DFB-Elf will sich für WM warm spielen – Holl verletzt

Von am 22. August 2007 – 10.02 Uhr 4 Kommentare

Fatmire BajramajBundestrainerin Silvia Neid wäre es wohl lieber gewesen, die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft würden nicht gerade 19 Tage vor dem Eröffnungsspiel der Frauenfußball-Weltmeisterschaft gegen Argentinien stattfinden.

Denn beim EM-Qualifikationsspiel am Mittwoch gegen die Schweiz in Koblenz (ab 18.00 Uhr live in der ARD) soll die volle Konzentration dem Geschehen auf dem Rasen gelten. „Das ist in erster Linie ein EM-Qualifikationsspiel und ein Test für die WM“, erinnert Neid daran, dass der sportliche Aspekt im Vordergrund stehen sollte. Fehlen wird der DFB-Elf Torhüterin Ursula Holl, die nach dem Abschlusstraining ins Krankenhaus musste.

Während die Spielerinnen drei wichtige Punkte einfahren und sich für die Titelkämpfe in China einspielen sollen, knabbern die nur auf Abruf Nominierten immer noch daran, nicht für den 21-er Kader berücksichtigt worden zu sein. Allen voran Bianca Rech.

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Ullrich nachnominiert

„Alle Spielerinnen sind fit, alle können ins Training einsteigen“, erklärte Neid bei der offiziellen Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel. Da wusste sie noch nicht, dass sich Holl im Abschlusstraining am Dienstagabend verletzen würde. Sie erlitt eine Gehirnerschütterung und blieb deshalb über Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus. Torhüterin Stephanie Ullrich vom 1. FFC Frankfurt wurde nachnominiert.

„Wir wollen gewinnen, zu Null spielen und dabei Attraktives bieten“, so die Devise. Ein souveräner Sieg des Tabellenführers gegen den derzeitigen Zweiten der Gruppe 4 soll dazu beitragen, dass sich das Team möglichst als Gruppensieger für die Europameisterschaft 2009 in Finnland qualifiziert.

Die ersten beiden Spiele gewann die DFB-Elf klar mit 5:1 gegen die Niederlande und 6:0 in Wales. „An diese Leistungen wollen wir anknüpfen und unsere Tabellenführung ausbauen“, so Neid.

Schweiz ohne Bürki

Im selben Atemzug warnt sie jedoch davor, die Partie gegen die Schweiz auf die leichte Schulter zu nehmen. „Da entwickelt sich etwas. Die Schweizer engagieren sich immer stärker in der Förderung des Frauenfußballs“, verteilt die DFB-Trainerin Blumen an den Gegner. Zuletzt erkämpften sich die Schweizerinnen ein wenn auch glückliches 2:2-Remis gegen die Niederlande, zuvor gab es ebenfalls in der EM-Qualifikation einen 1:0-Sieg gegen Belgien.

Stürmerin Vanessa Bürki von Bayern München feierte nach ihrer Verletzungspause am Sonntag in Frankfurt zwar ihr Comeback, steht aber noch nicht im Schweizer Kader. Es fehlen außerdem Martina Moser, Fabienne Daetwyler und Petra Tamagni. Mit dabei ist dafür Marina Keller vom FFC United Schwerzenbach, die vor ihrem Länderspieldebüt steht.

Der Gegner kommt in der WM-Vorbereitung gelegen. „Die Partie passt mir sehr gut in den Plan. Hier haben wir noch einmal die Gelegenheit, unter Wettbewerbsbedingungen zu spielen. Die Spielerinnen werden gefordert sein, ich erwarte volle Konzentration. Das ist eine sehr gute Chance, uns nach der intensiven Vorbereitung weiter für die WM einzuspielen“, so Neid.

Galaabend zum Jubiläum

Mit einer guten Leistung wollen die DFB-Frauen die Stimmung für die Gala zum 25-jährigen Jubiläum der Nationalmannschaft am Abend anheizen, an der unter anderem DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, und Hannelore Ratzeburg, DFB-Vorstandsmitglied und Vorsitzende des DFB-Frauenfußball-Ausschusses, teilnehmen werden.

Talkrunden mit ehemaligen und aktuellen Nationalspielerinnen sowie den bisherigen Cheftrainern der Frauen-Nationalmannschaft, Gero Bisanz (1982 – 1996) und Tina Theune-Meyer (1996 – 2005), sollen zum guten Gelingen beitragen.

„Ich finde es eine sehr gute Idee vom DFB, die vielen ehemaligen Spielerinnen einzuladen. Sie haben viel dazu beigetragen, dass der Frauenfußball heute einen so hohen Stellenwert genießt. Das ist alle Mal eine Würdigung wert. Und das Jubiläum ist ein sehr guter Anlass dazu“, so Neid.

Sie erzielte beim 1. Länderspiel einer deutschen Nationalmannschaft am 10. November 1982 beim 5:1-Sieg gegen die Schweiz im Alter von 18 Jahren als Einwechselspielerin zwei Treffer.

Bianca RechWeiter Fragezeichen hinter Nichtnominierung Rechs

Weniger zum Feiern zumute dürfte es Bianca Rech sein, die sich in einer schwierigen Situation befindet. Die Verteidigerin von Bayern München hatte nach starken Leistungen in Verein und Nationalmannschaft am allerwenigstens damit gerechnet, nicht in den 21-er WM-Kader nominiert zu werden.

„Was die Nominierung betrifft, möchte ich eigentlich keinen Kommentar abgeben, denn ich habe da wie viele andere auch eine eigene Meinung.“ Warum sie nicht mit zur WM fährt? „Da müssen Sie schon die Bundestrainerin selbst fragen“, so Rech süffisant.

Neid erklärte auf Anfrage von Womensoccer.de: „Mir tat das sehr Leid, weil sie ein Klassetyp ist und willensstark. Ich arbeite sehr gerne mit ihr zusammen, aber es gibt eben Defizite.“ Welche, wollte Neid jedoch nicht verraten: „Da gibt es mehrere entscheidende Kriterien, die ich in der Öffentlichkeit so nicht preisgeben möchte.“

Ganz abgefahren muss der Zug für die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China jedoch für Rech, Carlson und andere jedoch noch nicht sein. Denn bei noch zwei ausstehenden Länderspielen und einem Bundesligaspieltag sind Verletzungen nicht völlig auszuschließen, auch wenn man die Daumen drückt, dass alle Spielerinnen gesund bleiben.

Neid erklärt: „Man denkt zwar jetzt nicht daran, dass so etwas passiert, aber wenn wir eine Spielerin nachnominieren müssten, dann könnten wir ruhigen Gewissens eine aus dem Kreis der auf Abruf nominierten Spielerinnen nehmen. Sie sind alle fit und passen in die Mannschaft.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • werkselfe sagt:

    danke erstmal für die statements zur nichtnominierung. die rumdruckserei von beiden seiten lässt mich folgern, dass bianca ihre nichtnominierung genauso wenig nachvollziehen kann wie ich, sich es aber nicht mit madame verscherzen will indem sie sich jetzt äußert.

    es ist wirklich schade, dass bei frau neid nicht die leistung und das können der spielerinnen im vordergrund steht, sondern persönliche harmonie…

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  • Catherine sagt:

    the coach is *still* saying that team players getting along with each other is more important than the choosing the best? Who on the team is so important and doesn’t like Bianca Rech? Or is it Neid herself that doesn’t like Rech?

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  • werkselfe sagt:

    no, Neid didn’t actually say it. it’s what I think. Rech did play well, and, she played nearly all the games. So the reason why she is staying home is either that Neid has issues with her (which I don’t think – why would she have played) or that Neid prefers Bartusiak – as a person, not a player, because the player Rech definately beats the player Bartusiak.

    Smisek is driving me nuts. How could she not score!!!

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  • Ruhrschnellweg sagt:

    The number of fans who understand – not to mention support – the decicion not to nominate Rech is about ’nil’…

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