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Das ist doch die Höhe!

Von am 4. Juli 2007 – 3.34 Uhr 1 Kommentar

Versetzen wir uns doch heute mal zur Abwechslung einen Moment in die Situation einer peruanischen Fußballerin oder eines peruanischen Fußballers und vergegenwärtigen uns, wie sie oder er wohl die letzten Wochen miterlebt haben muss, als die FIFA Ende Mai ein Höhenlimit für WM-Qualifikationsspiele einführte, sich ihrer Sache dann schlussendlich aber doch nicht ganz so sicher war wie etwa Sepp Blatter vor seiner Wiederwahl.

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Was war das für ein Hin und Her – dagegen strotzten die Wechselspielchen in der deutschen Nationalmannschaft von Vier-Nationen-Turnier über Algarve Cup ja noch gerade vor Zielstrebigkeit.

Der Gesundheit zuliebe nicht in der Höhe spielen…

Am 27. Mai also hieß es in einer Pressemitteilung des Fußballweltverbandes, WM-Qualifikationsspiele dürften in Zukunft nicht mehr in Orten ausgetragen werden, die höher als 2500 Meter über dem Meeresspiegel liegen. Wissenschaftliche, dem interessierten Beobachter aber vorenthaltene Studien hätten gezeigt, dass das Spielen in sauerstoffarmer Höhenluft gesundheitsgefährdend sei.

Da sitzt man also nun im peruanischen Cuzco auf 3400 Metern Höhe und macht sich ernsthaft Sorgen. Schaut in den Spiegel, überlegt sich dreimal, ob es nicht lieber etwas weniger Morgengymnastik sein sollte und verkleinert das Spielfeld beim Training sicherheitshalber um die Hälfte. Wie ramponiert ist mein Körper nun schon?

Sind „Spiele in vollklimatisierten Hallen mit genormter Luftfeuchtigkeit und Temperatur“ (wie Satine es in unserem Blog augenzwinkernd vorschlug) tatsächlich die Zukunftsvision? Naja, wenn es meiner Gesundheit dient, schlucke ich diese Kröte eben. Eigentlich müsste ich ja dankbar sein für so viel Sorgfalt.

… bei Freundschaftsspielen kein Problem

Habe ich mich also damit abgefunden, erreichen mich die Termine für die nächsten Länderspiele. Wir spielen in Cuzco, hier oben? Wie das? Achso, nur ein Freundschaftsspiel, erklärt man mir. Da gilt das Limit nicht, ist es also egal, was mein Körper, was meine Gesundheit dazu sagt. Da bleibt einem doch glatt der Atem weg!

Es ist nun Mitte Juni, und es keimt nochmal Hoffnung auf, die so wichtigen Qualifikationsspiele doch in gewohnter Umgebung austragen zu dürfen. Ein gewisser Heimvorteil ist schließlich nicht zu verachten, so ehrlich bin ich. Muss ja nicht immer die Ebene in Lima sein.

Von 2.500 auf 3.000

Der Protest der Nationalverbände der Andenstaaten bei der FIFA hat gefruchtet. Man halte zwar an dem am 27. Mai gefassten Entschluss fest – was auch sonst, schließlich ist er wissenschaftlich fundiert und begründet -, doch auf die paar Meter – 500 an der Zahl – kommt es dann auch nicht an. Also, hoch auf 3000 mit der Grenze. Hals- und Beinbruch, wird schon gut gehen.

Nun waren die Japanerinnen schon so stolz gewesen, wie mir erzählt wurde. Sie hatten nämlich im letzten WM-Qualifikationsspiel im mexikanischen Toluca nur 1:2 verloren und sich durch ein 2:0 im Hinspiel in Tokio das WM-Ticket gesichert. Trotz 2.638 Metern Höhe in Toluca. Und jetzt, zack, war das nur wieder einer der 0815-Erfolge.

Auch mir persönlich hilft diese Biegsamkeit der medizinischen Erkenntnisse nun nicht wirklich, schließlich liegt Cuzco immer noch 400 Meter zu hoch. Doch gemeinsam leidet es sich einfacher, denke ich mir. Was soll denn erst Bolivien sagen, liegt deren Hauptstadt La Paz doch nochmal 200 Meter höher. Schon vor der Männer-WM 1994 war das den Brasilianern zu viel, verloren sie doch dort zum ersten Mal überhaupt ein WM-Qualifikationsspiel. Kein Wunder also, dass sie die Entscheidung begrüßten.

Regeln sind dafür da, gebrochen zu werden

Doch Cuzco ist nicht La Paz und Peru ist nicht Bolivien. Fast neidisch blicke ich zu meinen südlichen Nachbarn, die demonstrativ auf 6541 Metern Höhe unter dem Gipfel des Sajama einen 15-minütigen Showwettkampf bestreiten, bei dem Präsident Evo Morales im Stile des „Bombers der Nation“ das Siegtor erzielt. Gelungene PR-Arbeit, um mit diesem schlagkräftigen „Argument“ medienwirksam nach Zürich zu FIFA-Präsident Sepp Blatter zu reisen und diesen um eine
Ausnahmegenehmigung für La Paz zu bitten.

Und siehe da, nur wenige Stunden waren vergangen, da präsentierte Verbandspräsident Carlos Chavez stolz einen Brief der FIFA, der WM-Qualifikationsspiele selbst in 3.600 Metern Höhe – aber nur in La Paz! – nun doch erlaubt: „Der Gewinner ist unser Land, der Gewinner ist La Paz!“

Venga, Alan García Pérez!

Soll ich mich hier in Cuzco darüber dann freuen, weil meine Gesundheit geschützt bleibt? Oder wie ist das, wenn ich zum WM-Qualifikationsspiel in Bolivien dann doch in die Höhe müsste? Am besten ist, wir testen das mal in Freundschaftsspielen aus. Erst in La Paz und dann in der „Höhe“ in Cuzco. Mit unserem Präsidenten im Team. Wäre doch gelacht, wenn der nicht mit Evo mithalten kann und ihm eine Privataudienz in der Schweiz versagt bliebe. Und zur Not haben wir ja auch noch eigene Wissenschaftler. Venga, Alan García Pérez!

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1 Kommentar »

  • Detlef sagt:

    JAJA, mit Regeln ist es wie mit Verboten und Gesetzen!!! Man kann sie verschieden auslegen, strecken, oder ganz kippen!!! Dafür gibt es ja AUSNAHMEGENEMIGUNGEN!!!
    Es muss in La Paz schon ein besonderes Klima herrschen, dass hier die HÖHE weniger „schädlich“ ist, als anderswo!!!
    Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da sind viele Sportler gerade in die Höhe gefahren, um dort zu trainieren!!! Heute könnte man dies schon als „Doping“ bezeichnen!!! Aber niemand hat damals von Gefahr für die Gesundheit gesprochen!!!
    Aber es geht hier wohl eher ums Prinzip bei der FIFA!!!

    @Satine,
    Die Halle, die Du vorgeschlagen hast, sollte auch komplett druckdicht dein, damit man, wie in einer Taucherglocke, den Luftdruck erhöhen kann, und zusätzlich noch Sauerstoff zusetzen kann!!!

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