Dragon Cup liefert Bundesligisten wertvolle Aufschlüsse

Von am 6. August 2007 – 17.13 Uhr

dragon_2.jpgZwei Wochen vor Beginn der neuen Saison in der Frauenfußball-Bundesliga bekamen die vier teilnehmenden Vertreter beim Dragon Cup in Flaesheim einen ersten Vorgeschmack darauf, was sie in der kommenden Spielzeit erwarten wird.

Sieger Turbine Potsdam durfte sich am Ende über die Erkenntnis freuen, auch ohne seine Nationalspielerinnen ein mehr als konkurrenzfähiges Team stellen zu können. Nicht zuletzt dank der „jungen Wilden“, die ihre Chance nutzten und sich ins Rampenlicht spielten.

Der zweite Platz des Hamburger SV war nicht nur durch einige Verletzungen, sondern auch durch die Erkenntnis getrübt, dass dem Team trotz des Erfolgs und einer kämpferisch ansprechenden Leistung ohne weitere Verstärkungen wohl eine schwere Saison bevorstehen wird.

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Vizemeister FCR 2001 Duisburg zog wie Sieger Potsdam ein positives Fazit, beim VfL Wolfsburg herrscht nach dem Turnier Vorfreude auf das Stürmerinnen-Duo Martina Müller und Shelley Thompson.

Potsdam auch ohne Schlüsselspielerinnen obenauf

Nadine Angerer, Babett Peter und Anja Mittag fehlten im Team der Potsdamerinnen, doch beeindrucken ließ sich das Team dadurch genauso wenig wie von den hohen sommerlichen Temperaturen.

Zwei Wochen nach Trainingsauftakt gewann das Team von Bernd Schröder im Finale gegen den Hamburger SV mit 2:0. Die Treffer erzielten Stefanie Draws und Monique Kerschowski.

Im Turnierverlauf waren im Team knapp zwei Wochen vor dem Saisonauftakt beim TSV Crailsheim positive Ansätze zu erkennen. Das Team präsentierte sich in guter Frühform und bestach durch Dynamik, Kombinationssicherheit und Angriffslust. Turbine-Trainer Bernd Schröders markiges Fazit im Hinblick auf die neue Saison: „Da ist wat drinne.“

Mischung aus Zufriedenheit und Skepsis beim HSV

Der Hamburger SV musste seinen zweiten Platz beim Dragon Cup teuer bezahlen. Gleich fünf Spielerinnen verletzten sich im Turnierverlauf. Vanessa Schröder (Bauchmuskelzerrung), Silva Lone Saländer (Schulterverletzung), Christina Plessen (Oberschenkelverletzung), Stephanie Ende (Achillessehne) und Janke Rohrberg (Kniebeschwerden).

Die Erkenntnis nach dem Turnier war zwiespältig. Co-Trainer Javier Navarro meinte: „Man hat gemerkt, dass wir mit dem kleinen Kader in eine schwere Saison gehen. Wir müssen dringend noch eine kurzfristige Verstärkung holen, ansonsten wird die Saison verdammt schwer.“

Dennoch zollte er seiner Elf Respekt: „Gerade gegen den FCR Duisburg 2001 und dem 1.FFC Turbine Potsdam ist die Mannschaft über sich hinaus gewachsen“, meinte aber einschränkend: „Man hat gesehen, dass wir normalerweise mit diesen Mannschaften nur schwer mithalten können.“

Vizemeister Duisburg zieht positives Fazit

Der FCR 2001 Duisburg belegte ohne sieben Stammspielerinnen nach einem 3:1 im Elfmeterschießen gegen Zweitligist TuS Köln rrh. den dritten Platz. Nach dem Rotationsprinzip stand Katrin Längert im Tor, mit drei spektakulären Paraden sicherte sie ihrem Team Platz 3. Zuvor hatten Inka Grings, Marith Prießen und Vanessa Martini souverän getroffen.

Am Sonntag war dem Team das Fehlen der Dauerverletzten Jennifer Oster und Elena Hauer, die Regenerationspause der vier WM-Aspirantinnen Fatmire Bajramaj, Sonja Fuss, Annike Krahn und Simone Laudehr sowie der Ausfall der im Wolfsburg-Spiel verletzten Anne van Bonn (Fußprellung) anzumerken.

Bis auf Irini Ioannidou (Schlüsselbeinbruch) und Christina Bellinghoven (Kniebeschwerden) kamen im Turnierverlauf alle Neuzugänge zum Einsatz. Dabei spielte sich auch die gerade erst 16 Jahre alt gewordene Julia Debitzki in den Vordergrund.

dragon_1.jpgMüller und Thompson – ein starkes Sturmduo

„Das ist die positive Erkenntnis, die wir von diesem Turnier mit nach Hause nehmen“, sagte VfL-Trainer Bernd Huneke über seine beiden Stürmerinnen Martina Müller und Shelley Thompson, die beim Dragon Cup gut harmonierten.

Die Wölfinnen mussten sich allerdings im Viertelfinale gegen Zweitligist TuS Köln rrh. geschlagen geben. 0:0 stand es nach 2 x 15 Minuten, im Elfmeterschießen unterlag Wolfsburg 3:4.

Mit seinen anderen Spielerinnen war Trainer Bernd Huneke weniger zufrieden. „Ich hätte mir gewünscht, dass sich eine deutlich in den Vordergrund spielt.“ Allerdings zollte er auch dem Gegner Respekt: „Die Kölner sind eine starke Mannschaft. Sie haben gegen den HSV in der Vorrunde nur ganz knapp verloren.“

Köln überrascht – „Kleine“ zahlen Lehrgeld

Die Kölnerinnen unter dem früheren Duisburger Trainer Dietmar Herhaus waren als Vierter die Überraschung des Turniers. Erst warfen sie die Wolfsburgerinnen aus dem Turnier, dann mussten sie sich dem späteren Sieger Turbine im Halbfinale erst im Elfmeterschießen geschlagen geben.

Flaesheims Torhüterin Nadine Tigges nahm es trotz 15 Gegentreffern in gerade einmal vier Spielen und 120 Minuten Spielzeit gelassen: „In solchen Partien merkt man, dass die viel schneller spielen und die Pässe viel häufiger ankommen. Dennoch hat das alles einen Riesenspaß gemacht.“

Positives Turnierfazit

Das hervorragend organisierte Turnier fand reichlich Anklang bei allen beteiligten Teams. Achim Glindemann, Chef des Sportartikelherstellers Dragon, zieht deswegen in Erwägung, das Turnier zukünftig jährlich auszutragen.

„Das war eine tolle Veranstaltung. Wir haben zwei Tage lang hochklassigen Frauenfußball gesehen. Wir müssen aber auch unbedingt den vielen unsichtbaren Helfern im Hintergrund danken, ohne die ein solches Turnier gar nicht möglich wäre“, so Organisator Erwin Kirschenbaum.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.