Achtung, die Zwillinge kommen!

Von am 20. Juli 2007 – 6.59 Uhr 4 Kommentare

kerschowski.jpgWenn die deutsche Nationalmannschaft am heutigen Freitag bei der U-19-EM zu ihrem zweiten Spiel gegen Norwegen antritt, wird sich der Gegner vor allem vor zwei Spielerinnen hüten müssen, die sich nur auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich sehen: die Zwillingsschwestern Isabel und Monique Kerschowski.

Doch während sonst häufig die vier Zentimeter größere und um eine Minute ältere Isabel die Nase vorne hat, die kürzlich in der A-Nationalmannschaft debütierte, stand beim Auftaktsieg gegen Dänemark Monique im Rampenlicht.

Moniques elfter Streich

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Mit ihrem Treffer zum 1:0 sorgte sie dafür, dass die DFB-Elf voller Optimismus in die nächsten Aufgaben gehen kann. „Der Ball ging schön flach links ins Tor hinein“, freute sie sich über ihren elften Treffer in der U-19-Nationalmannschaft. Allerdings warnt sie vor verfrühter Zufriedenheit. „Wir denken von Spiel zu Spiel. Das Halbfinale ist noch weit weg“.

Bereits im EM-Endspiel 2006 gegen Frankreich hatten Isabel und Monique mit zwei bzw. einem Treffer beim 3:0 den Gegner quasi im Alleingang besiegt. Bernd Schröder, Vereinstrainer der Kerschowski-Schwestern bei Turbine Potsdam, hatte den beiden schon 2005, als sie vom Verbandsligisten BSC Marzahn kamen, eine erfolgreiche Zukunft prophezeit.

„Sie sind echte Rohdiamanten, die wir behutsam schleifen müssen. In ihnen schlummern viele Talente, sie haben alle Voraussetzungen, einmal große Spielerinnen zu werden“, so Schröder damals.

Optimale Gene

Die genetischen Voraussetzungen der beiden sind optimal. Vater Ronald spielte früher Handball, Mutter Britta war Leichtathletin. Nur logisch, dass die beiden athletisch voll auf der Höhe sind. Sowohl Isabel als auch Monique waren früher in der Leichtathletik zuhause, bevor sie den Fußball für sich entdeckten. „Wir sind früher beim AC Berlin von den 50 bis zu den 800 Metern alles gelaufen und haben auch Weitsprung gemacht“, sagt Monique.

Isabel durfte zuletzt im EM-Qualifikationsspiel in Wales sogar erstmals 45 Minuten Luft in der A-Nationalmannschaft schnuppern. In der U-19 haben sich die beiden zu festen Größen entwickelt. Isabel erzielte in 32 Länderspielen 22 Treffer, Monique in 31 Spielen elf Tore, für beide ist es bereits die dritte U-19-Europameisterschaft.

Erfolgreiche Zwillinge keine Seltenheit

Nur selten werden Zwillinge auf derselben taktischen Position ausgebildet, wohl weil die Trainer gerne beide einsetzen, sind sie einmal von einem Spielertypus angetan. „Als wir anfingen, hieß es: eine spielt vorn, eine hinten. Ich fand das immer ungerecht, denn ich spiele auch gern nach vorn“, meint Monique, die derzeit an der Seite ihrer Schwester als Außenstürmerin glänzen darf.

Dass Zwillinge oft im Gleichschritt erfolgreich sind, ist aufgrund der identischen genetischen Grundlagen nicht unbedingt verwunderlich. Eine Seltenheit sind erfolgreiche Zwillingsduos weder im Frauen- noch im Männerfußball.

Vier Zwillingspaare in der WUSA

So spielten bei Turbine schon in den 70er-Jahren Silvia und Iris Lessig, vor wenigen Jahren dann auch noch Nancy und Julie Augustyniak. Neben den Augustyniak-Schwestern gab es alleine in der früheren U.S.-Profiliga WUSA noch drei weitere Zwillingspaare. Margaret Tietjen und Jennifer Tietjen-Prozzo, Jacqui und Skylar Little sowie Lorrie und Ronnie Fair.

In der Schweiz machten sich die beiden Zwillingsschwestern Nicole und Dominique Petignat als Schiedsrichterinnen einen Namen, heute ist allerdings nur noch Nicole aktiv.

Pohlmanns, Baneckis und Günthers

Doch auch in Deutschland gab und gibt es weitere Beispiele für Zwillingsduos. So glänzten früher etwa Dagmar und Kerstin Pohlmann, bevor sie ein schwerer Autounfall 1995 zum Karriereende zwang. In Reihen Bayern Münchens finden sich aktuell Nicole und Sylvie Banecki. Und auch Sarah und Judith Günther teilen die Leidenschaft für den Fußball, wenngleich in unterschiedlichen Spielklassen.

Welche weiteren Zwillingsschwestern im Frauenfußball kennt Ihr?

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Freddy sagt:

    Schweiz: Melanie und Daniela Künzler,

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  • Markus Juchem sagt:

    Danke, Freddy. Mal sehen, wie lang unsere Liste wird. 😉

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  • Tina sagt:

    Julia und Sylvia Arnold vom USV Jena

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  • Detlef sagt:

    JAJA, unsere KERSCHOWSKI-TWINS, sind schon echt klasse!!! Nicht umsonst hat ISY bei den TURBINE-Fans den Spitznamen „TURBO“!!! Und auch NICKY ist wohl kaum langsamer!!! Leider ist sie bis jetzt noch nicht so zum Zuge gekommen, wie ihre ältere Schwester!!! Sie steht zwar schon lange im Anschlußkader der ERSTEN, ist dort aber sehr selten aktiv!!! Für mich etwas unverständlich, dass Schröder sie „nur“ in der ZWEITEN spielen lässt!!! Nach glaubwürdigen Aussagen, von TURBINE-Fans, die sowohl die ERSTE, als auch die ZWEITE regelmäßig gesehen haben, war NICKY in der letzten Saison sogar besser als ISY!!!
    Und auch bei Maren Meinert hat sie stets einen Platz in der U-19 inne!!!
    Hoffentlich kann sie weiterhin so glänzen, und noch das eine oder andere Törchen drauflegen!!!

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