Viel Rasse und Klasse zum Bundesligaauftakt

Von am 19. August 2007 – 21.11 Uhr 1 Kommentar

baunach_prinz_190807.jpg17 Tore, begeisterte Zuschauer, Überraschungen und der Meister in Nöten: Dieser Saisonstart hatte es in sich und machte Appetit auf mehr.

Der 1. FFC Frankfurt hatte in einer sehenswerten Partie Mühe, das starke Team von Bayern München in Schach zu halten. Der TSV Crailsheim landete mit dem Sieg über die „jungen Wilden“ aus Potsdam die erste Überraschung der Saison. Und auch die Aufsteiger sorgten für ein Ausrufezeichen.

Die 1.625 Zuschauer im Stadion am Brentanobad mussten ihr Kommen nicht bereuen. Denn nur selten bekommt man in Frankfurt Partien zu sehen, bei denen der Gegner trotz des am Ende auf dem Papier deutlichen 5:2 (2:0)-Siegs gegen Bayern München derart frech und forsch auftritt.

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„Die Zuschauer haben sieben Tore und ein spannendes Spiel gesehen“, freute sich FFC-Trainer Hans-Jürgen Tritschoks. Der Gast von der Isar brachte den Doublegewinner sogar an den Rand einer Niederlage. „In der zweiten Halbzeit haben wir phasenweise geschlafen, das haben die Bayern clever ausgenutzt“, versuchte Tritschoks eine Erklärung für den Schwächeanfall seines Teams anfangs der zweiten Halbzeit zu finden.

FFC verspielt 2:0-Führung

Zur Pause schien noch alles seinen gewohnten Gang zu nehmen. Frankfurt führte durch einen verwandelten Foulelfmeter von Renate Lingor und einen Treffer von Petra Wimbersky sicher mit 2:0, Lingor hätte zudem mit einem Freistoß an den Pfosten vor der Pause den Sack fast schon zugemacht.

„In der ersten Halbzeit haben wir uns unter Wert verkauft“, so Bayern-Trainerin Sissy Raith. Die Münchnerinnen agierten in den ersten 45 Minuten zu ängstlich, standen zu weit vom Gegner weg und ließen die Frankfurterinnen schalten und walten.

Die Einwechslung der starken Nicole Banecki wenige Minuten vor der Pause belebte das Offensivspiel der Bayern sichtlich, die taktische Umstellung trug Früchte. In Halbzeit zwei zeigte der Überraschungsvierte der vergangenen Saison dann sein wahres Potenzial. Binnen fünf Minuten glichen die Bayern durch Treffer von Stefanie Mirlach und der eingewechselten Vanessa Bürki zum 2:2 aus. Der FFC war nun verunsichert und wankte wie ein angeschlagener Boxer, fiel aber nicht.

Bayern bringt Frankfurt in Bedrängnis

pohlers_ffc_bayern_190807.jpg„Beim Stand von 2:2 hatten wir zwei, drei Chancen, die wir nicht verwertet haben. So ein Ball muss halt auch einmal rein gehen und nicht meilenweit über das Tor“, lamentierte Bianca Rech. Der Meister fand durch die Einwechslung von Steffi Jones wieder zu mehr Ruhe und Stabilität und erhöhte den Druck, die eingewechselte Conny Pohlers brachte mir ihrem ersten Treffer im FFC-Trikot das Team zurück auf die Siegerstraße. Birgit Prinz und Kerstin Garefrekes sorgten in den Schlussminuten für den doch noch standesgemäßen Endstand.

„Wir haben es versäumt, den dritten Treffer nachzulegen“, so Raith. „Dann sind Abspielfehler passiert, die der FFC gnadenlos ausgenutzt hat. Wir haben es ja nicht mit irgendeinem Gegner zu tun, sondern mit einer der besten europäischen Mannschaften. Der FFC hat verdient gewonnen, die Niederlage ist aber zu hoch ausgefallen“, so Raith über ihr Team, dass vor Spielfreude nur so strotzte und die Frankfurterinnen teilweise sichtlich beeindruckte.

Auch Bundestrainerin Silvia Neid fand Gefallen an der Partie: „Es war ein gutes Spiel von beiden Mannschaften. Wenn es immer solche Spiele gäbe, wäre ich froh. Kompliment an die Bayern, sowohl der Spielaufbau als auch das Stellungsspiel in der Abwehr waren richtig gut. Die Bayern haben gezeigt, wie einfach man die Frankfurter Abwehr ausspielen kann.“

Crailsheim feiert Überraschungssieg – Schröder verärgert

Der personell stark geschwächte TSV Crailsheim sorgte vor 522 stimmgewaltigen Zuschauern für die erste Überraschung der Saison. Gegen Favorit Turbine Potsdam sorgte ein früher Treffer von Claudia Nußelt dafür, dass das Team mit einem unerwarteten 1:0-Sieg in die neue Saison starten konnte.

Trainer Günther Wörle jubelte über einen „Sieg für Crailsheim, den es so noch nie gegeben hat“ und ein Spiel, dass er in 30 Jahren Trainertätigkeit noch nie erlebt habe. Potsdam war über die gesamten 90 Minuten die dominierende Mannschaft, doch die Spielerinnen von Trainer Bernd Schröder vergaben ihre zahlreichen Torchancen überhastet oder scheiterten an Crailsheims neuseeländischer Torhüterin Rachel Howard.

„Mit drei A-Nationalspielerinnen und vier U-19-Europameisterinnen darf ich mich auf dem Platz nicht so schlecht verkaufen. Als Favorit darf man so nicht auftreten“, so ein verärgerter Schröder.

Duisburg mit Problemen im Abschluss – Aufsteiger mit ansprechender Leistung

Vizemeister FCR 2001 Duisburg tat sich beim 1:0-Auswärtserfolg gegen den Hamburger SV vor 540 Zuschauern schwerer als erwartet. Zwar erarbeiten sich die Duisburgerinnen zahlreiche Chancen, doch der Abschluss ließ zu wünschen übrig, nicht zuletzt dank einer starken Leistung von HSV-Torhüterin Bianca Weech. Den Treffer des Tages erzielte Turid Knaak (28.), die einen Fehler der Hamburgerinnen im Aufbauspiel ausnutzte.

Aufsteiger Wattenscheid 09 schnupperte nach einer 2:0-Führung bereits am ersten Bundesligasieg, doch der VfL Wolfsburg drehte das Spiel noch dank dreier Treffer von Shelley Thompson und gewann mit 4:2 (1:2). Trainer Bernd Huneke freute sich nach dem Spiel: „Kompliment an meine Mannschaft. Ich bin stolz, dass wir die Partie noch gedreht haben.“ Vor allem das Zusammenspiel zwischen Thompson und Martina Müller funktionierte bereits prächtig.

essen_neuenahr_190807.jpgSaarbrücken mit Last-Minute-Treffer – Essen vergibt Matchball

Besser lief es für den zweiten Aufsteiger, den 1. FC Saarbrücken. Das Team von Trainer Guido Mey erkämpfte sich beim SC Freiburg durch einen Treffer von Nadine Keßler in der Nachspielzeit ein 1:1 (0:0). Nicole Söder hatte die Freiburgerinnen per Foulelfmeter nach 54 Minuten in Führung gebracht.

Nach sechs Niederlagen in Folge gegen den SC 07 Bad Neuenahr kam die SG Essen-Schönebeck beim torlosen 0:0 immerhin zu einem Punktgewinn. Doch Melanie Hoffmann vergab in den Schlusssekunden eine hundertprozentige Chance, als sie nach einem Fehler von Neuenahrs Torhüterin Ursula Holl den Ball am leeren Gehäuse vorbei schob. Zuvor hatten die Gastgeberinnen mehr vom Spiel gehabt, Holl jedoch den Punkt mit einer starken Leistung fest gehalten.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Detlef sagt:

    Es war schon zum Haare ausraufen, wie kläglich die TURBINEN ihre Torchancen vergaben!!! Dabei zeigten sie sowohl fehlende Kaltschnäuzigkeit, als auch fehlende Übersicht im Sechzehner!!!
    Die oben hochgelobte Rachel Howard, war absolut grottenschlecht, und hat nicht einen einzigen Ball fangen, geschweige denn festhalten können!!! Aber diese Unsicherheiten der Crailsheimer Schlußfrau, konnten die oft überhasstigen, und zum Schluß immer nervöser werdenden Potsdamerinnen leider nicht ausnutzen!!!
    Crailsheim zog sich wie erwartet weit zurück, und versuchte mit blitzschnellen Kontern zum Erfolg zu kommen!!! Dies gelang in der 8. Minute (im Stadion wurde die 6. Minute verkündet)
    Auch danach spazierten sie noch zweimal, mit genauen Pässen, durch die unsichere und oft schlecht gestaffelte TURBINE-Abwehr!!!
    Allerdings machten sie es dann den Gästen nach, und vergaben beste Torgelegenheiten!!!
    Insgesamt war es ein ernüchterndes Spiel der Schröder-Schützlinge, die sich doch so viel vorgenommen hatten, und es sowohl am Einsatz, als auch an den Ideen mangeln ließen!!!

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