Carolina Pini: Viel Lärm um wenig

Von am 3. Juli 2007 – 17.32 Uhr

pini.jpgEine Meldung des Sportinformationsdienstes (sid) ließ heute die Frauenfußball-Welt aufhorchen, und verbreitete sich ungeprüft wie ein Lauffeuer. Hat Bayern München da etwa einen ganz dicken Fisch an Land gezogen?

Einen zweiten Luca Toni oder gar einen weiblichen Ronaldinho, der bisher unerkannt in der italienischen Provinz verkümmerte? Und zukünftig dank purem Verhandlungsgeschick das bayerische Bier dem Londoner Regen bei Arsenal vorziehen wird?

Die Wahrheit sieht weit weniger spektakulär aus. „Sie hat bei uns nicht einmal einen Vertrag“, so Frauenfußball-Koordinatorin Karin Danner gegenüber Womensoccer.de. Pini wurde auch nicht etwa von den Bayern-Verantwortlichen entdeckt, sondern suchte von sich aus den Kontakt zum Verein und bat um ein Probetraining, das im Februar stattfand.

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Hintergrund: Pinis Großmutter lebt in München, ihre Mutter ist ebenfalls Deutsche. Und da es die 19-Jährige schon lange ins Ausland zieht, war die bayerische Metropole die logische Anlaufstelle. Zumal die Perspektiven bei ihrem bisherigen Verein Agliana begrenzt sind, wo man in der abgelaufenen Saison als Neunter mit Mühe den Abstieg aus der Serie A verhinderte.

Die bisherigen Erfolge Pinis sind überschaubar, sie ist mitnichten die Spielführerin der italienischen A-Nationalmannschaft. Dort hat sie bisher erst zwei Länderspiele bestritten, unter anderem bei der 0:5-Niederlage Italiens gegen Deutschland im vergangenen August in Krefeld.

„Sie ist sicherlich ein Talent und ist vor allem in der U-19-Nationalmannschaft positiv aufgefallen“, so Danner ohne großen Überschwang. Dort erzielte die Mittelfeldspielerin in 29 Spielen fünf Tore.

„Für mich geht ein Traum in Erfüllung. Deutschland gehört zusammen mit den USA, Schweden und Norwegen zu den großen Frauenfußball-Nationen“, freut sich Pini, die nach ihrer Ankunft Ende Juli erst einmal in der Regionalliga-Mannschaft wird Fuß fassen müssen.

„Wir werden sehen, wie sie sich bei uns entwickelt, dann können wir sie immer noch in die Bundesliga-Mannschaft hoch holen“, ergänzt Danner.

Die Hürde dürfte einigermaßen hoch liegen, erholt sich Pini doch gerade erst von einer schweren Verletzung. „Ich hoffe, dass ich schnell von meinem Wadenbeinbruch genese“, so die Italienerin in einem Interview. Vor allem als Lernprozess begreift Pini ihren Aufenthalt in Deutschland.

Warum diese doch recht dünne Story der angesehenen italienischen Nachrichtenagentur ANSA eine über 400 Wörter lange Meldung wert war, wird wohl immer ihr Geheimnis bleiben…

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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  • […] Womensoccer: Carolina Pini: Viel Lärm um wenig Weil es grad so schön zum Thema passt! Alle Zeitungen schrieben den gleiche Käse, Spielführerin der ital. Nationalelf, andere Topclubs ausgestochen usw usw. Dabei läuft das im Frauenfussball ganz anders, Womensoccer hat da mal die Hintergründe recherchiert und öffnet uns damit die Augen! […]