Lene Mykjåland, die Überfliegerin aus Røa

Von am 30. August 2007 – 0.23 Uhr

mykke.jpg„Ein Leben ohne Fußball ist undenkbar“, lautet die Philosophie von Lene Mykjåland, dem norwegischen Shootingstar mit dem sonnigen Gemüt. Beim Algarve Cup im März gab die Spielerin aus Røa im Spiel gegen Deutschland ihr Debüt in der Nationalmannschaft, bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China will sie nun ganz groß herauskommen.

Das Testspiel vor der WM in Deutschland will sie nutzen, um noch einmal nachdrücklich auf sich aufmerksam zu machen. „Ich werde um einen Stammplatz in der Mannschaft kämpfen.“

Wenn Mykjåland von ihrem Verein spricht, erstrahlt ihr Gesicht. „Røa ist ein ganz spezieller Verein. Alle arbeiten hart, aber immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht“, so der neue Stern am norwegischen Frauenfußball-Himmel gegenüber Womensoccer.de. Der Verein, der 1993 gegründet wurde, etablierte sich nach dem Aufstieg in die Toppserien im Jahr 2000 schnell im Oberhaus.

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Jahre des Zweifelns

Die besondere Atmosphäre im Osloer Verein erklärt zumindest ansatzweise den durchschlagenden Erfolg, den Mykjåland in den vergangenen Monaten hatte. „Es war ein langer Weg“, sagt sie rückblickend. „Ich war drei Jahre lang immer wieder verletzt und konnte nur sporadisch trainieren.“ 2004 musste sie sogar die komplette Saison auslassen. „Das war eine harte Zeit damals. Ich wusste aber immer, dass ich meine Chance kriegen würde, wenn die Gesundheit passt“, so Mykjåland.

Als sie im Februar beim Trainingslager der U-23 in La Manga erfuhr, dass sie zum norwegischen Kader beim Algarve Cup gehören wurde, war die Chance plötzlich gekommen. „Ich hatte gar keinen großen Bammel vor dem ersten Training, denn in Oslo haben wir ja schon mit Nationalspielerinnen aus verschiedenen Vereinen dreimal pro Woche trainiert, da konnte ich mich an das Niveau ein wenig gewöhnen.“

Außergewöhnliches Talent

Der Schritt war dennoch gewaltig. „Alle sind bessere Spielerinnen, man muss sich bei jedem Spielzug mehr konzentrieren. Das Spiel ist schneller, man muss präziser spielen und noch härter arbeiten.“ Dass Mykjåland ein begnadetes Talent ist, zeichnete sich früh ab. Im Süden Norwegens in Kristiansand aufgewachsen, spielte sie bis zum Alter von 16 Jahren in Jungenmannschaften des Vereins Randesund und erarbeitete sich dort das notwendige Durchsetzungsvermögen.

„Dann wechselte ich 2003 zu Amazon Grimstad, dem einzigen Frauenfußballverein in der Nähe. Danach habe ich eine größere Herausforderung gesucht und bin 2005 nach Oslo gegangen.“ Mit Erfolg. 2006 stand sie im Pokalfinale, wo sie beim 3:2-Sieg gegen Asker sogar einen Treffer erzielte.

mykke_2.jpgLohn für harte Arbeit

Laut Røas Vereinstrainer Geir Nordby ist sie ein „außergewöhnliches Talent, dass ungewöhnliche Dinge mit dem Ball anstellen kann.“ Norwegens U-19-Trainer Jarl Toske lobt: „Sie ist eine spannende Spielerin mit einer ganz besonderen Technik.“

Eine Begabung, die ihr letztendlich den Weg in die Nationalmannschaft ebnete. „Ich habe gefühlt, dass ich eine gute Chance habe, bei der WM dabei zu sein. Aber ich habe auch immer hart dafür gearbeitet“, sagt sie mit einer hohen Stimme, die so gar nicht zu der entschlossenen Spielweise auf dem Rasen zu passen scheint.

Die Großen als Vorbild

Doch mit der WM-Nominierung alleine will sie sich nicht zufrieden geben. „Ich war mit meinen ersten Auftritten in der Nationalmannschaft gar nicht zufrieden. Ich will noch viel besser spielen, das wäre ja unnormal, wenn ich diese Motivation nicht hätte.“ Dabei holt sie sich Anregungen bei ihren männlichen Vorbildern, sprich Cristiano Ronaldo, Kaká, Robinho oder Deco.

In der Nationalmannschaft hat sie sich sofort wohl gefühlt. „Bjarne (Anm. der Red.: Berntsen, Trainer) ist ein netter Kerl, der immer lacht. Diese entspannte Atmosphäre bedeutet mir alles. Jeder stärkt jedem den Rücken, wie in Røa. Genau das brauche ich.“

mykke_3.jpgAuf der Jagd nach dem Stammplatz

Ihre Ziele für China sprudeln ungefiltert aus ihr heraus. „Natürlich wollen wir am Ende ganz oben sein. Wir haben ein gutes Team, aber wir brauchen auch Glück. Es darf sich auch niemand verletzen.“ Auch persönlich freut sie sich auf die Reise ins Reich der Mitte. „Das wird eine gute Erfahrung für mich und ich freue mich schon sehr, auch weil so viele Spielerinnen aus Røa mit dabei sind.“

Mit ihrem Verein steht sie derzeit punktgleich mit Kolbotn auf dem zweiten Platz der norwegischen Liga. „Wir haben auf jeden Fall das Potenzial Meister zu werden, wir müssen es nur so oft wie möglich abrufen.“

Und dann möchte sie sich in absehbarer Zeit den nächsten Traum erfüllen: „Ich habe schon immer gesagt, dass ich gerne als Profi in den USA spielen würde.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.