Bundesligatrainer rechnen mit spannender Saison

Von am 18. August 2007 – 12.22 Uhr

Vor dem Start in die neue Saison der Frauenfußball-Bundesliga baten wir die Trainerinnen und Trainer der 12 Erstligavereine um ihre ganz persönlichen Einschätzungen für die kommende Spielzeit. Von elf Bundesligisten bekamen wir eine Antwort, nur einer wollte sich leider nicht äußern. Heraus kam ein bunter Strauß von Meinungen. Fazit: Frankfurt wird erneut Meister, die Aufsteiger bekommen Probleme, doch einige Teams und Newcomer werden für positive Schlagzeilen sorgen.

Trainer tippen auf 1. FFC Frankfurt

Geht es um die Frage nach dem neuen Deutschen Meister, scheint die Entscheidung bereits im Vorfeld festzustehen. Gleich sechs Trainerinnen und Trainer (Tanja Schulte/Wattenscheid 09, Bernd Huneke/Wolfsburg, Bernd Schröder/Potsdam, Didi Schacht/Neuenahr, Achim Feifel/HSV, Ralf Agolli/Essen-Schönebeck) rechnen mit einem erneuten Triumph des 1. FFC Frankfurt. Andere wollten sich jedoch nicht auf die Hessinnen festlegen, zählen sie aber dennoch zusammen mit anderen Teams zu den Topfavoriten.

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So erwartet Münchens Trainerin Sissy Raith einen Zweikampf zwischen dem FFC und dem FCR 2001 Duisburg, Günther Wörle/Crailsheim glaubt, dass der FFC, Duisburg und Turbine Potsdam um den Titel kämpfen werden. Hans-Jürgen Tritschoks/FFC rechnet damit, dass die Teams um den Meistertitel kämpfen werden, die auch in der Vorsaison ganz oben mitgespielt haben. Allerdings glaubt er, dass weitere Teams hinzustoßen könnten, „die in der Sommerpause personell aufgerüstet haben.“ Ähnlich wie Tritschoks schätzt Guido Mey (1. FC Saarbrücken) die Lage ein. „Frankfurt, Duisburg, Potsdam und eventuell Bayern München“ hätten aufgrund der guten Rahmenbedingungen und Strukturen die besten Chancen.

Als Begründung führten die Trainer an, Frankfurt verfüge über „große Qualität in der Breite des Kaders“ (Huneke), „die Erfahrung wiegt noch zu stark“ (Agolli) und die „qualitative und quantitative Ansammlung von Nationalspielerinnen“ (Wörle) sei der entscheidende Faktor. Thomas Obliers setzt hingegen darauf, dass es seine eigene Elf in dieser Saison packt und sich den Meistertitel holt.

Wolfsburg, Wattenscheid und Bayern München potenzielle Überraschungskandidaten

Größere Uneinigkeit herrscht darüber, welche Teams in der neuen Saison positiv überraschen können. Hier wurden von den Trainern gleich vier verschiedene Teams ins Gespräch gebracht. Dabei erhielt der VfL Wolfsburg vier Nennungen (Huneke, Raith, Wörle, Schulte), etwas überraschend brachte es Aufsteiger Wattenscheid 09 auf drei Stimmen (Schröder, Schacht, Obliers). Wörle und Schulte wollten sich nicht auf einen Verein festlegen, genannt wurden zudem noch Essen (Schulte) und Bayern München (Wörle, Agolli) als potenzielle Überraschungskandidaten.

Der VfL Wolfsburg habe sich „gut verstärkt und ist schwerer auszurechnen“ (Huneke), die Elf habe sich „mit namhaften Neuzugängen gleich auf mehreren Positionen enorm verbessert“ (Raith). Weitere Gründe: Die „Aufrüstung durch Nationalspielerinnen wie Carlson, Thompson und Omilade“ (Wörle). Man sei ein Überraschungskandidat, wenn es „gelingt, diese Qualität schnell zu integrieren“ (Schulte).

Aufsteiger Wattenscheid erntet ebenfalls viele Vorschusslorbeeren. Man habe „mit Kerstin Stegemann eine Weltklassespielerin verpflichtet und verfügt über zahlreiche erfahrene Spielerinnen“ (Schröder). Wattenscheid sei „eine spielstarke junge Mannschaft“ (Schacht).

Bayern München traut man ebenfalls erneut eine gute Rolle zu. Die „qualitative Verstärkung in der Breite auch durch eigene Juniorinnen, die Deutscher Vizemeister wurden“ (Wörle) spräche für das Team, eine erneute Überraschung sei möglich, wenn „die Mannschaft an die vergangene Rückrunde anknüpfen kann“ (Agolli).

Die SG-Essen-Schönebeck erhielt eine Stimme. Essen könnte eventuell der Sprung aufs Treppchen gelingen, wenn man „vom Verletzungspech verschont bleibt und beide Serien konstant spielt“ (Schulte). Guido Mey wollte sich nicht festlegen: „Das lässt sich nur schwer beurteilen und wäre reine Spekulation.“

Saarbrücken größter Wackelkandidat

In Sachen Abstiegskampf wollten sich nicht alle Trainer in die Karten schauen lassen, wohl aus Rücksicht auf ihre Trainerkollegen. So wollten drei Trainer (Huneke, Schacht, Tritschoks) keine konkreten Angaben machen. Zwei Trainer (Raith, Schröder) sind sich einig über die Anzahl (4-5) der Mannschaften, die gegen den Abstieg kämpfen werden.

Aufsteiger Saarbrücken gilt als einer der Wackelkandidaten mit fünf Nennungen (Schröder, Feifel, Agolli, Wörle, Schulte). An Wattenscheid scheiden sich offenbar die Geister. Während die einen den Aufsteiger als potenziellen Überraschungskandidaten sehen, wird er von anderen (Agolli, Wörle, Schulte und Schröder) als Abstiegskandidat betrachtet. Drei Nennungen erhielt der Hamburger SV (Agolli, Wörle, Schulte), zwei der SC Freiburg (Obliers, Schulte).

Ebenfalls zweimal genannt wurde der TSV Crailsheim (Wörle, Schulte). „Die Aufsteiger haben immer Probleme, außer Crailsheim in der vergangenen Saison. Das ein oder andere Team wird noch dazu kommen“ (Mey).

Größere Ausgeglichenheit

Die Mehrheit der Trainer erwarten eine spannende Saison. Nur bei zwei Trainern überwiegt die Skepsis – Raith („Wird sie spannender!?“) und Schacht („Sie wird nicht spannender, keine Mannschaft kann Frankfurt aufhalten“) bezweifeln dies.

Die anderen versprechen sich von der 11. Bundesligasaison mehr Spannung, weil „die Aufsteiger auch einen guten Kader haben und die Leistungsdichte dadurch größer wird“ (Huneke), „die Mannschaften ausgeglichener sind“ (Schröder) bzw. „sich die Liga insgesamt ausgeglichener präsentieren wird“ (Tritschoks),  „die Liga in der Breite stärker geworden ist“ (Obliers), „die Saison ausgeglichener ist, als die Jahre zuvor“ (Feifel), „sich einige Teams hinter Frankfurt, Duisburg und Potsdam gut verstärkt haben und die Liga zusammenrückt“ (Agolli), „die Meisterschaftsfrage erst zum Ende der Saison beantwortet wird, der Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag spannend bleibt und somit auch das Zuschauerinteresse nochmals eine Steigerung erfahren sollte“ (Wörle).

Tanja Schulte setzt darauf, dass „es hoffentlich kein zweites ‚Brauweiler’ geben wird, was nicht nur für die Liga, sondern insgesamt für den Frauenfußball gut wäre. Die Liga ist insgesamt ausgeglichener geworden. Beide Aufsteiger werden spielerisch genügen Qualität aufweisen, damit es eine spannende und umkämpfte Spielzeit wird.“ Guido Mey freut sich vor allem auf den eigenen Auftritt. „Es wird spannender, weil wir selbst beteiligt sind. Ich bin gespannt, wie wir uns als Underdog verkaufen werden.“

Nadine Keßler potenzieller Shootingstar

Interessant sind auch die Beurteilungen, welche Spielerinnen sich in der neuen Saison ins Rampenlicht spielen werden. Hier gibt es ein Kaleidoskop an Antworten. Am häufigsten genannt wurde Nadine Keßler (Schröder, Wörle, Schulte) vom Aufsteiger 1. FC Saarbrücken. Sonst brachten es alle weiteren Spielerinnen auf jeweils eine Stimme, Beleg für die Vielzahl an Talenten, die es im deutschen Frauenfußball gibt.

Genannt wurden neben Keßler Viola Odebrecht (Schacht: „Hat endlich wieder Selbstvertrauen und ist eine absolute Führungsspielerin!“), Jennifer Maroszan (Schröder), Marith Prießen (Obliers), Inka Wesely (Agolli), Nicole Banecki und Katharina Baunach (jeweils Wörle), Caro Hamann, Daniela Löwenberg, Carolin Dej, Nathalie Bock (jeweils Schulte).

Einige wollten sich nicht auf Namen festlegen. Huneke („sicherlich viele“), Raith („Es gibt einige sehr gute und vielversprechende junge Akteurinnen“), Tritschoks („Die Frauen-Bundesliga hat insgesamt ein ständig wachsendes Potenzial, immer wieder einen Newcomer zu präsentieren“) und Mey („Es sind einige U-19-Spielerin dabei, einen Sprung nach vorne zu machen“).

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.