WM-Gruppenanalyse: Gruppe A

Von am 10. August 2007 – 8.54 Uhr

Szene aus dem Spiel Deutschland gegen NiederlandeDeutschland (im Bild eine Szene aus dem Spiel gegen die Niederlande), Argentinien, Japan und Kanada in einer Gruppe – das war 2003. Vier Jahre später ersetzt England, das seit 12 Jahren zum ersten Mal wieder an einer WM teilnehmen wird, die Kanadierinnen. Sonst hat sich nichts geändert. Zumindest auf dem Papier, doch wird England in die Fußstapfen Kanadas treten und sich als zweites Team neben dem Favoriten aus Deutschland für das Viertelfinale qualifizieren?

Im ersten Teil des zweiten Durchgangs der Analysen der vier WM-Gruppen auf Womensoccer.de beschäftigt uns die Gruppe A, die die Weltmeisterschaft heute in genau einem Monat am 10. September mit der Partie von Titelverteidiger Deutschland gegen Argentinien eröffnen wird.

Außenseiter Argentinien mit guten Ergebnissen 

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Als großer Außenseiter geht der 29. der Weltrangliste, Argentinien, ins Rennen. Dabei gibt der Weltranglistenplatz nur begrenzt Auskunft über die Leistungsfähigkeit der Südamerikanerinnen, haben sie ihre Länderspiele gegen stärkere Gegner doch erst in den letzten zwei Monaten bestritten. Und das nicht gerade ohne Erfolg, sprang doch im Juni nach einer 0:1-Niederlage drei Tage zuvor ein 1:0 gegen China heraus und ließ die „Albiceleste“ dieser kleinen Überraschung bei den Panamerikanischen Spielen im Juli ein 1:0 gegen Mexiko folgen.

Mehr als achtbare Ergebnisse also, die Argentiniens Anspruch untermauern, sich neben Brasilien als feste südamerikanische Größe zu etablieren. Zumal die Mannschaft um Trainer Carlos Borello, der sein endgültiges WM-Aufgebot am 27. August bekannt zu geben plant, mit dem Finalsieg bei den Südamerika-Meisterschaften gegen Brasilien – allerdings ohne Stars wie Katia oder Marta auf brasilianischer Seite – im letzten Herbst ein Ausrufezeichen gesetzt hatte, das ihnen gleichzeitig die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2008 in Peking sichert.

Ein Ausrufezeichen allerdings, das die Machokultur in Argentinien noch nicht erschüttern konnte, wie Mittelfeldspielerin Rosana Gomez unlängst beschrieb. Noch immer müsse sie in einem Telefonladen arbeiten, der Fußball werfe für sie so gut wie nichts ab. Trainingsbedingungen, die mit denen der Gruppengegner nicht vergleichbar sind. Und so wäre es für die „Albiceleste“ vermutlich schon ein nicht unbedeutender Erfolg, auch auf der großen Weltbühne des Frauenfußballs eine Duftmarke zu hinterlassen. Ob das für das Viertelfinale reicht, ist allerdings zweifelhaft.

Deutschland mit aufsteigender Form

Heißester Kandidat auf den Gruppensieg, mit dem es sich aller Wahrscheinlichkeit den USA bis zum Finale aus dem Weg gehen ließe, ist und bleibt Titelverteidiger Deutschland. Nach einem mehr als durchwachsenen Jahr präsentierten sich die Frauen von Bundestrainerin Silvia Neid zuletzt gegen Dänemark und Tschechien in aufsteiger Form und vor allem in deutlich besserer körperlicher Verfassung.

Rechnet man die Erfahrung zahlreicher Spielerinnen hinzu, die nicht ihre erste WM bestreiten werden, so dürfte es für England und Japan nur um Platz zwei gehen. „Die deutsche Leistung war eine Demonstration von Stärke“, meinte Englands Trainerin Hope Powell, nachdem sie dem Länderspiel in Gera gegen Tschechien beigewohnt hatte. Vielleicht ein wenig viel des Lobes, denn furchterregend war die deutsche Leistung gewiss nicht.

WM für die Engländerinnen noch Neuland 

Doch Powell weiß, dass sie vor dem WM-Comeback der „Three Lions“, das in England in Verbindung mit dem überraschenden Finaleinzug der englischen U19 bei der kürzlich zu Ende gegangenen EM eine kleine Frauenfußball-Euphorie ausgelöst hat, nicht zu große Erwartunen schüren sollte. Denn das Aufgebot, das Powell in dieser Woche benannte, ist zwar international erfahren, kommen doch gleich neun der 21 Spielerinnen von UEFA-Cup-Sieger Arsenal LFC, doch eine drei Wochen dauernde WM ist für alle noch Neuland. War ein UEFA-Cup-Finale für Arsenal allerdings auch. Was sie nicht daran hinderte, den hochfavorisierten Gegner Umeå IK zu bezwingen.

Japan nicht zu unterschätzen 

Möglicherweise ist dennoch die Erfahrung ein kleiner Vorteil für die Japanerinnen, die bisher an jeder Weltmeisterschaft teilgenommen haben. In Homare Sawa hat die „Nadeshiko“ einen echten Star in ihren Reihen. Die Defensive steht stabil, auch im Angriff hat die Mannschaft von Trainer Hiroshi Ohashi an Durchschlagskraft gewonnen, weil die Athletik verbessert werden konnte. Das erfuhr auch die deutsche Nationalmannschaft im letzten November in Karlsruhe, als sie in der zweiten Spielhälfte die Zügel schleifen ließ und prompt drei Gegentreffer in einer Halbzeit kassierte (Endstand 6:3 für Deutschland).

So verwundert es nicht, dass auch Norwegens Ingvild Stensland die Japanerinnen für einen vorderen Platz auf der Rechnung hat. Im Womensoccer-Interview sagte sie jüngst: „Ich war auch von der Stärke Japans überrascht, wir haben im Februar gegen sie gespielt und verloren.“ 0:1 hieß es damals auf Zypern. Ein Erfolg, dem Japan ein 2:2 gegen Schweden folgen ließ.

Zuletzt gab der Nadeshiko zusätzlichen Auftrieb, dass sie sich bereits nach fünf von sechs Spieltagen – wie auch Nordkorea – in der asiatischen Olympia-Qualifikation durchsetzte und ihr Ticket damit bereits sicher hat. Wenn Deutschland am 10. September sein Eröffnungsspiel bestritten hat, sollten also einen Tag später beim Duell Japan gegen England alle Augen auf Shanghai gerichtet sein.

Tipp:

1. Deutschland
2. England
3. Japan
4. Argentinien

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