Ist Deutschland wirklich schon in WM-Form?

Von am 22. August 2007 – 22.49 Uhr 8 Kommentare

Linda BresonikZugegeben: Ein 7:0-Sieg in einem wichtigen Spiel auf dem Weg zur Europameisterschaft 2009 in Finnland ist eine feine Sache. „Ich bin sehr zufrieden. Sieben Tore muss man in der EM-Qualifikation erst einmal schießen“, freute sich Bundestrainerin Silvia Neid zurecht nach dem klaren Erfolg gegen die Schweiz in Koblenz.

Doch der Gegner war nicht einmal im Ansatz ein Maßstab dafür, welche Gegenwehr das deutsche Team bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China zu erwarten hat. Die enttäuschenden Schweizerinnen wurden zu Statisten degradiert, wirkten heillos überfordert und taktisch nicht optimal eingestellt.

Ein echter Härtetest für den Ernstfall Weltmeisterschaft war das Spiel für die DFB-Elf gegen dieses am heutigen Abend drittklassige Team sicherlich nicht, das seit 16 Jahren kein Tor gegen Deutschland geschossen hat.

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Dennoch war an diesem Abend viel Positives zu verzeichnen. Die Innenverteidigung um Ariane Hingst und Sandra Minnert hatte nur in der Anfangsphase Abstimmungsprobleme bei den gefährlichen Vorstößen der erst 16-jährigen Ramona Bachmann, die einer der wenigen Lichtblicke in ihrem Team war. Doch nach einer Viertelstunde hatte man das Spiel im Griff und agierte in den Zweikämpfen mit mehr Biss. Hingst zeigte einen deutlichen Aufwärtstrend, Minnert tat es sichtlich gut, weiter Spielpraxis zu sammeln.

Schnell bekam die deutsche Mannschaft das Spiel in den Griff. Sandra Smisek und Melanie Behringer sorgten für die schnelle 2:0-Führung, Birgit Prinz und erneut Behringer machten noch vor der Pause erneut innerhalb von zwei Minuten weitere Treffer zur sicheren 4:0-Halbzeitführung.

Hattrick von Garefrekes

In der zweiten Halbzeit schlug dann die Stunde von Kerstin Garefrekes, die auf der rechten Seite über die gesamte Spielzeit eine starke Leistung bot. Mit einem lupenreinen Hattrick schraubte sie das Ergebnis auf 7:0. Zusammen mit Birgit Prinz und Melanie Behringer verdiente sie sich Bestnoten. Trotz des klaren Ergebnisses ließ die Chancenverwertung zu wünschen übrig, der Sieg vor 11.280 Zuschauern hätte an diesem Abend zweistellig ausfallen müssen.

Die deutsche Abwehr verlebte einen einigermaßen geruhsamen Abend. Nadine Angerer hatte nicht viel zu tun, klärte aber zweimal prächtig und bewies in den wenigen heiklen Situationen, dass man sich um die Torhüterinnenposition keine Sorgen machen muss.

Bresonik bei der WM als Außenverteidigerin?

Neben Hingst und Minnert konnten auch die Außenverteidigerinnen punkten. Kerstin Stegemann hatte hinten rechts alles im Griff und konnte sich immer wieder ins Spiel nach vorne einschalten. Linda Bresonik machte ihre Sache als linke Außenverteidigerin ebenfalls gut und es scheint sich anzudeuten, dass Neid Bresoniks Wirkungskreis auch bei der WM auf der linken Abwehrbahn sieht. Die später für die Essenerin eingewechselte Saskia Bartusiak dürfte hingegen kaum Chancen auf einen Platz in der Stammelf haben.

Im Mittelfeld setzte Neid erneut auf eine „Doppel-Sechs“. Simone Laudehr konnte zwar nicht ganz an die starke Vorstellung aus dem Spiel gegen Tschechien anknüpfen, wirkte aber immer noch agiler als Renate Lingor, die zwar bei Standardsituationen ihre Gefährlichkeit unter Beweis stellen konnte, sonst aber nur in Ansätzen zu gefallen wusste. Pech hatte Laudehr bei einem Pfostenschuss in der ersten Halbzeit und einem Heber kurz vor Ende der Partie.

Defizite im Angriff

Im Sturm war Sandra Smisek sehr bemüht, rundum überzeugen konnte sie aber nicht. Vergebene hundertprozentige Torchancen wie die in der zweiten Spielminute wird man sich bei der WM in China nicht leisten dürfen. Doch auch die in der Schlussphase für Smisek ins Spiel gekommene Anja Mittag konnte in der kurzen Zeit nicht vollends überzeugen, bei einer guten Chance verfehlte sie das Tor jedoch nur knapp.

Birgit Prinz war erneut die große Antreiberin in der Offensive und bot in ihrem 165. Länderspiel eine hervorragende Leistung, doch auch sie vergab einige Möglichkeiten, bei ihren zwei Pfostenschüssen hatte sie jedoch in den ersten 45 Minuten Pech.

Behringer überzeugt

Die Gewinnerin des Tages dürfte Melanie Behringer gewesen sein. Die Freiburgerin erzielte zwei Treffer und sorgte auf der linken Seite für viel Schwung. Sie hat nun wohl gute Chancen, auch bei der WM in der Startformation zu stehen. Erstaunlich, welche Entwicklung die 21-Jährige in den vergangenen Jahren durchlaufen hat.

Bei aller Freude über den 7:0-Sieg und die souveräne Führung in der EM-Qualifikation – eine echte Standortbestimmung wird erst das Spiel am 30. August in Mainz gegen Norwegen sein. Dann wartet ein Topgegner auf die DFB-Damen, der sich für die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China einiges vorgenommen hat. Nach diesem Spiel dürfte man dann eher die wahre Leistungsstärke der deutschen Mannschaft einschätzen können.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

8 Kommentare »

  • Crackfly sagt:

    Welches Spiel habt ihr gesehen? Wertet die Aufnahmen neu aus und achtet auf sie, ich war im Stadion! Simon hat zu fast jedem Torschuss die Vorarbeit geleistet und ich glaube nur 2 Zweikämpfe verloren. Also das war noch besser als gegen Tschechien!

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  • werkselfe sagt:

    zu simon: mein problem ist, dass ich da immer noch die 1:6 klatsche gegen frankfurt vor augen habe. da war sie auf der 6er position absolut verschwendet. und in ihren länderspielen bisher ist sie noch nicht wirklich defensiv gefordert worden. ich habe irgendwie noch ein ungutes gefühl dabei.

    zu behringer: gut, sie hat 2 tore gemacht und sorgt mit ihren schüssen für gefahr, ABER: mit links kann sie keine vernünftige flanke schlage. das ist für mich ein großes defizit.

    lingor: totalausfall.

    abwehr hat mir recht gut gefallen (wurde aber nicht gefordert.) lindas vorstöße nach vorne waren gefällig, ABER sie ist dahinten ja sowas von verschwendet. ihre pässe aus dem mittelfeld würden dem deutschen spiel helfen, sollte es über die flügel (KG: dickes lob) mal nicht laufen.

    smisek: ohne worte.

    erkenntnis des tages: PRINZ IST ABSOLUT UNERSETZBAR.

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  • Detlef sagt:

    Also gut, 7:0 gegen die Schweiz!!! :rolleyes:
    Was haben wir für neue Erkenntnisse über die deutsche Mannschaft erhalten??? ?( Sie können gegen schwache Teams, viele Tore schiessen, TOLL!!! Welcher Gegner bei der WM, hat denn in etwa die gleiche Spielstärke, wie die Eidgenössinnen??? Japan ist mindestens eine Klasse besser, England sicherlich zwei!!! Über Argentinien kann ich nichts sagen, aber stärker als die Schweiz, Tschechien oder Wales, sind sie wohl allemal!!! 😉
    Ich will ja niemandem die Hoffnung rauben, aber wo steht das Team??? Eventuell kann man gegen Norwegen schon mehr sagen, denn hier wird sicher auch die Defensive mal getestet!!! Das letzte mal, als man gegen einen starken Gegner spielte, ging es schief!!! Sicher sind Prinz und Co jetzt viel weiter, aber unsere Gegner sind auch nicht stehen geblieben!!!

    Zu ANJA,
    ihre Chance war sicher nicht 100%-ig, auch schwer zu nehmen!!! Allerdings war es ihre einzige, nicht genutzt, das ist sicher Gift für ihr Selbstvertrauen!!! ;(
    Was mich bei ihr mehr störte, sie trabte oft etwas teilnamslos herum!!!
    Wenn ich aus der Startelf geflogen bin, muss ich einfach mehr Einsatz zeigen!!!
    Gerade als TURBINE-Fan weiß ich, wie oft sie schon hoffnungslose Bälle zurückerobert hat!!!
    Für eine WM ist das zu wenig, sie muss mehr arbeiten!!!
    Smi macht es vor!!! Sie hat sich ihr Tor geradezu erarbeitet, auch wenn bei ihr noch lange nicht alles rund läuft!!!

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  • Ruhrschnellweg sagt:

    Ich habe lange pro Lingor geredet, da nun mal alles darauf ausgerichtet ist, aber langsam frage ich mich, ob nicht eine Verletzung…
    In der Mitte haben wir jedenfalls eine Bremse, die das Spiel nicht mal ankurbel kann, wenn die Gegnerinnen das Mittelfeld meist preisgeben, wie in den letzten 3 Spielen. Jedenfalls ist die „Spielerin der saison“ als linke Verteidigerin verschwendet und für mich auf dieser Position auch nicht besser als Rech!
    Ich kann nicht glauben, dass man es in der WM so leicht haben wird und sich das leisten kann…

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  • schmidt sagt:

    Wenn sich Frau Neid hoffentlich hier mal nicht täuscht!
    Das von Béatrice von Siebenthal trainierte schweizerische Frauen-Nationalteam gehört zwar zu den sechzehn besten Auswahlmannschaften Europas. Trotzdem konnte sich die schweizerische Nationalmannschaft noch nie für eine Endrunde qualifizieren.
    Im Damenfussball spielt heute Birgit Prinz wie einst Pelé.
    Es war schön anzusehen, wie genial Birgit Prinz und andere die schweizerische Abwehr schwindelig ausspielen und flanken konnten.
    Da fühlt man sich beim Zuschauen in die 50er oder 60er Jahre zurückversetzt , in denen Pelé munter durch die Abwehr spazieren konnte, ohne auch nur einmal gelegt zu werden; davon könnten wir bei der WM in China nur träumen, wenn wir es es nur mit Durchschnitt zu tun bekämen.
    Es gab im Spiel gegen die Schweiz unheimlich viel Raum, das macht Kombinationen einfacher und spannende Spielsituationen erschliessen sich schneller. Das kam besonders dem homogen auftretenden bundesdeutschen Team entgegen.
    Bei der WM in China werden wir es aber mit ganz anderen Kalibern zu tun bekommen. Wer im deutschen Team in den Vorbereitungsspielen gegen durchschnittliche Gegner bislang mit ihrer sportlichen Leistung nicht überzeugen konnte, wird in China als Schwachstelle noch entscheidender auffallen und unser Weiterkommen verhindern. Das ist m.E. Renate Lingor im Nationalteam. Neben Ariane Hingst müßten sich noch andere finden und auch trauen gute, weite, ankommende Flanken und Pässe zu schlagen.
    Klasse Kopfbälle, trickreiche Freistöße und gut gezirkelte Eckbälle sind leider noch Mangelware.
    Warum hat Frau Neid zu Beginn der 2. Hälfte nicht ihre Auswechselmöglichkeiten genutzt? Wer keine weiteren Varianten ausprobieren läßt, glaubt sich so bestens für China bewappnet.
    Wenn sich Frau Neid hoffentlich hier mal nicht täuscht!

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  • Robert sagt:

    Wer war die Nummer 19 von den Schweizerinnen?? Die war schnell, technisch stark, wändig.. fantastisch! Die ist mir sehr positiv aufgefallen, aber alleine ist’s wohl schwierig zu gewinnen!!

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  • Markus Juchem sagt:

    Hallo Robert, das ist Ramona Bachmann. Wir haben kürzlich ein Porträt über sie geschrieben: http://www.womensoccer.de/2007/06/07/kick-it-like-ramona-eine-16-jaehrige-auf-dem-weg-nach-oben/ Viel Spaß beim Lesen!

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  • Detlef sagt:

    Es fehlte bei den Schweizerinnen ja leider Vanessa Bürki!!!
    Bachmann und Bürki hätten zusammen sicher für mehr Torgefahr sorgen können!!! Aber mit nur drei (Brunner) Ausnahmespielerinnen, kann man eben keinen Blumentopf gewinnen!!!
    Aber ein oder zwei Tore, hätten sie sicher erzielen können!!!
    Was ist eigentlich mit Sandra de Pol??? Ist sie verletzt??? Oder hat Béatrice von Siebenthal sie gar nicht im Aufgebot???

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