulson verdiente sich das Lob ihres Trainers mit einer Glanzleistung gegen Marta. Die man aber dennoch nicht über die gesamte Spielzeit ausschalten kann. Pretinha hatte Brasilien in der ersten Hälfte in Führung gebracht und machte auch das 2:0 nach glänzender Vorarbeit Martas. Aber immerhin gelang Umeå nicht nur ein Ehrentor, sondern wirklich der Anschlusstreffer durch die Spanierin Laura Del Rio Garcia, die in diesen Tagen zum Probetraining in Schweden ist.

Am vorigen Dienstag stand das zweite Spiel der Schwedenreise auf dem Programm und da hatte es Brasilien beim 6:0 (2:0) gegen Eskilstuna United schon bedeutend leichter. „Ich habe gehört, dass in Umeå über 6.000 Zuschauer waren und würde mich riesig freuen, wenn wir halb so viele Besucher bekämen“, sagte Eskilstunas Torfrau Maria Wahlström und mit 3.019 Zuschauern wurde der Wunsch Wirklichkeit.

BrasilienLockerer Sieg ohne Aussagekraft

Das Spiel war dann ein Fest, ein ungleicher Kampf mit geringer Aussagekraft. Marta wurde erst in der zweiten Halbzeit eingewechselt, eine leichte Erkältung ließ Barcellos vorsichtig mit seinem Star agieren. Beeindruckend war die Souveränität der groß gewachsenen Renata und Tania in der Innenverteidigung, die allerdings nur in den ersten 20 Minuten beschäftigt wurden. Im Mittelfeld zeigten Formiga und Maycon ihr Potential, während die 23-jährige Daniela auf der rechten Seite die herausragende Akteurin auf dem Platz war.

Im Angriff startete Brasilien mit Cristiane, Katia und der 32-jährigen Pretinha, die nach knapp 20 Minuten nach einem unglücklichen Zusammenprall vom Platz getragen werden musste. Sowohl Cristiane wie Katia hatten mehrere Torchancen, die beide jedoch nur zu je einem Treffer verwerten konnte. Trotzdem ist die Klasse der beiden Stürmerinnen völlig unzweifelhaft und dürfte so manchem Gegner auch in China erhebliches Kopfzerbrechen bereiten. Dass in der zweiten Halbzeit noch mehr Tore und noch mehr Torchancen herauskamen, liegt nicht alleine an Marta, sondern auch an der mit steigender Spieldauer größer werdenden Müdigkeit der Gastgeberinnen, die ihr Team durch zwei Spielerinnen aus der Damallsvenskan (Marie Hammarström und Andrea Comaneci) verstärkt hatten.

Mangelnde Chancenverwertung

Die einzige Kritik an den Brasilianerinnen muss der mangelhaften Verwertung der Torchancen gelten. Der Sieg hätte zweistellig ausfallen müssen. Katia und Cristiane, Formiga und Daniela hatten weitere hochkarätige Chancen, bei denen man sich oft zu lässig zeigte. Ganz anders dagegen Marta, die unter dem frenetischen Jubel des Publikums sowohl das 4:0 wie das 6:0 besorgte. Mit ihrer Antrittsschnelligkeit und Schussstärke ragt sie selbst aus dem technisch erstklassigen Team eindeutig hervor.

Dass aber das Spiel nur auf sie zugeschnitten ist, wäre eine falsche Behauptung. Ähnlich wie im Verein hat sie eine Position im offensiven Mittelfeld und wechselt je nach Eingebung mal nach rechts, mal nach links. Brasilien hat ein sehr starkes Kollektiv mit dem Plus der weltbesten Spielerin, die ein Spiel auch alleine entscheiden kann. Martas Erwartungen jedenfalls sind hoch: „Wir fahren nach China um zu siegen, siegen und nochmals zu siegen.“

Und auf die Frage nach dem Wunschfinale sagt sie artig: „Brasilien – Schweden“. Die WM kann zu einem weiteren Solo Martas werden – unterstützt durch ein beeindruckendes Orchester.

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3 Kommentare »

  • Markus Juchem sagt:

    Kurze Info: Brasilien hat heute ein Testspiel gegen Deutschlands Gruppengegner Japan mit 1:2 verloren!

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  • Rainer sagt:

    Ja, die Japanerinnen. Ihre D21 war im Sommer ebenfalls in Schweden und imponierte gewaltig durch mannschaftliche Geschlossenheit, Diszplin, technisches Können und präzises Kurzpassspiel. Drei Spiele brachten drei knappe Siege gegen schwedische Teams, hinterliessen aber bleibenden Eindruck.
    Bin sehr gespannt auf die Gruppe A, in der Deutschland zwar Sieger werden müsste, aber sicherlich mit England und Japan zwei starke Gegner haben wird.

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  • Detlef sagt:

    Ich halte die Japanerinnen, genau wie die Engländerinnen für sehr stark!!! Es wird sicher kein Spaziergang für den Weltmeister in dieser Gruppe!!! Das einzige Fragezeichen bleibt für mich Argentinien, die ich nirgendwo eingruppieren kann!!!
    Da werden sicher auch Frau Neid und Frau Ballweg aufgemerkt haben, dass die Japanerinnen die starken Brasilianerinnen bezwingen konnten!!!

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