Duisburg will Frankfurts Triple-Träume platzen lassen

Von am 19. August 2007 – 6.50 Uhr

frankfurt_saisonauftakt.jpgBei Meister und Pokalsieger 1. FFC Frankfurt herrschte zwei Tage vor dem Start in die neue Bundesligasaison eine Atmosphäre der Gelassenheit und Souveränität. Im 49. Stock des Commerzbank-Towers gab FFC-Manager Siegfried Dietrich bei der Pressekonferenz zum Saisonauftakt hoch fliegende Saisonziele aus.

Zum ersten Mal seit 2002 soll neben den nationalen Titeln endlich auch wieder einmal der UEFA-Pokal an den Main geholt werden. Doch in Duisburg ist man entschlossener denn je, die Pläne der Frankfurterinnen zu durchkreuzen.

In Frankfurt ist man davon überzeugt, dass die punktuellen Verstärkungen ausreichen, um erfolgreich auf drei Hochzeiten zu tanzen. „Wir haben einen guten Kader und müssen solche hohen Ziele haben“, verteidigt Frankfurts Trainer Hans-Jürgen Tritschoks die ehrgeizige Zielsetzung.

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Neuzugang Conny Pohlers von Turbine Potsdam fehlt zwar im Frankfurter Straßenverkehr noch gelegentlich die Orientierung, auf dem Rasen will sie aber gleich zeigen, dass sie weiß, wo es lang geht. „Ich bin total heiß auf das erste Spiel, denn ich habe jetzt ein neues Ziel vor Augen.“ Die Ereignisse der vergangenen Wochen will sie schnell hinter sich lassen: „Es ist schon tragisch, wie es mit der Nationalmannschaft gelaufen ist, aber ich schaue jetzt nach vorne. Ich bin bereit und fit.“

Bundesligaauftakt ohne Rottenberg

Im Tor muss die Ex-Wolfsburgerin Stephanie Ullrich das schwere Erbe antreten, die beliebte Ursula Holl adäquat zu ersetzen. Keine leichte Aufgabe, doch Ullrich hat gleich in den ersten beiden Bundesligaspielen Gelegenheit, sich in die Herzen der Fans zu spielen.

Denn die Nummer Eins Silke Rottenberg wird weitere fünf bis sechs Tage pausieren müssen, wie eine Kernspintomographie am Donnerstag ergab. „Die Wade heilt nicht gut, auch wegen der schlechten Durchblutung“, so Rottenberg. Noch immer sammelt sich auf einer Länge von zwei Zentimetern Flüssigkeit an, so dass Rottenberg vermutlich erst nach der WM in Frankfurt wieder zum Einsatz kommen wird.

Svenja Huth, ein Versprechen für die Zukunft

Anne Engel und die erst 16-jährige Svenja Huth ergänzen den Kader. Der FFC setzt weiter auf Spielerinnen aus dem Inland. „Das ist unsere Philosophie“, so Siegfried Dietrich. Den Weg anderer europäischer Spitzenvereine, ausländische Spielerinnen zu verpflichten, will man nicht mehr gehen. „Was nützen die besten Spielerinnen, wenn sie in den entscheidenden Phasen nicht zur Verfügung stehen? Wir hatten so einen Fall vor zwei Jahren mit Marleen Wissink, als wir ein wichtiges Spiel in Potsdam hatten, sie aber ein WM-Qualifikationsspiel bestritt“, so Hans-Jürgen Tritschoks.

Für Steffi Jones wird es die letzte Saison im Trikot der Frankfurterinnen. „Ich fühle mich, wie wenn ich auf Abschiedstournee gehe. Ich freue mich auf jedes Spiel und jede Trainingseinheit.“ In der Hinrunde wird sie dem FFC nur eingeschränkt zur Verfügung stehen, denn der Fußballlehrer-Lehrgang nimmt so viel Zeit in Anspruch, dass sie in Absprache mit dem Trainerstab im Normalfall nur einmal pro Woche am Freitag trainieren wird.

grings_kuenzer.jpgKämpferische Töne aus Duisburg

Frankfurt ist der heißeste Titelanwärter, doch die Konkurrenz ist alles andere als gewillt, den Hessinnen das Feld kampflos zu überlassen. „Der FFC ist immer Topfavorit, aber wir werden noch mehr und noch konzentrierter arbeiten“, so Thomas Obliers, Trainer von Vizemeister FCR 2001 Duisburg. Mit einem guten Saisonstart und neuem Schwung durch junge talentierte Spielerinnen wie etwa Marith Prießen will man den Meister sofort unter Druck setzen. „Der FFC wird es nicht einfacher haben, denn wir haben uns nicht verschlechtert“, so Stürmerin Inka Grings.

Dass seine Nationalspielerinnen wegen der bevorstehenden Weltmeisterschaft in den beiden ersten Spielen möglicherweise einen Gang zurückschalten könnten, um Verletzungen zu vermeiden, glaubt Obliers nicht. „Man hat im Testspiel gegen Alkmaar gesehen, dass sie voll dagegen halten.“ Sonja Fuss wird auch in der neuen Spielzeit Spielführerin sein. Zügig sollte nun auch die Frage geklärt werden, wer in der kommenden Saison die Nummer Eins zwischen den Pfosten sein wird. Katrin Längert oder doch Lena Hohlfeld?

Turbines Youngsters sollen es richten

Bei Turbine Potsdam hofft man auf einen besseren Saisonstart als im Vorjahr, als man zum Auftakt eine 2:3-Niederlage bei der SG Essen-Schönebeck hinnehmen musste. „Wichtig ist es für die Mannschaft auf jeden Fall, mit einem Sieg in die Saison zu starten“, so die klare Vorgabe von Trainer Bernd Schröder, denn „das gibt Sicherheit und Selbstvertrauen für den weiteren Saisonverlauf.“

Mit dem jüngsten Bundesligakader aller Zeiten (Schnitt: 19,9 Jahre) will das „Team der Zukunft“ der Konkurrenz aus Frankfurt und Duisburg Paroli bieten. In der Vorbereitung zeigte das Team gute Ansätze, gegen die Männerteams von FC Hertha Finsterwalde und Oranienburger FC Eintracht wurde zuletzt noch einmal an der Taktik und der Ballsicherheit gefeilt, die Ergebnisse (0:4 und 0:5) waren zweitrangig.

Bayern München in Torlaune

Auch beim FC Bayern München, dem Vierten der vergangenen Bundesligasaison, freut man sich darauf, dass es bald wieder los geht. Beim Testspiel gegen den SC Regensburg zeigte man sich am vergangenen Wochenende in Torlaune. Gleich 14 Treffer erzielte das Team von Trainerin Sissy Raith. Mit einem in der Breite verstärkten Kader wollen die Bayern an die starke Leistung der Vorsaison anknüpfen. Dass ihr Team ganz oben mitmischen kann, glaubt Raith jedoch nicht: „Es wird wieder ein Zweikampf zwischen Duisburg und Frankfurt werden.“

Der VfL Wolfsburg schielt dank zahlreicher Verstärkungen wie Navina Omilade oder Shelley Thompson ebenfalls nach oben. „Wir wollen den fünften Platz erreichen oder vielleicht sogar den vierten. Und wir möchten ins Pokalfinale“, so Britta Carlson. Essen-Schönebeck will anders als in der vergangenen Saison diesmal über die komplette Spielzeit eine konstant gute Leistung bringen. Die Eindrücke in der Vorbereitung waren vielversprechend, doch Trainer Ralf Agolli meint: „Am Sonntag fangen wir wieder bei Null an.“

In Bad Neuenahr kämpft man zu Saisonbeginn nach wie vor mit Verletzungssorgen, der Einsatz von Célia Okoyino da Mbabi und Isabell Bachor ist ungewiss. Viola Odebrecht soll im Mittelfeld für Kreativität sorgen, Ursula Holl ein bärenstarker Rückhalt werden. Bleibt das Team von weiteren Verletzungen verschont, ist ein Platz im vorderen Mittelfeld ein realistisches Ziel.

Sorgenfalten in Crailsheim

Beim TSV Crailsheim, dem Überraschungsaufsteiger der Vorsaison, muss man den Weggang von Torgarantin Anna Bornhoff verschmerzen. Für die Crailsheimerinnen dürfte das zweite Bundesligajahr deutlich schwerer werden. Zumal zum Saisonauftakt gleich neun Spielerinnen verletzungsbedingt nicht einsatzfähig sind. Zudem waren drei Spielerinnen bei der Universiade in Thailand im Einsatz. Der siebte Platz aus der vergangenen Spielzeit dürfte nur schwer zu wiederholen sein.

Auch den Teams aus Freiburg und Hamburg dürfte eine schwere Saison bevorstehen. Die Hanseatinnen müssen unter anderem den Weggang von Shelley Thompson verkraften, in Freiburg wird eine junge Mannschaft versuchen, sich in der Liga gut zu schlagen. „Wir haben in den letzten Wochen viel und gut gearbeitet. Ich hoffe, das sich das auszahlt“, so Trainer Dietmar Sehrig.

Wie schlagen sich die Aufsteiger?

Gespannt sein darf man auf die Leistungsfähigkeit der beiden Aufsteiger Wattenscheid 09 und 1. FC Saarbrücken. Mit der Verpflichtung von Kerstin Stegemann gelang den Wattenscheiderinnen ein ganz großer Coup. Wattenscheids Trainerin Tanja Schulte hält dennoch den Ball flach: „Beide Aufsteiger kämpfen zwangsläufig erstmal immer gegen den Abstieg.“ Doch sie traut beiden Teams durchaus zu, ordentlich dagegen zu halten. „Beide Aufsteiger werden spielerisch genügend Qualität aufweisen, damit es eine spannende und umkämpfte Spielzeit wird.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.