Steffi Jones: „Ich bin sehr stolz“

Von am 24. August 2007 – 9.20 Uhr 19 Kommentare

jones_freizeit.jpgSeit dem heutigen Freitag gibt es in den Buchläden „Der Kick des Lebens“ zu kaufen, die Biographie von Steffi Jones. Die Idee zu dem Werk hatte Manager Siegfried Dietrich vom 1. FFC Frankfurt. „Ich habe mich entschieden, das Buch selbst zu schreiben“, so Jones, die einräumte, beim Schreiben zu Beginn Anlaufschwierigkeiten gehabt zu haben.

„Da hatte ein Kapitel gerade mal eineinhalb Seiten. Beim Fischer Verlag sagte man mir: ‚Steffi, so geht das nicht, Du musst das mehr ausschmücken’“, erzählt sie lachend.

Es gelang ihr mit Erfolg: Auf 224 Seiten erzählt sie die bewegende Lebensgeschichte ihrer gerade erst 34 Jahre, die von vielen Rückschlägen und Unwägbarkeiten gekennzeichnet war.

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„Es ist ein ehrliches, offenes Buch“, so Jones, die in 12 Kapiteln Erfahrungen und Situationen schildert, die sie geprägt haben. Im ersten Kapitel „Franky und der Krieg“ schildert sie, wie sie davon erfuhr, dass ihr Bruder im Irak-Krieg beide Beine verlor.

Sie schreibt: „Ausgerechnet die Beine! Alle meine Erfolge hatte ich mit dem Laufen erreicht. Meine Beine hatten mich herausgetragen aus dem Frankfurter Problemviertel Bonames, aus der Perspektivlosigkeit, aus dem schwierigen sozialen Umfeld, in dem mein Bruder Christian bis heute feststeckt.“

Jedem in der Familie, Vater, Mutter und Bruder Christian ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Im Kapitel „Christian und die Straße“ beschreibt sie, wie sehr sie die Aggressionen ihres rauschgiftabhängigen Bruders verunsicherten. „Lange Jahre litt ich schrecklich unter seinen Misshandlungen und Drohungen.“ Dennoch zog sie ihren Bruder in späteren Jahren immer wieder aus dem Schlamassel und unterstützte ihn finanziell und materiell.

Weiter beschreibt Jones, wie bei all diesen schwierigen Lebensumständen die Mutter zum Fels in der Brandung wurde, sie die Familie mit Mehrfachjobs über Wasser hielt und immer zur Stelle war, wenn es brannte.

Doch auch der Fußball kommt im Buch nicht zu kurz. Wir lesen von Steffi Jones’ Anfängen, von der Bedeutung Monika Staabs und auch der schweren Zeit nach dem Kreuzbandriss bei der Weltmeisterschaft 2003 in den USA während ihrer Karriere in der Nationalmannschaft. Auch der schönen Zeit in den USA mit dem erfolgreichen Abstecher zu Washington Freedom in die WUSA ist ein eigenes Kapitel gewidmet.

Muss jemand zittern? „Ja, ich!“, meinte Jones schmunzelnd. Enthüllungen à la Toni Schumachers Buch „Anpfiff“ darf man nicht erwarten. „Es ist nichts Kritisches, ich ziehe nicht über andere her, es gibt auch keinen Anlass dazu“, ergänzt sie. „Ich bin sehr stolz. Es war nicht so einfach, die Lebensgeschichte aufzuarbeiten.“

Insgesamt ein sehr kurzweiliges Buch, das schonungslos tiefe Einblicke in das Leben von Steffi Jones gewährt.

Der Kick des LebensSteffi Jones
Der Kick des Lebens
Wie ich den Weg nach oben schaffte

224 Seiten, Broschur
8,95 Euro; 16,50 sFr

ISBN: 978-3-596-17641-0

Foto: Jörg Steinmetz

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

19 Kommentare »

  • schmidt sagt:

    Idole, Hoffnungsträger und Impulse braucht das Land.
    Steffi Jones setzt sich zeitlebens immer ein, wenn sie gebraucht wird. Sie hat sich vielleicht überraschend für einige zum richtigen Zeitpunkt aus dem Nationalteam zurückgezogen. Sie wird ihrem Leben und dem FF sicher noch enorme Impulse geben können. Alles Gute für sie und den Vertrieb ihres Buches.

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  • schmidt sagt:

    Steffi Jones will gern ein Männerteam trainieren, wenn der Trainerschein gemacht ist. Quelle: Interview von Herrn Pilawa
    in der NDR-Talk-Show vom 24.August 2007

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  • Markus Juchem sagt:

    Das hatte Steffi uns schon vor ein paar Monaten in dem exklusiven Rückblick auf ihre Nationalmannschaftskarriere verraten:

    http://www.womensoccer.de/2007/06/18/steffi-jones-exklusiv-mein-leben-in-der-nationalmannschaft-teil-6/

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  • schmidt sagt:

    Ich hoffe, niemand bekommt jetzt Schwierigkeiten, einmal sagt es Steffi selbst schon vor Monaten im womensoccer-Interview, dann wieder am Freitag im Pilawa- Interview und dann wiederhole ich es in meinem kleinen Beitrag.

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  • Acapulco sagt:

    Hallo Steffi,

    wäre diese Autobiografie nicht eine gute Gelegenheit gewesen, um sich zu outen und das Thema Homosexualität im Spitzensport anzusprechen?

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  • Detlef sagt:

    @Acapulco,
    meinst Du jetzt den Spitzensport im allgemeinen, oder den FF im besonderen???
    In Steffis Buch hätte eigentlich nur der FF näher beleuchtet werden können!!! Aber es ist ja allgemein bekannt, dass hier der Anteil der homosexuellen Frauen höher als der der heterosexuellen!!!
    Sie hätte also kaum etwas neues berichten können!!!

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  • Antje sagt:

    @Detlef,

    ich kann Deiner Aussage aus meiner eigenen Erfahrung in unteren Spielklassen zwar zustimmen. Und ich wuerde es auch begruessen, wenn sich eine (oder mehrere) der Top-Spielerinnen outen wuerde. Es ist schon auffaellig, dass Homosexualitaet im FF ausgeklammert wird. Trotzdem geht es immer noch um individuelle Personen, denen es selbst ueberlassen sein sollte, ob sie sich dazu bekennen, dass sie lesbisch sind. Und offensichtlich gibt es fuer die Spielerinnen gute Gruende, sich nicht in der Oeffentlichkeit zu outen.

    Gruss aus England, wo die Situation diesbezuglich aehnlich ist wie in Deutschland…

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  • Detlef sagt:

    @Antje,
    das Thema ist ja so alt wie die Diskussionen, ob Frauen überhaupt gegen den Ball treten sollten!!! Ich denke mal das jetzt die Zeit noch richtig wäre, dass sich die Spielerinnen outen sollten!!!
    Da der FF noch immer eine Nische in den Medien besetzt, würde ein Coming-Out auch kaum große Wellen schlagen!!! Selbst bei Nationalspielerinnen, würde es wohl kaum eine Randnotiz wert sein!!! Von der Presse droht sicher keine Gefahr!!!
    Aber je populärer dieser Sport in den Medien wird, um so schwieriger, und um so unwahrscheinlicher wird es, dass sich eine Spielerin outet!!!
    Bei den Männer-Profis wäre es nahezu Existenzbedrohend, wenn ein Spieler zugeben würde, „Ja, ich bin schwul, und das ist auch gut so!!!“
    Nicht nur durch primitive Fans, sondern auch verlorene Werbeverträge, intolerante Funktionäre, und nicht zuletzt die Regenbogenpresse, würden ihnen das Leben zur Hölle machen!!!

    Ich bin mir absolut sicher, der größte Hemmschuh, für ein Outing der Spielerinnen, ist der DFB!!! Dort wird es noch lange-lange dauern, bis die verknöcherten Strukturen aufgebrochen sind!!!

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  • Susanne sagt:

    Gab hier doch letztens Mal ein cooles Interview dazu. Da klang’s nach Lockerungsübungen beim DFB:

    Interview

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  • Antje sagt:

    @Detlef,

    ich stimme Dir voellig zu, dass es der zunehmenden Popularitaet des Frauenfussballs in der Oeffentlichkeit vermutlich keinen Abbruch taete, wenn sich Spielerinnen outen wuerden. Die Meldungen im letzten Jahr ueber das Privatleben von Inka Grings waren doch nach 3 Tagen bei Leuten, die sich nicht fuer Frauenfussball interessieren, wieder vergessen. Da unterscheidet sich der Frauenfussball tatsaechlich sehr von der Kommerzwelt bei den maennlichen Profis. Ich kann nicht einschaetzen, ob die Stimmung beim DFB der Hauptgrund gegen ein Outing ist. Ich fand das Interview mit Tanja Walther, das hier vor einigen Monaten zu lesen war, durchaus sehr bemerkenswert.

    Ich wollte nur sagen, dass ich persoenlich es zwar begruessen wuerde, wenn sich Spielerinnen outen wuerden. Ich sehe dies jedoch nicht als Aufgabe fuer Steffi Jones und ihr Buch, sondern es sollte diesen Spielerinnen selbst ueberlassen sein.

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  • Karen sagt:

    Ich versteh nicht, warum man um sein Lesbischsein so einen Aufstand machen sollte,
    man definiert sich doch schließlich nicht nur über seine Sexualität – ich zumindest nicht. Es sagt ja schließlich auch niemand „hallo, ich bin übrigens hetero“
    Es gibt viele Gründe gerade im FF sich NOCH NICHT zu outen, man denke nur an die Handball-Trainerin Renate Wolf
    Sie bekam den Bundestrainer-Job nicht, so glaubt sie, weil sie sich
    als Lesbe bekannte. Sie war offenbar das Opfer
    männlicher Funktionäre und derer sexuellen Fantasien.
    Denn es wird in unserer Gesellschaft leider immer noch nicht als normal angesehen, homosexuell zu sein.
    Überlasst es doch jedem selbst, den zeitpunkt selbst zu bestimmen..

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  • Acapulco sagt:

    natürlich ist niemand gezwungen sich zu outen, aber ich finde die gewichtung im buch schlichtweg falsch:

    von steffis bruder christian erfährt man, dass er seine vierte oder fünfte freundin anschleppt, zum dritten mal vater wird und den soundsovielten entzug versucht, aber über ihr eigenes privatleben erfährt man gar nichts…. und wenn, dann ist es ein rumgeiere: „… meine neue liebe in karlsruhe usw.“

    sie ist aus der nationalmannschaft zurückgetreten und wird nach dieser saison auch im verein aufhören – was hat sie zu verlieren?

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  • Antje B. sagt:

    Ich denke auch, dass man niemanden zwingen kann sich zu outen. Ich glaube auch nicht, dass das Problem die (un)popolarität von FF ist, sondern viel mehr unsere Gesellschaft. Wie glaub ich schon oben genannt wurde, ist das beste Beispiel Linda Bresonik und Inka Grings. Die beiden trennen sich bzw. das Liebesdreieck mit Holger Fach und die Presse zerreißte die ganze Geschichte und Bresonik befand sich lange Zeit in einem absoluten Formtief. Ich denke Spielerin würden sich outen, wenn unsere Gesellschaft was Homosexualität betrifft mehr Akzeptanz gegenüber anderen Menschen aufbringt!

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  • helena sagt:

    @Karen: Stimme Dir vollkommen zu!
    Wie kann ich von der Gesellschaft verlangen, Homosexualität als normal anzusehen oder zumindest zu tolerieren, wenn ich selber daraus ein Problem mache? Von daher sehe ich es schon so, daß ein „Coming out“ (und auch das sehr aufgesetzt wirkende Verhalten mancher prominenter Homosexueller) den Weg hin zur Normalität eher schadet als nützt! Solange ein Homosexueller (und auch die sich doch häufig sehr abschottende „Community“, die sich ja durchaus in ihrem „Anderssein“ sonnt und darüber häufig definiert) selber es nicht als normal ansieht und sich dementsprechend verhält (und dazu gehört m. E. auch, sich nicht offiziell zu „outen“ – Viele haben vielleicht auch eher ein Problem damit, WEIL es öffentlich besprochen wird), wird sich diesbezüglich nicht viel ändern.
    Natürlich will ich, wenn ich eine Autobiographie lese, etwas über den Menschen erfahren, aber die Offenheit, mit der Steffi Jones über vielerlei Probleme spricht, zeigt mehr von ihr als wenn sie über ihr Sexualleben geschrieben hätte! Wahrscheinlich hätte sie, wenn sie mit einem Mann zusammen wäre, auch nur von „meiner neuen Liebe“ geschrieben…

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  • Detlef sagt:

    @Antje B.,
    Die Sache mit Linda und Inka wurde überhaupt nur „aufgebauscht“, weil Holger Fach darin „verwickelt“ war!!! Er war die Hauptfigur, weil ihn viele Leute kennen!!! Inka und Linda waren nur die „Ausschmückung“ dieser Story!!! Genau so gut hätten sie auch über „Lieschen Müller und Gretchen Meier“ schreiben können, die kennt auch keiner!!!
    Es ging hier nicht um Homosexualität, oder FF!!! Es ging eigentlich nur über Herrn Fach!!!

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  • Antje B. sagt:

    @Detlef: Also meinst du, wenn jetzt eine Dreiecksbeziehung zwischen „Lieschen Müller“, „Gretchen Meier“ und Holger Fach gewesen wäre, wäre das Interesse der Presse damals genau so groß gewesen? Ich glaube kaum! Was gibt es denn für die Presse „tolleres“ als zwei berühmte Bundesligaspielerinnen, die fünf Jahre lang ein Paar waren und sich dann plötzlich trennen aufgrund eines anderen Mannes, der dann später auch noch mit beiden nacheinander eine Beziehung eingeht…!

    PS: Außerdem hab ich ja auch nicht behauptet, dass es nur um Homosexualität damals ging, natürlich hatte die ganze Geschichte auch einen enormen Bekanntheitsgrad aufgrund der verstrickten Personen. Aber du musst zugeben, dass Homosexualität sich als „Schlagzeile“ immer besser verkauft als „Lieschen Müller und Gretchen Meier“, weil es ja in den Augen vieler Menschen (um es „hart“ auszudrücken) nicht normal ist homosexuell zu sein!? Und genau das ist das was ich so unverständlich finde… dass es immer noch Leute gibt, die das nicht akzeptieren/kapieren!

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  • Detlef sagt:

    OJE, jetzt ist es soweit, ich habe das System gesprengt!!!
    Es nimmt meine Antwort nicht mehr an!!!
    @susan,
    ich glaub ich habe das Limit erreicht!!!

    HIIIIIIIIIIIIIIILLLFE!!!!!!!!!!!!

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  • Detlef sagt:

    VERSUCH 2!!!
    @Antje B.,
    die Berühmtheit dieser zwei Bundesliga-, und auch Nationalspielerin, hält sich doch schwer in Grenzen!!!
    Wenn ich morgen in meiner Firma, die äußerst Fußballinteressierte Belegschaft fragen würde, „Nennt mir doch bitte ein paar berühmte Fußballerinnen aus Deutschland!!!“
    Was glaubst Du wie viel Finger ich benötigen werde, um die richtigen Antworten von 70 Leuten zu zählen??? Die Sache von Inka und Linda stand ja groß in der BLIND-Zeitung, sehr viele lesen dieses Meinungsmache-Blatt bei uns!!! Kann sich noch irgendwer daran erinnern??? Glaubst Du der „Wissens-Test“, würde wo anders besser ausfallen???
    GLAUB MIR!!! Ob Inka Grings, oder Lieschen Müller, es ist völlig egal!!!

    Die Sache wird nur interessant, wenn Birgit Prinz mal in einen „Skandal“ verwickelt wird!!! Die kennen viele Leute, die ist wirklich berühmt!!!

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  • Antje B. sagt:

    @Detlef:

    Das kann man natürlich immer drehen und wenden wie man wil ;-)Ist ja jetzt auch egal, ich möchte mich hier mit keinem streiten!

    Noch allen ein schönes Wochenende! 🙂

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