Home » International

Eine verrückte Insel setzt auf Frauenfußball

Von am 14. Juli 2007 – 15.52 Uhr

man_logo.jpgDie meisten kennen die Insel Man aus dem Kreuzworträtsel, als Steueroase oder wegen der Tourist Trophy, dem verrückten Motorradrennen, bei dem fast jährlich tödliche Unfälle zu beklagen sind.

Anzeige

Weniger gefährlich und auch weniger bekannt, hat man auf der Insel in den vergangenen Jahren aber eine weitere Leidenschaft entdeckt – die des Frauenfußballs. Und bei den Insel-Spielen auf Rhodos Ende Juni/Anfang Juli konnte man zuletzt bereits einen überraschenden Erfolg verbuchen.
Auf der Mittelmeerinsel erreichte man durch einen 3:1-Sieg gegen Gotland das Halbfinale des Turniers. Vielleicht war es ja göttliche Eingebung, die die orthodoxe Kirche am Rande des Agioi-Apostoloi-Stadions hinüber schickte, denn das Hinspiel am Tag zuvor hatte das Team noch mit 1:2 verloren. Mit dem Erreichen des Halbfinales rechneten die Wenigsten.

Doch Trainer Keith Lunt verpasste seiner Elf diesmal eine 4-4-2-Formation und mit direktem Offensivspiel setzte man den Gegner von Beginn an und permanent unter Druck. Und die neue Taktik machte sich schnell bezahlt. Zur Halbzeit lag man mit 2:0 in Führung, und nicht einmal der Anschlusstreffer der Skandinavierinnen warf die Manx aus der Bahn. Die eingewechselte Hayley Cowin umkurvte sieben Minuten vor dem Ende die gegnerische Torhüterin und machte mit dem dritten Treffer die Überraschung perfekt.

Glückwunschschreiben an die Tageszeitung

Die Freude auf der Insel war derart groß, dass die Menschen reihenweise ihre Glückwünsche an die lokale Tageszeitung „Isle of Man Examiner“ schickten. Wie etwa Kevin Manning, der das Team zum „fantastischen Ergebnis“ beglückwünschte oder Gill Cole, die meinte: „Wir sind sehr stolz auf Euch“.

Im Halbfinale erwies sich Aland beim 0:2 allerdings noch zu stark. Doch der gegnerische Trainer Mikael Virta hob anerkennend den „massiven Fortschritt“ hervor, hatte sein Team 2001 denselben Gegner doch noch mit 13:0 geschlagen. Im Spiel um Platz drei hatte Bermuda beim Elfmeterschießen das Glück auf seiner Seite. Nach regulärer Spielzeit hatte es 0:0 gestanden, doch die Spielerinnen von der Insel Man konnten erhobenen Hauptes die Heimreise antreten.

Mit Manager und Entwicklungsplan zum Erfolg

Der Aufschwung des Frauenfußballs auf der Insel Man kommt nicht von ungefähr. Denn der Fußballverband hat als Reaktion auf das wachsende Interesse einen eigenen Frauenfußball-Manager eingestellt. Jack Walton soll dem Sport von Juniorinnen- bis Seniorinnenebene basierend auf einem Drei-Jahres-Plan zu weiteren Forschritten verhelfen und vor allem die vielfältigen Aktivitäten koordinieren.

Finanziert wird die Position unter anderem durch die Hilfe des englischen Fußballverbands (FA). Auch die Anzahl der Trainerinnen und Trainer im Frauenfußball soll kontinuierlich gesteigert werden. Deswegen wird Anfang August ein dreitägiger Sichtungskurs stattfinden.

Anfang Juli hat unter der Obhut des Verbands erneut eine ganz besondere Liga ihren Spielbetrieb aufgenommen. In der Women’s Business League kann man mit Arbeitskolleginnen sein eigenes Team gründen, das jeweils sieben Spielerinnen umfasst.

Die Saison dauert fünf Wochen, in diesem Jahr nehmen fünf Mannschaften teil. Eine schöne Aktion, um Neugierige an den Sport heranzuführen. Auch im Frauenfußball wird also ordentlich Gas gegeben.

Tags: , , , , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.