Zwanziger als Sechser im Lotto – mit Langzeitwirkung?

Von am 22. Juli 2007 – 12.08 Uhr 3 Kommentare

Unter der Woche wurde bekannt, dass DFB-Präsident Theo Zwanziger beabsichtigt, am 22. August dem EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen die Schweiz in Koblenz beizuwohnen, statt am gleichen Abend nach London zu reisen, wo die deutsche Männer-Nationalmannschaft im neuen Wembleystadion auf Gastgeber England trifft.

Denn in Koblenz fand am 10. November 1982 das erste Frauen-Länderspiel in der Geschichte des DFB statt. Auch gegen die Schweiz. Das gilt es zu feiern. Und dass Zwanziger diesem Termin nicht fernbleiben will, ist nicht nur ein Signal. Diese Entscheidung fügt sich nahtlos ein in die kontinuierliche Unterstützung des Präsidenten für den Mädchen- und Frauenfußball. Doch wieviel hängt an der Person Theo Zwanziger, wie stabil sind bereits die Verbandsstrukturen?

Zwanziger ist beim Frauenfußball regelmäßig präsent

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Es ist diese Frage, die ich mir immer dann stelle, wenn Zwanziger für den Frauenfußball Partei ergreift, bei zentralen Terminen stets zur Stelle ist. Das war nach dem Ende des ersten Amtsjahres von Silvia Neid als Bundestrainerin nach dem Länderspiel gegen die Schweiz in Ulm so. Da ließ er es sich nicht nehmen, in der Pressekonferenz vor versammelter Runde Neids Arbeit zu loben und zu betonen, dass er nie daran gezweifelt habe, dass sie die Lücke, die die erfolgreiche Tina Theune-Meyer hinterlassen habe, sofort füllen werde. Er habe ihr zwar angeboten, immer mit Rat und Tat zur Seite stehen – aber das sei gar nicht nötig.

Sei es der DFB-Hallenpokal, sei es eine Einweihung eines neuen Mädchenfußball-Zentrums, sei es die Meisterehrung, ein Spitzenspiel in Liga oder Pokal – Zwanziger schickt keine Abgesandten, er kommt selber. Nun mag man einwerfen, das sei selbstverständlich für einen DFB-Präsidenten. Dieser Hinweis ist berechtigt, doch war diese regelmäßige Präsenz vor der Ära Zwanziger keinesfalls selbstverständlich. Das galt mindestens in gleichem Maße auch für die Sachkenntnis, wenn sich DFB-Obere zum Frauenfußball äußerten.

Neue Wege, den Worten folgten auch Taten

Es besteht weitgehende Einigkeit, dass der Wechsel an der DFB-Spitze von Gerhard Mayer-Vorfelder zu Theo Zwanziger für den Frauenfußball eine Zeitenwende markierte. Der Neue ging und geht neue Wege, nicht nur im Frauenfußball. Der jüngste DFB-Fankongress stand für eine modernere, weniger autoritäre Umgangsform mit Kritikern. Für Brückenbau.

Doch er belässt es auch nicht bei Signalen und symbolhaften Auftritten, seine Anliegen werden strukturell unterfüttert. Die Mädchenfußball-Zentren, die personelle Ausstattung der Frauenfußball-Abteilungen im DFB, die Vermarktung der Länderspiele und der Gang in größere Stadien, die Entscheidung, Mitarbeiter des WM-Organisationskomittees von 2006 den Bundesliga-Vereinen zur Verfügung zu stellen und vieles andere – gekrönt durch die WM-Bewerbung für 2011, die unabhängig vom Ausgang mit seinem Namen verbunden bleibt.

Wie stabil sind die Strukturen schon?

Das alles sind Fortschritte, die noch vor wenigen Jahren unvorstellbar schienen. Gewiss, Zwanziger hat noch lange nicht vor abzudanken. Gut so, sage ich, denn es gibt noch einige alte Zöpfe abzuschneiden. Doch was geschieht nach Zwanziger? Wieviel von der Frauenfußball-Förderung des DFB hängt an der Person Theo Zwanziger, was ist bereits so gewachsen und so stabil, dass die Strukturen des Frauenfußballs im DFB nicht wieder auf den Zustand vor Zwanziger zurückgeschraubt werden können?

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3 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Jaja, wie ich schon immer sage, unser THEO ist ein Segen für den FF in Deutschland!!!
    Die letzte Frage, die Du gestellt hast Katja, ist sehr interessant!!! Was würde passieren, wenn jetzt ein anderer DFB-Chef wird??? Geht es wieder zurück in die Steinzeit wie bei GMV??? Oder haben es alle Entscheidungsträger schon verinnerlicht, dass dem FF mehr Aufmerksamkeit zusteht???

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  • Crackfly sagt:

    Vielleicht bekommen wir ja nach der Kanzlerin jetzt auch eine DFB-Präsidentin! *g* Das wär toll!

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  • Ganz aktuell ein Interview mit Theo Zwanziger in der „Magdeburger Volksstimme“ anlässlich des Freundschaftsspiels am Sonntag um 13.15 Uhr in Magdeburg gegen Dänemark:

    Interview

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