Hanna Ljungberg: Mal wieder ein Kampf gegen die Zeit

Von am 25. Juli 2007 – 11.01 Uhr

Es ist jetzt knapp drei Jahre her, da saß ich im griechischen Volos kurz vor Beginn des Olympischen Fußballturniers mit Hanna Ljungberg zusammen, um mit ihr ein Interview über ihren Anfang 2004 erlittenen Kreuzbandriss zu führen. „Es war wirklich ein Kampf gegen die Zeit“, sagte sie damals über ihren beschwerlichen Weg zurück.

Die kleine, kämpferische Stürmerin mit den stahlblauen Augen wird auch diesmal nichts unversucht lassen, erneut rechtzeitig für ein großes Turnier, die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China, fit zu werden. Doch anders als 2004 gibt es Anzeichen, dass die sympathische Schwedin den Kampf gegen die Zeit diesmal möglicherweise verlieren könnte.

Rund vier Wochen ist es jetzt her, dass sich Ljungberg nach nur wenigen Minuten im EM-Qualifikationsspiel gegen Ungarn verletzte. Diagnose: Vier bis sechs Wochen Pause. Fünf Woche sind inzwischen vergangen, doch die 119-fache Nationalspielerin konnte noch nicht einmal wieder in das Lauftraining einsteigen.

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Zum Zuschauen verdammt

„Aus heutiger Sicht könnte ich nicht Fußball spielen“, sagt sie. Bereits nach einer Woche hatte sie wieder mit dem Rehabilitationstraining (Bild vom Reha-Training) im Pool begonnen, das Pensum seitdem langsam erhöht, aber an Laufen oder gar Springen unter Belastung ist derzeit noch nicht zu denken.

„Vielleicht kann ich diese Woche noch mit einem leichten Lauftraining beginnen“, spricht sie sich Mut zu. „Aber ich will kein Risiko eingehen. Ich habe immer mit sechs Wochen kalkuliert. Das Wichtigste ist, dass ich gesund werde. Das ist meine einzige Chance, dass ich doch mit zur WM fahre.“

Die Leidensgeschichte des Stars aus Umeå ist inzwischen lange. Doch in dieser schwierigen Zeit möglicherweise auch eine gewisse Hilfe. „Es ist positiv, dass ich derartige Situationen schon gewohnt bin. Und ich bin gut darin, wieder zurück zu kommen.“

Die Zeit läuft davon

Doch selbst bei einer rechtzeitigen Genesung bleibt Ljungberg nur wenig Zeit, um Spielpraxis für die am 10. September beginnende WM zu sammeln. Nach der Sommerpause startet Umeå am 5. August mit dem Heimspiel gegen Örebro, es folgen die Spiele bei Hammarby (12. August) und gegen Malmö (18. August).

Nur drei Spiele also, um wieder einigermaßen in Schwung zu kommen. Eine Hanna Ljungberg in Topform werden wir in China aber wohl nicht zu Gesicht bekommen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.