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WM 2011: Macht eine Aufstockung auf 24 Teams Sinn?

Von am 8. Juli 2007 – 19.15 Uhr 2 Kommentare

Als 1991 die erste Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China über die Bühne ging, nahmen 12 Mannschaften an der WM-Endrunde teil. Seit der WM 1999 in den USA werden die Endrunden mit 16 Mannschaften ausgetragen. Für 2011 denkt die FIFA über eine Aufstockung von derzeit 16 auf 24 Teams nach.

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Wie wichtig der FIFA die Beantwortung dieser Frage ist, sieht man daran, dass die Entscheidung über das Ausrichterland der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 vom 31. August auf Ende November verschoben wurde, um zuvor die Erkenntnisse der WM in China auszuwerten und erst dann eine Entscheidung zu treffen. Doch ist dieser Schritt wirklich schon sinnvoll?

Aus europäischer Sicht wünscht man sich diese Aufstockung bereits seit längerer Zeit. Denn nur fünf europäische WM-Startplätze hält man allerorts für zu wenig, stehen doch 13 europäische Teams in den Top 20 der FIFA-Weltrangliste.

Europa will mehr Startplätze

So hätten die in der vergangenen WM-Qualifikation nur knapp gescheiterten Teams aus Frankreich, Finnland oder Russland sicherlich das Niveau, um beim Weltturnier auf höchster Ebene mitzuspielen. Bei einer Aufstockung von 16 auf 24 Mannschaften würde Europa vermutlich zumindest drei zusätzliche Startplätze bekommen, aus sportlicher Sicht sicherlich keine Schwächung des Turniers.

Doch wie sieht es in den anderen Konföderationen aus? Der asiatische Fußballverband (AFC) hält derzeit 2,5 Startplätze. Aufgrund der voranschreitenden Entwicklung in Asien und dem Wechsel Australiens könnte der AFC sicherlich 4 Startplätze gut verkraften, betrachtet man die Stärke der Teams aus Australien, China, Japan und Nordkorea. Doch dahinter klafft eine große Lücke zu Teams wie Südkorea oder Taiwan.

Der Verband CONCACAF (Nord-, Mittelamerika und Karibik) hält derzeit ebenfalls 2,5 Startplätze. Ein dritter fester Startplatz ist denkbar, neben den USA und Kanada hat sich Mexiko als dritte Kraft etabliert. Mehr ist hier aber nicht möglich, danach folgen mit großem Abstand Teams wie Trinidad & Tobago und Costa Rica.

Drei WM-Teilnehmer aus Afrika eventuell denkbar

Die afrikanische Fußball-Konföderation CAF hält derzeit 2 Startplätze. Neben Nigeria und Ghana haben sich in den vergangenen Jahren Teams wie Südafrika und Kamerun weiterentwickelt. Maximal ein zusätzlicher Startplatz, eher aber wohl ein halber, sollte hier mit Wohlwollen drin sein, mehr aber nicht.

Der südamerikanische Verband CONMEBOL ist mit beiden festen Startplätzen sicherlich gut bedient. Inzwischen hat neben Brasilien vor allem Argentinien Boden gut gemacht. Zwar ist man auch in Ländern, wie Peru, Kolumbien oder Ecuador bemüht, den Frauenfußball nach vorne zu bringen, über einen halben zusätzlichen Startplatz ließe sich möglicherweise reden.

Die ozeanische Konföderation OFC hält einen Startplatz, der nach dem Weggang von Australien schon ein gewisses Entgegenkommen darstellt. Ein halber Startplatz verbunden mit Play-off-Spielen wäre möglicherweise angemessener. Eine Aufstockung der Startplätze ist derzeit undenkbar. Zweite Kraft in Ozeanien ist Papua-Neuguinea gefolgt von Tonga.

Aufstockung kommt zu früh

Fazit: Will man die bisherigen Verteilungsverhältnisse nicht über den Haufen werfen und Europa nicht unverhältnismäßig zusätzliche Startplätze bescheren, erscheint eine Aufstockung um acht Teams derzeit kaum gerechtfertigt, unabhängig von den Ergebnissen, die die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China liefern wird.

Aus meiner Sicht käme eine Aufstockung für die WM 2011 noch zu früh, bedenkt man, dass dann auch eine K.-o.-Runde mit 16 statt acht Teams ausgetragen werden würde und nicht unwahrscheinliche Kantersiege dem Image des Sports eher abträglich wären. Für 2015 ist ein Turnier mit 24 Mannschaften aber wohl ein realistisches Szenario.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Rainer48 sagt:

    Ich fände 24 Teams Klasse, vor allem wenn es in Deutschland stattfindet!

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  • Detlef sagt:

    Ich sehe eine Aufstockung eher problematisch!!! Da die Qualität des FF noch immer zu unterschiedlich ist, wären zweistellige Ergebnisse sicher zu befürchten!!! Allerdings darf man die Motivation einer Teilnahme, eines Underdog, auch nicht unterschätzen!!! Es ist für jedes Team ein Ansporn, sich mit den besten Nationen der Welt, messen zu dürfen!!! Da werden viele Erfahrungen gesammelt, und können dann Zuhause umgesetzt werden!!!
    Ein nicht unwichtiger Punkt ist das liebe Geld!!! Wie hier am Beispiel NIGERIA schon gezeigt, gibt es weltweit sicher noch viele Verbände, die ihre Frauenmannschaften finanziell kurz halten!!!
    Entweder muss hier die FIFA „regelnd eingreifen“, oder mit Finanzspritzen einigermaßen Chancengleichheit gewährleisten!!!
    Das ist schon mit der momentanen Mannschaftsanzahl kaum zu bewerkstelligen, geschweige denn mit noch mehr Nationen!!!
    Es ist auch zu berücksichtigen, dass die WM dann länger dauern würde!!! Da aber 99% der Spielerinnen zu den Amateuren zählt, sind hier auch Schwierigkeiten mit den Arbeitgebern nicht auszuschließen!!!
    Deswegen habe ich mit „NEIN“ gestimmt, da die Gegebenheiten weltweit noch zu verschieden sind!!!

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