Deutsche Nationalmannschaft meldet sich mit einem 4:0 gegen Dänemark eindrucksvoll zurück

Von am 30. Juli 2007 – 0.27 Uhr 8 Kommentare

Flaggen Deutschland - DänemarkBewusst hatte sich der DFB für diesen Zeitpunkt der Vorbereitung einen starken Gegner gewünscht und mit Dänemark zudem noch einen WM-Teilnehmer gefunden. Es sollte „eine erste Standortbestimmung“ (Nadine Angerer) sein. Die ist gelungen – so viel lässt sich sagen.

Bestimmt nicht für Dänemark, wie ein sichtbar konsternierter Kenneth Heiner-Møller einräumen musste. Wohl aber für die deutsche Nationalmannschaft, die – bei allen Defiziten, an denen noch zu arbeiten sein wird – einen großen Sprung nach vorne gemacht hat. „Es wäre ja auch schlimm, wenn wir vier Wochen gemeinsam arbeiten und uns nicht verbessern“, meinte Bundestrainerin Silvia Neid dazu trocken.

In der Tat, der amtierende Weltmeister hat in vielen Bereichen deutliche Fortschritte gezeigt:

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1. Die Fitness:

Der Zustand an der Algarve im März sei so miserabel gewesen, so Neid, dass man damit „auf internationalem Niveau nicht mithalten kann.“ Die vier Wochen Vorbereitung hat die Mannschaft offensichtlich dazu genutzt, die in den Vereinen auf Vordermann gebrachte körperliche Verfassung zu konservieren und gezielt in Richtung WM auszubauen. Das wurde nicht nur einmal deutlich, wenn es deutschen Spielerinnen gelang, ihre Gegnerinnen regelrecht abzuhängen und den hohen Offensivdruck über weite Strecken des Spiels aufrecht zu erhalten. Damit ist die Basis geschaffen, um ein langes Turnier auf hohem Niveau zu absolvieren und die spielerischen Fähigkeiten zur Entfaltung zu bringen.

2. Das Kombinationsspiel:

Nur in den ersten 5-10 Minuten fühlte man zurückgebeamt, die Fehlpassorgien vom Algarve Cup kamen wieder ins Gedächtnis. Doch diese Verunsicherung, die aus der vollkommen neuen Situation resultierte, ein halbes Jahr hinter den eigenen Möglichkeiten geblieben und in die Kritik geraten zu sein – „das kannten wir so noch nicht“ (Angerer) – legte die Mannschaft schlagartig ab, als die starke Melanie Behringer in der 13. Minute mit einem satten Fernschuss aus knapp 20 Metern für die Führung sorgte (siehe DFB-Spielbericht).

Auswechselbank Deutschland

Jetzt lief der Ball, legte auch Simone Laudehr auf der für sie „ungewohnten Position“ (Laudehr) im zentralen, eher defensiven Mittelfeld, auf der sie sich „wohl fühle und gut von Renate Lingor geführt“ werde (Silvia Neid), nach und nach zu und kam besser ins Spiel. Geschickt wurde die dänische Abwehr durch schnelles und geschlossenes Verschieben ausgehebelt und wurden die Schwächen des Gegners genutzt. „Wir wussten, dass sie auf den Außenpositionen Probleme haben, so konnten wir sie mit Doppelpässen ausspielen“, so Birgit Prinz.

Der vor allem in Halbzeit eins wieder stark wie lange nicht aufspielenden Lingor sowie der von Neid besonders herausgehobenen Kerstin Stegemann, Kerstin Garefrekes und Birgit Prinz gelang es, immer wieder neue Ideen zu entwickeln und die dänische Abwehr dauerhaft zu beschäftigen. Wie selten die Däninnen allerdings in der Lage waren, sich zu befreien, und wie harmlos sie in Strafraumnähe blieben, darf etwas mehr als einen Monat vor WM-Beginn als erschreckend bezeichnet werden.

3. Das Auftreten:

Dass sich Körpersprache und sportliche Leistung gegenseitig bedingen, ist keine neue Erkenntnis. Neuester Beleg war die heutige Partie. Von Beginn an war der Wille erkennbar, selber das Spiel zu machen, um die eigenen Stärken zum Tragen zu bringen. Nach dem Führungstreffer attackierten die Titelverteidigerinnen früher, eroberten viele Bälle und automatisierten das Umschalten von Abwehr auf Angriff zusehends. „Damit haben wir große Probleme gehabt“, so Heiner-Møller.

Autogramme Silke Rottenberg, Petra Wimbersky, Linda BresonikTreffend stellte ein Kollege gegenüber Birgit Prinz fest, es habe den Eindruck gemacht, als habe die Abwehr 20 Meter weiter vorne gestanden als noch beim Algarve Cup. „Ja, das hat es schon leichter gemacht“, grinste die Spielführerin vielsagend.

Viel besser, aber noch nicht alles gut

Insgesamt ein Auftritt, der der Truppe viel Selbstvertrauen geben sollte und auf den sich in den noch verbleibenden sechs Wochen aufbauen lässt. Doch gerade über die Defizite in der Abwehr, die Neid explizit ansprach, sollte dieses Ergebnis nicht hinwegtäuschen. Wenngleich sich insbesondere Sandra Minnert nach ihrer langen Verletzungspause eindrucksvoll zurückgemeldet hat. Doch Dänemark präsentierte sich nicht in der Verfassung eines Gegners, den es in China zu schlagen gilt, um den Titel zu verteidigen. Dort muss mit härterer Gegenwehr gerechnet werden. Insofern kam dieses Testspiel vermutlich wirklich genau zur richtigen Zeit.

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8 Kommentare »

  • Crackfly sagt:

    >>>>Jetzt lief der Ball, legte auch Simone Laudehr auf der für sie >>>>“ungewohnten Position” (Laudehr) im zentralen, eher defensiven >>>>Mittelfeld, auf der sie sich “wohl fühle und gut von Renate Lingor >>>>geführt”

    Das is doch ned ihr Ernst, oder? Ich denke, dass Simon selbst schon ganz gut gesehen hat, was zu tun ist. Hab sie auch oft mitm Finger wedeln sehen und schreien hören. Mich würd aber mal ein (wenns schon mit zwi 6ern sein muss) Mittelfeld interessieren bei dem Linda und Simon zusammen defensiv spielen.

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  • Detlef sagt:

    Ich muss hier Crackfly absolut zustimmen, denn nach dieser Behauptung, muss Frau Neids Nase, enorm gewachsen sein!!! Das sind schon zwei Lügen in einem Satz!!! Simone Laudehr ist eine absolute Offensivspielerin!!! Wie kann sie sich da im defensiven Mittelfeld wohl gefühlt haben??? Das ist ja so, als würde man Birgit Prinz ins Tor stellen, und dann behaupten, sie hätte sich nie wohler gefühlt!!! Und was soll den bitte heißen, „und gut von Renate Lingor geführt“??? Die hatte so viel mit sich selbst zu tun, dass sie gar keine Gelegenheit hatte, sich um irgend jemand anderen zu kümmern!!!
    Und Deine Einschätzung, Katja, von der „wieder stark wie lange nicht aufspielenden Lingor“, da kann man sicher geteilter Meinung sein!!! Sogar der sehr selten objektiv moderierende Herr Galleske, kam nicht umhin festzustellen, dass sie „noch lange nicht wieder die Alte sei“!!!
    Und sie selbst gab am Schluß der Partie zu, erst bei 60% ihrer Leistungsfähigkeit zu sein, und dass es im Moment noch nicht für 90 min reiche!!! Sie war für mich der einzigste „Ausfall“, in einem TEAM, in dem sicher noch viele Spielerinnen etwas zulegen können!!! Aber niemand ist von seiner Bestform so weit entfernt, wie Renate Lingor!!! Selbst eine Sandra Smisek, die zuletzt etwas zu wünschen übrig ließ, konnte gestern durch gute Aktionen ordentlich punkten!!!

    Die DEFIZITE in der Abwehr habe ich gestern auch gesehen!!! Durch das schwache Auftreten der Däninnen, kam es aber nicht so deutlich zum Vorschein!!! Ich glaube, erst die Norwegerinnen werden unsere DEFIZITE so richtig aufdecken!!! Dann ist es aber schon zu spät, dann steht der Kader für CHINA schon fest!!!

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  • @ Detlef

    Das ist natürlich alles relativ zu sehen. „Stark wie lange nicht“ bedeutet schlichtweg, dass sie sich gegenüber dem Frühjahr, als sie die Probleme mit ihrem Immunsystem plagten, in deutlich ansteigender Form präsentierte. Das schließt überhaupt nicht aus, dass noch beträchtliches Steigerungspotenzial vorhanden ist, um die Bestform zu erreichen. Das sehe ich ohne Zweifel auch so. Allerdings meine ich, sieht man bei einem Vergleich von erster und zweiter Halbzeit schon, dass das Hauptproblem noch die mangelnde Fitness ist. Und daran lässt sich in mehr als einem Monat ja noch arbeiten. 😉

    Die Aussage von Silvia Neid zu Simone Laudehr hat mich auch erstaunt. Doch im Rückblick finde ich, hat sie ihre Sache dort sehr gut gemacht. Eine gewisse Eingewöhnungszeit ist bei einem Debüt normal, völlig unabhängig von der Position, auf der man zum Einsatz kommt. Und möglicherweise stehen ihre Chancen im zentralen Mittelfeld auch besser, sind die Außenpositionen mit Garefrekes und Behringer doch enorm stark besetzt.

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  • Crackfly sagt:

    >>>Und möglicherweise stehen ihre Chancen im zentralen Mittelfeld >>>auch besser, sind die Außenpositionen mit Garefrekes und >>>Behringer doch enorm stark besetzt.

    Nun ja, vielleicht sollte man es auf einen Test ankommen lassen, und schauen, wie es für Simon auf links ausschaut. Sie ist da eine etwas andere Spielerin, die nicht unbedingt mit der Brechstange aufs Tor muss. Hat ein gutes Auge für Mitspieler und kann vor allem, weils mir bei Behringer aufgefallen ist, mit rechts und links gleich gut schießen. Behringer zieht immer nach innen. Simone ist als Flügelspielerin unter anderem deswegen so interessant, weil sie auch gute Flanken bringt. Man kann sie unheimlich schwer einschätzen und schwer einschätzen, was sie als nächstes tun wird. Läuft sie durch und flankt? Zieht sie selbst zum Tor? Und durch ihre enorme Schnelligkeit ist sie auch für Flankenläufe ganz gut, ausserdem ist sie mit Sonja Fuss auf der linken Seite sehr gut eingespielt. Ich denke, dass man ihr ohne Zweifel vorhandenes Potential am besten an ihrer angestammten, bzw. vertrauten Position beurteilen kann. Andererseits: sie hat ihre Sache trotz ungewohnter Position sehr gut gemacht.

    Aber ich möchte noch einmal betonen, dass Melanie Behringer mir auch sehr gut gefallen hat. Natürlich ist sie eine Option für die linke Seite. Vielleicht aber auch fürs zentrale Mittelfeld?

    @katja:
    haben wir denn auf der 6er Position wirklich so wenig? Oder eine schlechtere Besetzung als auf den Flügeln? Ich denke Lingor ist und bleibt gesetzt (auch wenn ichs nicht verstehe) und daneben hat Bresonik wohl sehr hohe Chancen.

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  • Detlef sagt:

    @Katja,
    Ich glaube es gibt nicht eine Spielerin, die sich nicht (gegenüber dem Frühjahr) enorm gesteigert hat!!! Es mag sein, dass auch Renate Lingor hier keine Ausnahme machte!!!
    Aber sie stand wohl nicht nur unter meiner besonderen Beobachtung!!!
    Da viele Leute, die wie Du vor Ort waren, ihr eine bessere Leistung bescheinigen, kann es natürlich auch sein, dass ihre Leistung über das TV nicht so gut rüberkam!!!
    Ich habe sie fast ausschließlich im zentralen Mittelfeld gesehen, wogegen einige Stadionbesucher ihre große Lauffreude anpriesen!!!
    SORRY, ist mir nicht aufgefallen!!! Was mir allerdings auffiel, obwohl der Rasen nass und glitschig war, fiel sie diesmal nicht so schnell um wie sonst!!!
    @Crackfly,
    Bei aller EUPHORIE, für Simones ersten NATIO-Einsatz, auch sie ist noch nicht in Bestform!!! Ihre „Schußkünste“ waren gestern wohl kaum besser, als beim Heimspiel gegen TURBINE!!! Sicher war sie MEGA-nervös bei ihrem Debüt, aber ein Tor hätte sie machen müssen (der Nachschuß, nach guter Vorarbeit von smi)
    Ich sehe ihre Chance aber auch am ehesten von der Flügelposition aus!!!

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  • Crackfly sagt:

    @Detlef
    Natürlich weiß ich, dass sie nicht in Bestform ist. Ich weiß auch, dass sie sich erst einspielen muss. Natürlich: das Tor hätte sie machen müssen, aber dennoch: für mich absolutes MUSS für die WM!

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  • werkselfe sagt:

    tut mir leid, aber simon auf der 6 ist eine absolute verschwendung. das durfte ich leidvoll bei der 1:6 schlappe der duisburgerinnen gegen den ffc frankfurt erfahren. sie hat ihr sache zwar okay gemacht, aber wer sie schon öfters auf dem linken flügel gesehen hat, der wird wohl mit mir übereinstimmen das sie ihrer mannschaft dort am besten weiterhilft. behringer scheint da zwar jetzt gesetzt, aber ich habe es schon mehrfach angedeutet: immer nur den abschluss suchen geht auf dauer nicht.

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  • Detlef sagt:

    @werkselfe,
    Melli kann auch abspielen, kannst Du glauben!!!
    Aber bei nassem Rasen, muss man es auch mal aus der Distanz versuchen!!! Viele haben es erst gar nicht versucht!!!

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