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Homare Sawa, das Herz der Nadeshiko

Von am 3. Juli 2007 – 0.13 Uhr

sawa_japan.jpgSeit etwa drei Jahren nennt sich die japanische Frauenfußball-Nationalmannschaft Nadeshiko, benannt nach einer wild wachsenden rosafarbenen Nelke, die für das japanische Frauenideal steht. Fast dreitausend Vorschläge waren damals bei der Suche nach einem Spitznamen eingereicht worden. Weniger aufwändig gestaltet sich die Suche nach der wichtigsten Spielerin im Team.

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Denn über eines ist man sich in Japan einig: Ohne Homare Sawa ist das Team nur die Hälfte wert. Im September wird die Mittelfeldspielerin der Extraklasse ihre vierte Weltmeisterschaft in Folge bestreiten. Womensoccer.de stellt die 28-Jährige etwas näher vor, mit der es auch die deutsche Mannschaft in der Vorrunde zu tun bekommen wird.

Die dunklen Augen von Sawa funkelten mit dem eine Million Dollar teuren glitzernden Diadem um die Wette. Gebannt und konzentriert wie bei einem Spiel verfolgte Sawa die Szenerie, als ihre Teamkollegin vom Meister NTV Beleza, Spielführerin Tomoe Sakai, das kostbare Stück im Rahmen der spektakulären Meisterschaftsfeier im japanischen Fußballmuseum als Belohnung für den Meistertitel entgegen nahm.

Spielerin des Jahres 2006

Sawa selbst wurde auf der Veranstaltung im vergangenen November zur Spielerin des Jahres ausgezeichnet. Wer ist diese zierliche Person, die bei der WM in China auch der deutschen Mannschaft das Fürchten lehren will?

Im zarten Alter von sechs Jahren beobachtete die kleine Homare ihren älteren Bruder beim Training, und durfte dann selbst einmal gegen den Ball treten. Ihr erster Schuss landete vor den Augen des verdutzten Trainers und Torhüters im Tor.

In einer Jungenmannschaft ihrer Umgebung lernte sie schnell, sich durchzusetzen. Im unglaublichen Alter von 12 Jahren debütierte sie 1991 in der japanischen Liga und erzielte für ihren damaligen Verein Yomiuri Beleza (heute NTV Beleza) fünf Tore in 13 Spielen.

Nationalmannschaftsdebüt mit 15

1993 kam sie im Dezember als 15-Jährige gegen die Philippinen zu ihrem ersten Nationalmannschaftseinsatz und bedankte sich für das Vertrauen mit vier Toren beim 15:0-Sieg. Bei der WM 1995 in Schweden und Olympia 1996 in Atlanta wurde die Fachwelt erstmals auf sie aufmerksam.

Lange Zeit führte der Frauenfußball in Japan ein Schattendasein. Erst Ende der 80er-Jahre wurde eine Frauenfußball-Liga gegründet. Mitte der 90er-Jahre galt die Liga als eine der stärksten der Welt, doch mit dem Konjunkturrückgang kam der tiefe Fall. Sponsoren zogen sich zurück und der Frauenfußball ging einer ungewissen Zukunft entgegen.

Erfolgreiche WUSA-Karriere

Für Sawa hieß es also, eine neue Herausforderung zu suchen und die fand sie in der U.S.-Profiliga WUSA. Zunächst spielte sie für Colorado Rush, später ging sie in die WUSA-Historie ein, als sie für Atlanta Beat das erste Tor der Vereinsgeschichte erzielte.

Trotz ihrer nur 1,64 Meter Körpergröße bot sie den athletischen U.S.-Fußballerinnen Paroli. Nach dem Zusammenbruch der WUSA kehrte sie nach Japan zurück, wo sie seitdem für NTV Beleza, den Meister der Jahren 2005 und 2006, im Einsatz ist.

Lob von Lilly

Viel Respekt klingt durch, wenn U.S.-Rekordnationalspielerin Kristine Lilly über Sawa sagt: „Sie ist der Typ Spielerin, der Tore schießen, aber auch das Spiel machen kann. Man weiß nie, woran man bei ihr ist. Was ich in den Spielen gegen sie in der WUSA gelernt habe, ist, dass sie niemals aufgibt. Sie ist eine großartige Spielerin.“

Die Hoffnungen der japanischen Fans und der Medien, die seit dem Viertelfinaleinzug der Japanerinnen bei den Olympischen Spielen 2004 ihre Liebe zum Frauenfußball neu entdeckt haben, ruhen auf der körperlich robusten wie technisch versierten offensiven Mittelfeldspielerin, die nun auch international für Furore sorgen soll. Mit 63 Toren in 122 Länderspielen ist sie die treffsicherste Schützin in der Geschichte des japanischen Frauenfußballs.

Schlüsselfigur auf dem Weg zur WM

Im ersten Play-off-Spiel gegen Mexiko war sie es, die beim 2:0-Erfolg einen Treffer erzielte und einen vorbereitete, obwohl sie gerade erst von einer Verletzung genesen war. Sie hatte maßgeblichen Anteil daran, dass sich Japan als letztes Team für die WM qualifizierte.

Bei der WM in den USA 2003 scheiterte das Team noch an seiner körperlichen Unterlegenheit, doch inzwischen ist die technisch versierte Mannschaft noch ausgeglichener besetzt und hat vor allem am Zweikampfverhalten gearbeitet, so dass vor allem das Tore schießen gegen die Nadeshiko kein einfaches Unterfangen ist.

Unterschätzen sollte man das Team nicht, auch wenn die deutsche Mannschaft das letzte Aufeinandertreffen im vergangenen Jahr souverän mit 6:3 gewann, in der zweiten Halbzeit aber streckenweise zu spüren bekam, wie gefährlich der Gegner sein kann.

Für die erfahrene Sawa wird das Turnier in China bereits die vierte und möglicherweise letzte Weltmeisterschaft sein. Umso größer ist ihr Ehrgeiz, mit ihrem Team erfolgreich abzuschneiden. Sawas Augen werden auf jeden Fall wieder funkeln, wenn am 11. September der WM-Auftakt gegen England ansteht.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.