„Kick it like Prinz“ – Podiumsdiskussion bringt Bewegung in die Szene

Von am 25. August 2007 – 16.24 Uhr

hannover_podium_1.jpgUngewöhnliches aus der Frauenfußball-Provinz Hannover. Dort gab es am 17. August ein hochkarätiges Podiumsgespräch in der AWD-Arena zum Thema Frauenfußball. Insbesondere Ingrid Wagemann, Ratspolitikerin der Grünen, gilt als Initiatorin des Gespräches, Martin Kind, Vorstandsvorsitzender von Hannover 96, stellte großzügig den VIP-Raum der AWD-Arena als Veranstaltungsort zur Verfügung.

Neben Kind auf dem Podium: Karl Rothmund, Präsident des niedersächsischen Fußballverbands (NFV), Regine Lipkow, Präsidentin des 2004 gegründeten 1. FFC Hannover (Bezirksoberliga), und Tatjana Polze vom VfL Wolfsburg in Vertretung von Martina Voss, Ex-Nationalspielerin und Sportlehrerin im Fußballverband Niederrhein, die kurzfristig absagen musste. Vor allem Rothmund verriet interessante Details, wie der Frauenfußball weiter gefördert werden soll.

Kind gab wegen Bundesligaverpflichtungen nur ein kurzes Gastspiel. Dass sein eigenes Frauenteam in der niedersächsischen Landesliga spielt, wusste er. Doch darüber gab er offen zu, in Sachen Frauenfußball Nachholbedarf zu haben. Angesichts der jüngsten Entwicklung werde er jedoch nachhaken. Denn Frauenfußball sei ein Wachstumsmarkt.

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Hannover 96 aufgeschlossen gegenüber Frauenfußball

Das bedeute jedoch nicht, dass der Verein seine Frauen nun analog zum Bemühen einiger anderer Großklubs in die Bundesliga pushen werde. „Wir müssen uns nach der Arena-Investition erst als Verein konsolidieren und dann können wir prüfen, die Frauen in die Wirtschaftsbetriebe zu holen und ob die das überhaupt wollen.“ Im Klartext heißt das: Hannover 96 wird sich in den nächsten Jahren nicht um professionellen Frauenfußball reißen, wird sich aber nicht gegen die Entwicklung sträuben.

Da die höchst spielenden Teams in der Stadt Fünftligisten sind, wird der Traum vom Erstligisten also noch einige Jahre vergehen. Das höchste Team im Verbandsgebiet ist Drittligist MTV Mellendorf. Dort ist über viele Jahre eine gesunde Infrastruktur mit drei Frauen- und fünf Mädchenteams entstanden. Mellendorf aber liegt auf dem Lande, gut 20 Kilometer entfernt und mit dörflichen Strukturen versehen.

Medienwirksames Blitzturnier

Medienwirksame Highlights könnte es aber dennoch geben. So wird die Stadt über den Sportausschuss ein Zeichen setzen und im September unter den sechs Topteams ein Blitzturnier ausspielen, dessen Finale in der AWD-Arena vor einem 96-Profispiel stattfindet. Der Sieger darf sich Hannoverscher Stadtmeister nennen. Und die Grünen planen vor dem Opernplatz ein Public Viewing zum Finale der Frauenfußball-Weltmeisterschaft am 30. September.

hannover_podium_2.jpgEin rund 100-köpfiges Fachpublikum aus Vereinen, Fußballkreis, Bezirk und Verband diskutierte eifrig mit. Leider über viele organisatorische Einzelfragen, die man auch am Telefon oder via Internet hätte beantworten können. Aber wenig den erhofften perspektivischen Zukunftsgedanken verfolgend. Auch Lipkows Beschreibung des „FFC“ als Einspartenverein und Polzes Beschreibung des Daseins in einem Bundesligateam brachten das Thema nur wenig voran. Gleichwohl die Idee eines öffentlichen Gedankenaustausches grundsätzlich der Szene gut tut, die sich oftmals im Wesentlichen darauf beschränkt, „wachgeküsst“ zu werden.

Kritik an Werder Bremen

Erhellend allerdings war NFV-Präsident Karl Rothmund, der zahlreiche künftige NFV-Aktivitäten beschrieb, die seit dem Geldfluss aus den WM-Überschüssen möglich werden. Ganz entschieden bejaht Rothmund die Förderung von mehr Leistung. Allerdings nicht auf Kosten anderer.

„Was Weder Bremen da macht, Spielerinnen zum eigenen Vorteil von wo anders her abzuwerben, wird es in Niedersachsen nicht geben. Das ist unfair und nicht unser Weg“, stellte er klar. Vielmehr werde mehr in Trainerinnen-Aus- und Fortbildung investiert. Zugleich müssten die Vereine mitziehen, und diese höhere Qualität im Verein auch nutzen und bezahlen. „Die Vereine müssen umdenken und Mädchentrainer auch honorieren, eine finanzielle Anerkennung bieten“, forderte Rothmund.

150.000 Euro mehr für den Frauenfußball

Niedersachsen werde künftig über 600.000 Euro für Mädchenfußball und Schulfußball verfügen. „Ab sofort gehen jährlich 150.000 Euro zusätzlich in Projekte zur Förderung des Mädchenfußballs“, sagte Rothmund. „Wir wollen Leistung fördern.“

Erste Nutznießer sind ab der laufenden Saison die städtischen Vereine HSC und Borussia mit ihren B- und C-Mädchen. Anstatt in den üblichen 7-er-Kleinfeldteams und -ligen zu kicken, haben diese beiden Vereine Elfermannschaften geformt, die in den Jungenspielbetrieb integriert und dort unterstützt werden.

„Uns geht es beim Verband um Nachhaltigkeit in der Wirkung unserer Investitionen. Auf Dauer muss eine leistungsorientierte Breite gefördert werden, damit die Lücke nach oben geschlossen wird.“

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